Ich habe beschlossen, meine Töchter nicht mehr zu Familienfeiern mitzunehmen… nach Jahren, in denen ich nicht erkannt habe, was dort eigentlich geschah. Meine Töchter sind 14 und 12 Jahre alt. Schon früh begannen die „angeblich normalen“ Kommentare: „Sie isst zu viel.“ „Das steht ihr nicht.“ „Sie ist zu alt, um sich so anzuziehen.“ „Sie sollte schon als Kind auf ihr Gewicht achten.“ Am Anfang habe ich das als eine Kleinigkeit abgetan – eben der „raue Ton“, mit dem meine Familie immer gesprochen hat. Ich dachte: „So sind sie eben…“ Als die Mädchen noch jünger waren, wussten sie nicht, wie sie reagieren sollten. Sie schwiegen, senkten den Blick, lächelten höflich. Ich sah, dass es ihnen unangenehm war… aber redete mir ein, ich würde übertreiben. So seien nun einmal unsere Familientreffen. Klar, es gab volle Tische, Lachen, Fotos, Umarmungen… Aber eben auch lange Blicke. Vergleiche zwischen Cousinen. Überflüssige Fragen. Sprüche, die „nur ein Spaß“ sein sollen. Am Ende des Tages kamen meine Töchter stiller nach Hause als sonst. Mit der Zeit hörten die Kommentare nicht auf – sie veränderten sich nur. Es ging nicht mehr nur ums Essen, sondern um Körper, Aussehen, Entwicklung: „Die ist schon ganz schön weiblich.“ „Die andere ist viel zu dünn.“ „So wird sie nie einen Freund finden.“ „Wenn sie weiter so isst, soll sie sich nicht wundern.“ Niemand fragte sie, wie sie sich fühlten. Niemand machte sich klar, dass hier Mädchen sitzen, die zuhören und alles behalten. Es änderte sich alles, als sie ins Teenageralter kamen. Nach einem Treffen sagte meine Große zu mir: „Papa… ich will da nicht mehr hin.“ Sie erklärte mir, dass diese Feiern für sie schrecklich sind: Sich fertig machen, hingehen, die Kommentare schlucken, höflich lächeln… und dann nach Hause gehen und sich schlecht fühlen. Die Kleine nickte nur schweigend. Da wurde mir klar, dass sie sich beide schon lange so fühlen. Von da an begann ich, wirklich hinzuhören – mich zu erinnern an Sätze, Blicke und Gesten. Ich hörte auch andere Geschichten von Menschen, die in Familien groß wurden, wo alles „zu ihrem Besten“ gesagt wird. Mir wurde klar, wie sehr das das Selbstbewusstsein zerstören kann. Gemeinsam mit meiner Frau traf ich die Entscheidung: Unsere Töchter gehen nicht mehr an Orte, wo sie sich nicht sicher und wohl fühlen. Wir zwingen sie nicht. Wenn sie eines Tages von sich aus mitgehen wollen – können sie das. Wenn nicht – passiert nichts Schlimmes. Ihr Wohlbefinden ist wichtiger als jeder Familientradition. Manche Verwandte haben es schon bemerkt. Es kamen Fragen: „Was ist los?“ „Warum kommen sie nicht?“ „Ihr übertreibt.“ „So war es doch immer.“ „Kinder sind keine Porzellanpuppen.“ Ich erklärte nichts. Mach keine Szene. Streite nicht darüber. Ich bringe sie einfach nicht mehr mit. Manchmal sagt Schweigen alles. Heute wissen meine Töchter, dass ihr Vater sie niemals in eine Situation bringt, in der sie Demütigung als „Meinung“ erdulden müssen. Vielleicht werden wir deshalb kritisch gesehen. Vielleicht gelten wir als schwierig. Aber lieber bin ich der Vater, der eine Grenze setzt – als einer, der wegschaut, während seine Töchter lernen, Teile von sich selbst zu hassen, nur um „dazuzugehören“. ❓ Findet ihr, ich habe richtig gehandelt? Würdet ihr für euer Kind dasselbe tun?

Also, ich muss dir mal eine Geschichte erzählen, die mir echt am Herzen liegt. Ich habe nämlich vor Kurzem entschieden, meine Töchter nicht mehr zu den großen Familienfesten mitzunehmen und das kam nicht einfach so, sondern nach Jahren, in denen ich gar nicht richtig gerafft habe, was da eigentlich abging.

