Verschieb doch deinen Geburtstag! Das Gesicht meiner Schwiegermutter veränderte sich in Sekunden. An diesem Tag feiern wir einen anderen Feiertag!
Ohne Begrüßung stürmte meine Schwiegermutter in unsere Wohnung, die Lippen geschürzt und mit diesem Tonfall, der schon an der Haustür Streit ankündigte.
Mein Mann sah sie verwirrt an, denn er verstand nicht einmal, worum es ging. Sie verlor keine Zeit:
Stimmt es, dass ihr den Internationalen Frauentag bei euch feiern wollt und dass du ihn mit deinem Geburtstag kombinierst?
Mein Mann zuckte die Schultern.
Ja, das stimmt. Zwei Feste auf einmal.
Für ihn schien das völlig normal. Für meine Schwiegermutter allerdings, als hätte man ihr die Herrschaft genommen.
Sie stellte sich sofort stolz hin, stemmte die Hände in die Hüften und sagte:
Der 8. März wird IMMER bei MIR gefeiert! Das ist Tradition! Sag deiner Frau, sie soll das nicht verderben. Ihr Geburtstag ist einen Tag früher den soll sie dann feiern!
Mein Mann wollte den Konflikt vermeiden:
Sprich doch selbst mit ihr sie ist gerade im Bad.
Die Schwiegermutter plumpste auf das Sofa und begann zu murmeln, wie viel Wasser verschwendet wird und dass es ein Luxus sei, so lange zu baden.
Als ich schließlich aus dem Bad kam, sprang sie förmlich vor mich.
Erschrocken wich ich zurück.
Warum willst du deinen Geburtstag ausgerechnet am 8. März feiern?! zischte sie.
Ich versuchte ruhig zu antworten:
Es sind doch zwei Festtage. Warum nicht zusammen feiern?
Sie sah mich an, als hätte ich ein Verbrechen begangen.
Wie lange bist du jetzt mit meinem Sohn verheiratet?
Zehn Jahre.
Und in diesen zehn Jahren hast du nicht gelernt, dass am 8. März die ganze Familie bei mir versammelt ist?!
Das Klima wurde immer angespannter. Ich sagte, dass man einmal was ändern könne, dass die Gäste bereits eingeladen seien, dass es für uns so passt doch das machte sie nur noch wütender.
Das ist TRADITION! Wie kannst du Tradition ändern?!
Dann begann das Größte die Drohungen.
Wenn du deinen Geburtstag nicht verschiebst, kommen alle zu mir! Auch mein Sohn! Du wirst unsere Familie nicht entzweien!
Ich antwortete leise, aber bestimmt:
Ich werde den Termin nicht ändern.
Da verwandelte sie alles in einen persönlichen Krieg wie es nur manche Schwiegermütter können:
Willst du mich etwa absichtlich beschämen! Ich dachte, wir hätten ein gutes Verhältnis und nun sehe ich, dass ich die falsche Person in mein Leben gelassen habe!
Mein Mann stand dazwischen verlegen, hin und her gerissen, wie immer wenn er sich entscheiden muss.
Er versuchte sie zu beruhigen:
Niemand will dich ausschließen. Können wir dieses Jahr nicht bei uns feiern?
Das machte alles nur schlimmer.
Was?! Du hältst zu DEINER FRAU?!
Sie wurde blass, klammerte sich dramatisch ans Herz und sprach diesen Fluch, der immer wie ein Urteil klingt:
Ich erwarte dich am 8. März um zwei Uhr. Wenn du nicht kommst, ziehe ich meine Schlüsse.
Dann ging sie.
Als mein Mann und ich allein waren, sah er mich an:
Vielleicht hättest du nachgeben sollen
Da platzte mir der Kragen:
Alle sind eingeladen! Was soll ich Ihnen sagen? Dass ich meinen Geburtstag absage, weil jemand meint, der 8. März sei ihr Tag?
Mein Mann seufzte. Ihm war klar, dass seine Mutter nicht nachgeben würde. Und dass Streit unvermeidlich war, egal was er tat.
Letztlich entschied er sich für einen Kompromiss: Morgens ging er zu seiner Mutter, brachte ihr Blumen und gratulierte ihr. Dann kam er zurück zu mir, um bei meinem Geburtstag zu sein.
Aber auch das löste das Problem nicht.
Als die Gäste kamen stellte sich heraus, dass viele aus seiner Familie doch zu uns gekommen waren.
Er war überrascht.
Und ich ahnte schon, was nun folgte und lag richtig.
Seit jenem Tag brach meine Schwiegermutter jeden Kontakt ab. Kein Anruf. Keine Nachrichten. Keine Anerkennung.
Für sie war ich die Frau, die die Tradition zerstört hat.
Und ich ich wollte einfach nur meinen Geburtstag in Ruhe feiern.
Im Leben merken wir manchmal, dass Traditionen Menschen verbinden können aber ebenso trennen, wenn sie verbissen eingefordert werden. Manchmal hilft ein Kompromiss, manchmal nur das Verständnis, dass jeder Feier und jede Beziehung von gegenseitigem Respekt lebt. Nur dann bleiben Familien wirklich zusammen.





