Im Café erwischt – jetzt kann mein Mann sich nicht mehr herausreden – Ich habe die Scheidung eingereicht, – sagte Vera eine Woche später gleichgültig. – Wie bitte? – stammelte Jens. – Bei uns läuft doch alles gut. Ich tue doch alles, was du willst… – Ich liebe dich nicht mehr, kann dir nicht verzeihen, – erwiderte Vera im selben Ton. – Schon mit dir in einem Raum zu sein, ist für mich eine Qual. Vera hatte eigentlich nie vor, mit 20 zu heiraten – sie wollte erst ihr Studium abschließen. Aber Jens war so beharrlich, zuvorkommend, lieb. Zwei Jahre lang hatte er sie umworben, selbst ihre zukünftige Schwiegermutter bezaubert. – Tochter, du wärst verrückt, so einen Mann ziehen zu lassen, – meinte ihre Mutter immer, wenn Jens etwas in der Wohnung reparierte oder beiden Blumen mitbrachte. Sie heiratete ihn erst, als sie sich ein Leben ohne diesen auf den ersten Blick gewöhnlichen, aber fürsorglichen, aufmerksamen, liebevollen Mann nicht mehr vorstellen konnte. Die nächsten 14 Jahre führten sie eine glückliche Ehe, kauften gemeinsam eine Eigentumswohnung, fuhren ein gutes Auto, verbrachten Urlaube an schönen Orten und stritten nie ernsthaft. – Wie langweilig! – schimpfte Veras Freundin Sabine, bei der mit ihrem Mann immer italienische Verhältnisse herrschten. – Wie kann man so leben? Ohne Liebe, ohne Feuerwerk… – Wir lieben uns sehr, vertrauen uns und schauen in die gleiche Richtung, – lächelte Vera gelassen. – Liebe muss nicht immer Drama und Beziehungskrisen bedeuten. Mit Jens passte einfach alles – sie mochten dieselben Filme, das gleiche Essen und die gleichen Reiseziele. Der einzige Streitpunkt war das Kind. Vera wünschte sich sehnlichst ein Baby, konnte aber selbst keines bekommen. Zwei IVF-Versuche misslangen, und da wurde Jens zum ersten Mal laut. – Vera, hör auf damit! Du ruinierst dich noch. Wir leben doch wunderbar ohne Kind – Millionen machen das genauso! Quäl dich nicht! – Ich will Mutter werden. Willst du nicht Vater sein? – weinte sie. – Aber doch nicht um jeden Preis! Ich liebe dich, will dich nicht verlieren. Eine Adoption lehnte Jens strikt ab. – Ein fremdes Kind mit zweifelhafter Herkunft werden wir nicht großziehen. Dann lieber eine Leihmutter. Das allerdings wäre zu teuer gewesen. Also musste weiter gespart werden: Vera arbeitete als Buchhalterin in einem Betrieb, Jens war dort Maschineneinrichter. Zum Leben reichte es, aber Ersparnisse gab es kaum. Vor allem, weil Jens sich für Veras Traum von der Familie nicht einschränken wollte. Eines Tages rief eine Bekannte aus der Geburtsklinik an: „Ein gesundes Baby zur Adoption. Die Mutter war keine Asiatin, sondern einfach verantwortungslos – hat sofort unterschrieben und ist nach zwei Tagen verschwunden.“ Das war ihre Chance! Vera ging früh nach Hause. Sie musste Jens überzeugen – sie würde nicht aufgeben! Auf dem Weg durch den Park sah sie plötzlich ihren Mann in Richtung ihres Lieblingscafés gehen. Klar, er wollte für ihren freien Tag einen romantischen Abend mit ihrem Lieblingsfisch-Spieß organisieren. Erst als sich eine Frau liebevoll an Jens schmiegte und er sie lachend küsste, verstand Vera. Das Paar verschwand im Café, ohne Vera zu bemerken. Sie setzte sich an den Nachbartisch – im Café waren zwischen den Tischen hohe Trennwände, exakt deshalb liebten Vera und Jens diesen Ort. Das Paar bemerkte sie nicht, aber sie bekam etwas mit. – Warum hast du mich mitten am Tag ins Café eingeladen? Keine Angst, dass deine liebe Ehefrau davon erfährt? – fragte die Frau spöttisch. – Wer? Vera? – Jens lachte. – Ich kann mich immer rausreden. Sie glaubt mir doch, nicht diesem Gerede. Schließlich habe ich den Ruf als Bilderbuch-Ehemann! – lachte er. – Außerdem ist sie doch bei der Arbeit… Na los, Lucy, reden wir über uns… Was Lucy sagte, hörte Vera nicht mehr genau – sie verließ den Laden, wie betäubt. Herz, Seele und alles rebellierten, aber das Gesehene war nicht zu löschen. Am Rand des Parks saß sie eine Stunde lang still auf der Bank. Was nun? Wie den Verrat verkraften? Ein erneuter Anruf der Freundin Katja riss sie aus der Trance. – Vera, wie sieht’s aus? Ihr müsst euch entscheiden – den Jungen nimmt sonst gleich jemand anderes. – Jens hat eine andere, – platzte es aus Vera. – Na super… – Wie meinst