Vor einem Jahr verließ ich meinen Mann nach 33 gemeinsamen Jahren und habe es hundertfach bereut – ich dachte, ich würde einen besseren Partner finden, doch ich lag falsch. Jetzt versuche ich, ihn zurückzugewinnen

Tagebucheintrag, 12. März

Vor rund einem Jahr habe ich meinen Mann verlassen. Ich bereue es inzwischen hundertfach. Damals war ich überzeugt, irgendwo da draußen einen Mann zu finden, der besser ist heute weiß ich, wie dumm das war. Ich habe noch versucht, ihn zurückzugewinnen.

Alle behaupten, Frauen verlassen ihre Männer nur dann, wenn diese ihre Arbeit verlieren, fremdgehen oder schreien. Aber ich habe meinen Mann nicht deshalb verlassen. Andreas war zuverlässig, ein Fels in der Brandung, wie man so sagt.

Andreas ist Softwareentwickler, ruhig, häuslich. Er hat sein Gehalt immer für unsere kleine Familie ausgegeben. An den Wochenenden sind wir im Englischen Garten in München spazieren gegangen oder ins Kino gegangen. Wenn ich krank wurde, fuhr er sofort zur Apotheke und kümmerte sich rührend um mich. Aber irgendwann wurde mir alles zu ruhig. Mit 28 Jahren fühlte ich mich, als würde das Leben nur an mir vorbeiziehen. In den sozialen Netzwerken meiner Freundinnen und bei Influencerinnen sah ich nur: Rosensträuße, spontane Trips nach Paris, große Gefühle. Und ich hatte Andreas mit seinem sanften Katrin, möchtest du deinen Tee mit Zitrone oder lieber mit Milch?

Ich fing an, ihn zu kritisieren.

Du bist so gar nicht ehrgeizig!, warf ich ihm vor. Warum bleiben wir immer zu Hause? Warum willst du keinen richtig hohen Job? Du bist langweilig.

Andreas blieb ruhig, versuchte zwar, sich zu verändern, doch seine Natur war eben liebenswürdig und ausgeglichen. Mit jedem Tag störte mich das mehr. Also packte ich vor einem Jahr meine Sachen.

Ich gehe jetzt, sagte ich stolz. Ich verdiene mehr. Ich brauche einen Mann, der mich jeden Tag auf Händen trägt. Du bist nicht der Richtige.

Andreas machte keine Szene. Er fragte nur leise: Bist du dir sicher? Ich antwortete: Ja. Er half mir sogar noch mit den Koffern und gab mir den Wohnungsschlüssel zurück.

Ich stürzte mich in mein neues Leben und war fest davon überzeugt, jetzt würden sich die erfolgreichen Männer um mich reißen. Ich war immerhin jung, hübsch, gepflegt. Doch schon nach einem Monat holte mich die Realität ein. Ich meldete mich auf Datingportalen an und ging auf Dates und jedes einzelne war eine Enttäuschung. Der eine Traummann schlug mir beim ersten Treffen direkt vor, mit zu ihm zu kommen, und nachdem ich ablehnte, blockierte er mich und bezahlte nicht mal meinen Kaffee.

Ein anderer, angeblich erfolgreicher Geschäftsmann, war verheiratet und suchte nur ein Abenteuer. Der dritte gutaussehend und charmant verschwand nach einer Woche wortlos, und ich erfuhr, dass er gleichzeitig noch drei weitere Frauen traf.

Unbewusst verglich ich sie alle mit Andreas. Kein einziger fragte mich, ob ich warm genug angezogen sei. Keiner holte mich mit einem Regenschirm ab, wenn es regnete. Niemand hörte mir zu, wenn ich vom Stress auf der Arbeit erzählte. Für sie war ich nur hübsch anzusehen, aber nie wirklich ein Mensch. Nach einem halben Jahr Einsamkeit begriff ich plötzlich: Langweiler Andreas hat mir etwas gegeben, was man nicht kaufen kann das Gefühl, sicher zu sein und gebraucht zu werden. Seine Ruhe war keine Langeweile, sondern meine Zuflucht.

