Meine Freundin Annegret betrieb ein Kosmetikstudio in München und war eine großzügige und kluge Frau. Sie beschenkte ihre Freundinnen oft mit Aufmerksamkeiten und verlangte nie einen Cent für ihre Dienstleistungen. Ich wollte ihr die Freundlichkeit zurückgeben und half ihr deshalb öfter bei der Betreuung ihrer Töchter aus erster Ehe. Annegret hatte ihren ersten Mann verlassen, weil seine Gier selbst vor den einfachsten Bedürfnissen der Kinder nicht Halt machte. Später scheiterte ihre zweite Ehe an der Eifersucht ihres Mannes, und der dritte Ehemann betrog sie was schließlich auch hier zur Scheidung führte. Die schnellen Scheidungen ermöglichten es ihr jedoch, das Eigentum an ihrer Wohnung zu behalten, sodass sie diese nicht teilen musste.
Trotz ihrer Versuche, für mich einen passenden Partner zu finden, machte ihr voller Terminkalender das Unterfangen nicht gerade einfach. Schließlich begegnete sie aber doch noch einem Mann auf überraschende Weise: Während einer Fahrt lernte sie Johann kennen, der als Taxifahrer arbeitete. Johann war ein stattlicher Kerl mit grünen Augen, und entgegen ihrer früheren Vorbehalte hinsichtlich seines Aussehens verstanden sie sich blendend. Eine Woche später stellte er ihr stolz seine Mutter vor, die er liebevoll Mutter Hildegard nannte. Anfangs wirkte die Mutter hilfsbereit, doch rasch wurde das sehr beschützende Verhalten von Hildegard zur Last.
Trotz Johann bereits 34 Jahre alt war, rief seine Mutter ihn täglich mehrmals an, schaute regelmäßig unangekündigt vorbei und mischte sich ständig in ihre Beziehung ein. Einmal fragte sie Annegret, ob sie Johann morgens zum Abschied küsse und versicherte, dass dies für eine glückliche Familie enorm wichtig sei. Ständig nahm sie Einfluss auf die Beziehung und brachte durch ihr Verhalten Unruhe ins Zusammenleben. Oft kam sie spät von der Arbeit, nur um das Abendessen zu kochen, und nutzte das als Vorwand, bei uns bleiben zu können. Johann, der es genoss, gleich zwei Frauen seine Mutter und Annegret in Küche und Schlafzimmer um sich zu haben, bewegte sich keinen Zentimeter von Mutters Seite.
Schließlich traf Annegret die Entscheidung, sich von Johann zu trennen, um der erdrückenden Präsenz ihrer herrischen Schwiegermutter zu entkommen.