du das?.. – Ach Vera, vielleicht ist es nicht so wie du denkst? – stotterte Katja. – Ich hab’s mit eigenen Augen gesehen. Raus mit der Sprache. – Jens geht schon lange für dich fremd, – gestand die Freundin schließlich. – Jeder weiß das, aber keiner will in eure scheinbar perfekte Ehe reinreden! Vera, bitte, reg dich nicht auf! So sind alle Männer, wenigstens liebt Jens dich noch… – Ich ruf dich zurück, – sagte Vera knapp und fing an zu weinen. Eine Stunde später waren die Tränen versiegt. Auf dem Telefon blinkten 14 verpasste Anrufe von Jens und Katja – der Ton war ausgestellt. Entschlossen stand Vera auf und ging nach Hause. Sie wusste jetzt, was zu tun war. – Vera! Wo warst du? Ist alles in Ordnung? Warum gehst du nicht ans Telefon?! Jens stürzte auf sie zu, nahm sie in den Arm. – Ich bin fast durchgedreht… Sein Herz klopfte hörbar, ja, er hatte wohl wirklich Angst gehabt – aber Vera entzog sich einfach. Sie zog die Schuhe aus, stellte ihre Tasche ab und sagte dann nur: – Jens, ich weiß, dass du mir untreu bist. Ich werde nicht fragen, wie du konntest – das würde nichts ändern. Ich lasse mich scheiden. – Was redest du da? Wer hat dir was erzählt? Unsinn! Ich liebe dich, nie… – Er stockte, traf auf ihren eisigen Blick. – Ich kann alles erklären… Jens versuchte tatsächlich, sich zu erklären, bat um Vergebung. Sie hörte schweigend zu, er sprach immer leiser, immer unsicherer… – Jens, ich liebe dich nicht mehr und glaube dir kein Wort. Lass es, – sagte Vera, ging ins Schlafzimmer und begann zu packen. – Bitte, verzeih mir, ich Idiot! Ich liebe dich, nur dich! Ich brauche keinen anderen Menschen! Ich tue alles für dich! – Alles? – fragte sie ruhig, blickte ihn an. – Alles, – nickte er entschlossen. – Gut. Wir adoptieren den Jungen. Katja hat heute Bescheid gesagt, es gibt da ein gesundes Baby. Und dann sehe ich weiter. – Ich bin einverstanden! – Jens stockte kurz. – Ich mache alles, alles! Er hielt sein Wort: suchte Kontakte, dank derer sie schnell den Adoptionsprozess durchliefen. Mit ihr ging er zum Elternkurs, zur Kinderärztin, half, alles für den kleinen Jonas zu kaufen. Jens las ihr jeden Wunsch von den Augen ab, versicherte seine Liebe – er spielte den perfekten Ehemann. Aber Vera war überzeugt, dass er nur schauspielerte – vertraute ihm nicht mehr. Nach einem halben Jahr waren sie offiziell die Eltern von Jonas. – Ich habe die Scheidung eingereicht, – sagte Vera eine Woche später gleichgültig. – Was? Uns geht’s doch gut! Ich tu alles für dich… – Ich liebe dich nicht, kann dir nicht verzeihen, – erwiderte sie. – Mit dir zusammen zu sein, ist für mich die Hölle. – Aber wie…? – stotterte Jens. – Hast du mich nur benutzt, um ein Kind zu bekommen?! Sie zuckte die Achseln und drehte sich um. – Jetzt ist jeder für sich. – Du bist… – Jens verließ schlagartig die Wohnung. Sogar seinen Anteil an der Wohnung überschreibt er Jonas. Er dachte ja, eine echte Familie zu bekommen. Er war bereit, sich zu ändern, bewies seinen Willen. Erst abends kehrte Jens zurück. – Bist du sicher, dass du die Scheidung willst? – Ja. Du kannst solange in meiner Mutter Wohnung leben. Danach verkaufe ich sie und gebe dir etwas ab. Ich entschuldige mich nicht, Jens. Du hast mich betrogen. Ab jetzt ist mein Sohn der wichtigste Mann in meinem Leben. – Gut. Dann sollst du wissen: Jonas ist mein Sohn. – Das weiß ich. Wir haben doch gemeinsam adoptiert. Du darfst ihn sehen. – Nein. Du verstehst nicht. Jonas ist MEIN leiblicher Sohn. Seine Mutter war meine Ex. Wir trennten uns damals wegen ihrer Schwangerschaft. Sie hat sich nicht für eine Abtreibung entschieden – hoffte wohl, ich heirate sie. Ich liebe dich! Hörst du? DICH! Vera starrte ihn nur an. – Ja! – fuhr Jens fort. – Sie drohte, das Kind im Krankenhaus abzugeben, und tat es. Er atmete schwer. – Aber ich wusste nicht, dass du genau diesen Jungen adoptieren würdest. Ehrlich! So viel Zufall gibt’s doch nicht… Später war’s zu spät… – Ich habe verstanden, Jens. Aber das ändert nichts, – sagte Vera. – Sei bitte so fair und zieh aus. Und den Gerichtstermin vergiss nicht. Jens konnte es lange nicht fassen, aber die Scheidung fand statt. Jetzt sieht er Vera und seinen Sohn am Wochenende – und gibt die Hoffnung auf Versöhnung nicht auf.

