Mein Mann und ich haben das Berliner Apartment unserem Sohn überlassen und sind aufs Land gezogen – doch er zog zu seiner Schwiegermutter und vermietete heimlich unsere Wohnung weiter

Meine Frau und ich haben die Wohnung unserem Sohn überlassen und sind aufs Land gezogen. Er ist mit seiner Schwiegermutter zusammengezogen und hat unsere Wohnung vermietet.

Ich habe meine Frau geheiratet, als wir beide 23 Jahre alt waren. Außerdem war sie damals bereits schwanger. Wir hatten beide unser Studium an der Pädagogischen Hochschule abgeschlossen. Unsere Familien waren nicht wohlhabend, niemand hatte einen reichen Vater oder Onkel, also haben wir alles selbst aufgebaut.

Wir sind früh arbeiten gegangen. Fast ab der Geburt wurde unser Sohn mit der Flasche großgezogen. Entweder wegen des Stresses oder der einseitigen Ernährung hatte meine Frau, damals eine junge Mutter, keine Milch. Im Alter von knapp elf Monaten kam unser Sohn in die Kinderkrippe. Dort lernte er schnell, allein mit dem Löffel zu essen, aufs Töpfchen zu gehen und ohne Wiegen einzuschlafen. Aber meine Frau und ich mussten arbeiten.

Zunächst haben wir in einer Mietwohnung gewohnt, dann in einer Einzimmerwohnung, und schließlich sparten wir genug für eine Zweizimmerwohnung. Da wir beide vom Land stammen, wollten wir ein Grundstück haben, das wir vor einigen Jahren kauften. Mein Schwiegervater baute dort, Stein für Stein, ein kleines zweiräumiges Haus. Wir installierten einen Ofen, ebneten den Garten und kauften Möbel.

Alles schien in Ordnung. Es hätte einfach so weitergehen können leben und genießen. Wir waren 46. Endlich konnten wir an uns selbst denken. Doch die Geschichte wiederholt sich. Unser Sohn, mit 23, entschied sich ebenfalls zu heiraten. Unsere Schwiegertochter stammt aus einer wohlhabenden Familie. Beide haben zusammen Jura studiert. Die Hochzeit stand bevor.

Und dann begann das Theater. Sie wünschte sich ein teures Restaurant, eine Limousine, Flitterwochen, und natürlich eine eigene Wohnung.

Seit der Kindheit unseres Sohnes hatte ich immer das Gefühl, wir könnten ihm nicht genügend Liebe geben. Früh in die KiTa, dann die Schule wir waren beide immer beschäftigt, ganz wie Lehrer es oft sind. Die meiste Zeit sorgten wir für andere Kinder. Unser Sohn war oft auf sich allein gestellt. Die Großeltern wohnten weit weg. Dafür versuchten wir wenigstens mit materiellen Dingen alles auszugleichen: teures Spielzeug, Möbel, schöne Kleidung, ein Auto zum 18. Geburtstag, und ein Studium, das wir bezahlten.

Jetzt wollten wir ihm auch einen guten Start ins eigene Leben ermöglichen. Alles, was wir gespart hatten, gaben wir für die Hochzeit aus. Nach langen Gesprächen mit meiner Frau schenkten wir ihm die Wohnung. Wir wollten, dass er es nicht so schwer hat wie wir. Die Schwiegereltern steuerten auch Geld bei bei der Ausstattung und Kleidung ihrer Tochter. Für sie gab es Pelze, Schmuck und alles, was das Herz begehrt. Sie besitzen ein großes Haus auf dem Land mit drei Stockwerken, edle Möbel, teure Autos.

Nach und nach entfernte sich unser Sohn von uns. Irgendwann kam er nur noch einmal im Monat vorbei, und telefonierte auch nicht mehr. Sein Schwager verschaffte ihm eine Anstellung in einer angesehenen Firma.

Eines Tages trafen meine Frau und ich eine Nachbarin auf dem Wochenmarkt. Sie erwähnte nebenbei, unser Sohn wohne schon lange nicht mehr in unserer Wohnung. Er und seine Frau hätten sich bei der Schwiegermutter einquartiert. Unsere Wohnung werde inzwischen vermietet. Das traf meinen Schwiegervater schwer. Ich beruhigte ihn und rief unseren Sohn sofort an. Seine Antwort war schnippisch: Wir hätten ihm die Wohnung schließlich selbst überlassen. Er sagte, wir hätten ja nie wirklich Geld gehabt, und warf uns vor, dass er sich immer schämen musste weil er und seine Frau in der Wohnung seiner Schwiegermutter lebten, während seine Eltern nur einfache Lehrer waren.

Meine Frau und ich beschlossen, das so nicht auf uns sitzen zu lassen. Wir konsultierten einen Anwalt. Der erklärte uns, dass die Übergabe der Wohnung ohne offiziellen Vertrag überhaupt nicht rechtsgültig sei. Das Mietrecht sei eindeutig: Nur wer im Grundbuch stehe, dürfe die Wohnung vermieten.

