Nicht seine Ehefrau hat ihn so gemacht, sondern du hast ihn so gemacht.

Der Sohn meiner Freundin ist ein echter Musterknabe. Hat fleißig gelernt, sein Abitur mit Bravour bestanden, dann ordentlich malocht und sich hochgearbeitet. Jetzt ist er ein wohlhabender Unternehmer, hat ein schickes Häuschen im Schwarzwald und eine tolle Altbauwohnung in der Stuttgarter Innenstadt ich sags euch, ein absolutes Prachtstück von Mensch.

Aber wie das Leben eben spielt, gibts immer ein Aber hat er geheiratet. Und zwar eine Frau. Eine ganz schreckliche. Aus einer total verkorksten Familie, ständig schlecht gelaunt, eifersüchtig und eiskalt. Das sind nicht nur die Worte meiner Freundin, die das einzige Söhnchen in ihre Krallen verloren hat das sind einfach Tatsachen.

Zuerst hat dieses Ungeheuer sämtliche Freunde ihres Mannes aus der Wohnung verbannt. Wozu braucht ihr die denn? Die hocken doch nur hier rum, saufend das gute Bier weg! Die nutzen dich nur aus, und du bist eh viel zu gutmütig!

Dann ging sie Schritt für Schritt systematisch gegen seine Verwandtschaft vor. Die Familie von ihm ein ganzer Schwarm von warmherzigen Schwaben, immer gemeinsam am Kaffeetisch, regelmäßig am Telefon, eine tolle Gemeinschaft, stark wie Spätzle mit Soß.

Die Ehefrau rollte schon bei der kleinsten Einladung von Schwiegermuttern nur noch mit den Augen, erfand plötzlich ganz wichtige Termine, wenn gemeinsames Kaffeetrinken anstand, oder bekam wie von Zauberhand eine Migräne, sobald sich Familienbesuch anmeldete.

Am Ende war nur noch die Mutter tapfer genug, ab und zu auf ein Stückchen Schwarzwälder Kirschtorte vorbeizukommen sie hatte so Sehnsucht nach dem Enkelkind und natürlich nach ihrem Sohn.

Und trotzdem schaffte es die Schwiegertochter, jedes Mal eine Szene hinzulegen.

Nicht ausfällig oder hysterisch, sondern eiskalt und mit diesem ganz besonderen Lächeln: Ich habe es dir schon gefühlte fünfhundert Mal erklärt hör auf, billige Kleinigkeiten zu schenken! Wir sind keine Aldi-Familie hier gibts nur hochwertige Geschenke!

Der Sohn stand daneben, nickte artig und meinte: Mensch Mama, bitte, wirklich…

Gestern habe ich mit meiner Freundin und einer weiteren Bekannten Kaffee getrunken. Tränenüberströmt zeigte meine Freundin ein zitterndes Handy: eine SMS von der Schwiegertochter. Darin stand, dass sie und ihr Mann nun endlich zu der Entscheidung gekommen seien, dass es besser wäre, wenn sie nicht mehr zu Besuch kommt.

Mit tränenerstickter Stimme erzählte sie, dass ihr Sohn angerufen habe: Mama, du nervst meine Frau furchtbar. Immer wenn du bei uns warst, braucht sie drei Tage, um sich wieder zu beruhigen.

Aber eigentlich gehts doch um was ganz anderes. Ich habe mit meiner Freundin zusammen tief durchgeatmet, ihr bedauert und gesagt: Mensch, was hast du denn für eine Pechsträhne mit dieser schrecklichen Schwiegertochter.

Da sagte unsere andere Freundin trocken: Was kann die Schwiegertochter dafür? Ihr habt euren Sohn eben genauso ohne Mitgefühl erzogen.

Ich habe sie angeschrien, dass sie keine Ahnung hat. Was soll der Junge denn machen, wenn die Frau so ist? Er wollte Frieden in der Familie! Wenn du gesehen hättest, was für ein goldiges Kind er früher war damals, in der sechsten Klasse, als er seiner Mama selbstgebastelte Karten zum Muttertag gemacht hat!

Wir haben die Karte ausgegraben ein Herz und eine Blume, selbstgemalt! Ohne DIESE Frau…

Aber die Freundin zuckte nur mit den Schultern: Wenn ein Mann kein Ekel ist, kann keine Frau der Welt ihn dazu machen. Und ging.

Und plötzlich ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen.

Mein ganzes Leben lang hatte ich geglaubt: Ein guter Junge gerät an eine böse Frau.

Jetzt weiß ich manchmal ist einer einfach ein Klotz, weil er ein Klotz ist. Da brauchts keine böse Ehefrau.

