Die Puppe: Ein unheimliches Spiel mit Schicksal und Geheimnissen

**Die Puppe**

In einem kleinen Dorf in Bayern spielt sich das Leben vor aller Augen ab. Hier bleibt nichts lange verborgen. So war es auch bei dieser Familie jeder wusste alles über sie.

Hans und Liesel hatten aus Liebe geheiratet. Eine gute Partie: beide stattlich, fleißig, mit einem gepflegten Haus und einem Hof, wo kein Unkraut wucherte, sondern stattdessen den ganzen Sommer über Blumen blühten. Liesel war freundlich zu allen, wurde respektiert, weil sie nie tratschen musste. Hans hingegen war eher schweigsam. Doch Schweigen kann viel bedeuten. Bei manchen ist es Sanftmut, bei ihm war es Härte manchmal sogar Grausamkeit. So war er erzogen worden, von seinem Vater und Großvater. Doch seiner Frau gegenüber zeigte er diese Härte nicht. Er trug die schwere Arbeit allein, fuhr ohne Murren in die Stadt, um ihr Kleider zu kaufen, und sparte nicht daran. Noch etwas sprach für ihn: Er ging nie mit den Dorfburschen trinken. Wenn sie ihn einluden, sagte er nur: *Lasst mich in Ruhe!* und das genügte. Niemals erhob er die Hand gegen Liesel. Manche Frauen beneideten sie. Anfangs versuchte sie, anderen zu raten, sich nicht schlagen zu lassen doch sie hörten nicht. *Dir hats halt der Richtige erwischt*, hieß es. Die Neidischen flüsterten gar: *Wer weiß, wie lange das noch gutgeht.*

Doch auch bei ihnen gab es einen Makel: Vier Jahre verheiratet und kein Kind. Dabei waren beide gesund.

Eines Tages überredete die Nachbarin sie, einen Welpen zu nehmen. Ihre Hündin Bella hatte acht Junge bekommen, sieben waren schon vermittelt, nur ein schwächliches Mädchen blieb übrig. *Nehmt sie doch! Ihr werdet sie gut versorgen. Dann habt ihr wenigstens Leben um euch.*

Zu Liesels Überraschung willigte Hans ein. So kam Puppe zu ihnen. Und wer sich mehr um sie kümmerte? Liesel oder Hans? Er brachte ihr sogar Kommandos bei, holte sie herein, wenn es regnete, und als sie älter war, baute er ihr eine Hütte. Groß, mit Holzboden. Er gewöhnte sie daran doch nachts durfte sie frei laufen. Sie kam immer zurück.

Dann bemerkten sie: Puppe war trächtig. Und plötzlich zeigte Hans sein wahres Gesicht. Er hasste den Hund. Er legte sie an die Kette. *Wenn ich dich außerhalb des Hofes erwische, kommst du nicht wieder rein.*

Eines Nachts gebar Puppe vier Welpen. Hans entdeckte sie am Morgen, als er ihr Wasser brachte. Wütend kam er ins Haus: *Jetzt haben wir hier einen ganzen Zwinger. Vier Junge!*
Liesel strahlte: *Und kein Laut! Ich will sie sehen.*
*Beeil dich, bevor ich sie ersäufe.*
Sie erstarrte. *Wie kannst du nur? Was ist mit Puppe? Glaubst du, sie hat keine Mutterinstinkte? Ich frage im Dorf, vielleicht will jemand einen Hund*

Doch er war schon im Hof. Er füllte ein Fass mit Wasser fünf Eimer aus dem Brunnen. Liesel kniete vor der Hütte, sah die vier hilflosen Wesen an Puppe gekuschelt und Tränen liefen ihr übers Gesicht. Manche taten so mit unerwünschtem Nachwuchs. Doch sie hatte solche Grausamkeit nie gesehen.

Sie wusste: Ihn hielt niemand auf. Sie ging ins Haus, schloss alle Fenster, wollte nichts hören, nichts sehen.

Später trat er ein. *Sie haben nichts gemerkt. Noch blind. Ich hab sie am Ende des Gartens vergraben.*
*Und Puppe?*, flüsterte sie.
*Keine Ahnung. Sie bleibt in der Hütte.*
*Hörst du? Sie heult.*
*Wird schon aufhören. Vielleicht wird sie jetzt klüger.*

Etwas in ihr brach. Ja, im Dorf wurden Tiere getötet aber so?

An diesem Tag sprachen sie kaum. Er brummte nur: *Was für eine Sentimentalität! Wer soll sie füttern? Wer putzen?*

Puppe ging wochenlang mit traurigen Augen umher. Liesel sah es. Sie fühlte sich schuldig. Manchmal lief der Hund zum Gartenende genau dorthin, wo die Welpen lagen.

Puppe bekam noch zweimal Junge. Das Gleiche geschah. Hans ertränkte sie. Puppe wurde angekettet. Liesel distanzierte sich von ihm. Nicht, dass sie ihn verlassen wollte aber was sie einst verband, war dahin.