Wir entschlossen uns gegen eine Klage und ließen die Mieter noch einen Monat lang wohnen. Wir erklärten ihnen alles, sie waren sehr verständnisvoll und zogen ohne Streit pünktlich aus. Dann sind wir selbst wieder in unsere alte Wohnung zurückgezogen, aber das Verhältnis zu unserem Sohn ist weiterhin zerrüttet. Mein Schwiegervater und ich sind enttäuscht und voller Bitterkeit. Vielleicht gibt es irgendwann eine Versöhnung. Doch im Moment bleibt nur der Schmerz.

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Homy
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Mein Mann und ich haben das Berliner Apartment unserem Sohn überlassen und sind aufs Land gezogen – doch er zog zu seiner Schwiegermutter und vermietete heimlich unsere Wohnung weiter
Nicht zu fassen, Papa, was für ein Empfang! Und warum wolltest du überhaupt ins Sanatorium, wo du doch zu Hause echtes „All Inclusive“ hast? Als Dimitri ihr die Schlüssel zu seiner Wohnung überreichte, wusste Eva: Bastille eingenommen. Kein DiCaprio hat so auf einen Oscar gewartet, wie Eva auf ihren Dimitri – und das auch noch mit dem eigenen Nest. Entmutigt und 35 Jahre alt, warf sie immer öfter mitleidige Blicke zu Straßenkatzen und in die Schaufenster von „Alles für Handarbeit“. Und da war er – einsam, mit der Jugend für Karriere, gesundes Essen, Fitnessstudio und anderen Unsinn wie die Suche nach sich selbst geopfert – und dazu noch kinderlos. Seit Eva zwanzig war, hatte sie sich dieses Geschenk erträumt, und irgendwo da oben ist wohl endlich klar geworden, dass sie es ernst meinte. „Letzte Dienstreise dieses Jahr, dann gehöre ich ganz dir“, sagte Dimitri und überreichte die Schlüssel. „Erschreck dich nicht über meine Höhle. Ich komme normalerweise nur zum Schlafen nach Hause“, meinte er und flog für das ganze Wochenende in eine andere Zeitzone. Eva steckte Zahnbürste und Creme ein und machte sich auf den Weg – neugierig auf die Höhle. Schon an der Tür gab es Probleme. Dimitri meinte, das Schloss hakt manchmal, aber Eva ahnte nicht wie sehr. Vierzig Minuten kämpfte sie sich mit Schlüssel und Schlosstricks zur Tür hinein – psychologische Kriegsführung inklusive, wie von den Klassenkameraden hinterm Garagen beigebracht. Der Lärm öffnete die Nachbarwohnung. „Warum brechen Sie in fremde Wohnungen ein?“, fragte eine besorgte Frauenstimme. „Ich breche nicht ein, ich habe Schlüssel!“, schnaubte Eva. „Und wer sind Sie überhaupt? Kenne Sie nicht“, mischte sich die Nachbarin weiter ein. „Ich bin seine Freundin!“, rief Eva herausfordernd – aber sprach nur mit einer Türspalte. „Sie?“ – die Frau war erstaunt. „Ja, gibt’s Probleme?“ „Nein, keine. Er hat nie jemanden mitgebracht (in dem Moment mochte Eva Dimitri gleich noch mehr). Und jetzt gleich so eine…“ „So eine wie?“ „Nicht meine Sache, tut mir leid“, schloss die Nachbarin ihre Tür. Eva drückte mit allem Willen gegen das Schloss, knirschte, und – endlich öffnete sich die Tür. Dialog mit der Wohnung – der ganze Innenraum von Dimitri offenbarte sich und Evas Seele fror. Eremiten-Askese pur. „Armes Herz, du hast vergessen, was Geborgenheit ist – vielleicht hast du es nie gekannt“, entfuhr es Eva beim Blick auf das winzige, bescheidene Reich. Aber: Sie war froh. Die Nachbarin hatte nicht gelogen – keine weibliche Hand hatte hier je gewirkt. Eva war die Erste. Ohne zu zögern stürmte Eva in den nächsten „Müller“ und kaufte schöne Vorhänge und Badematte, dazu Topflappen und Handtücher für die Küche. Und schwupps – Duftspender, handgemachte Seife, praktische Kosmetikboxen wanderten ins Körbchen. „Kleinigkeiten zu einer fremden Wohnung hinzufügen ist nicht dreist“, beruhigte sich Eva, als sie den zweiten Einkaufswagen befüllte. Das Schloss machte jetzt keinen Widerstand mehr. Eigentlich war es sowieso eher wie ein Hockey-Torwart ohne Maske. Als sie merkte, was passiert war, schraubte Eva bis Mitternacht mit Küchenmesser das alte Schloss aus und besorgte morgens ein neues – und auch neue Messer, Gabeln, Löffel, Tischdecke, Bretter und Untersetzer. Die Vorhänge waren quasi schon gebongt. Am Sonntagmittag meldete sich Dimitri: „Ich muss noch ein paar Tage länger bleiben.