Meine Schwiegermutter hat am 1. Januar Geburtstag. Klar, da mussten wir natürlich hin und sie fragt mich aus heiterem Himmel:
Annegret, bist du schwanger?
Mit meiner Schwiegermutter, Hannelore, verstehe ich mich wirklich prächtig. Ich bin schon seit 17 Jahren mit meinem Mann verheiratet, wir haben zwei Jungs. Und gegen Ende letzten Jahres habe ich erfahren, dass ich zum dritten Mal schwanger bin. Ich wollte Hannelore eigentlich zu ihrem Geburtstag davon erzählen, war aber ziemlich nervös deswegen.
Unsere kleine Familie wohnt nämlich allein in einer winzigen Zwei-Zimmer-Wohnung in München gefühlt kaum genug Platz für vier Leute und einen Goldhamster. Und ich war zu dem Zeitpunkt schon 38, was in Deutschland ja fast als Risikoschwangerschaft durchgeht. Kurz gesagt, ich hatte Angst, Hannelore würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
Aber am Geburtstag gab es kein Drumherum. Wir spazierten also zu ihr, und kaum angekommen, winkte sie mich gleich zum Geheim-Gespräch in die Küche. Typisch Hannelore sie hat einfach ein siebtes Gespür für alles. Ich hatte noch kein einziges Wort gesagt, und die wusste schon Bescheid.
Was soll ich sagen? Ich war platt vor Staunen, aber ihre Reaktion hat mich völlig umgehauen. Sie war außer sich vor Freude! Und sie vertraute mir gleich an, dass sie sich schon ewig ein Enkelmädchen gewünscht hatte.
Mit Hannelores Segen habe ich diesen Sommer ein Mädchen zur Welt gebracht. Wieder einmal war meine Schwiegermutter einfach unverzichtbar: Sie hielt die Kleine, kümmerte sich um die Jungs und hatte immer einen guten Ratschlag parat. Ich habe sie noch mehr geschätzt und sie wie meine eigene Mutter behandelt.
So, und schwupps, war schon wieder Winter und Hannelores Geburtstag stand an. Dieses Mal reisten wir zu fünft an, mit unserer kleinen Prinzessin im Arm. Hannelore hatte Backwahn deluxe und deshalb dachten wir: Jetzt ist wirklich Zeit für einen vernünftigen neuen Backofen. Gesagt, geschenkt.
Als wir nach der Feier unsere Jacken anzogen, wollte Hannelore noch was verkünden. Sie bat um ruhigere Aufmerksamkeit der Familie Müller-Style, versteht sich.
Hannelore erzählte uns, wie dankbar sie für ihre Enkel sei. Und weil sie uns etwas Gutes tun wollte, wolle sie mit uns tauschen: Sie würde in unsere enge Wohnung ziehen, damit wir mit Sack und Pack und mit Backofen in ihre schöne größere Wohnung umziehen könnten. Ich war sprachlos. Wieder einmal wurde mir klar, wie viel Glück ich mit dieser unglaublich weisen, freundlichen Frau habe. Sie ist längst mehr als eine Schwiegermutter geworden eher so eine Art Lebensfreundin, der man alles anvertrauen kann. Das ist wirklich selten.
Und so leben wir weiter zusammen, meistens glücklich, im Großen und Ganzen in Harmonie. Ich bewundere Hannelore und hoffe insgeheim, irgendwann mal ein bisschen von ihrem Lebens-Know-How abzubekommen oder zumindest ein paar Tipps fürs nächste Festessen.