Ich ertappte ihn im Café jetzt gibt es für meinen Mann kein Entkommen mehr

Ich habe die Scheidung eingereicht, sagte Hannah mit einer seltsamen Gleichgültigkeit genau eine Woche danach.

Wie bitte? stotterte Bernd fassungslos. Uns geht es doch gut. Ich mache doch alles, was du willst…

Ich liebe dich nicht und kann dir nicht vergeben, antwortete Hannah im selben Ton. Es ist für mich eine Qual, auch nur im selben Raum mit dir zu sein.

Hannah hatte eigentlich nie vor, schon mit zwanzig zu heiraten. Erst einmal sollte ein Studium her. Aber Bernd war so beharrlich, so höflich, so nett. Zwei Jahre lang brachte er ihr die schönsten Wildblumensträuße aus dem Umland Münchens, reparierte ihrer Mutter die Waschmaschine, während die Sonne merkwürdig zwischen den Wolken tanzte. Er bezauberte einfach ihre Eltern.

Hannah, du bist doch verrückt, wenn du so einen Burschen laufen lässt, meinte ihre Mutter immer, wenn Bernd wieder mit brummendem Akkuschrauber oder Marmorkuchen in der Küche erschien.

Sie heiratete ihn erst, als ihr klar wurde, dass sie sich ein Leben ohne diesen nach außen hin gewöhnlichen, aber fürsorglichen und aufmerksamen Mann gar nicht mehr vorstellen konnte.

