Zwanzig Jahre ohne Geschenke für sie: Ein harmonisches Zusammenleben im Herzen eines deutschen Dorfes

Zwei Jahrzehnte ohne Geschenke: Ein harmonisches Zusammenleben
Mein Name ist Friedhelm Bauer. Ich habe meiner Frau, mit der ich inzwischen zwanzig Jahre verheiratet bin, nie ein Geschenk gemacht. Nicht, weil ich geizig wäre es hat sich schlichtweg nie ergeben. Mit Annegret lief einfach alles sehr schnell: Einen Monat nach unserem Kennenlernen standen wir bereits vor dem Traualtar.
Schon unsere Verabredungen kamen ganz ohne Geschenke aus. Ich besuchte sie im kleinen Dorf draußen, pfiff unter ihrem Fenster. Sie kam im Eiltempo heraus und wir setzten uns auf die Bank neben dem Gartentor, sprachen kaum ein Wort, bis es Mitternacht schlug.
Den ersten Kuss stahl ich ihr am Tag unserer Verlobung. Dann folgte die Hochzeit und der Alltag, mit all seinen kleinen und großen Sorgen. Ich stellte mich als findiger Geschäftsmann heraus und meine Schweinezucht florierte. Annegret schuftete genauso hart; ihr Gemüsegarten war der Stolz der Nachbarschaft. Bald kamen die Kinder: Windeln, Schürzenbänder, Kinderkrankheiten Und Geschenke? Daran verschwendete weder sie noch ich einen Gedanken. Feiertage wurden schlicht, aber genussvoll beim Essen begangen. Unser Leben verlief still, eng getaktet von harter Arbeit, aber friedlich.
Eines Tages fuhr ich mit meinem Nachbarn Herrmann zum Wochenmarkt nach Erfurt, um Kartoffeln und Geräuchertes zu verkaufen das war kurz vor dem 8. März. Ich hatte den Keller ausgeräumt, die Kartoffeln sortiert und beschlossen, den Überschuss loszuwerden. Der Speck musste sowieso weg, bevor das nächste Schwein geschlachtet wurde. Dort stand ich nun also im Marktgetümmel. Ein frischer, aber schon nach Frühling riechender Tag. Zu meiner Überraschung gingen die Waren weg wie warme Semmeln. Der Speck war im Nu verkauft, die Kartoffeln ebenso schnell. Nicht übel, dachte ich zufrieden. Annegret wird sich freuen.
Nachdem ich die Taschen in Herrmanns Lieferwagen geladen hatte, wollte ich schnell die Einkäufe für zu Hause erledigen. Annegret hatte mir eine kleine Liste mitgegeben. Erst aber aus alter Gewohnheit kehrte ich kurz im Wirtshaus am Platz ein, um meinen guten Handel zu feiern. Ich bin kein großer Trinker, aber ich glaube fest daran: Wer bei guten Geschäften nicht anstößt, ruiniert sich das Glück fürs nächste Mal. Nach dem Glas Wein schlenderte ich wieder los, durch die Menge, betrachtete die Auslagen der Geschäfte. Da blieb ich plötzlich mitten im Getümmel stehen.
Vor mir stand ein junges Paar und bestaunte ein Kleid im Schaufenster. Das Mädchen, hübsch wie der Frühling, rief begeistert:
Franziska, nun komm, wir können hier nicht ewig stehen!
Schau mal, Thomas, ist das nicht traumhaft? Das würde mir perfekt passen.
Ach, das ist doch nur ein Stofffetzen.
Du hast ja keine Ahnung! Das ist gerade Mode, schön retro! Warum schenkst du es mir nicht zum Muttertag?
Franziska, du weißt genau, das Geld ist knapp. Wenn ich dir das kaufe, essen wir den ganzen Monat nur Nudeln
Wir werden schon irgendwie durchkommen! Ich will das so sehr. Wir sind nun ein Jahr verheiratet, und du hast mir noch nie etwas geschenkt nicht mal zu Weihnachten!
Ach Franziska, du bist unmöglich
Sie drückte ihm einen Kuss auf und zog ihn lachend in den Laden.
