„Schlag mich nicht auf den Rücken!“ Kinder auf Deutschlands Straßen und genervte Passanten

Während Mütter gerade die Elternforen mit Fragen über die richtige Reiseapotheke überfluten und darüber diskutieren, ob man im Flugzeug den Kinderwagen mitnehmen darf, bereiten sich andere Reisende nervös auf den bevorstehenden Flug vor. Seit einiger Zeit ist das Ganze recht unkompliziert geworden. Vorher wurden unzufriedene Mitreisende noch beschämt, weil Kinder eben nun mal geliebt werden müssen heute fordern viele bei den Airlines bereits, ganze Kabinenbereiche für Familien und andere für Ruhe zu trennen. Wann ist uns das eigentlich passiert?

Guten Flug wünsche ich euch!

Seit wann ist es eigentlich in Mode, scheinbar unbeirrt weiterzuleben, als hätte man gar kein Kind? Man geht arbeiten, pflegt sein Sozialleben, nimmt an Events teil und reist weiterhin nach Lust und Laune vollkommen unabhängig vom Alter des Nachwuchses. Unsere Mütter haben so ein luxuriöses Leben nie geführt, daran hätte früher auch keiner gedacht. Ich kann mir beim besten Willen keine Mutter mit Säugling in einem Restaurant im Deutschland der sechziger Jahre vorstellen. Oder auch später kaum. Damals hätte man das als großes Glück oder einmalige Ausnahme angesehen.

So sehr man es auch verdrängen möchte: Reisen mit einem kleinen Kind besonders Langstreckenflüge sind für Groß und Klein anstrengend. Wer allen Komfort will, muss sich anstrengen und mitdenken aber genau das machen viele nicht. Kaum startet der Urlaub, schalten die Leute sofort ab. Und lassen die Kinder sich einfach selbst überlassen. Damit sind sie allen anderen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Jeder möchte möglichst bequem fliegen. Niemand hat Lust, sein über 300 Euro teures Ticket abzusitzen, während um einen herum Chaos herrscht. Die Passagiere beschweren sich ja schon über die Beinfreiheit da will keiner noch Kindergeschrei oder einen Fünfjährigen hinter sich, der neugierig an der Rückenlehne wippt. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der dabei verständnisvoll lächelt und das Kind zum “Zicklein” macht.

Der Kindergarten auf Achse.

Einmal wollte ich ganz höflich sein. Da setzte sich doch eine Frau mit einem Kind unter einem Jahr neben mich, und mir stockte sofort der Atem. Bald wurde aber klar: Das war nicht alles ihre ganze Familie war an Bord! Vor mir, hinter mir, neben mir Kinder mit Spielsachen, Flaschen und Schnullern, die quer über die Sitzreihen gereicht wurden. Es fehlte nur noch, dass ich adoptiert wurde. Ehrlich, das war einfach zu viel. Ich wurde gebeten, bitte dieses oder jenes zu halten kein “Bitte”, kein “Danke” und mehrfach wäre ich fast mit heißem Wasser aus der Thermoskanne überschüttet worden. Großartig! Und wohin hätte ich fliehen sollen? Ein Sprung aus dem Fenster war leider keine Option.

Auch im Zug habe ich so manches Erlebnis gehabt. Eine Mutter nennen wir sie Annemarie übte sich mit ihrer vierjährigen Tochter Lisa darin, die 26 Stunden Fahrt möglichst nett zu verbringen. Sie bemühte sich immerhin, dass Lisa die anderen nicht stört. Aber das Ergebnis? Lisa, komm mal hierher, Lisa, lass uns da mal schauen, Wollen wir aus dem Fenster gucken?, Jetzt wird gemalt und dann 40 Minuten Malen und Diskutieren, welche Buntstifte und was für Hündchen oder Kätzchen man wohl malen sollte. Da wusste ich auch nicht: Was ist schlimmer?

Wie soll man sich da nicht irgendwann sagen, dass kleine Kinder besser zu Hause bleiben, bis sie etwas älter sind? Wenn das Kind so ruhig ist, dass es drei Stunden lang leise malt und dabei sanft einschläft wunderbar. Aber gibt es solche Kinder?

Ganz zu schweigen von Babys, die beim Start, bei der Landung oder einfach so lauthals weinen. Früher war das höchstens ein einziges Baby pro Flieger heute manchmal drei, vier, fünf. Plus die glücklichen größeren Geschwister dazu, die durch den Gang tollen. Aus der Kabine kommt man dann raus, als hätte man den Flug im Tiefflug absolviert.

Zur Klarstellung: Ich bin nicht kinderlos aus Überzeugung. Ich habe selbst viele Reisen mit kleinem Kind sagen wir mal, gezwungenermaßen gemacht. Aber ehrlich: Ich habe einfach keine Nerven, um im Urlaub zum Animateur zu mutieren. Erst als mein Sohn, nennen wir ihn Moritz, alt genug war, um zu zählen, zu verstehen oder auch mal einem strikten Sitz jetzt einfach still und fass nichts an zu folgen, sind wir entspannter gereist. Und da geht es dann eben auch mal ohne Malbücher. Doch viele denken eben ganz anders. Sie geben ihren Kleinen ein komplettes Arsenal an Beschäftigungsideen, lassen sie durch den Gang rennen was sicherlich wichtig für die Entwicklung ist und dann ist es für alle anderen eben auch gut gemeint.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

„Schlag mich nicht auf den Rücken!“ Kinder auf Deutschlands Straßen und genervte Passanten
Die Erbenfalle