Wer braucht dich schon, zahnlose, unfruchtbare, nicht standesgemäße Klara? Klara und Paul: Nach 15 Jahren Ehe verlassen – am Fenster, bei der Erinnerung an den stolzen Vater, und ihrem Weg zurück zur Würde. Vom Küchenalltag, alten Möbeln und Kollegin Lucys Rat bis zum bitteren Abschied: Er geht zu einer Jüngeren – doch Klara bleibt stark. Mit einer eigenen Wohnung in der Innenstadt und kluger Entscheidung: Ein sympathischer Ingenieur, sein bunter Bruder als Stylist – und Klaras Verwandlung. Neues Leben, neue Liebe, neue Zuversicht – und als der Ex-Mann plötzlich mit Koffern vor der Tür steht, hat Klara endlich eine Antwort. Eine Geschichte über Selbstachtung, wahre Partnerschaft, Rosen und einen Neuanfang, beobachtet vom reumütigen Ex, während Klara und ihr neuer Mann glücklich Hand in Hand durch die Straßen gehen – und sie erwartet ein Kind.

Wer braucht dich denn? Zahnlos, unfruchtbar, ohne Stammbaum, Klara

Wer braucht dich denn? schrie Paul. Dann spuckte er auf den Boden und verschwand.

Klara stürzte zum Fenster, betrachtete den Mann, mit dem sie fünfzehn Jahre ihr Leben geteilt hatte. Sie glaubte, sie hätten wie zwei Seelen in einer Seele gelebt. Doch bei seinem Gehen hatte er ihr die Wahrheit gesagt: Es war einfach praktisch gewesen.

Erinnerung an Familienfotos
Klara hatte eine schöne Altbauwohnung, kochte hervorragend, war eine engagierte Hausfrau sie hätte alles für ihn getan.

Ein Gedanke schoss ihr durch den Kopf: Sie könnte das Fenster öffnen und ihm hinterherrufen, er solle sie nicht verlassen.

Sogar Demütigung hätte sie ertragen, nur damit er bei ihr bliebe, selbst wenn er tagelang fortblieb und die Zeit mit jener anderen verbrachte.

Das war immer noch besser, als mit fünfundvierzig alleine und verlassen zu sein. Sie öffnete das Fenster schon, wollte ihm nachrufen. Doch ihr Blick fiel auf das Foto ihres Vaters. Der trug Uniform, hob stolz das Kinn und schaute entschlossen in die Kamera.

Da überkam Klara plötzlich Scham. Für ihre Schwäche.

Sie schaute noch einmal hin, wie ihr moderner, charmanter Mann in dem schicken Mantel zu seinem teuren Wagen ging.

In die Küche ging sie, vorbei am Flur, wo das große Spiegelbuffet aus Großmutters Zeiten stand.

Dort spiegelte sich eine rundliche, erschöpfte Frau mit grauem Haar und matte Augen.

Klara wusste, dass sie keine Schönheit war. Ihr Gesundheitszustand war nicht mehr der beste. Die Zähne zerbröselten. Geld für neue fehlte er brauchte einen modernen Wagen, musste stets repräsentativ gekleidet zur Arbeit erscheinen.

Du bist lächerlich! Dein Paul ist gekleidet wie ein Schauspieler, und du hast nur einen ausgeleierten Pullover, einen uralten Rock, zwei Blusen. Ausgelatschte Schuhe und Wollpatschen statt Stiefel. Den Mantel mit Pelzkragen würde nicht mal meine Oma mehr tragen! Beim Essen fordert er Restaurantmenüs mal Steak, mal gedämpfte Frikadellen, mal gefüllte Pfannkuchen, immer Fleisch. Lass ihn doch laufen, Klara! Für so einen Mann lohnt sich das nicht! sagte Kollegin Liesel.

Klara hörte zu und lebte doch, wie sie wollte. Dann erklärte der Mann, er gehe jetzt. Zu einer 27-jährigen Frau mit vier Kindern.

Sie ist halt jung, seufzte Klara.

Doch Freundin und Kollegin Liesel besorgte Infos. Sie forschte in sozialen Netzwerken und fragte Nachbarn. Schließlich plauderte sie aus:

Die hat einen schlechten Ruf! Und du, die ohne Stammbaum genannt wird du kommst aus einer guten Familie! Die andere hat nie gearbeitet, alle Kinder von verschiedenen Männern. Im achten Monat immer noch nur am Glas. Ihre Mutter ist auch keine Leuchte. Von Jugend brauchst du da echt nicht sprechen. Aber manche Männer Sie mögen es wohl. Wegen ihrem lockeren Lebensstil und irgendwas anderem. Familie baut man darauf nicht auf. Ich versteh deinen Paul nicht. Aber du halt durch!

Klara hielt durch. Ihre Eltern hatten ihr eine großzügige Wohnung mitten in München hinterlassen.

Der Vater ahnte wohl etwas und regelte alles so, dass Paul niemals Eigentumsrechte erhalten konnte. Klara entschied, ein Zimmer zu vermieten, damit das Geld reichte.

In der Gegend wurden neue Bauprojekte errichtet. So kam Ingenieur Volker von Hohenberg. Mit gepflegtem Bart, höflich, gebildet. Er betrachtete Klara aufmerksam. Dann sagte er:

Ich zahle Ihnen schon jetzt. Gehen Sie zum Zahnarzt, machen Sie Ihre Zähne. So eine schöne Frau soll sich nicht quälen!

Klara errötete. Sie war nie eine Schönheit. Aber schöne Zähne das wünschte sie sich.

