Die Erbenfalle

Die Falle für den Erben

Sonja beobachtet ihre Freundin mit wachsendem Staunen. Heute ist Katharina wie ausgewechselt! Andauernd marschiert sie zum Kleiderschrank, holt mal dieses, mal jenes Kleid heraus, betrachtet sie von allen Seiten, probiert, legt sie wieder zurück und zieht das nächste hervor. Ihr Kleiderschrank ist beeindruckend gut gefüllt, doch offenbar erfüllt kein einziges Outfit ihre Ansprüche. Mit solcher Hingabe sortiert sie ihre Garderobe, als hinge das Schicksal der Welt von ihrer Wahl ab. Dazu summt sie leise vor sich hin eine sanfte, kaum hörbare Melodie, die regelmäßig davon unterbrochen wird, dass sie sich erneut selbst im Spiegel mustert.

Sonja hält es kaum noch aus und platzt schließlich mit ihrer Frage heraus:

Für wen machst du dich denn so schick?

Katharina, eben dabei, ihren Lippen mit knallrotem Lippenstift den letzten Schliff zu geben, antwortet seelenruhig, beinahe gleichgültig:

Für Markus.

Sonja erstarrt für einen Moment. Das ist doch ein Scherz?

Welchen Markus meinst du? Den, den du vor fünf Jahren einfach so abserviert hast? Damals sagtest du, er hätte keinerlei Perspektive, erinnerst du dich?

Katharina zieht noch einmal nach, begutachtet sich kritisch im Spiegel, betrachtet Kleid, Frisur, Make Up und lächelt zufrieden. Sie sieht wirklich grandios aus.

Genau den. Ich hab ihn offenbar völlig unterschätzt. Stell dir vor, nicht sein älterer Bruder übernimmt den Familienbetrieb, sondern Markus selbst.

Sonja starrt sie an, noch völlig irritiert von diesem Sinneswandel. Sie kann kaum fassen, wie Katharina plötzlich so schwärmt, dabei war das Ende ihrer Beziehung alles andere als harmonisch gewesen. Doch Katharina scheint das alles längst abgehakt zu haben, betrachtet zufrieden ihr Spiegelbild und malt sich bereits aus, wie sie Markus begegnet, dieser von ihrer Erscheinung überwältigt sein wird. Neue Möglichkeiten, glänzende Zukunftsperspektiven wie könnte er einer solchen Frau schon widerstehen?

Sonja verschränkt die Arme und fixiert ihre Freundin mit einem skeptischen Blick. Sie fragt sich wirklich, wie Katharina hoffen kann, einfach so da weiterzumachen, als sei nie etwas gewesen. Damals war das Ende ein einziges Drama inklusive gegenseitiger Beleidigungen und harter Worte. Wer vergisst so etwas schon einfach?

Und du glaubst, nach dem spektakulären Aus vor fünf Jahren rennt er dir jetzt wieder in die Arme?, fragt Sonja mit spitzer Stimme. Insgeheim hofft sie, dass all das Schminken und Herausputzen vergebens ist. Ich bezweifle das ehrlich gesagt.

Katharina sieht nicht einmal auf. Sie zupft an einer Locke, lächelt versonnen und wirkt vollkommen siegessicher.

Ach, er gehört mir, erwidert sie selbstbewusst. Wir sind uns neulich ganz unverhofft begegnet. Hättest du seinen Blick gesehen! Begehrlich, zärtlich Kein Gedanke an seine Freundin mehr.

Sonja hebt verwundert die Augenbrauen.

Er hat also eine Freundin?

Katharina zuckt abfällig mit den Schultern.

Ja, so eine nette, ruhige Typin. Ich glaube, sie heißt Sophie. Unscheinbar, graue Maus eben. Die hat sofort kapiert, worum es geht, und wäre fast in Tränen ausgebrochen, so wie sie uns angesehen hat.

Sie sieht Sonja herausfordernd an, wartet auf Anerkennung. Die Überzeugung in ihren Augen ist kaum zu übersehen.

Als wir geredet haben, konnte Markus die Augen nicht mehr von mir lassen. Ich brauchte mich gar nicht anstrengen alles lief wie von selbst.

Sonja schüttelt nur langsam den Kopf. Sie kann ihrer Freundin den Eifer nicht abnehmen. Sie erinnert sich noch gut, wie kühl und distanziert Markus beim letzten Mal wirkte. Eine Diskussion will sie aber nicht anfangen sie weiß, Katharina hört ihr jetzt sowieso nicht zu.

