Die ungehorsamen Teller: Drei Tage voller Geduldsproben.
Jürgen wusch das Geschirr. Drei Tage hatte er gelitten, doch kein einziger Teller oder Becher war sauber. Als er von der Arbeit kam, zog er nicht einmal um. Er band sich die Schürze um und machte sich an die Arbeit. Er wollte auch eine Suppe kochen, denn er hatte vergessen, wie der wahre Geschmack war…
Essensreste klebten so fest an den Tellern, dass er sie einweichen musste. Kaffeetassen etwa zehn. Konnte man nicht wenigstens eine für sich selbst abspülen? Ein bitterer Kloß stieg ihm in die Kehle. Er hatte Hunger, doch im Kühlschrank lagen nur ein paar Gurken und ein leeres Regal. Plötzlich roch er Birgits Kuchen. In ihrem Haus hatte es immer nach Gebäck geduftet, denn seine Frau liebte es zu backen. Kaum war sie von der Arbeit zurück, verbreitete sich der Duft von Zimt oder Vanille in der Küche. Die Rührmaschine summte, der Backofen glühte…
Doch jetzt erinnerte sich Jürgen so angenehm an sie. Damals dachte er, sie sähe nichts außer der Küche und den Kindern (die Arbeit zählte nicht). Immer wusch sie, putzte Fenster oder klopfte Teppiche. Im Sommer verwandelte sich die Küche in eine Konservenfabrik. Jürgen schaffte es kaum, die Gläser in den Keller zu tragen.
Eines Abends kam er heim, und Birgit, wie immer, kochte und dampfte etwas am Küchentisch, während sie, auf der Tischkante sitzend sie hatte diese schlechte Angewohnheit Äpfel schälte und im Fernsehen irgendein Konzert ansah.
Ich verlasse dich, sagte Jürgen unglaublich ruhig, ohne sie zu begrüßen.
Seine Frau zuckte zusammen, drehte aber nicht den Kopf.
Ich habe eine andere Frau, erklärte er. Ich liebe sie und kann dich nicht länger belügen.
Birgit legte das Messer hin, drehte sich langsam mit ihrem von Dämpfen und der Neuigkeit erhitzten Gesicht zu ihm und sagte gehorsam, leise:
Nimm dir etwas von der Wurstrolle, wir schaffen es nicht allein.
Jürgen nahm sie natürlich nicht, obwohl er sie so sehr mit Mandeln und Nüssen mochte… Er packte das Nötigste und ging zu der Frau, die Birgit in nichts ähnelte. Sie trug nie Jeans wie Birgit nur kurze Röcke und Kleider. Nie trug sie Sportschuhe, nur High Heels. Sie konnte sagen, sie gehe zum Schönheitssalon, in einem Ton, als ginge sie zu einem wichtigen Geschäftstermin. Und die ganze Welt musste warten.
Birgit ging nie in Salons. Sie mochte es nicht, durch Läden oder Märkte zu schlendern. Wenn sie etwas brauchte, schrieb sie eine Liste, ging und kam bald mit Tüten zurück. Sie las keine Hochglanzmagazine, trank keinen Kaffee, färbte sich nicht die Haare, trieb keinen Sport. Doch sie war immer schön, ordentlich, schlank. In engen Jeans und kurzen Blusen, mit ihrem geflochtenen Zopf, wirkte sie wie eine Schülerin.
Jürgen wollte eine richtige Frau an seiner Seite. Und so fand er sich seine Claudia. Jetzt bügelt er selbst, kocht, spült. Und nachts träumt er von Birgits Wurstrollen und Kuchen. Die Träume duften nach Vanille, und in ihnen erklingt Birgits Lachen…
Nachdem er die Küche aufgeräumt hatte, ging Jürgen ins Wohnzimmer. Auf dem Sofa lag Claudia, elegant auf die Ellenbogen gestützt. Vor ihr lag eine Zeitschrift, und auf dem Beistelltisch standen noch drei Kaffeetassen.
Was für ein toller Mann du bist, mein Hase. Was würde ich nur ohne dich tun? zwitscherte seine Frau und streckte ihm die Arme entgegen.
Ich war gerade beim Maniküre. So anstrengend! Sieh nur: tolle Nägel, oder? Meine eigenen, nicht wahr? Komm her, mein Schatz, ich umarme dich…
Jürgen begann es zu ekeln. Wahrscheinlich vom Hunger, dachte er und ging in die Küche, um Kartoffeln zu schälen.