Er gab ihr sogar mehr Geld. Wenn nötig, könne sie es später zurückgeben. Später kam sein Bruder vorbei. So etwas hatte Klara noch nie gesehen.

Mit einem kanariengelben Sakko, violetten Hosen und einer sensationellen Frisur stellte er sich als Konstantin vor, der als Stylist arbeitete.

Er war gekommen, seinen Bruder zu besuchen, und nahm Klara gleich unter seine Fittiche. Bei Kaffee und Obstkuchen schlug Konstantin vor, ihr Styling zu ändern.

Und siehe da, es funktionierte. Das Haar glänzte hellblond, das Make-up betonte die sanften Gesichtszüge, die Zähne waren gerichtet. Klara ging jetzt zu Fuß zur Arbeit. Die überflüssigen Kilos verschwanden. Sie begann morgens im Englischen Garten zu joggen.

Eine sympathische Frau mit zarter Mimik und Grübchen im Gesicht wie ein Schmetterling, der aus seinem Kokon schlüpft.

Eines Tages klingelte es. Der Untermieter öffnete und rief:

Klara, jemand ist für dich da!

Auf der Schwelle stand ihr Exmann. Erst erkannte sie Paul kaum. Er war binnen eines Jahres gealtert, blass, abgemagert, ratlos. Nichts war mehr übrig von seinem früheren Glanz. Neben ihm die Taschen.

Was willst du? fragte Klara.

Sie erinnerte sich daran, wie sie ihn damals noch angerufen hatte. Doch er wollte nicht sprechen, dann landete sie auf seiner Sperrliste.

Nun stand er da.

Was bist du für eine geworden! staunte Paul.

Aber Komplimente ließen Klara kalt. Sie erinnerte sich an die schlaflosen Nächte, die Lebensmüdigkeit, die endlosen Tränen, die Angst.

Ach, Klara. Was ich alles durchgemacht hab. Die da hat nur mein Geld verbraucht. Die Kinder schienen zuerst ganz normal. Aber dann total unerzogen, schreien ständig. Die will sie nicht fördern, hängt bloß am Handy, kocht nie. Meistens nur Tiefkühlkost. Einmal sogar Instantnudeln. Kannst du dir vorstellen? Instantnudeln! Für mich! Sie hat alle Hemden zusammen gewaschen alles verfärbt. Ich hab mir kein einziges Teil geleistet. Alles für sie und die Kinder bezahlt. Ich fühl mich wie im Irrenhaus. Klara Ich bin doch zu dir zurück. Mit dir war’s schön. Ich denk ständig an dich. Lass uns von vorne anfangen. Bitte! bat er flehentlich.

Doch in ihrem Kopf hallten seine Worte nach:

Wer braucht dich denn? Zahnlos, unfruchtbar, ohne Stammbaum, Klara.

Klara sah Paul noch einmal an. Da ging die Tür auf. Volker von Hohenberg schaute sorgenvoll heraus:

Klara! Brauchen Sie Hilfe? Und Sie, mein Herr, was suchen Sie hier?

Paul fuhr auf und brüllte:

Wer sind Sie überhaupt?

Das ist mein Mann, Volker. Komm hier nicht wieder her! sagte Klara ruhig und schloss ihm die Tür vor der Nase. Paul stand da, mit offenem Mund, wie vom Blitz getroffen.

Sie entschuldigte sich beim Untermieter. Dass sie Volker ihren Mann genannt hatte. Doch der seufzte und platzte heraus:

Vielleicht ist es an der Zeit, es zu sagen: Ich liebe dich, Klara! Wie kann man so eine Frau gehen lassen? Willst du mich heiraten diesmal wirklich?

Er war Witwer. Und Klara willigte ein. Nach zwei Monaten wurde gefeiert. Ihr Mann überschüttete sie mit Rosen. Sie kauften ein Wochenendhaus am Chiemsee.

Nur sieht Klara manchmal nicht, wie ihr Exmann, der aus Verzweiflung sich selbst beschimpft, aus einer Straßenecke zuschaut, wie er seine schöne Frau gegen eine Illusion getauscht und am Ende nichts mehr davon hat.

Doch Klara und Volker spazieren händchenhaltend durch Schwabing, sind verliebt und glücklich. Und Klara erwartet ein Kind.

Gebt ein Herz und schreibt eure Gedanken in die Kommentare.

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Homy
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Wer braucht dich schon, zahnlose, unfruchtbare, nicht standesgemäße Klara? Klara und Paul: Nach 15 Jahren Ehe verlassen – am Fenster, bei der Erinnerung an den stolzen Vater, und ihrem Weg zurück zur Würde. Vom Küchenalltag, alten Möbeln und Kollegin Lucys Rat bis zum bitteren Abschied: Er geht zu einer Jüngeren – doch Klara bleibt stark. Mit einer eigenen Wohnung in der Innenstadt und kluger Entscheidung: Ein sympathischer Ingenieur, sein bunter Bruder als Stylist – und Klaras Verwandlung. Neues Leben, neue Liebe, neue Zuversicht – und als der Ex-Mann plötzlich mit Koffern vor der Tür steht, hat Klara endlich eine Antwort. Eine Geschichte über Selbstachtung, wahre Partnerschaft, Rosen und einen Neuanfang, beobachtet vom reumütigen Ex, während Klara und ihr neuer Mann glücklich Hand in Hand durch die Straßen gehen – und sie erwartet ein Kind.
Mein Ehemann wohnte im Schlafzimmer, während mein Liebhaber im Wohnzimmer lebte