Die folgenden 14 Jahre glitten sie wie in einem seltsamen, altmodischen Traum durch ihr Leben. Sie kauften eine Eigentumswohnung im dritten Stock eines modernen Plattenbau-Komplexes in Augsburg, fuhren einen gebrauchten Golf dunkelblau, als hätte er alle Farben der Träume verschluckt , und ihre Urlaube verbrachten sie in gespenstisch stillen Kurorten im Schwarzwald, umgeben von Tannen mit blassen Gesichtern.

Nie ein lauter Streit, nie ein zerschlagenes Glas.

Wie öde, schnaubte Hannahs Freundin Gesine, bei der zu Hause ständig bayerisch-italienische Dramen tobten. Wie kann man bloß so leben, ohne Blitz und Donner?

Wir lieben uns und blicken in die gleiche Richtung, antwortete Hannah mit sanftem Lächeln. Liebe ist nicht immer Sturm und Groll.

Die beiden hatten tatsächlich denselben Geschmack: Sie schwärmten für Bertolt Brecht-Filme, Kartoffelsalat mit Senfdressing, Spaziergänge an der Isar. Nur ein Thema blieb immer ein Schatten im Traum: das Kind.

Hannah wollte ein Kind oder zwei oder drei oder dreizehn , aber es klappte nicht. Zwei künstliche Befruchtungen in einer Klinik in München scheiterten. Da wurde Bernd zum ersten Mal laut.

Hannah, lass das. Du bringst dich sonst ins Grab! Uns gehts doch gut, und Millionen leben kinderlos. Wozu sich quälen?

Ich möchte Mutter sein. Willst du denn kein Vater werden? weinte sie.

Aber doch nicht so! Ich liebe dich mehr als alles andere. Ich möchte dich behalten. So wie du bist.

Ein Kind adoptieren? Bernd schüttelte jedes Mal den Kopf.

Ein fremdes Kind mit unbekannten Wurzeln? Kommt mir nicht ins Haus. Dann lieber eine Leihmutter, irgendwann.

Aber das war eine zu ferne Fantasie. Beide arbeiteten in einem Maschinenbaubetrieb in Augsburg Hannah als Finanzbuchhalterin, Bernd wartete die Stanzen und Maschinen. Es reichte gerade zum guten Leben, aber an große Rücklagen war nicht zu denken. Und Bernd bestand stur darauf, nicht für Hannahs Glück zu sparen.

An diesem seltsamen Mittag klingelte das schnurlose Telefon. Du, im Klinikum gibts jetzt einen kleinen Abgabele kerngesund, die Mutter einfach verschwunden, jung und naiv!, flüsterte ihre Kollegin Annegret. Chance deines Lebens, Hannah!

Hannah rannte durch einen schwebenden Park voller umgekippter Pappeln und flüchtiger Schatten nach Hause. Sie wusste: Heute überzeugt sie Bernd um jeden Preis.

Doch auf einer Lichtung, dort, wo die Wege wie Kreisel im Nebel verlaufen, entdeckte sie Bernd. Er bog auf das altbekannte Café Zur alten Mühle ab, in das sie so oft gegangen waren. Sicher, ein romantischer Fischspieß zum Feierabend, wie immer.

Hannah erkannte erst nicht, dass die Frau an seiner Seite mehr bedeutete, als sie dachte bis Bernd sie sanft umarmte und küsste, als schwebten beide schwerelos im Lichtgeflimmer des Nachmittags. Beide verschwanden ins Café, sich nur gegenseitig wahrnehmend.

Hannah, als wäre ihr Körper plötzlich aus Wachs, folgte ihnen und setzte sich an den Nachbartisch, durch hohe, mit Efeu umwucherte Trennwände wie in einem surrealen Puppenhaus verborgen.

Sie lauschte, wie die fremde Frau Kristiane, oder doch Lieselotte? neckte: Du hast mich mittags hierher gebeten? Keine Angst, dass deine Holde dich erwischt?

Wer? Hannah? lachte Bernd. Ich krieg das geregelt. Die glaubt mir alles. Ich bin der Muster-Ehemann.

Er lachte, und Hannah fühlte nur Leere.

