Als ich dreißig Jahre alt wurde, gelang es mir endlich, mir eine eigene Zwei-Zimmer-Wohnung in München zu kaufen. Ich wohnte damals allein dort und hatte bis zu jenem Zeitpunkt weder einen passenden Ehemann noch eine Frau gefunden, die in mein Leben passte. Ich frage mich oft, warum ich in meinem Privatleben so wenig Glück habe. Nach meiner Meinung liegt es daran, dass ich eben eine eigene Wohnung besitze. Für eine Frau war es schon damals nicht ganz einfach, unabhängig zu sein und ihre Weiblichkeit zu leben beides passte nicht immer in das gesellschaftliche Bild.
Meine Bekanntschaften lassen sich in zwei Gruppen einteilen:
1. Die erste Gruppe: Du hast deine eigene Wohnung? Wunderbar, dann ziehe ich gleich ein, und alles ist geregelt. Diese Männer wollen sich nicht anstrengen, sie suchen ein gemachtes Nest. Dass ich ein Dach über dem Kopf habe, sehen sie als großen Pluspunkt, sie sind auch bereit, eine Familie mit mir zu gründen und Kinder zu bekommen, solange sich für sie im Leben nicht viel ändert. Selbige Herren wollen sich aber keinen Karriereaufbau antun oder mehr Geld verdienen. Immerhin ist die Wohnsituation ja schon geregelt, ein eigenes Auto braucht es nicht, zur Not reicht auch meins. Deshalb verspüren sie keinen Antrieb, sich weiterzuentwickeln.
Wenn ich mit solchen Männern spreche, habe ich das Gefühl, sie wären besser als meine Söhne geeignet, als als Ehemänner. Ich müsste sie bekochen, verhätscheln, aushalten und dann auch noch ständig aufpassen, dass sie mir nicht davonlaufen. Ein solches Lebensglück brauche ich nicht. Dann halte ich mir lieber eine Katze und nutze meine freie Zeit für meine Hobbys.
2. Die zweite Gruppe: Du hast eine eigene Wohnung? Nein, ich ziehe lieber nicht zu dir, ich bleibe lieber bei meinen Eltern oder wir fahren aufs Land. Am besten verkaufen wir deine Wohnung, kaufen uns gemeinsam etwas anderes. Diese Variante liebe ich besonders. Ich habe Jahre damit verbracht, meine Wohnung zu erwerben, und Jahrzehnte den Kredit abbezahlt. Es wäre das Mindeste, dass mein zukünftiger Ehemann wenigstens selbst die Hypothek zahlt aber nein. Da ich ja gut verdiene, zahle ich sie weiter allein ab, er hilft so gut er kann. Und was, wenn ich in Mutterschutz gehe? Die Logik dieser Männer: Wenn wir den Kredit abbezahlt haben, darfst du vielleicht ein Kind bekommen, auch wenn du dann längst über vierzig bist. Hauptsache, ich belaste meinen Mann nie mit meinen Problemen. Damit er ein ruhiges Leben führen kann.
Immer häufiger denke ich, es wäre leichter, ein dreijähriges Kind aus dem Waisenhaus zu holen, als einen Mann zu finden, der keine Angst vor Familie hat. Es scheint, selbst falls ich heiraten sollte, müsste ich immer noch alles selbst stemmen: Mein eigenes Glück, meine Probleme und am Ende auch die Liebe zu mir selbst. Warum überhaupt einen Mann an meiner Seite?
Jetzt bin ich die Herrin meines eigenen Zuhauses und meines Lebens. Die Wohnung ist schön renoviert, ich habe viel Platz für mich und meine Hobbys. Manchmal sehne ich mich nach einer Familie, einer geliebten Person an meiner Seite, aber die Erlebnisse aus dem Alltag lassen diesen Traum schnell verblassen. Ich will euch von einer Begebenheit erzählen, die sich nicht allzu lange nach meinem Einzug ereignet hat.
Ich hatte mich ein wenig in einen Bekannten verliebt; es schien, als würde er meine Gefühle erwidern. Eines Abends schauten wir gemeinsam einen Film bei mir in der Wohnung. Als wir plötzlich Lust auf eine Pizza bekamen, dachte ich, dies sei eine gute Gelegenheit, ihn zur Abwechslung etwas beisteuern zu lassen. Er erklärte sich bereit, natürlich: Er ging sogar zum Fahrstuhl, um dem Lieferanten entgegenzugehen und bezahlte die Pizza, allerdings mit dem Geld, das ich ihm gerade dafür gegeben hatte. Danach war unsere Unterhaltung beendet und auch jede aufkeimende Sympathie.
Vielleicht trage ich selbst eine Mitschuld. Meine Freundinnen sagten mir später, ich hätte nicht vorschlagen sollen, für die Pizza zu bezahlen. Doch ich wollte herausfinden, ob er das Geld nehmen oder ablehnen würde. Für mich war der Betrag nicht ausschlaggebend, doch es ging mir nie nur ums Geld…