Meine Mädels, die heißen übrigens Friederike und Mathilde, sind 14 und 12. Und seit sie klein sind, gabs immer diese scheinbar harmlosen Sprüche, die alle kennen:

Die isst aber viel.
Das steht ihr gar nicht.
In dem Alter sollte sie sich anders kleiden.
Sie muss ihr Gewicht früh im Blick haben.

Am Anfang hab ichs echt nicht ernst genommen, weißt du? Bei uns zu Hause in Frankfurt wurde eh immer ein bisschen grob geredet, vieles war so ein bisschen plump, typisch Familie halt. Ich dachte echt: Die meinens ja nicht böse, so sind sie einfach.

Die Mädchen waren noch klein, wussten nicht so richtig, wie sie sich wehren sollten. Sie haben nur brav genickt, den Blick gesenkt, manchmal höflich gelächelt. Ich hab gemerkt, dass sie sich unwohl fühlen, aber hab mir eingeredet, ich übertreibe, das gehöre doch dazu.

Natürlich gabs volle Tische, Gelächter, Fotos, Umarmungen aber eben auch diese Blicke, das ständige Vergleichen mit den Cousinen, unnötige Fragen. So Sprüche, die angeblich nur Spaß sein sollten.

Und am Ende vom Tag waren Friederike und Mathilde immer viel stiller als sonst.

Die Kommentare gingen leider nie weg, sie veränderten nur die Themen. Es ging nicht mehr nur ums Essen, sondern plötzlich ums Aussehen, Körper, Entwicklung:

Die ist schon ziemlich kurvig.
Die andere ist viel zu dünn.
So will die doch keiner.
Wenn sie so weitermacht, darf sie sich nicht wundern.

Keiner hat mal gefragt, wies ihnen eigentlich damit geht. Keinem war klar, dass das Mädchen sind, die zuhören und das alles speichern.

Richtig heftig wurdes, als sie in die Pubertät kamen.

Nach einem dieser Treffen hat Friederike zu mir gesagt:
Papa ich will da nicht mehr hin.

Sie hat mir erklärt, dass sie schon Tage vorher ein mieses Gefühl bekommt, sich zusammenreißt, hingeht, lächelt und danach fix und fertig zu Hause sitzt. Mathilde hat nur still genickt.

Da hab ichs zum ersten Mal wirklich verstanden: Das ging schon seit Jahren so. Und ich hab endlich angefangen, richtig hinzuschauen. Mir fielen immer mehr Szenen ein, mehr Sätze, mehr Gesten. Ich hab auch Geschichten von anderen gehört, die in Familien groß wurden, in denen angeblich alles nur fürs Gute gesagt wird. Da habe ich erst gemerkt, wie krass sowas das Selbstbewusstsein kaputt machen kann.

Dann hab ich mit meiner Frau, Claudia, gesprochen und wir waren uns einig:
Unsere Töchter gehen nicht mehr mit uns zu Treffen, bei denen sie sich nicht wohlfühlen. Und wir drängen sie auch nicht.

Wenn sie irgendwann Lust haben, selbst zu gehen können sie. Wenn nicht, passiert nichts Schlimmes.

Ihr seelisches Wohl ist uns wichtiger als jede Tradition.

Klar, einige Verwandte aus Hamburg und München haben schon gefragt:
Was ist los?
Warum kommen die Mädchen nicht mehr?
Ihr übertreibt.
Das war schon immer so.
Ihr dürft die Kinder nicht in Watte packen.

Ich hab einfach nichts erklärt. Hab keine Szene gemacht, keinen Streit angefangen. Ich nehme sie einfach nicht mehr mit. Manchmal sagt Schweigen alles.

Heute wissen meine Töchter, dass ihr Vater sie nie in eine Situation schickt, in der sie sich für ihre Gefühle schämen müssen, nur weil irgendwelche Meinungen als Sorge verpackt werden.

Ist vielleicht nicht für jeden verständlich.
Vielleicht denken manche, wir sind schwierig.
Aber ich will lieber der Vater sein, der eine Grenze zieht statt der Vater, der einfach zusieht, wie seine Kinder anfangen, sich selbst zu hassen, nur weil sie sich anpassen sollen.

Und jetzt frage ich dich: Hättest du auch so gehandelt? Was würdest du für dein Kind tun?

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Homy
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Der letzte Fahrgast im Linienbus