Dann der letzte Akt. Puppe erwartete wieder Junge, ihr Bauch hing schwer. Es war Herbst, sie blieb meist in der Hütte. Doch eines Morgens nahm Hans sein Gewehr, packte sie und erschoss sie am Teich.

Die alte Nachbarin, die einst Puppe gegeben hatte, sah es. Tränen liefen über ihr faltiges Gesicht. Als er vorbeikam, sagte sie zitternd: *Was hast du getan, Junge? Du hast Leben ausgelöscht. Nicht nur einen Hund eine Mutter und ihre ungeborenen Kinder. Fürchtest du nicht, Gott könnte dir dasselbe antun?*

Er sagte nichts. Doch ihre Worte blieben.

Zu Hause wollte er von Puppe erzählen doch Liesel kam ihm zuvor: *Ich glaube, ich bin schwanger.*

Alles andere vergaß er. Endlich! Sie fuhren ins Krankenhaus. Tests bestätigten es: fünf Wochen. Er wartete geduldig Hauptsache, es stimmte. Plötzlich redete er wie nie zuvor. Sie planten, sprachen von Wiege, Kleidung. Doch sie kauften nichts aus Aberglaube.

Einen Monat vor der Geburt bekam Liesel Fieber. Dann spürte sie keine Bewegungen mehr. Sie fuhren sofort ins Krankenhaus. Der Arzt brachte sie in den Kreißsaal. Hans wartete. Die Zeit kroch.

Dann die Nachricht: *Ihre Frau ist gerettet. Das Kind war tot.*

Er starrte ins Nichts. Noch nie hatte er solchen Schmerz gefühlt. Dann fragte er: *war es ein Junge?*
*Ja.*

Er weinte im Auto.

Man ließ ihn zu ihr. Er fürchtete ihren Blick und sah recht: Ihre Augen waren leer. Verzweifelt. Irgendwo hatte er diesen Blick schon gesehen. Wo?

Er küsste ihre Hand. *Es wird wieder gut. Der Arzt hat es versprochen.*
Sie lächelte schwach.

Ein Jahr lang befolgten sie die Anweisungen. Liesel erholte sich langsam. Sie löste Kreuzworträtsel, las alles in der Dorfbibliothek. Er brachte frische Milch von der Nachbarin.

Dann sagte sie eines Tages schüchtern: *Es hat geklappt. Ich bin wieder schwanger.*

Diesmal sprachen sie kaum darüber aus Angst.

Doch im achten Monat setzten die Wehen ein. Der Notarzt rettete Liesel nicht das Kind. Ein Mädchen. Tot.

Eine Woche später fragte er im Krankenhaus: *Warum? Was stimmt nicht mit uns?*
Der Arzt zuckte die Schultern. *Ein Rätsel. Alles war normal.*

Da glaubte auch er an den bösen Blick.

Er erinnerte sich: Eine Nachbarin war zu einer Wahrsagerin gefahren. Heimlich nahm er ein Foto von Liesel und suchte die Alte auf.

Ihre Hütte roch nach Weihrauch. Bevor er sprechen konnte, sagte sie: *Deine Frau ist unschuldig. Du hast Leben genommen. Ohne Grund.*

Er explodierte. *Lügen! Ich habe niemanden getötet!*

Doch als er heimfuhr, traf er die Nachbarin die von Puppe wusste. Ihre Worte hallten nach: *Gott sieht alles.*

Plötzlich erinnerte er sich: Puppes Augen genau wie jetzt Liesels. Er war ein Mörder.

Am nächsten Tag ging er in den Dom. Eine alte Frau hörte seine Beichte. *Zünde eine Kerze an. Dann hilf denen, die Hilfe brauchen. Geh ins Tierheim.*

Er fuhr hin. Die Hunde verlassen, gerettet. Er half: brachte Futter, fuhr Tiere zum Tierarzt. Sechs Monate lang.

Dann sah er Boni. Ein kleiner Pudelwelpe, mit abgerissenem Ohr, halb verhungert. Er brachte ihn regelmäßig zum Verbandwechsel. Eines Abends wagte er es: *Ich bringe morgen einen Gast. Wenn er dir nicht gefällt, sag es.*

Liesel zuckte gleichgültig die Schultern.

Boni spürte, dass dies kein Tierarztbesuch war. Als Hans ihn ins Zimmer trug, bellte er leise. Liesel drehte sich um und sah das fehlende Ohr. *Mein Gott wo ist es?*

Sie nahm ihn auf.

An diesem Abend saßen sie zu dritt auf dem Sofa. Hans erzählte von Boni, wie man ihn am Bahndorf gefunden hatte.

*Dürfen wir ihn behalten?*, fragte Liesel plötzlich.
*Er kennt nur den Zwinger*
*Versuchen wirs!*

Sie legte einen alten Pullover in eine Schuhkarton. Boni blieb brav. Doch als Hans am Morgen ins Schlaf

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Homy
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