“Hey, zwischen uns gibts keine unausgesprochenen Dinge!”
“Janne! Jan, was stehst du da wie angewurzelt?! Komm schon, wir kommen sonst zu spät ins Kino! Und wir wollten noch Popcorn holen”, rief Oxana ihrer Freundin Jana zu.
“Hä?” Jana blickte sie verwirrt an und spürte, wie ihr Herz plötzlich schneller schlug.
“Was ist denn mit dir? Los, beeil dich! Die anderen warten schon!”, sagte Oxana leicht genervt.
“Oxi, hör mal, mir gehts echt nicht gut. Geh du allein, ich geh zurück ins Wohnheim.”, antwortete Jana.
“Soll ich einen Krankenwagen rufen? Du siehst ja ganz blass aus.”, machte sich Oxana Sorgen.
“Nein, nein Entschuldig mich bitte bei Slavko, ja?” Janas Stimme zitterte, obwohl sie sich Mühe gab, ruhig zu klingen.
“Na gut. Geh dich hinlegen. Vielleicht sinds die Prüfungen die Nerven liegen blank, oder?”, mutmaßte Oxana.
“Ja, wahrscheinlich”, gab Jana mit einem müden Lächeln zurück.
Oxana ging, drehte sich aber noch ein paar Mal um. Jana setzte sich auf eine Bank, trank etwas Wasser und wischte sich über das Gesicht. Langsam wurde ihr besser.
Sie hatte Oxana nicht verraten, was sie so aufgewühlt hatte. Es waren nicht die Prüfungen. Ein paar Minuten zuvor war eine schwangere Frau mit einem Kinderwagen und zwei kleinen Kindern vorbeigegangen. Oxana hatte sie wohl nicht beachtet, aber Jana Sie rieb sich die Wangen und versank in Gedanken zehn Jahre zurück in der Vergangenheit.
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“Janne, was machst du denn so lange mit dem Geschirr? Beeil dich! Ich wollte dich noch Windeln holen lassen!”, herrschte ihre Mutter Natascha an, als sie in die Küche kam.
Jana ließ einen Teller fallen. Das Geschirr klirrte laut in der Spüle. Aus dem Kinderzimmer weinte der kleine Juri, erst wenige Monate alt.
“Kannst du nichts richtig machen?! Jetzt musst du ihn wieder in den Schlaf wiegen! Gerade hatte ich ihn hingelegt, und du weckst ihn auf! Hast du zwei linke Hände oder was?”, schimpfte Natascha.
“Gleich”, flüsterte Jana heiser und ging zum Kinderbett.
Jana war die Älteste in einer Familie, in der der Vater gegangen war, bevor sie zwei wurde. Ihre Mutter wechselte die Männer und bekam mit jedem ein Kind. Jana musste sich um alles kümmern: den Haushalt, ihre Geschwister Anastasia, Marina, Ilja und Juri.
“Na, schläft er?”, fragte Natascha, während sie ein Glas Marmelade öffnete.
“Mhm”, murmelte Jana und wollte weiter abwaschen.
“Lass das Geschirr, hol erst die Windeln. Abends kannst du den Rest machen, wenn du aus der Schule kommst.”, befahl Natascha.
“Mama, ich schaff das nicht. Ich komm jetzt schon zu spät, die Lehrerin meckert schon.”, widersprach Jana.
“Ach was, zehn Minuten später kommen ist doch kein Drama! Du verpasst nichts! Ich hab früher ganz oft geschwänzt und sieh mich an, mir gehts prima!”, lachte Natascha.
Jana ging los. Auf dem Rückweg mit den Windeln traf sie Klassenkameradinnen, die Eis aßen.
“Oh, schau mal, da kommt unsere kleine Mama!”, kicherte eine von ihnen.
Der Spitzname “Mama” blieb an Jana hängen, seit sie ihren Geschwistern den Kinderwagen schob. Sie wollte sein wie die anderen: herumhängen, ins Kino gehen, Bücher lesen, über Jungs reden statt Windeln zu schleppen. Sie hasste ihre Geschwister nicht, aber ihre Mutter
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Mit achtzehn träumte Jana von Freiheit: studieren, in die Großstadt ziehen. Nach Juris erstem Lebensjahr fing Natascha wieder an zu arbeiten.
An einem warmen Morgen im Mai fand Jana ihre Mutter blass in der Küche.
“Mama, gehts dir nicht gut?”, fragte sie besorgt.
“Nee. Mir ist übel. Mach mir Rührei. Bei dem Gedanken an Essen wird mir noch schlechter”, stöhnte Natascha.
“Was ist los?”, fragte Jana mit zitternder Stimme.
“Janne, bist du blind? Ich bin schwanger. Mit Onkel Sascha kriegen wir noch ein Kind.”, antwortete Natascha trocken.
“Wozu, Mama? Du bist doch schon über vierzig”, stammelte Jana.
“Als ob ich das wollte! Sascha besteht drauf. Und er zieht bald zu uns. Dann wirds eng. Jetzt mach das Rührei.”, schnauzte Natascha.
Jana beschloss: Sie würde wegziehen, egal was passierte. Im August bestand sie die Aufnahmeprüfung und verließ die Stadt mit einem lauten Streit.
In der neuen Stadt begann ein anderes Leben. Sie jobbte, fand Freundinnen. Sie schwor sich: keine Kinder, nur für sich selbst leben.
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