Ich habe mich immer als großzügigen Menschen betrachtet und war nie gierig. Wenn ich etwas hatte, das jemand anderem gut getan hätte, habe ich es gerne weitergegeben das hat mir meine Mutter früh beigebracht, und es steht ja schließlich auch in der Bibel: Teile mit deinen Mitmenschen.
So kam es, dass ich eines Tages beschloss, eine Winterjacke zu verschenken, anstatt sie gegen ein paar Euro zu verkaufen. Vielleicht gibt es jemanden, der sich im Winter keine vernünftige Jacke leisten kann, und ich habe sie sowieso kaum getragen. Sie war eigentlich fast neu und damals nicht gerade billig gewesen.
Also stellte ich eine Anzeige in eine Berliner Facebook-Gruppe. Die Antwort kam erstaunlich schnell eine Frau schrieb mir direkt eine private Nachricht, wir machten für 21 Uhr aus, damit sie die Jacke abholen kann.
Doch als es schließlich Mitternacht schlug, klingelte plötzlich die Haustür. Ich war irritiert wer kommt denn um diese Zeit? Ich fragte: Wer ist da? Die fremde Stimme antwortete: Wir hatten doch ausgemacht, dass ich die Jacke abhole. Ich konterte: Aber es ist Mitternacht, andere Leute schlafen um diese Zeit. Lass uns das doch bitte morgen machen.
Aber sie bestand darauf: Nein, ich will die Jacke heute!
Ich konnte kaum glauben, wie dreist sie war, aber ich wollte die Sache nun auch hinter mich bringen. Also gab ich ihr die Jacke. Doch dann sagte sie: Ich will sie nicht hier draußen anprobieren. Kann ich nicht wenigstens in deinen Flur kommen? Ich lehnte höflich ab und erklärte, dass meine Kinder schon schlafen. Sie ließ nicht locker: Dann nehme ich halt den Aufzug.
Sie schnaubte, schnappte sich wortlos die Jacke und verschwand, ohne auch nur ein einfaches Danke.
Trotz ihres rücksichtslosen Verhaltens habe ich ihr die Jacke gelassen schließlich wollte ich helfen. Doch so viel Unverschämtheit ist mir selten begegnet. In diesem Moment habe ich entschieden, künftig vorsichtiger zu sein die Leute wissen gute Taten einfach nicht mehr zu schätzen.