“ „Ich freue mich, wenn du meine Wohnung mit Wärme und Gemütlichkeit füllst“, lachte er am Telefon, als Eva ihm von ihren Interior-Freuden berichtete. Das „Gemütlichkeitstransporter“ rollten quasi in die Wohnung und Eva verteilte alles strategisch – so lang hatte sie darauf gewartet, dass sie kaum stoppen konnte. Als Dimitri zurückkehrte, war nur noch eine Spinne bei der Lüftung übrig. Eva wollte sie vertreiben, doch die verdatterten acht Augen überzeugten sie – Symbol der Unantastbarkeit. Dimitris Wohnung sah nun aus wie seit acht Jahren verheiratet, enttäuscht, und dann wieder glücklich trotz allem. Eva kümmerte sich nicht nur um die Wohnung, sondern wurde auch die Ansprechpartnerin des Hauses. Kein Ring am Finger, aber das ist nur ein Detail. Die Nachbarn wunderten sich erst, dann zuckten sie die Schultern: „Wie Sie meinen, uns ist’s egal, ist ja Ihre Sache.“ Am Tag von Dimitris Rückkehr bereitete Eva ein echtes deutsches Abendessen, verpackte die Beine in schicke, leicht freche Verpackung, verteilte Räucherstäbchen und dimmte das Licht. Dimitri verspätete sich. Als Eva spürte, dass die Verpackung ins Sportstudio-geformte Bein schnitt, wurde der Schlüssel ins Schloss gesteckt. „Neues Schloss, einfach drücken, ist offen!“, rief Eva verführerisch und unerschrocken. Sie hatte zu hart an der Wohnung gearbeitet – alles ist verziehen! Doch dann, als die Tür aufging, kam – pling – eine SMS von Dimitri: „Wo bist du? Ich bin daheim. Sieht aus wie immer. Kumpels meinten, du stellst alles mit Kosmetik voll.“ Eva sah die Nachricht erst später. Stattdessen betraten fünf völlig fremde Menschen die Wohnung: Zwei junge Erwachsene, zwei Schulkids und ein sehr alter Herr, der sich beim Anblick von Eva die Haare glatt strich. „Nicht schlecht, Papa, was für ein Empfang! Wozu das Sanatorium, wenn es daheim so ‘All Inclusive’ ist?“, rief der junge Mann – und kassierte einen Rüffel von seiner Frau. Eva stand mit zwei vollen Gläsern – bewegungslos. Schreiend, aber im Schock. Irgendwo kicherte die Spinne zufrieden. „Entschuldigen Sie, wer sind Sie?“, piepste Eva. „Der Besitzer dieser Hütte. Und Sie kommen wohl von der Praxis zum Verbinden? Hab doch gesagt, ich kann’s selbst“, meinte der Opa und deutete auf Evas sexy Krankenschwester-Outfit. „Mmm, ja, Adam Matthäus, bei Ihnen ist’s ja richtig gemütlich geworden“, warf die Ehefrau des jungen Mannes einen Blick hinter Eva. „Ganz anders, nicht wie vorher wie im Grab. Und Sie, wie heißen Sie, junge Dame? Adam Matthäus ist doch etwas alt für Sie. Aber immerhin ein Herr im eigenen Heim…“ „E-e-eva…“ „Na sowas! Gut ausgesucht, Adam Matthäus, da kann man nicht meckern!“ Dem Opa gefiel die Begegnung offensichtlich auch. „Wo ist Dimitri?“, flüsterte Eva und kippte beide Gläser in einem Zug. „Ich bin Dimitri!“, rief freudig ein Achtjähriger. „Warte, dafür bist du noch zu jung“, winkte seine Mutter ab und schickte die Kinder samt Gatten zum Auto. „E-e-entschuldigung, ich bin offenbar in der falschen Wohnung gelandet“, stammelte Eva, die das Drama mit dem Schloss erinnerte. „Das ist Fliederweg 18, Wohnung 26?“ „Nein, das ist Buchenstraße 18“, schlug der Opa die Hände zusammen, schon bereit zur Geschenk-Auspack-Action. „Ach so“, seufzte Eva tragisch, „verwechselt! Dann machen Sie es sich doch bequem, ich telefoniere kurz.“ Sie schnappte das Handy, floh ins Bad und wickelte sich ins Handtuch – las erst jetzt die SMS von Dimitri. „Dimitri, bin gleich da, war noch im Laden“, tippte sie schnell zurück. „Klar, warte auf dich. Bring bitte noch Rotwein mit, wenn’s geht“, sprach Dimitri in der Sprachnachricht. Das Rot wollte Eva jetzt innerlich transportieren. Unter dem Arm die Badematte, in der Hand die Gardine, wartete sie, bis die Fremden in die Küche gingen, und floh aus dem Bad. Sie packte hastig alles zusammen und stürmte aus der Wohnung. *** „Ich erzähle es später“, erklärte Eva ihren Aufzug, als der junge Mann die echte Tür öffnete. Wie im Nebel ging sie an ihm vorbei, direkt ins Bad, hängte Vorhang und Matte wieder an und fiel aufs Sofa – und schlief bis zum nächsten Morgen, bis Stress und Rotwein verdampft waren. Als sie aufwachte, wartete ein junger Mann auf eine Erklärung. „Welches Adresse ist das…?“ „Butowstraße 18.“