Mein Schwiegervater war sprachlos, als er sah, wie wir leben

Mein Schwiegervater war sprachlos, als er sah, wie wir lebten.

Jürgen und ich trafen uns wie aus dem Nichts, bei einer Hochzeit in Leipzig zwischen taumelnden Luftschlössern. Ich zog in die Stadt, in ein Meer von Lichtern, und fand mir einen Job. Ehrlich? Ich schwebte auf Wolken, schließlich war ich dem kleinen Heimatdorf entkommen, wo alles nach Heu und Hühnern roch. Unsere Beziehung bewegte sich wie ein Zug im Nebel nur ein Jahr später kam unsere Tochter auf eine seltsam stürmische Welt.

Aber dann löste sich alles auf wie Zucker im Regen.

Warum hat unser Kind blondes Haar und blaue Augen, während wir beide dunkle Haare tragen?, fragte Jürgen mit einer Stimme, die wie ein Eiszapfen klang.

Lieber, bestimmt hat sie das von deinem Vater geerbt. Schau nur, wie ähnlich sie sich sind.

Erzähl mir nichts vom Pferd. Ein Kind sollte nach Vater oder Mutter kommen, nicht nach irgendeiner anderen Gestalt. Und meine Mutter sagt, sie glaubt nicht, dass das Kind von mir ist.

Ich wollte rufen, dass Gudrun mich nie mochte. Sie glaubte stets, ich liebte ihren Sohn nicht, sondern wollte nur aus dem Kaff fliehen. Aber mein Schwiegervater, Herr Hans-Peter, war immer wie ein warmer Sommerregen. Er war längst geschieden von seiner ersten Frau. Mit einer neuen Familie, aber den alten Sohn nie vergessen. Familienbande, so verworren wie das Spinnennetz in einem Weinkeller.

Doch dann brachte Jürgen eine fremde Frau in unser Heim. Er sagte, ich solle schnell packen und verschwinden. Keine Wahl, nur stille Verzweiflung.

Ich hatte keinen Ort mehr. Meine Eltern wollten mich samt Kind nicht aufnehmen. Also rief ich meine Freundin Britta an, deren Wohnzimmer sich wie ein Sarg anfühlte. Danach fand ich ein Zimmer in einer Arbeiterwohnung und schleppte mein Kind durchs Labyrinth dorthin. Aber das Geld, die Euro nur noch Schatten ihrer selbst.

Eines Tages betrat ich einen Supermarkt oder war es doch eine Kirche? und hörte eine Stimme wie Donnerhall durch den Traum rauschen.

Mädels, wo seid ihr nur abgeblieben? Ich hab euch sogar im Dorf gesucht!, sagte mein Schwiegervater, ein bisschen wie der Weihnachtsmann.

Guten Tag. Ich freue mich wirklich, hauchte ich wie aus weiter Ferne.

Ich weiß, was Jürgen getan hat. Keine Entschuldigung wert. Er und seine Mutter, ein Herz und eine Seele Wo wohnt ihr jetzt?

Wir haben ein Zimmer zur Miete.

Alles klar. Ich muss weiter, die Straßenbahn fährt gleich. Sobald ich zurück bin, regeln wir das mit der Wohnung. Hier, nimm das, es sollte für zwei Wochen reichen er zog einen Umschlag, gefüllt mit Scheinen, aus einer Manteltasche, die nach Pfefferminz roch.

Ich fühlte mich, als hinge ich plötzlich zwischen Suppenküchen-Paradies und Eisdiele. Wenigstens war Milch und Brot wieder erreichbar.

Mein Schwiegervater kam wie ein Geist zu Besuch, früher als der Morgen tauchte er im Zimmer auf. Er konnte die düsteren Wände und das knirschende Bett kaum fassen. Doch Aufnahme in seiner neuen Familie blieb verbaut seine neue Frau, Ursula, war dagegen. Dennoch fand er einen Ausweg kaufte mit all seinen Ersparnissen eine kleine Wohnung. Er überschrieben sie seiner Enkelin, ohne dass ich es verhindern konnte. Es war kein Geschenk für mich, sondern wurde im Namen der Hoffnung an das Kind weitergegeben.

Schon einen Monat später richtete ich unser neues Nest ein zwischen Möbeln, die wie freundlich gewordene Riesen am Fenster standen, und Technik, die im Flur schnarrte.

Nur keine Eile mit der Kita deine Tochter braucht dich. Ich helfe euch, keine Sorge. Jetzt ist sogar Ursula ruhiger geworden, sie möchte ihre Enkelin sehen.

Ich danke Ihnen von Herzen!

Weine nicht, Kind. Solange ich lebe, bist du nie allein. Du kannst immer kommen, wann du willst. Mit der Zeit wird alles gut, das verspreche ich.

Ich bin glücklich, dass meine Tochter so einen Großvater hat, auch wenn sie nicht so viel Glück mit ihrem Vater hatte. Hans-Peter gab alles, was er hatte, um uns in ruhige Gewässer zu begleiten.

Jahre vergingen. Ich habe wieder geheiratet, doch mein Schwiegervater bleibt mein Fels, ein gern gesehener Gast in unserem neuen Zuhause. Wir besuchen ihn oft, irgendwo zwischen Märchen, Kaffee und alten Liedern.

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Homy
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Mein Schwiegervater war sprachlos, als er sah, wie wir leben
„Eine Überraschung vom Ex“