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Homy
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Nicht seine Ehefrau hat ihn so gemacht, sondern du hast ihn so gemacht.
„Du bist nicht länger meine Tochter. Wer er ist und woher er kommt, weiß niemand. Ich schäme mich für dich. Zieh in Omas Haus und lebe wie eine Erwachsene – spüre die Verantwortung für deine Taten – Olga, hast du gehört? Zu uns kommen Leute auf Montage, um uns zu unterstützen. Lass uns heute Abend in den Jugendclub gehen! – rief die zufriedene Mascha und ließ sich im Sessel nieder. – Mascha, spinnst du? Wohin soll ich denn mit dem kleinen Vladik? Mitnehmen? – lachte Olga. – Was ist, wenn wir Tante Leni fragen? – fragte Mascha vorsichtig. Olga winkte hoffnungslos ab. – Ach komm, die hat mir bis heute die Geburt von Vladik nicht verziehen. Sie wollte doch immer, dass ich Andre heirate. Aber ich bin in die Stadt zum Studieren gefahren. Habe nicht bestanden, bin schwanger zurückgekommen. Ein ganzes Jahr war sie sauer, erst seit zwei Monaten redet sie wieder mit mir. Geh du doch, vielleicht hast du mehr Glück und findest jemanden. Mascha seufzte. – Na gut, dann gehe ich eben mit Tanja. Ich erzähle dir morgen alles, alles. Olga brachte ihren Sohn ins Bett und trat hinaus auf die Veranda. Musikklänge wehten bis zu ihrem Haus. In ihren Schal gehüllt, stellte sie sich vor, wie dort alle tanzten und lachten. Mascha hatte bestimmt wieder ihr „Tigerkleid“ angezogen – darin sah sie immer aus wie eine kleine Raubkatze. Wehmütig lächelnd seufzte Olga und ging schlafen. Am nächsten Morgen kam Mascha schon im Morgengrauen angerannt. Ausgerechnet heute kam auch Olgas Mutter zu Besuch. Olga legte den Finger an die Lippen, aber Mascha war nicht zu bremsen. – Schade, dass du gestern nicht dabei warst! So viele hübsche Jungs… Einer hat mich sogar nach Hause gebracht, Wowa heißt er, witzig und charmant. Heute habe ich ein Date, – platzte Mascha heraus. Olgas Mutter fragte tadelnd: – Verheiratet, bestimmt? Mascha zuckte mit den Schultern. – Keine Ahnung, hab nicht in den Ausweis geguckt. Und wenn, dann hab ich wenigstens was zu erzählen. – Ach Mädchen, was macht ihr bloß? Warum nicht Andre? Meine Tochter hat ihr Glück verpasst, aber du, Mascha, könntest ihm noch den Kopf verdrehen, – schlug Tante Leni prompt vor. – Ach, Tante Leni, wem soll er denn gefallen – und seine Mutter gleich dazu? Bloß nicht! – rief Mascha aufgebracht. Sie wandte sich Olga zu: – Da war so ein Kerl, den konntest du nicht übersehen. Alle Mädels waren hin und weg. Aber er stand mit Freunden nur herum und ging dann allein nach Hause, hat niemanden aufgefordert. Da passierte das Unglaubliche. Tante Leni sagte plötzlich nachdenklich: – Du könntest auch mal in den Club gehen, Olga. Ich passe solange auf Vladik auf. Vielleicht findest du ja jemanden. Einen zuverlässigen Mann, ein echtes Vorbild für Vladik. Aber such dir bloß keinen Verheirateten, die riechen förmlich, wenn eine Frau allein ist. Verstanden? Olga nickte wie im Traum und küsste die Mutter vor Freude. Die brummte: – Geh schon, Schleimerin. Olga stand im schönsten Kleid mit ihren Freundinnen im Club und plapperte zufrieden. Endlich wieder unbeschwert. – Schaut mal! Da ist er! Wieder da! – flüsterten die Mädchen. Neugierig blickte Olga hinüber, ihre Knie wurden weich. Hastig wandte sie sich ab und raunte Mascha zu: – Ich geh wohl lieber heim. Vladik vermisst mich sicher schon. Mascha staunte. – Olli, was ist denn los? Endlich raus, und jetzt willst du schon gehen? Nicht ein Tanz? Doch Olga blieb dabei: – Ich geh. Und da drüben kommt bestimmt dein Wowa, da wird’s dir auch nicht langweilig – dann verschwand sie Richtung Tür. Plötzlich fasste sie jemand an der