Was Kristiane erwiderte, hörte Hannah nicht mehr als hätte ein Windstoß ihre Ohren verstopft. Sie schlenderte schwerfällig hinaus in den Park. Das Herz ein gefrorener See, der Verstand eine kreisende Straßenbahn.

Lange saß sie auf einer Bank, beobachtete Schwäne auf dem Teich, die ihr zuwinkten wie alte Bekannte. Dann rief Annegret erneut an.

Was jetzt, Hannah? Übernimmst du den Kleinen? Sonst schnappt ihn wer anders weg…

Bernd hat eine andere, murmelte Hannah, beinahe überrascht von den eigenen Worten.

Der Schuft! Hat es also doch rauskommen lassen…

Was meinst du?

Ach, ach, vielleicht wars ganz anders, aber jeder hier weiß, dass Bernd längst fremdgeht. Aber ihr wart doch das Vorzeigepaar! Du, mach dir nix draus. Männer halt, Hauptsache, er mag dich…

Hannah drückte das Gespräch weg und weinte. Stumm. Zeit dehnte sich ins Endlose, bis nur noch Gähnen blieb.

Irgendwann, nachdem all ihre Tränen in der Unterlippe verschwunden waren, stand sie auf, ignorierte 14 entgangene Anrufe wie Motten im Displaylicht, und ging gemächlich nach Hause.

Hannah! Wo warst du? Gehts dir gut? Bernd zitterte, als hätte ihn eine Eiszeit erfasst, rannte ihr entgegen und schloss sie fest in seine Arme.

Sie fühlte, wie sein Herz raste, und befreite sich wortlos. Legte die Tasche sorgfältig auf die Kommode.

Bernd, ich weiß von deinem Betrug. Ich frage nicht, warum das spielt keine Rolle mehr. Ich reiche die Scheidung ein.

Mensch, Hannah, was redest du? Wer erzählt so etwas? Ich liebe dich! Ich kann das erklären, wirklich…

Er redete und redete, seine Stimme immer leiser, als verkroch sie sich unter einem Teppich.

Bernd, ich liebe dich nicht mehr und glaube dir kein Wort. Hör auf, etwas vorzuspielen, sagte sie still und begann, Sachen zu packen.

Es tut mir leid, ich bin ein Idiot! Nun wurde Bernd energischer. Ich liebe nur dich! Niemand sonst zählt! Gib mir eine Chance, ich flehe dich an!

Eine einzige? wandte sie sich um und sah ihm direkt in die Augen.

Alles, was du willst, schwor er und nickte wie zur Bekräftigung.

Dann gut. Wir adoptieren den Jungen. Annegret hat heute alles arrangiert. Danach wird sich zeigen.

Ich bin dabei! Ich tue alles!

Bernd organisierte einen bekannten Notar, bezahlte ihm unter der Hand ein paar Hundert Euro in bar, so dass das Verfahren schnell lief.

Gemeinsam besuchten sie die Schule für werdende Adoptiveltern, deckten sich mit Windeln, Lätzchen und Holzklötzchen ein, nannten das Kind Anton, weil man dabei so tief einatmen kann.

Bernd blickte Hannah dauernd in die Augen, riet, nörgelte liebevoll bei jedem Kindersachen-Kauf, spielte den perfekten Ehemann, als würde er mit Strohhut und Geige auf einem Butterbrot balancieren.

Aber Hannah spürte: Es ist nur Theater. Das Vertrauen war wie Staub in der Zugluft.

Nach sechs Monaten war die Adoption offiziell.

Ich habe die Scheidung eingereicht, sagte Hannah nüchtern eine Woche später.

Was?! Uns gehts doch gut! Ich tue doch alles für dich! schluckte Bernd.

Ich liebe dich nicht. Ich kann dir nie mehr vergeben. Jedes Gespräch, jeder Blick ist eine Last.

Aber… heißt das… du hast mich nur benutzt? Um ein Kind zu bekommen? Bernd schaute wie durch sie hindurch.

Hannah zuckte die Schultern und wandte sich ab.

Jeder für sich.

Na toll, Bernd packte seinen Mantel und stürzte aus der Wohnung.