Vor einem Monat konnte ich nicht mehr. Ich schrieb ihm: Hallo, magst du dich mal mit mir auf einen Kaffee treffen? Wir müssen reden. Er antwortete nicht sofort, doch schließlich kam: Hallo. Treffen wir uns doch bei dir um die Ecke, im Café am Max-Weber-Platz.

Ich flog regelrecht hin, zog mein schönstes Kleid an das, das ihm immer gefallen hatte und überlegte mir jede Silbe. Ich war mir sicher, dass er immer noch auf mich wartet. Er hatte mich doch geliebt!

Andreas war pünktlich. Er sah verändert aus schlanker, neue Frisur, wirkte insgesamt sicherer und ruhig. Wir setzten uns und es entstand eine angespannte Stille.

Andreas, ich ich habe viel nachgedacht, stotterte ich. Ich habe einen riesigen Fehler gemacht. Ich war dumm. Niemand ist so wie du. Ich will einen Neuanfang. Lass uns noch mal versuchen?

Ich streckte ihm zögerlich die Hand hin, hoffte auf seine Wärme, auf Verzeihung. Doch Andreas nahm seine Hand sanft, aber entschieden vom Tisch. Seine Augen, einst voll Güte, waren jetzt nur noch ein wenig traurig.

Katrin, bitte nicht, sagte er leise.

Was meinst du? Hast du mir nicht verziehen? Ich schwöre, ich bin nicht mehr die Alte!, fuhr ich fort.

Es geht nicht um Verzeihung. Ich habe dir längst vergeben. Aber es ist einfach zu spät.

Zu spät? Hast du jemanden kennengelernt? Mein Herz zog sich zusammen.

Ja. Er nickte. Aber darauf kommt es gar nicht an. Nach deinem Abschied, als du meintest, ich sei langweilig und nicht gut genug, ist etwas in mir zerbrochen. Ich musste mich erst langsam wieder zusammensetzen. Und ich habe gelernt, ohne dich zu leben heute kann ich es. Ich bin kein Mann mehr, der wie ein Hündchen auf dich wartet.

Aber wir waren doch eine Familie!

Waren wir mal. Aber du hast das Band zerschnitten. Katrin, ich bin kein Notnagel, zu dem man zurückgeht, wenn andere nicht funktionieren. Ich wünsche dir ehrlich alles Gute, aber eben nicht mit mir.

Er stand auf, zahlte wie immer höflich den ganzen Betrag 12 Euro und verabschiedete sich. Ich schaute ihm nach, wie er ins Auto stieg und sofort losfuhr, mich mit meiner Freiheit und meinen Ambitionen einsam zurückließ. Ich habe nach etwas Besserem gesucht und das Wertvollste verloren. Zum ersten Mal konnte ich niemand anderem die Schuld geben als mir selbst.

Rückblickend verstehe ich: Wenn einem jemand Sicherheit, Fürsorglichkeit und echte Nähe schenkt, betrachtet man das oft als Selbstverständlichkeit. Man nimmt es, wie Luft zum Atmen, für gegeben, ohne es zu würdigen. Genau so war ich. Ich habe das Beständige mit Langeweile verwechselt und das Laute, Aufregende gesucht. Medien und Gesellschaft suggerieren heute, Liebe müsse ein endloses Feuerwerk sein dabei ist wirkliche Liebe Verlässlichkeit und Vertrauen. Andreas war erwachsen genug, klare Grenzen zu setzen und sich selbst zu schützen. Sein Nein ist keine Rache, sondern gesunde Selbstachtung nach einer schmerzlichen Erfahrung.

Heute weiß ich: Man muss Menschen schätzen, solange sie bei einem sind, nicht erst, wenn sie glücklich mit jemand anderem sind. Das war meine größte Lektion aus dem Ganzen und hoffentlich brauche ich sie nie wieder.

Kann man den gleichen Fluss zweimal durchqueren, oder bleibt am Ende doch nur die zerbrochene Tasse? Ich bin mir nicht mehr sicher.

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Homy
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Vor einem Jahr verließ ich meinen Mann nach 33 gemeinsamen Jahren und habe es hundertfach bereut – ich dachte, ich würde einen besseren Partner finden, doch ich lag falsch. Jetzt versuche ich, ihn zurückzugewinnen
Man darf nichts Fremdes nehmen