Es ist schon eine ganze Weile her, doch ich erinnere mich noch gut daran, wie ein einziger Klingelton auf dem Handy meiner Schwiegertochter meine Pläne veränderte, einer jungen Familie bei der Wohnungssuche zu helfen.
Ich lebte allein in einer schönen Einzimmerwohnung mitten im Herzen von Berlin. Mein Mann war vor einigen Jahren verstorben, und ich hatte von meiner Tante eine weitere Wohnung geerbteine Zweizimmerwohnung in einem anderen, vielleicht etwas weniger begehrten, aber dennoch angenehm eingerichteten Stadtteil. Diese Wohnung vermietete ich an ein junges, ordentliches Paar, das jeden Monat kam, um die Miete zu bezahlen und nach dem Rechten zu sehen. Zwei Jahre lang gab es keinerlei Beanstandungen.
Als mein Sohn heiratete, beschlossen er und seine Frau, sich selbst eine Existenz aufzubauen. Sie mieteten sich in eine andere Wohnung ein und begannen, für eine Anzahlung auf ein eigenes Haus zu sparen. Ich hatte nichts dagegen, auch wenn ich auf lange Sicht vorhatte, ihnen die Wohnung meiner Tante zukommen zu lassen, damit sie damit machen konnten, was sie wollten: verkaufen, renovieren, umgestalten ganz wie sie möchten.
Ein Jahr nach der Hochzeit kam ihr Sohn zur Welt und mit der Ankunft meines Enkels reifte in mir der Entschluss, die Wohnung offiziell meinem Sohn zu überschreiben. Erst vor etwa einer Woche änderte ich meine Meinung.
An meinem sechzigsten Geburtstag entschied ich mich, das Leben zu feiern. Ich reservierte einen Tisch in einem Restaurant, lud Freunde, Bekannte und natürlich meinen Sohn samt Schwiegertochter ein.
Mit meiner Schwiegertochter verstand ich mich eigentlich ganz gut, sie ist jedoch ein temperamentvoller Mensch, gelegentlich lässt sie ihren Emotionen freien Lauf, auch mir gegenüber. Ich führte es immer auf ihre Jugend und Unerfahrenheit zurück. Doch an jenem Abend, vor allen Gästen, tat sie etwas, das meine Einstellung ihr gegenüber grundlegend veränderte.
Mein Sohn und meine Schwiegertochter erschienen mit ihrem kleinen Kind. Es war klar, dass die laute Atmosphäre eines Restaurants für ein Baby nicht ideal war, also kündigte meine Schwiegertochter an, schon nach einer Stunde wieder gehen zu wollen ich hatte Verständnis dafür.
Als sie aufbrechen wollten, konnte meine Schwiegertochter ihr Handy nicht finden. Ich begleitete sie durch den Saal, um bei der Suche zu helfen, und wählte schließlich ihre Nummer, um das Gerät zu orten.
Während die Gäste uns amüsiert beobachteten und die Stimmung ein wenig angespannt war, erklang plötzlich vom Fensterbrett ein wildes Knurren, Bellen und Jaulenaus dem Handy meiner Schwiegertochter! Alle blickten überrascht zur Fensterbank, während sie, gerötet vor Verlegenheit, das Handy schnappte und den Anruf beendete.
Die Gesellschaft verstummte, Freunde wechselten verlegene Blicke mit mir, und mein Bruder lenkte schließlich mit einer lauten Ansage und einem weiteren Trinkspruch wieder auf den eigentlichen Anlass zurück. Aber wie man bei uns sagt: Etwas blieb hängen.
Im Verlauf des Abends hörte ich, wie die Gäste leise tuschelten, und das Hauptthema war offensichtlich der originelle Klingelton, den meine Schwiegertochter extra für meine Anrufe eingestellt hatte. Am nächsten Tag sprach ich meinen Sohn darauf an, der das ja sicher mehrfach gehört haben musste. Für ihn war es belanglos.
Seit diesem Ereignis ist das Verhältnis zu meinem Sohn und seiner Frau abgekühlt. Die Frage nach der Übertragung der Wohnung habe ich vorerst aufgeschoben zumindest so lange, bis wir ein besseres Verhältnis zueinander haben. Ich wünsche mir zumindest eine Entschuldigung für diesen Vorfall. Wenn sie mich wirklich als Hund sehen, ist es eben so das ist ihr gutes Recht.





