Gerade war ich vom Supermarkt zurückgekommen und legte die Einkäufe auf den Küchentisch, als mir in der Manteltasche meiner Frau etwas Seltsames auffiel – ein kleiner Schlüssel mit leuchtend rotem Plastikanhänger, obwohl wir so einen Schlüssel noch nie besessen haben.

Du, stell dir vor, ich komm gerade vom REWE zurück, hab die Tüten auf den Küchentisch gestellt, als mir beim Ausziehen meines Mantels was Komisches in der Jackentasche von meiner Frau auffällt so ein kleiner Schlüssel mit einem knallroten Plastikanhänger. Dabei hatten wir sowas noch nie.

Zuerst dachte ich, das wäre vielleicht für den Briefkasten. Aber als ich ihn rausgeholt hab, hab ich direkt gemerkt: Der sieht ganz anders aus.

Genau in dem Moment kam sie in die Küche.
Was ist das denn? hab ich gefragt.
Sie schaut kurz auf den Schlüssel, und ich seh sofort, wie sich ihr Gesicht verändert.
Keine Ahnung, meinte sie schnell. Vielleicht ist der aus dem Büro.
Aus deinem Büro?, hab ich wiederholt.
Sie zuckte nur mit den Schultern.
Vielleicht hat mir den jemand zum Aufpassen gegeben.
Das war aber seltsam, denn sie arbeitet in so einem kleinen Architekturbüro in München, und hat nie fremde Schlüssel dabei.

Ich leg den Schlüssel auf den Tisch, sag aber nichts mehr dazu. Doch irgendwas in mir war ab diesem Moment ziemlich misstrauisch.

In den nächsten Tagen kam sie immer später nach Hause, meinte ständig, sie hätte viel zu tun. Und ihr Handy war auffällig oft auf lautlos gestellt.

Eines Abends wollte sie bei einer Freundin schlafen.
Da hab ich beschlossen, diesem Schlüssel mal auf den Grund zu gehen.
Hab ihn eingesteckt und bin raus.

Keine Ahnung, wohin überhaupt, aber irgendwie war ich mir sicher, ich würde es rausfinden.

Ich bin erst mal durch die Gegend spaziert da gibts ganz viele neue Wohnhäuser bei uns in Schwabing. An der dritten Häuserreihe fällt mir plötzlich etwas auf: An den Schlüsseln der Hauseingänge hängen die gleichen roten Anhänger.

Mein Herz ist mir in die Hose gerutscht.
Ich probier den Schlüssel aus.
Klick.
Tatsächlich die Tür geht auf.

Also hoch in den dritten Stock.
Wohnung 12.
Warum auch immer, ich spürte einfach, dass ich da mal probieren sollte.

Schlüssel rein.
Klick.
Die Tür geht auf.
Drinnen brennt Licht.

Und plötzlich hör ich Stimmen.
Eine Frau es ist eindeutig meine Frau:
Es ist bald alles fertig, sagt sie.
Und ein Mann antwortet:
Er ahnt wirklich noch nichts?
Mir blieb fast das Herz stehen.

Ich gehe langsam rein.
Da steht sie im Wohnzimmer.
Neben ihr ein fremder Mann.
Beide drehen sich zu mir um.

Ihr Gesicht wird schneeweiß.
Was machst du hier?
Ich schau auf den Schlüssel in meiner Hand.
Die bessere Frage ist: Was machst DU hier?

Der Typ schaut mich total verkrampft an.
Wer ist das? frage ich.

Meine Frau will was sagen.
Es ist nicht so, wie du denkst…
Doch da seh ich im Wohnzimmer auf dem Tisch was liegen. Papiere.
Mietvertrag für die Wohnung.
Mieterin: Ihr Name.

Du hast also ein neues Leben geplant, sag ich leise.
Sie sagt nichts.
Wie lange schon?
Dieses Mal antwortet der Typ.
Fünf Monate.
Fünf Monate.

Fünf Monate Lügen, spätes Heimkommen und Entschuldigungen.
Meine Frau fängt an zu weinen.
Ich wollte es dir sagen
Ich schüttele den Kopf.
Nein. Du wolltest einfach verschwinden.

Der Mann nimmt seine Jacke.
Ich wusste nicht, dass sie verheiratet ist, sagt er leise.
Und verschwindet.

Wir beide bleiben da zurück.
Ich kann das wieder gutmachen, flüstert sie.
Aber ich spür schon: Es ist zu spät.

Einen Monat später hab ich die Scheidung eingereicht.
Stellt sich raus: Den Mietvertrag für diese Wohnung hat sie mit unserem gemeinsamen Konto bezahlt. Mit meinen Euros.

Jetzt wohnt sie allein da.
Und der Typ, für den sie bereit war, unsere Ehe wegzuwerfen der ist schon in der ersten Woche gegangen.

Manchmal schreibt sie mir noch, sie hätte den größten Fehler ihres Lebens gemacht.
Aber weißt du, jedes Mal, wenn ich an diesen kleinen roten Schlüssel denke

frag ich mich:
Wenn du so einen Schlüssel in der Tasche von deinem Partner gefunden hättest wärst du ihm auch gefolgt?

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Homy
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Gerade war ich vom Supermarkt zurückgekommen und legte die Einkäufe auf den Küchentisch, als mir in der Manteltasche meiner Frau etwas Seltsames auffiel – ein kleiner Schlüssel mit leuchtend rotem Plastikanhänger, obwohl wir so einen Schlüssel noch nie besessen haben.
Niemals