Er überschieb sogar seinen Anteil an Anton wie ein letzter Zug in einem absurden Schachspiel. Er glaubte an Familie, an Neuanfang, an Wunder. Doch Wunder zerplatzen oft klanglos.

Am Abend kam er zurück.

Bist du sicher? Möchtest du wirklich die Scheidung?

Ja. Zieh ruhig für eine Weile zu meiner Mutter. Später bekommst du einen Teil vom Verkauf der Wohnung. Und entschuldigen werde ich mich nicht. Du hast mich verraten. Für mich gibt es nur noch meinen Sohn.

Okay. Dann weißt du: Anton ist mein leiblicher Sohn. Geboren von meiner ehemaligen Freundin. Nur deshalb haben wir uns damals überhaupt getrennt.

Bernd atmete hastig.

Sie hat angedroht, das Kind im Krankenhaus zu lassen, falls ich nicht zu ihr zurückgehe. Ich hab dich geliebt, verstehst du? Dich!

Hannah schaute ihn lange an.

Hab’s verstanden. Aber das ändert nichts. Zieh bitte aus. Und komm zum Gericht.

Bernd konnte es nicht glauben, doch der Traum endete: Die Scheidung wurde rechtskräftig.

Nun sieht er Hannah und seinen Sohn am Wochenende. Heimlich hofft er weiter auf Versöhnung wie einst der Golf auf einen neuen, besseren Lack.

