Ein Chaos im Kleiderschrank, Berge von ungebügelter Kleidung und sauer gewordene Suppe im Kühlschrank so habe ich mir meine Ehefrau nicht vorgestellt, aber genau das erlebe ich jetzt Tag für Tag.
Ich wollte meiner Frau, Anne, vorsichtig einen Hinweis geben und am Ende war ich auch noch der Schuldige.
Ich habe mich sofort in Anne verliebt. So eine Schönheit übersieht niemand. Lange war ich überzeugt, dass ich großes Glück hatte: klug, attraktiv, gepflegt. Ich habe nicht lange gezögert und ihr einen Antrag gemacht.
Danach sind wir zusammengezogen. Anne stellte gleich klar, dass sie Hausarbeit nicht besonders möge und lieber beruflich aktiv bleiben wolle solange wir uns die Aufgaben gerecht aufteilen. Ich bin kein Angeber und habe zugestimmt. Damals hielt ich das für vernünftig und fair, aber mit der Zeit kam die große Enttäuschung.
Wir haben unsere Aufgaben im Haushalt klar geregelt. Meine Frau versicherte mir, das ließe sich gut mit ihrer Karriere verbinden, von der sie immer geträumt hatte. Auch da habe ich keinen Widerspruch eingelegt.
Aber nach einem halben Jahr Ehe habe ich gemerkt, dass etwas schiefläuft. Der Alltag hat unsere Regeln komplett durcheinandergebracht. Anne ist nie wirklich erfolgreich geworden. Sie arbeitet nur gelegentlich bei einer kleinen Firma in München, mit unregelmäßigen Arbeitszeiten und schwankendem Gehalt. Das Geld gibt sie ausschließlich für ihre eigenen Bedürfnisse aus. Ich muss täglich schuften von morgens bis abends. Aber Anne hält genau an der Aufgabenverteilung fest, und sie sieht großzügig über ihre eigenen Pflichtverstöße hinweg.
Anfangs hat Anne ihren Teil wirklich gewissenhaft erledigt, aber ihre Begeisterung ließ bald nach. Ich habe es ihr nie übel genommen, bis ihr Nachlassen unübersehbar wurde. Jetzt ist die Wohnung ein einziges Chaos.
Auf den Stühlen türmen sich Kleider und im Kleiderschrank stapeln sich ungebügelte Hemden. Aber meine Frau schafft es, mir die Schuld zuzuschieben. Du gehst doch auch arbeiten, bringst Geld nach Hause wäre es so schwer, mir einfach zu helfen? Das hat mich wirklich verletzt. Ich buckele schon für das Einkommen von uns beiden und soll jetzt auch noch den Haushalt alleine bewältigen? Dabei haben wir die Aufgaben von Anfang an ehrlich aufgeteilt.
Gestern habe ich im Kühlschrank eine sauer gewordene Erbsensuppe entdeckt der Geruch hätte jeden Schädlingsbekämpfer erschreckt. Ich dachte, nach der Geburt unseres Kindes würde Anne mehr Verantwortung übernehmen. Sie ist in Elternzeit, müsste doch mehr Zeit für den Haushalt haben. Doch es wurde noch schlimmer. Langsam denke ich, es wäre einfacher ohne Ehefrau. Und dazu kommen mittlerweile ständige Streitigkeiten. Ich soll Verständnis für Anne zeigen, mich in ihre Lage versetzen aber wer versteht mich? Ich gehe nicht jeden Tag ins Wellnesshotel, sondern ins Büro. Arbeite dort und abends im Homeoffice, und muss trotzdem alles im Haus im Auge behalten. Ein bisschen Erholung wäre mein einziger Wunsch.
Ich verstehe nicht, was Anne den ganzen Tag während ihrer Elternzeit macht, dass sie kein Abendessen kochen kann oder zumindest im Haus Ordnung hält. Ist das wirklich so schwer? Das Kind ist erst sieben Monate alt und schläft die meiste Zeit des Tages. In der Zeit kann man wenigstens mal Staub wischen. Was wird erst passieren, wenn wir ein zweites Kind bekommen? Ich stehe weiterhin für Gleichberechtigung und gegenseitige Unterstützung ein. Ich bin bereit, alles zu akzeptieren und meinen Teil beizutragen, aber ich erwarte dasselbe zurück. Warum kann Anne das nicht begreifen?
Ich will die Familie nicht zerstören, denn ich liebe unser Kind sehr. Aber ich weiß nicht, wie lange ich dieses Theater noch durchhalte. Mein Geduldsfaden ist bald gerissen.
Auf wessen Seite steht ihr in dieser Geschichte?