Der Junge warf mir beim Reingehen einen verständnisvollen Blick zu, beinahe so, als wollte er sagen: Frauen, du weißt schon Kurz danach kamen sie zurück. Franziska strahlte übers ganze Gesicht und hielt stolz das Päckchen fest umklammert. Ich blieb noch einen Moment vor dem Schaufenster stehen, nachdenklich. Das Kleid war hübsch, schlicht, mit Blumenmuster, ganz wie jenes, das Annegret früher bei unseren Treffen getragen hatte. Ein vergessenes Gefühl regte sich in mir. War das Nostalgie? Oder dachte ich darüber nach, was wir mal gewesen sind? Plötzlich dachte ich: Ich habe Annegret nie etwas geschenkt. Immer war ich zu beschäftigt. Mir erschien das immer so überflüssig. Aber dieser junge Kerl würde sich einschränken, nur um seiner Frau eine Freude zu machen. Aus Liebe. Liebe ich Annegret überhaupt? Damals vor der Hochzeit glaubte ich daran. Danach hat die Routine alles vergessen lassen. Nur Schufterei, kaum Erinnerungen Mein Gott, was für ein armseliges Leben!
Dieses kleine, gestohlene Glück traf mich ins Herz. Ich wollte das auch fühlen.
Kurzentschlossen trat ich in den Laden. Die Verkäuferin kam lächelnd auf mich zu.
Kann ich Ihnen helfen?
Ja, junge Dame. Ich hätte gern das Kleid aus dem Schaufenster.
Oh, das ist eine sehr gute Wahl! Pure Seide, klassisch im Stil. Ihre Tochter wird begeistert sein!
Das ist nicht für meine Tochter, brummte ich, sondern für meine Frau.
Was für ein Glück sie hat!, zwitscherte sie, während sie das Kleid einpackte.
Was kostet denn das Stück?
Als sie den Preis nannte, blieb mir kurz die Luft weg. Für mich war das ein kleines Vermögen.
Muss das so teuer sein?
Das ist eine Kreation eines bekannten Designers, erklärte sie freundlich.
Ich zögerte. Doch dann sah ich wieder das freudige Gesicht von Franziska vor mir. Da fasste ich einen Entschluss.
Ich nehme das Kleid.
Ich bezahlte, stolz auf meinen Mut. Mein Nachbar wartete schon. Die Heimfahrt war lustig; Herrmann rühmte sich seiner Gewinne.
Na, lief’s bei dir auch gut?
Was meinst du?
Hast du gut verkauft?
Rechne nicht mein Geld nach, platze ich auf einmal heraus.
Beruhig dich, Friedhelm, murrte Herrmann, ganz verdattert über meine Gereiztheit.
Als wir ankamen, war Annegret noch im Stall. Ich kümmerte mich um die Tiere, mistete den Schweinestall, brachte Futter raus. Eigentlich hätte ich mich nach dieser guten Tat leicht fühlen sollen und doch drückte mir ein Kloß die Brust. Warum nur? Achselzuckend ging ich ins Haus, genehmigte mir ein Glas Wein. Und noch eins. Nur so konnte ich mich etwas beruhigen.
Dann fiel die Tür ins Schloss. Annegret kam herein, wie üblich etwas müde und verschlossen.
Ach, du bist schon da? Und, wie liefs auf dem Markt?
Gut. Hier, das Geld.
Sie zählte das Bündel.
Es fehlt was. Schleppender Verkauf?
Nein, also der Rest ist in dem Beutel da.
Annegret zog das Kleid heraus, misstrauisch.
Für wen ist das? Für Klara? Dafür ist es zu groß. Du schmeißt unser Geld aus dem Fenster
Das ist für dich, murmelte ich. Zum Muttertag.
Stille.
Für mich? Wirklich?
Ja, für dich! Für wen sonst?, meinte ich etwas mutiger, froh, dass sie mich nicht anschnauzte.
Annegret brach in Tränen aus und stürmte ins Schlafzimmer. Zehn Minuten später kam sie wieder, mit verweinten Augen.
Es passt mir nicht mehr. Ich hab zugenommen.
Wie bitte? Aber damals, als du genau so eins trugst, auf der Bank
Ach, du Dummerchen, lachte sie traurig. Das ist zwanzig Jahre her! Alles ändert sich.
Ich sah ihr lange in die Augen.
Vielleicht ist nach all den Jahren das größte Geschenk nicht dieses Kleid, sondern einfach das Gefühl, sich wiederzufinden so wie am allerersten Tag.
Am Ende wurde mir klar: Ein Geschenk ist nicht immer ein Gegenstand manchmal ist das größte Geschenk, den Alltag für einen Moment zu vergessen und die Liebe neu zu entdecken.

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Homy
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