10. März 2024
Es gab einen Kerl in unserer Firma, der hieß Markus Schneider. Er leitete eines der Teams im Münchner Büro, und ich würde nicht behaupten, dass er wenig verdiente ganz im Gegenteil. Er fuhr einen schicken Audi, trug immer Markenklamotten aus den angesagtesten Läden in Schwabing, und sein gepflegtes Auftreten fiel sofort ins Auge. Doch Markus hatte eine große Schwäche: Er war knausrig bis ins Mark. Besonders beim Essen hielt er das Portemonnaie stets fest zu.
In der Mittagspause schlenderte Markus immer langsam über die Flure, vorbei an allen Schreibtischen, wo irgendwo Brotzeit oder Kuchen stand. Dann setzte er sich scheinbar zufällig dazu, griff sofort zu, ohne eingeladen zu werden, und sagte Sätze wie: Hmm! Riecht das lecker hier! oder Ach, ihr habt Brezn lass mich doch mal ein Stück probieren! Sein berühmtester Spruch war: Na, was haben wir denn hier Feines? und schon hatte er irgendetwas in der Hand.
Zum Geburtstag gab Markus den Kollegen nie etwas dazu, aber bei den kleinen Feiern am Tisch war er immer mittendrin, als hätte er selbst etwas mitgebracht. Die anderen Kollegen haben auch gemerkt, dass er immer nur im Büro sein Handy auflud, um zu Hause Strom zu sparen, und das Büro nie vor Feierabend verließ, solange Wasser oder Kaffee frei war Hauptsache, er musste sich zu Hause nicht selbst drum kümmern. Kurzum: Markus war ein Geizhals, der sein Verhalten als cleveres Sparen deklarierte.
Bei unserer letzten Weihnachtsfeier hat Markus ordentlich über die Stränge geschlagen. Als ihn jemand fragte, ob er denn nicht bald heiraten wolle, antwortete er ziemlich offen: Warum denn? Eine Frau will doch nur Geld für Klamotten und Essen! Und wenn dann noch ein Kind kommt, bin ich endgültig ruiniert. Das brauche ich alles nicht, allein komme ich viel günstiger durch.
Daraufhin sagte ein anderer Kollege: Ja, günstiger bestimmt aber auf unsere Kosten! Das hat Markus gar nicht geschmeckt. Er polterte los: Und? Ist doch schlau, so zu leben! Ich hab ein tolles Auto, eine top eingerichtete Wohnung und muss mich vor niemandem schämen. Ihr gebt ja euer ganzes Gehalt für Essen aus!
Nach dieser Szene hat der gesamte Bereich den Kontakt zu Markus abgebrochen und gemeinsam beschlossen, nicht mehr mit ihm zusammenzuarbeiten. Am Ende blieb ihm nichts anderes übrig, als die Firma zu wechseln.
Was ich daraus mitnehme? Man spart im Leben vielleicht ein paar Euro, wenn man knausert, verliert dabei aber sehr viel mehr: das Vertrauen und die Gemeinschaft der Menschen, mit denen man tagtäglich zusammen ist. Wo kein Geben ist, bleibt am Ende auch kein Nehmen.