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Homy
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Im Café erwischt – jetzt kann mein Mann sich nicht mehr herausreden – Ich habe die Scheidung eingereicht, – sagte Vera eine Woche später gleichgültig. – Wie bitte? – stammelte Jens. – Bei uns läuft doch alles gut. Ich tue doch alles, was du willst… – Ich liebe dich nicht mehr, kann dir nicht verzeihen, – erwiderte Vera im selben Ton. – Schon mit dir in einem Raum zu sein, ist für mich eine Qual. Vera hatte eigentlich nie vor, mit 20 zu heiraten – sie wollte erst ihr Studium abschließen. Aber Jens war so beharrlich, zuvorkommend, lieb. Zwei Jahre lang hatte er sie umworben, selbst ihre zukünftige Schwiegermutter bezaubert. – Tochter, du wärst verrückt, so einen Mann ziehen zu lassen, – meinte ihre Mutter immer, wenn Jens etwas in der Wohnung reparierte oder beiden Blumen mitbrachte. Sie heiratete ihn erst, als sie sich ein Leben ohne diesen auf den ersten Blick gewöhnlichen, aber fürsorglichen, aufmerksamen, liebevollen Mann nicht mehr vorstellen konnte. Die nächsten 14 Jahre führten sie eine glückliche Ehe, kauften gemeinsam eine Eigentumswohnung, fuhren ein gutes Auto, verbrachten Urlaube an schönen Orten und stritten nie ernsthaft. – Wie langweilig! – schimpfte Veras Freundin Sabine, bei der mit ihrem Mann immer italienische Verhältnisse herrschten. – Wie kann man so leben? Ohne Liebe, ohne Feuerwerk… – Wir lieben uns sehr, vertrauen uns und schauen in die gleiche Richtung, – lächelte Vera gelassen. – Liebe muss nicht immer Drama und Beziehungskrisen bedeuten. Mit Jens passte einfach alles – sie mochten dieselben Filme, das gleiche Essen und die gleichen Reiseziele. Der einzige Streitpunkt war das Kind. Vera wünschte sich sehnlichst ein Baby, konnte aber selbst keines bekommen. Zwei IVF-Versuche misslangen, und da wurde Jens zum ersten Mal laut. – Vera, hör auf damit! Du ruinierst dich noch. Wir leben doch wunderbar ohne Kind – Millionen machen das genauso! Quäl dich nicht! – Ich will Mutter werden. Willst du nicht Vater sein? – weinte sie. – Aber doch nicht um jeden Preis! Ich liebe dich, will dich nicht verlieren. Eine Adoption lehnte Jens strikt ab. – Ein fremdes Kind mit zweifelhafter Herkunft werden wir nicht großziehen. Dann lieber eine Leihmutter. Das allerdings wäre zu teuer gewesen. Also musste weiter gespart werden: Vera arbeitete als Buchhalterin in einem Betrieb, Jens war dort Maschineneinrichter. Zum Leben reichte es, aber Ersparnisse gab es kaum. Vor allem, weil Jens sich für Veras Traum von der Familie nicht einschränken wollte. Eines Tages rief eine Bekannte aus der Geburtsklinik an: „Ein gesundes Baby zur Adoption. Die Mutter war keine Asiatin, sondern einfach verantwortungslos – hat sofort unterschrieben und ist nach zwei Tagen verschwunden.“ Das war ihre Chance! Vera ging früh nach Hause. Sie musste Jens überzeugen – sie würde nicht aufgeben! Auf dem Weg durch den Park sah sie plötzlich ihren Mann in Richtung ihres Lieblingscafés gehen. Klar, er wollte für ihren freien Tag einen romantischen Abend mit ihrem Lieblingsfisch-Spieß organisieren. Erst als sich eine Frau liebevoll an Jens schmiegte und er sie lachend küsste, verstand Vera. Das Paar verschwand im Café, ohne Vera zu bemerken. Sie setzte sich an den Nachbartisch – im Café waren zwischen den Tischen hohe Trennwände, exakt deshalb liebten Vera und Jens diesen Ort. Das Paar bemerkte sie nicht, aber sie bekam etwas mit. – Warum hast du mich mitten am Tag ins Café eingeladen? Keine Angst, dass deine liebe Ehefrau davon erfährt? – fragte die Frau spöttisch. – Wer? Vera? – Jens lachte. – Ich kann mich immer rausreden. Sie glaubt mir doch, nicht diesem Gerede. Schließlich habe ich den Ruf als Bilderbuch-Ehemann! – lachte er. – Außerdem ist sie doch bei der Arbeit… Na los, Lucy, reden wir über uns… Was Lucy sagte, hörte Vera nicht mehr genau – sie verließ den Laden, wie betäubt. Herz, Seele und alles rebellierten, aber das Gesehene war nicht zu löschen. Am Rand des Parks saß sie eine Stunde lang still auf der Bank. Was nun? Wie den Verrat verkraften? Ein erneuter Anruf der Freundin Katja riss sie aus der Trance. – Vera, wie sieht’s aus? Ihr müsst euch entscheiden – den Jungen nimmt sonst gleich jemand anderes. – Jens hat eine andere, – platzte es aus Vera. – Na super… – Wie meinst du