Katharina checkt erneut ihr Outfit im Spiegel, nickt zufrieden. Bedenken, sie könnte sich zwischen die Beziehung des Mannes und seiner Freundin drängen, kennt sie nicht. Wieso sollte sie Rücksicht nehmen? In der Liebe ist alles erlaubt! Sie hat die Regeln nicht gemacht jetzt ist sie an der Reihe, Chancen zu nutzen.

Markus ist ein Glücksgriff: gebildet, gutaussehend, tadellos erzogen. Und dazu noch ein ordentliches Konto, beste Aussichten auf die Führung der Familienfirma Für so einen Mann setzt sich Katharina gern in Szene. In Gedanken zählt sie seine Vorzüge auf mit jedem Punkt wird sie entschlossener.

Wieder lächelt sie ihrem Spiegelbild zu. Genau so eine Frau gehört an die Seite eines Mannes seines Standes: hübsch, clever, charmant die perfekte Begleiterin, Hausherrin und Eindrucksquelle für Geschäftspartner. Wer, wenn nicht sie?

Ihre Gedanken streifen Sophie diese stille, zurückhaltende Freundin von Markus. Katharina verzieht kaum merklich das Gesicht, denkt an Sophies unauffällige Art.

Selbst schuld, denkt sie. Drei Jahre Beziehung ohne Verlobung, ohne einen Plan? Auch nicht gerade clever.

Katharina rückt ihre Frisur zurecht, prüft bis ins kleinste Detail ihr Äußeres von den eleganten Pumps bis zum feinen Duft. Sie glaubt fest daran: Dieser Abend wird ein Wendepunkt. Alte Beziehungen oder Konventionen interessieren sie nicht wenn es um die große Chance auf Glück geht, kann man die Regeln ruhig neu schreiben.

*********************

Ein Monat später trifft Sonja ihre Freundin zufällig in einem Café. Sie ist neugierig, will wissen, wie sich Katharinas Romanze mit Markus entwickelt hat, fand bisher aber nie den passenden Moment zu fragen. Doch als sie Katharina, strahlend und selbstbewusst wie eine neue Zwanzig-Euro-Münze, am Fenster entdeckt, hält sie es nicht mehr aus.

Und, wie läuft es mit Markus?, beginnt sie vorsichtig, bemüht, ihr brennendes Interesse zu verbergen. Ich habe gehört, er hat sich überraschend freundschaftlich von seiner Freundin getrennt. An ihrer Stelle hätte ich einen Aufstand gemacht!”

Katharina lehnt sich zurück, ihre Augen funkeln vor Zufriedenheit. Jetzt kann sie sich endlich mitteilen.

Es ist wunderbar!, flötet sie selig. Ich bin sogar schon bei ihm eingezogen. Weißt du, was für eine Wohnung Markus hat? Penthouse, direkt im Herzen von München! Der Ausblick ist unschlagbar, abends leuchtet die ganze Stadt.

Kurz pausiert sie, genießt in Gedanken den Umzugsmoment, bevor sie noch begeisterter fortfährt:

Jeden Morgen wache ich auf, spaziere ans Fenster und kann mich kaum sattsehen. Alles ist modern eingerichtet, edle Materialien überall kaum zu glauben, dass das jetzt mein Zuhause ist.

Sonja rührt in ihrem Tee und kann ein Anflug von Neid kaum verbergen, überspielt ihn aber schnell mit einem höflichen Lächeln.

Ich sehe schon, du bist glücklich, sagt sie ehrlich. Im Innern fragt sie sich, wie es wäre, mit solcher Entschlossenheit das Leben einer anderen einfach zu übernehmen. So kühn aufzutreten wäre nichts für sie.

Katharina, voll in ihrem Element, fährt fort:

Richtig glücklich bin ich, wenn die Hochzeit gefeiert wird. Ihre Augen blicken verträumt zur Decke. Ich suche schon das perfekte Kleid. Es soll etwas ganz Besonderes werden klassisch, aber so elegant, dass alle sprachlos sind, wenn ich hereinkomme.

Sonja lehnt sich zurück, betrachtet die Freundin neugierig. Alles geht rasant voran, als hätte Katharina jeden Schachzug strategisch geplant.