Tür am Arm: – Tanzt du mit mir? Olga riss sich los, ohne hinzusehen: – Ich tanze nicht. Aber der Herr blieb hartnäckig. – Einen Tanz, bitte. Sie wandte sich um – ihr Herz stockte. Es war er! Der Mann, dem diese eine zufällige Begegnung ihr ganzes Leben verändert hatte. Er erkannte sie offenbar nicht. Erleichtert lächelte sie: – Na gut, aber nur einen Tanz, ich muss gleich los… Er wirbelte sie über die Tanzfläche. – Dein Mann wartet bestimmt auf dich, oder? Olga antwortete kurz: – Ich bin nicht verheiratet. Er zwinkerte – so vertraut, dass ihr der Atem stockte: – Dann hab ich ja vielleicht eine Chance? Olga löste sich abrupt und stürmte hinaus. Auf dem Heimweg weinte sie. Ihn vergaß sie nie – sie war wohl vom ersten Moment an in ihn verliebt. Und nun erkannte er sie nicht wieder. Sie hatten sich damals im Zug kennengelernt, als Olga nach den gescheiterten Aufnahmeprüfungen traurig zurückfuhr, und er zu seinen Eltern unterwegs war. Um sie aufzuheitern, stellte er sich als Maxim vor – „Mama sagt Max, der Neffe Maik, such’s dir aus“ – und sie lachte: – Maik klingt lustig. – So, jetzt kennst du mich. Und wie heißt du, schönes Wesen? – Olga. Maxim nickte ernst: – Hab ich mir gedacht. Ein königlicher Name. So kamen sie ins Gespräch. Olga verriet, dass sie bei der Uni durchgefallen war, und ihre Mutter ihr das ewig vorhalten würde. – Lern im Winter und probier’s noch mal, – schlug Maxim vor. Olga strahlte: – Darauf wäre ich gar nicht gekommen. Danke! Er lächelte nachdenklich: – Nichts zu danken. Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, wie schön du bist? Verlegen errötete sie. – Ach Quatsch – aber trotzdem danke… Maxim kam ihr näher. – Doch, das bist du – und küsste sie plötzlich. Olga schwindelte. Alles, was danach geschah, war beschämend und süß zugleich. Maxim stieg früher aus. – Ich finde dich. Ganz bestimmt. Doch hinterher merkte Olga enttäuscht, dass er nicht einmal ihre Adresse kannte. Später stellte sie fest, dass sie schwanger war. Ihre Mutter reagierte abweisend: – Du bist nicht länger meine Tochter. Wer er ist, weiß niemand. Ab ins Omahaus, übernimm endlich Verantwortung. Bis zur Geburt arbeitete Olga in der Bibliothek, dann ging sie in den Mutterschutz. Nur Mascha holte sie aus dem Krankenhaus ab, die Mutter erschien zur Taufe nicht. Erst als Vladik fünf Monate alt war, taute sie langsam wieder auf – aber ihr Urteil blieb kühl: – Nicht aus unserer Familie, so einer. Doch sie kam öfter und brachte Spielsachen für Vladik. – Schon zurück? – fragte die Mutter. – War sowieso nichts los. Und Vladik? – Dein Schatz schläft. Na, wenn du schon da bist, gehe ich heim. Olga schloss die Tür und versuchte zu schlafen. Erst am frühen Morgen nickte sie ein. Beim Frühstück fütterte sie Vladik, der nicht essen wollte. – Wenn du die Grütze nicht isst, wirst du nie so stark wie dein Papa. So groß und schön war er… – Meinst du mich? Das höre ich gern. Und das ist also mein Sohn? – hörte sie plötzlich eine Stimme an der Tür. Olga ließ den Löffel fallen. – Du? Wie? Woher? – Maxim grinste. – Ich hab dir doch gesagt, ich finde dich. Dass ich inzwischen Vater geworden bin, wusste ich nur nicht. Damals hab ich in der Aufregung nicht mal nach deiner Adresse gefragt. Aber das Schicksal wollte wohl, dass wir zusammengehören, – sagte er und zog eine Grimasse für Vladik. Der lachte quietschvergnügt. Am Morgen traf Olgas Mutter einen strahlenden Olga und einen fremden Mann, der Vladik huckepack trug. – Er ist es? – fragte Mutter. – Ja, – lächelte Olga glücklich. Die Mutter trat zu Maxim und reichte ihm die Hand: – Ich bin Leni Becker. Was für ein Mann und Vater du bist, werde ich sehr genau beobachten. Maxim drückte ihre Hand und nickte feierlich: – Verstanden.