das?.. – Ach Vera, vielleicht ist es nicht so wie du denkst? – stotterte Katja. – Ich hab’s mit eigenen Augen gesehen. Raus mit der Sprache. – Jens geht schon lange für dich fremd, – gestand die Freundin schließlich. – Jeder weiß das, aber keiner will in eure scheinbar perfekte Ehe reinreden! Vera, bitte, reg dich nicht auf! So sind alle Männer, wenigstens liebt Jens dich noch… – Ich ruf dich zurück, – sagte Vera knapp und fing an zu weinen. Eine Stunde später waren die Tränen versiegt. Auf dem Telefon blinkten 14 verpasste Anrufe von Jens und Katja – der Ton war ausgestellt. Entschlossen stand Vera auf und ging nach Hause. Sie wusste jetzt, was zu tun war. – Vera! Wo warst du? Ist alles in Ordnung? Warum gehst du nicht ans Telefon?! Jens stürzte auf sie zu, nahm sie in den Arm. – Ich bin fast durchgedreht… Sein Herz klopfte hörbar, ja, er hatte wohl wirklich Angst gehabt – aber Vera entzog sich einfach. Sie zog die Schuhe aus, stellte ihre Tasche ab und sagte dann nur: – Jens, ich weiß, dass du mir untreu bist. Ich werde nicht fragen, wie du konntest – das würde nichts ändern. Ich lasse mich scheiden. – Was redest du da? Wer hat dir was erzählt? Unsinn! Ich liebe dich, nie… – Er stockte, traf auf ihren eisigen Blick. – Ich kann alles erklären… Jens versuchte tatsächlich, sich zu erklären, bat um Vergebung. Sie hörte schweigend zu, er sprach immer leiser, immer unsicherer… – Jens, ich liebe dich nicht mehr und glaube dir kein Wort. Lass es, – sagte Vera, ging ins Schlafzimmer und begann zu packen. – Bitte, verzeih mir, ich Idiot! Ich liebe dich, nur dich! Ich brauche keinen anderen Menschen! Ich tue alles für dich! – Alles? – fragte sie ruhig, blickte ihn an. – Alles, – nickte er entschlossen. – Gut. Wir adoptieren den Jungen. Katja hat heute Bescheid gesagt, es gibt da ein gesundes Baby. Und dann sehe ich weiter. – Ich bin einverstanden! – Jens stockte kurz. – Ich mache alles, alles! Er hielt sein Wort: suchte Kontakte, dank derer sie schnell den Adoptionsprozess durchliefen. Mit ihr ging er zum Elternkurs, zur Kinderärztin, half, alles für den kleinen Jonas zu kaufen. Jens las ihr jeden Wunsch von den Augen ab, versicherte seine Liebe – er spielte den perfekten Ehemann. Aber Vera war überzeugt, dass er nur schauspielerte – vertraute ihm nicht mehr. Nach einem halben Jahr waren sie offiziell die Eltern von Jonas. – Ich habe die Scheidung eingereicht, – sagte Vera eine Woche später gleichgültig. – Was? Uns geht’s doch gut! Ich tu alles für dich… – Ich liebe dich nicht, kann dir nicht verzeihen, – erwiderte sie. – Mit dir zusammen zu sein, ist für mich die Hölle. – Aber wie…? – stotterte Jens. – Hast du mich nur benutzt, um ein Kind zu bekommen?! Sie zuckte die Achseln und drehte sich um. – Jetzt ist jeder für sich. – Du bist… – Jens verließ schlagartig die Wohnung. Sogar seinen Anteil an der Wohnung überschreibt er Jonas. Er dachte ja, eine echte Familie zu bekommen. Er war bereit, sich zu ändern, bewies seinen Willen. Erst abends kehrte Jens zurück. – Bist du sicher, dass du die Scheidung willst? – Ja. Du kannst solange in meiner Mutter Wohnung leben. Danach verkaufe ich sie und gebe dir etwas ab. Ich entschuldige mich nicht, Jens. Du hast mich betrogen. Ab jetzt ist mein Sohn der wichtigste Mann in meinem Leben. – Gut. Dann sollst du wissen: Jonas ist mein Sohn. – Das weiß ich. Wir haben doch gemeinsam adoptiert. Du darfst ihn sehen. – Nein. Du verstehst nicht. Jonas ist MEIN leiblicher Sohn. Seine Mutter war meine Ex. Wir trennten uns damals wegen ihrer Schwangerschaft. Sie hat sich nicht für eine Abtreibung entschieden – hoffte wohl, ich heirate sie. Ich liebe dich! Hörst du? DICH! Vera starrte ihn nur an. – Ja! – fuhr Jens fort. – Sie drohte, das Kind im Krankenhaus abzugeben, und tat es. Er atmete schwer. – Aber ich wusste nicht, dass du genau diesen Jungen adoptieren würdest. Ehrlich! So viel Zufall gibt’s doch nicht… Später war’s zu spät… – Ich habe verstanden, Jens. Aber das ändert nichts, – sagte Vera. – Sei bitte so fair und zieh aus. Und den Gerichtstermin vergiss nicht. Jens konnte es lange nicht fassen, aber die Scheidung fand statt. Jetzt sieht er Vera und seinen Sohn am Wochenende – und gibt die Hoffnung auf Versöhnung nicht auf.
– Und mit wem ist denn dein Mann da auf dem Foto? – staunte die Freundin. – Bist du sicher, dass das wirklich mein Armin ist?