Ein Mädchen wurde geboren – doch sie war ein Sorgenkind. So schwierig, dass die Ärzte versuchten, ihre Eltern zum Unterschreiben einer Ablehnung zu bewegen.

Alles war in Ordnung. Laut dem Ultraschall war das Baby vollkommen gesund. Doch die Geburt war schwer, wie ein durch Nebel gehender Alptraum. Es war ein Mädchen, aber voller Probleme. So viele, dass die Ärzte begannen, mich zur Aufgabe zu überreden.

Das Mädchen lag im Brutkasten, während mein Mann in einem weißen Traumanzug auftauchte. Der leitende Arzt sagte ihm, das Kind könne nicht leben, es wäre eine Bürde, wie ein dunkel werden Sommer. Mein Mann dachte lange nach und entschied schließlich, dass er lieber abschließen sollte, nicht sein Leben verderben. Ich sagte nichts alles fühlte sich wie hinter Glas an.

Kurz vor meiner Entlassung sagte ich plötzlich, dass ich meine Tochter nicht abgeben würde. Mein Mann packte einfach seine Sachen und verließ die Wohnung, wie ein Schatten im Regen. Ich kehrte mit dem Baby zurück in eine leere Altbauwohnung in München. Wir irrten durch Krankenhäuser und Flure, griffen nach jedem Strohhalm, während die Uhren lautlos tickten.

Was seltsam war: Viele Mütter mit kranken Kindern fanden mich und umarmten mich mit ihren Worten. Eines Tages traf ich in der Klinik einen Mann namens Klaus. Er erzählte mir, dass seine Frau ihn für einen jüngeren Liebhaber verlassen hatte, und sie bekamen keine Kinder; er verbrachte seine Tage in endlosen dunklen Warteräumen.

Er betrachtete meine Tochter, die kleine Wilhelmine, mit solcher Zärtlichkeit, dass mir Tränen kamen. Er half mir mit seinen Ratschlägen, seinen Kontakten und seinem Geld. Euro und Hoffnung vermischten sich wie Farben im Traum. Unsere Nähe wurde so groß, dass wir bald nicht mehr voneinander fortwollten. Wir heirateten still, fast unwirklich, nicht im Weiß, sondern in fast bayerischem Nebel.

Mittlerweile ist Wilhelmine beinahe gesund. Sie ist Meisterin im Turnen, schwebt über Matten wie ein Vogel im Morgengrauen. Und wir haben noch einen Sohn: einen kleinen Ludwig, der in unserem Leben wie Sonnenschein in einer Tasse erscheint.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Ein Mädchen wurde geboren – doch sie war ein Sorgenkind. So schwierig, dass die Ärzte versuchten, ihre Eltern zum Unterschreiben einer Ablehnung zu bewegen.
ARCHI… Er ist ein Engel…