Mama verließ das Haus und kehrte nicht zurück – das Kind wartete bis zum Morgengrauen auf sie.

Früher, als ich noch ein kleiner Junge in München war, kannte ich nur meine Mutter. Sie war meine ganze Welt und immer bei mir; ich hatte sonst niemanden. Mein Vater hatte meine Mutter verlassen, noch bevor ich geboren wurde. Es war ein kühler Abend, als ich mir fest vornahm, tapfer zu sein und ganz geduldig auf die Rückkehr meiner Mutter zu warten.

Ich redete mir ein, ich müsste stark sein und würde auf meine Mutter warten, bis sie endlich wieder nach Hause käme.

Eine Stunde verging, dann noch eine doch meine Mutter kam nicht zurück. Mit meinen fünf Jahren konnte ich die Angst kaum aushalten. Weinend tappte ich ins Schlafzimmer, vielleicht war sie ja schon heimlich zurückgekehrt. Aber das Bett war leer, ihr Nachthemd unberührt, und die Schuhe, in denen sie das Haus verlassen hatte, standen nicht da.

Die Angst kroch mir in die Glieder, und ich begann von Neuem zu weinen bis mich der Schlaf übermannte.

Am nächsten Morgen weckte mich die Sonne, die zaghaft durch das Fenster auf mein kleines Bett fiel. Voll Hoffnung stieg ich aus den Decken und suchte meine Mutter erneut. Aber selbst zum Nachbarn ging ich nicht meine Mutter hatte mir immer wieder eingeschärft, dass dort ein unfreundlicher Onkel wohnte, der oft betrunken war und zu Gewalt neigte. Ich hatte große Angst vor ihm.

Draußen tastete ich unter den neugierigen Blicken der Passanten umher. Keiner von ihnen schenkte mir Beachtung, jeder schien zu beschäftigt mit seinem eigenen Tagwerk. Nach einer Weile ließen meine Kräfte nach, ich setzte mich auf eine Bank im Park. Eine ältere Dame, deren Gesicht von Runzeln erzählt wurde, saß bereits dort.

Als sie meine Tränen bemerkte, wandte sie sich zu mir und fragte leise, was denn geschehen sei. Geh nach Hause, kleiner, sagte sie mit einem müden Lächeln und gab mir einen Apfel. Sie dachte wohl, ich sei einfach ein unartiger Junge, der herumstreunte. Doch ich ließ nicht ab, suchte weiter nach meiner Mutter. Die Erwachsenen, an denen ich vorüberkam, interessierten sich nicht für mich, ihre Gedanken waren ganz woanders.

Schließlich war ich so erschöpft, dass ich auf einer Bank im Englischen Garten einschlief. Die Dunkelheit senkte sich über München, mir war kalt und der Hunger nagte in meinem Bauch. Irgendjemand muss die Polizei gerufen haben, denn plötzlich war ich auf der Wache.

Von dort brachte man mich schließlich zu einer Tante. Ich will meine Mama!, flehte ich immer wieder unter Tränen. Doch in dem Zimmer, in das man mich führte, wartete meine Mutter nicht auf mich.

Eine andere Tante kam bald, brachte mir frische Kleidung und half mir, mich umzuziehen. Sie nahm mich bei der Hand, und bald fand ich mich unter anderen Kindern wieder, denen es wohl ähnlich ergangen war. Ich kauerte mich an eine Wand, mein Kopf benommen vor Kummer spürte, dass meine Mutter unerreichbar weit entfernt war, dass sie wohl nie mehr zu mir zurückkehren würde.

Später erfuhr ich: Am Abend, als sie aus dem Haus gegangen war, wurde meine Mutter von einem Auto erfasst und ist gestorben.

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Homy
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Mama verließ das Haus und kehrte nicht zurück – das Kind wartete bis zum Morgengrauen auf sie.
“Man muss seine Unterhosen bügeln, denn ungeglättete zwicken”, betont die Schwiegermutter.