Gibts schon ein Datum?, hakt sie nach und hebt die Braue. Du lässt echt nichts anbrennen!

Katharina zögert kurz, ihr Gesicht wird ernst. Sie dreht nachdenklich die Tasse in der Hand.

Noch nicht. Zuerst muss ich Markus Großmutter kennenlernen und einen guten Eindruck machen. Kannst du dir vorstellen? Sie ist immer noch Chefin im Familienunternehmen mit sechzig! Sie könnte wirklich langsam in Rente gehen.

Sonja muss grinsen, schluckt ihr Lächeln aber schnell wieder runter. Sie kennt die Geschichten über Gertrud von Bruck resolut, durchsetzungsstark, immer alles unter Kontrolle. Katharinas Durchsetzungsvermögen trifft hier sicher auf Gegenwind.

Und was, wenn du bei ihr nicht gut ankommst?, fragt Sonja vorsichtig.

Doch Katharina blitzt vor Selbstvertrauen:

Dann sage ich, dass ich schwanger bin. Das wird genügen. Was soll sie machen? Mich ablehnen?

Sonja bleibt einen Moment sprachlos und fragt dann:

Ernsthaft? Weiß Markus das?

Katharina nickt mit einem triumphierenden Blick.

Noch nicht, aber ich überrasche ihn beim nächsten Familientreffen. Danach können wir das Hochzeitsdatum festlegen. Das Kleid habe ich schon ausgesucht, das Restaurant auch. Mein spezieller Zustand beschleunigt alles, da müssen wir nicht lange warten.

Sonja schüttelt ungläubig den Kopf verwundert, etwas besorgt, aber auch fasziniert von Katharinas Skrupellosigkeit. Diese ist so selbstsicher, als hätte sie das Happy End längst in der Tasche.

Na dann viel Glück! Allerdings solltest du dich auf Gegenwind von Frau von Bruck einstellen. Sie lässt sich nicht so leicht beeindrucken, wie du vielleicht denkst.

Katharina winkt nur ab, überzeugt, dass sich alles regeln lässt, wenn man entschlossen bleibt und sich nicht von anderen beirren lässt.

*********************

Sophie sitzt nervös im Wohnzimmer der großzügigen Villa von Bruck am Starnberger See und zupft an ihrem Rocksaum. Sie hat lange überlegt, ob sie Gertrud von Brucks Einladung wirklich annehmen soll, konnte aber einfach nicht ablehnen zu viel bedeutet ihr diese Frau.

Gertrud von Bruck betritt den Raum mit der Eleganz und Würde, die nur jahrzehntelange Lebenskunst geben können. Ihr stilvolles Kostüm und ihre Haltung zeigen sofort: Diese Frau ist gewohnt, zu bestimmen. Sie setzt sich neben Sophie auf das Sofa, nimmt ihre Hand und spricht leise, ganz ohne Bitterkeit:

Sophie, Liebes, es tut mir so leid, was Markus dir angetan hat. Ihr wart so lange ein Paar, und dann muss er alles zerstören!

Sophie spürt einen Kloß im Hals, schluckt, zwingt sich, ruhig zu bleiben. Weinen will sie nicht nicht hier, nicht vor dieser Frau.

Dem Herzen kann man nichts befehlen, sagt sie leise mit einem schwachen Lächeln. Und Markus und Katharina passen doch auch viel besser zusammen. Ich war nie gern Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Es tut weh, ja aber ein Rosenkrieg liegt mir nicht. Glücklicherweise haben wir nie geheiratet, sonst wäre es komplizierter geworden.

Ihre Stimme klingt nicht verbittert, nur traurig sie hat sich mit dem Verlauf abgefunden. Große Feiern, Smalltalk, gesellschaftliche Verpflichtungen das alles ist nichts für Sophie. In diesem Punkt waren sie und Markus immer grundverschieden.

Gertrud von Bruck sieht sie voller Mitgefühl an. Sie erinnert sich, wie sie Sophie das erste Mal traf eingeschüchtert, zurückhaltend, und gerade das machte sie so sympathisch.

Du warst immer vernünftig, Sophie, sagt die Patronin. Es ist doppelt bedauerlich, dass Markus das nicht erkannt hat. Sein Vater wusste so etwas zu schätzen.

Sophie senkt den Blick, erinnert sich an die wenigen glücklichen, ruhigen Stunden zu zweit. Doch immer öfter war Markus abwesend, setzte auf Karriere, auf Außenwirkung und Kontakte. Sie wollte dieses Spiel nicht mitspielen.

Ich danke Ihnen für alles, sagt Sophie leise. Sie haben mich immer wie Familie behandelt.

Gertrud von Bruck nickt, und es ist klar, was gerade auf dem Spiel steht. Sophie weiß: Was verloren ist, ist verloren. Nun muss die Schwiegermutter in spe erleben, wie sich alles mit der neuen Kandidatin fügt.

Sophie nimmt sich vor, den Abend würdevoll zu verbringen. Markus hat ihr wehgetan, besonders durch seine Sprunghaftigkeit. Aber sie will Haltung bewahren es ist nur eine Familienfeier, kein Kampf. Heute Abend wird sie freundlich, gelassen sein, lächeln, sich gegebenenfalls zu Gesprächen zwingen besonders, wenn Markus älterer Bruder Thomas wieder eine seiner verrückten Geschichten zum Besten gibt.

Die Feier findet im Landhaus der Familie von Bruck statt groß, mit hohen Decken, antiken Möbeln, die seit Generationen weitergegeben werden. Die Gäste trudeln nach und nach ein, das Buffet ist eröffnet, Kaffeeduft liegt in der Luft. Sophie kommt absichtlich früh, um den Blicken zu entgehen.

Der erste Teil des Abends läuft gut. Sie macht Smalltalk mit den Verwandten, bekommt Komplimente für ihr Outfit, entspannt sich etwas, als Thomas von Markus wilden Schulabenteuern erzählt. Sein Humor hilft, die Stimmung zu lockern.

Wenig später jedoch gefriert ihr das Lächeln. Markus erscheint Arm in Arm mit Katharina. Sophie bleibt wie erstarrt, beobachtet, wie die beiden den Raum betreten. Sie weiß: Katharina wurde nie offiziell eingeladen. Das Haus der Familie ist Gertruds Revier und sie hat ihr Missfallen an schnellen Wechseln nie verborgen.

Katharina aber gibt sich, als gehöre alles schon ihr. Sie schaut sich selbstsicher um, mustert die Einrichtung, scheint innerlich Pläne für Umgestaltung zu schmieden. Ihr Blick schweift über Gemälde, schwere Vorhänge, Bücherregale und in jeder Geste die Überzeugung, schon bald Herrin zu sein.

Sophie unterdrückt ein bitteres Lächeln. Diese Arroganz ist unfassbar. Katharina ist eigentlich noch eine Fremde in diesem Haus, und trägt sich, als habe sie schon das Sagen.

Selbst wenn sie hier mal einzieht, denkt Sophie, während Katharina einer antiken Kommode beiläufig über die Schnitzerei streicht, wird sie nie Chefin. In dieser Familie gelten andere Gesetze, und Gertrud von Bruck gibt keine Macht so leicht ab.

In diesem Moment begegnen sich ihre Blicke. Katharinas Lächeln ist kalt, fast herausfordernd, nach dem Motto: Siehst du, ich bin jetzt hier. Sophie bleibt gelassen, nickt nur freundlich. Nach außen bewahrt sie Haltung wahre Stärke zeigt sich, wenn man ruhig bleibt und nicht explodiert.

Sie konzentriert sich wieder auf Thomas, lässt die Neue gewähren. Heute will Sophie die souveränste, freundlichste Person im Raum sein wahre Größe zeigt sich in Würde, nicht in lautem Getöse.

Die meisten Verwandten sind inzwischen da, die Stimmung ist festlich. Schließlich wendet Markus sich an seine Großmutter:

Oma, darf ich dir meine Verlobte vorstellen? Katharina, sagt er laut genug, dass alle es hören. Er nimmt ihre Hand, stolz, zufrieden, als wolle er allen zeigen, dass er es ernst meint.

Gertrud von Bruck blickt langsam auf, bewahrt jedoch Haltung. Doch die Kühle in ihren Augen ist nicht zu übersehen. Sie mustert Katharina von den perfekt frisierten Haaren bis zu den schicken Schuhen.

Typisch Markus, du überstürzt wieder alles, sagt sie mit fester, ruhiger Stimme. Ihre Worte hallen durch den Raum: Ich habe der Hochzeit nicht zugestimmt. In unserer Familie gab es nie so kompromisslose Damen. Und wird es auch in Zukunft nicht geben!

Selbstbewusst antwortet Katharina:

Zustimmung hin oder her. In ein paar Wochen heiße ich von Bruck! Ich bin schwanger. Mein Kind wird Ihr Erbe.

Stille breitet sich aus, verwunderte Blicke treffen sich, doch niemand wagt es, das Wort zu ergreifen.

Sophie fühlt, wie ihr beinahe der Boden unter den Füßen entgleitet, bleibt aber standhaft. Sie wird sich jetzt keine Blöße geben.

Markus wirkt plötzlich unsicher, schaut zwischen Großmutter, Freundin und Familie hin und her. Er hatte Freude, Zustimmung erwartet doch die eisige Stille hat er nicht einkalkuliert.

Gertrud bleibt ruhig. Ein einziger Griff um die Teetasse verrät Anspannung, doch dann ist sie wieder gefasst.

Erbe wovon?, fragt sie trocken. Markus besitzt gar nichts. Selbst die Wohnung habe ich für ihn gekauft.

Katharina stockt, ihre selbstsichere Haltung zerfällt. Verunsichert sucht sie nach Markus Blick, doch der blickt zu Boden.

Aber… die Firma…, stammelt sie. Markus ist doch Geschäftsführer?

Thomas bricht in schallendes Lachen aus, kippt fast vom Sofa.

Wer Markus? Unsinn! Ich bin der Geschäftsführer. Mein kleiner Bruder sortiert nur Akten.

Katharina erbleicht, wird dann rot, fährt Markus an:

Du hast mich belogen? Wie konntest du nur?

Markus hebt langsam den Kopf, ringt nach Worten, senkt dann wieder den Blick. Stille.

Gertrud schaut zu, ihr Gesicht maskenhaft. Thomas will beschwichtigen, doch Katharina hört schon nicht mehr zu, schaut hilflos in die Runde.

Du hast gesagt, du hast alles im Griff…, flüstert Katharina schließlich.

Markus antwortet schwach:

Ich wollte nur, dass du mich für erfolgreich hältst. Ich dachte, es geht alles gut aus…

Gedacht?! Und an mich, an unser Kind?, schreit Katharina nun.

Nun wirkt Thomas betroffen. Gertrud hebt nur die Braue, als sage sie: Na, hab ichs nicht gesagt?

Markus fragt still:

Geht es dir nur um die Firma? Zählts nicht, wer ich bin? Sophie hat das nie gestört…

Seine Worte bleiben im Raum hängen, es ist totenstill.

Hättest du mal besser nicht gelogen!, ruft Katharina, steht ruckartig auf, greift ihre Handtasche und läuft ohne ein weiteres Wort raus. Die Hochzeit kannst du vergessen. Das Kind auch. Viel Glück, Sophie!

Ihre Absätze klackern laut über das Parkett, vorbei an Vitrinen und Familienporträts. Die Tür fällt krachend ins Schloss.

Schweigen. Markus steht mit gebeugten Schultern da, Thomas nimmt einen Schluck Wasser, Gertrud bleibt ungerührt fast, als hätte sie genau dieses Ende erwartet.

Sophie lächelt erstmals bitter, beinahe erleichtert.

Nicht mit mir!, denkt sie. Die Lektion habe ich gelernt.

Sie atmet tief durch, beruhigt ihre Hände. Kein Mitleid mehr für Markus oder Katharina. Sie hat gewartet, gelitten, gegrübelt. Sie weiß jetzt: Nicht sie war das Problem.

In aller Ruhe streicht sie sich eine Haarsträhne zurecht, wirft Markus noch einen letzten Blick zu verloren, kindlich, ratlos und wendet sich ab. Er interessiert sie nicht mehr.

Schließlich spricht Gertrud von Bruck:

Nun, das nenne ich einen ereignisreichen Abend.

Nüchtern, ohne Vorwurf, aber unmissverständlich. Thomas nickt und greift zum Gebäck. Markus bleibt stehen wie ein einsames Denkmal.

Sophie nimmt ihre Handtasche, verabschiedet sich leise und tritt vor die Tür. Kein Wort mehr, keine Umarmung sie geht hinaus, atmet die kühle Abendluft, und diesmal lächelt sie wirklich.

Es ist vorbei. Und das ist gut so.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: