Wer ist denn das auf dem Foto neben deinem Ehemann? fragte ihre Freundin überrascht. Bist du sicher, dass das dein Philipp ist?
Katrin mochte es gar nicht, wenn ihr Mann für längere Zeit unterwegs war. Damals, als sie heirateten, hatten sie sich geschworen, immer zusammen zu sein, nie mehr voneinander getrennt. Doch dann bekam Philipp das Angebot, im Schichtbetrieb in Bayern zu arbeiten ein ordentliches Gehalt wurde ihm in Aussicht gestellt und er nahm an. Überglücklich kam er damals nach Hause, mit Augen so groß wie Untertassen, und erzählte, dass sie nun bald genug Geld für ihr Traumhaus zusammen hätten und sie endlich über Kinder nachdenken könnten. Katrin versuchte ihn von diesem Plan abzubringen, doch Philipp hatte sich entschieden und blieb dabei.
Katrinchen, stell dir das doch nur mal vor, meinte er begeistert, nur zwei, drei Jahre Schicht, dafür haben wir danach unser eigenes Haus, mit Garten, ganz wie du es willst! Unsere Kinder spielen draußen, wir richten uns eine kleine Laube ein. Die Zeit vergeht rasend schnell, du siehst es gar nicht. Welche Argumente Katrin auch aufführte, es war zwecklos Philipp blieb stur. So verbrachte Katrin fast zwanzig Tage im Monat allein, nur zehn Tage waren sie gemeinsam und das oft auch nur abends nach der Arbeit oder am Wochenende.
Du kannst ja kündigen, wenn du magst, schlug Philipp ihr oft vor. Dann sind wir wenigstens in diesen zehn Tagen jede Sekunde zusammen. Katrinchen, ich vermisse dich so sehr! Aber ich hoffe, das ist nur vorübergehend. Das macht es für mich erträglicher.
Jetzt erzähl keinen Unsinn, widersprach sie. Wenn ich kündige, drehe ich vor lauter Langeweile völlig durch. Lieber kündigst du schneller, das ist viel besser.
Eines Tages kam Philipp von der Schicht zurück und berichtete, dass sie jetzt eigentlich schon genug gespart hätten. Noch ein oder zwei Einsätze, dann würde Schluss sein. Die Wohnung wird verkauft, Erspartes dazu zusammen suchen sie dann das Haus, in dem sie ihre Kinder aufziehen werden. Katrin war auf Wolke sieben. Sie fühlte sich, als hätte sie Flügel bekommen. Als Philipp wieder abreiste, begann sie, im Kalender die Tage bis zu jenem lang ersehnten Moment seinem letzten Arbeitseinsatz abzuhaken.
Eines trüben Herbstabends saß sie im Lieblingssessel, stöberte am Laptop durch Bilder von Häusern und seufzte leise vor Vorfreude. Sie hatte irgendwo gelesen, dass man sich seinen Traum erst bildlich vorstellen solle, bevor er Realität wird. So stellte sie sich immer wieder vor, wie sie und Philipp ihr zweistöckiges Holzhaus mit riesigen Fenstern bewohnten, morgens auf dem Balkon standen und auf die Wälder ringsum blickten.
Und plötzlich da war es! Das Foto, das genau ihrer Vorstellung entsprach, fand sie in einer Münchener Online-Community. Neugierig klickte sie auf das Profil des Besitzers und stockte. Dutzende Fotos einer jungen, gebräunten Blondine, ihr prunkvolles Haus, der Pool, der Garten doch dann, plötzlich, sah sie ihn: Philipp! Dort lag er auf der Sonnenliege am Pool, Cocktail in der Hand. Da winkte er vom Balkon. Und überall stand: Mein Liebling. Dann das Foto, das alles veränderte: Philipp am Strand mit jener Blondine und die Bildunterschrift: Unsere Flitterwochen. Katrins Herz raste, bunte Flecken tanzten vor ihren Augen. Sie klappte hastig das Notebook zu, streifte wie im Rausch durchs Wohnzimmer, griff schließlich zum Telefon und rief ihre beste Freundin Anna an. Anna war ihre Vertraute, sie hatten zusammen die Schulbank gedrückt, die Ausbildung in Hamburg gemacht, arbeiteten nun sogar im selben Unternehmen. Ohne Anna hätte Katrin die langen Tage allein nie ausgehalten.
Ich komme gleich, ich bade nur schnell meine Oma und dann bin ich da, versprach Anna noch am Telefon. Die nächsten vierzig Minuten fühlten sich für Katrin wie eine Ewigkeit an.
Wieder und wieder starrte sie das Foto an war das wirklich ihr Philipp? Vielleicht sieht er ihm nur ähnlich?
Kaum schloss Anna die Tür hinter sich, begann sie, gewohnt quirlig: Was ist los? Lebt ihr beide noch? Dann ist der Rest doch egal!
Anna, sieh dir das Foto an das hier!
Katrin deutete auf den Bildschirm und presste die Hände an die Stirn.
Wer ist diese Frau bei deinem Ehemann? hob Anna verblüfft die Augenbrauen. Ist das vielleicht Verwandtschaft?
Bist du sicher, dass das mein Philipp ist? fragte Katrin zögernd und biss sich auf die Lippe.
Na ja falls er keinen Zwillingsbruder hat, schon. Oder zweifelst du etwa?
Natürlich zweifle ich! Philipp ist nämlich angeblich auf Schicht, das Foto hier ist aber erst vorgestern gepostet worden.
Gib mal her, Anna kauerte sich aufs Sofa, nahm sich den Laptop, scrollte durch die Seite. Hier, schau: Jemand fragt in den Kommentaren zum Flitterwochen-Foto, wann sie denn geheiratet hätten da schreibt sie, das sei nicht entscheidend, sobald Philipp offiziell von seiner Zufalls-Ehefrau geschieden sei, würden sie alles nachholen. Bis dahin hätten sie halt schon ihre Flitterwochen, weil sie einander so süß fänden…
Anna schlug den Laptop zu und stemmte die Hände in die Hüften.
Das gibts doch nicht! Und alle im Büro beneiden dich um deinen tollen Ehemann. Ob er sich nun eine reiche Frau gesucht hat, und seine Schichten dort verbringt, oder hat er gar selbst das Haus gekauft wer weiß?
Ich weiß gar nichts mehr, Anna, flüsterte Katrin, ihr liefen die Tränen übers Gesicht. Das schlimmste ist, dass ich gar keinen Kontakt zu ihm habe. Angeblich arbeitet er irgendwo, wo es keine Netze gibt aber scheinbar wollte er bloß nicht, dass ich störe, während er mit ihr unterwegs ist…
Jetzt wein nicht, Anna nahm Katrin in den Arm und streichelte tröstend ihren Rücken. Ich glaube das nicht. Warum sollte er noch zu dir heimkommen für zehn Tage? Wäre die andere Frau ihm wichtiger, würde er längst bei ihr wohnen oder lügt er auch die an? Ach, Männer… Ich bin manchmal echt froh, Single zu sein, glaub mir.
Aber bei uns war doch alles gut, Anna! Wie konnte er so sein? Wie kann man so tun, als ob?!
Vielleicht kann man das, vielleicht auch nicht. Wir wissen es nicht. Beruhige dich erstmal! Wenn Philipp zurückkommt, redest du mit ihm und klärst das alles auf. Bis dahin: Kopf hoch! Ich muss jetzt los, meine Oma braucht noch Essen. Halt die Ohren steif!
Katrin nickte mühsam und bedankte sich.
Allein begann sie zu überlegen, ob Philipp sich jemals verraten hatte. Doch sie fand nichts Verdächtiges. Sicher in Zeiten moderner Technologie gibt es überall eine Verbindung, aber er schwor, dass sein Einsatzort irgendwo im tiefsten Bayerischen Wald läge, kein Netz, die Leute schrieben nur Briefe, die per Helikopter geholt würden… Und dabei hatte er Briefe immer als altmodisch belächelt. Wenn Katrin ihn bat, ihr wenigstens einen zu schreiben, antwortete er immer ausweichend: Er erzähle lieber bei Treffen, wie sehr er sie vermisse. Im Nachhinein kam ihr das seltsam vor. Auch Geschenke brachte er nie mit. Katrin hatte sich immer mal eine Handvoll Heidelbeeren oder einen Tannenzweig gewünscht, aber Philipp kam nach all den Einsätzen stets nur mit einem Strauß Blumen aus dem Laden ums Eck nach Hause.
Katrin konnte die Nacht nicht schlafen. Am nächsten Tag kaufte sie einen Rührkuchen und klingelte am Nachmittag bei ihrer Schwiegermutter.
Katrinchen, wie schön! Hättest ruhig anrufen können! Ich habe nur Suppe gekocht, nichts Großes… Aber danke für den Kuchen.
Ich wollte Sie nicht aufhalten, bringe auch gar nicht viel Zeit mit…
Sie wusste nicht so recht, wie sie das heikle Thema anschneiden sollte, wusste, dass ihre Schwiegermutter wegen ihres Bluthochdrucks von Aufregung verschont bleiben sollte.
Ich vermisse Philipp so sehr… Wenn wir wenigstens ab und zu mal was hören würden!
Ja, mir gehts ganz genauso, seufzte sie. Drei Wochen lang höre ich nichts von meinem Sohn. Hoffentlich macht er bald Schluss damit. Ich will endlich Enkelkinder sehen! Mit der Arbeit kommt ihr wohl sonst nie zur Ruhe…
Ich wünsche mir auch schon so lange ein Kind, lenkte Katrin das Gespräch ins Positive.
Ach Katrinchen, ich hab neulich alte Fotos von Philipp gefunden, Kinderbilder! Willst du den Album sehen?
Und schon verschwand sie aus der Küche. Als sie zurückkam, legte sie das Album mit viel Fürsorge auf den Tisch.
Hier war Philipp mit uns auf dem Landhaus in der Eifel… Damals war er so glücklich, als wir endlich da übernachten konnten.
Blätter um Blätter, und plötzlich fiel ein altes Foto heraus zwei kleine Jungs, lachend. Tränen glänzten in den Augen der Schwiegermutter.
Was ist los? Soll ich Wasser holen?
Nein, nein, meinte sie nur leise. Philipp hatte einen Zwillingsbruder, das wissen nur wenige. Doch der war zu schwach, lebte nur anderthalb Jahre. Wir haben nie darüber gesprochen. Für Philipp war das immer ein Geheimnis…
Vielleicht… gibt es eine Möglichkeit, dass es auf den Fotos sein Bruder ist? Katrin klammerte sich an diesen Gedanken.
Möglich ist viel, Kindchen. Am wichtigsten ist immer die Liebe.
Aber Katrin ahnte: Es war zu schön, um wahr zu sein.
Zurück zu Hause, verlor sie sich in Erinnerungen. Doch dann fiel ihr ein: Der Wollpullover mit Karos, den sie Philipp zum Geburtstag geschenkt hatte den trug er auf einem der Fotos mit der Blondine. Nun war sich Katrin sicher, dass Philipp sie belogen hatte. Geschickt, ohne jede Verdächtigung!
Sie wollte dieser Blondine am liebsten die Meinung sagen, doch wusste sie auch: Eigentlich lag das Versagen bei Philipp. Hatte er sie je geliebt? Sie hatte es in seinen Augen, in seinem Lächeln, in den kleinen Gesten lesen wollen. Offen gesagt hatte er es nie.
Noch zehn endlose Tage bis zu seiner Rückkehr ein beklemmendes, schmerzhaftes Warten. Sollte sie der Blondine schreiben? Oder das Ganze einfach beenden?
Am nächsten Tag, in der Kantine, vertraute sie sich Anna an:
Schreib ihr ruhig, meinte Anna. Wie Oma immer sagt: Fragen kostet nix!
Worüber tuschelt ihr so? mischte sich Kollegin Johanna ein und schenkte sich Kaffee ein. Katrin, wolltet ihr nicht irgendwann ein Haus kaufen? Ich kenne da jemanden, der gerade ein echtes Schnäppchen verkauft… Soll ich dich weiterempfehlen?
Katrin schluckte mühsam und lächelte gezwungen. Mal sehen, ich weiß es noch nicht.
Den restlichen Tag überlegte sie, was sie der Blondine schreiben solle. Am Abend schrieb sie dann: Ich bin zufällig auf Ihr Profil gestoßen. Philipp ist mein Ehemann. Ich bin bereit für die Scheidung. Sagen Sie ihm, dass er nicht mehr länger Schicht spielen muss.
Die Antwort kam zügig und war erschreckend kühl: Wir beide danken Ihnen, dass Sie so entspannt reagieren. Bitte reichen Sie selbst die Scheidung ein, Philipp kommt bei Gelegenheit vorbei und holt seine Sachen ab. Wir haben auch ein Recht auf unser Glück.
Katrin schloss heftig den Laptop, ließ sich aufs Sofa fallen und weinte doch diesmal kamen keine Tränen mehr.
Am Morgen rannte sie zum Standesamt, reichte die Scheidung ein und widmete den freien Samstag dem Packen von Philipps Sachen. Ihr Herz wurde schwer vor lauter Liebeskummer. Sie hatte ihn wirklich geliebt. Trotzdem liebte sie ihn noch selbst nach diesem Verrat.
Die Tage zogen sich wie Kaugummi. An einem frostigen Morgen erwachte sie, öffnete das Fenster: Die ganze Stadt war mit einer glitzernden Schneeschicht bedeckt genau wie damals, als sie Philipp kennengelernt hatte. Der erste Schnee ihres Lebens in Hamburg! Wie verliebt sie da gewesen war…
Mittags, im Büro, sprach Johanna sie wieder an. Na, gibts was Neues zum Haus? Nicht zögern, sonst ist die Chance weg!
Johannes, sagte Katrin, den Tränen nahe, ich lasse mich scheiden.
Was? Johanna riss entsetzt die Augen auf. Wir haben dich alle beneidet! Aber weißt du: Männer mit Geld meinen gleich, sie sind Könige… Das hast du nicht verdient.
Kurze Zeit später setzte sich Kollegin Vera zu ihr. Katrin, du trennst dich? Wieder mal ein treuloser Kerl, ja?
Vera selbst war eine arme Seele, immer wieder betrog ihr Mann sie und trotzdem verzieh sie jedes Mal.
Naja erwischt habe ich ihn nicht, aber ich hab eben Fotos im Netz gefunden.
Ach Gott, Fotos, winkte Vera ab. Die kann man doch heutzutage leicht fälschen! Ich würde darauf nicht allzu viel geben…
Ich habe mit der Frau geschrieben, die…
Briefe kann auch jeder schreiben, lachte Vera. Mensch Katrin, du bist manchmal zu gutgläubig. Überleg doch erstmal, wem die ganze Sache nützt. Wer will euch auseinanderbringen?
Plötzlich überkam Katrin der Verdacht: Hatte Anna vielleicht ihre Finger im Spiel? Aber sie verscheuchte sofort diesen Gedanken. Anna würde das niemals tun.
Nach Feierabend backte Katrin ihren Lieblingskuchen und besuchte Anna zu Hause die Großmutter war bereits im Bett, der Tee kochte.
Ich speichere das hier nur kurz ab, rief Anna aus ihrem Zimmer. Katrin warf einen Blick auf Annas Laptop und sah plötzlich ihr eigenes Gesicht auf dem Bildschirm offensichtlich bearbeitet.
Was machst du da? fragte sie ruhig. Sie wollte es nicht glauben…
Das Ist ein Überraschungsprojekt, Katrin. Ich probiere gerade eine neue Software aus. Du wirst es bald erfahren!
Was für eine Software? hakte Katrin nach. Ist das KI?
Anna blickte erschrocken auf. Woher weißt du denn das?
Von Freunden, erwiderte Katrin also, doch künstliche Intelligenz…
Ja, Anna seufzte, schade, ich hätte dich lieber überrascht als so…
Hast du etwa geglaubt, Philipp würde dann sofort zu dir wechseln? Hast du?
Wovon redest du überhaupt?! Anna wurde rot vor Ärger, doch Katrin fuhr fort:
Zwei plus zwei rechnen kann ich auch! Ich will dich nicht mehr sehen. Hör auf, dich zu verstellen!
Und damit stürmte sie hinaus in die Kälte.
Nun fühlte sie sich noch verratener nicht nur von Philipp. Anna, die wichtigste Freundin, hatte sie getäuscht. Oder etwa doch nicht? War sie einer anderen Intrige aufgesessen? Da schlug das Handy auf: Ein neues Foto, wieder von der Blondine. Jetzt lernt er meine Eltern kennen, stand darunter.
Da blieb nur noch eins: Rief Katrin die Schwiegermutter an.
Oh, Katrin, da bist du ja. Philipp kam eben völlig betrunken her. Ich weiß auch nicht weiter, er spricht kein Wort…
Katrin sprang in ein Taxi und fuhr los.
Sie schilderte Ninas Mutter alles.
Ach, Liebes, ich kann das gar nicht glauben. Gib mir mal sein Handy.
Katrin suchte es. Gemeinsam suchten sie nach verdächtigen Nachrichten plötzlich stießen sie auf ein Foto: Katrin, angeblich in den Armen von Fedor Pohl, ihrem Kollegen in eindeutiger Pose. Katrin schnappte nach Luft.
Das muss Anna gewesen sein! Bitte erklären Sie Philipp alles, wenn er wieder bei Sinnen ist. Ich will das jetzt aufklären, ein für alle Mal.
Am selben Abend stürmte sie wieder zu Anna, ballte die Faust gegen die Tür. Anna, mit Bademantel, öffnete schlaftrunken.
Was soll das? Oma schläft endlich…
Ich raste gleich aus! Auf meinen Mann warst du also scharf?
Spinnst du? Erinner dich, wer euch damals verkuppelt hat!
Eben, damals hattest du kein Interesse, jetzt aber…!
Reiß dich zusammen, Katrin! Anna wurde fassungslos. Wir reden morgen!
Katrin verpasste ihr eine Ohrfeige, stampfte raus in die Nacht.
Am nächsten Morgen kam Philipp nach Hause. Leise legte er einen Strauß rote Rosen ins Schlafzimmer, küsste Katrin sanft.
Es tut mir so leid, dass ich auf diese Intrige reingefallen bin Du kannst dir nicht vorstellen, wie schlecht es mir ging. Direkt am Flughafen sehe ich all die schrecklichen Fotos Ich hab dich so sehr vermisst, Katrin.
Es war Anna flüsterte Katrin, fassungslos. Aber konnte sie ihrer Freundin wirklich so etwas zutrauen?
Nein, das glaube ich nicht, sagte Philipp, Anna ist doch fast wie eine Schwester für uns.
Sie verbrachten den folgenden Tag in trauter Zweisamkeit. Philipp versprach, keine weiteren Schichten mehr zu übernehmen.
Ich kündige morgen. Geld für das Haus haben wir. Für alles andere reicht es der Rest kommt schon irgendwie.
Am Abend klingelte es. Anna stand verlegen an der Tür.
Johanna war die Drahtzieherin, sagte Anna leise. Nicht ich.
Katrin fiel ihr um den Hals, Tränen in den Augen.
Vergib mir, ich war wirklich dumm!
Ich weiß doch du bleibst immer meine beste Freundin.
Bleib zum Abendessen, lud Philipp ein, und Anna sagte, ein Stündchen habe sie noch Zeit.
Am Tisch erzählte Anna, wie sie den Programmierer Fedor eingeschaltet hatte. Über dessen Hilfe ließ sich leicht beweisen, dass Johannas Computer das Profil der Blondine angelegt hatte Videoaufzeichnungen inbegriffen. Auch hatte sie Fedor gefragt, wie man Fotos realistisch fälscht.
Sie wollte euch auseinanderbringen und dich, Anna, bloßstellen. Aber warum nur?
Komm einfach morgen ins Büro, sagte Anna.
Das taten sie. Als Philipp Johanna sah, wurde ihm sofort klar es war seine alte Mitschülerin, die ihm immer Liebesbriefe zugesteckt hatte.
Klar, jetzt ergibt alles einen Sinn, sagte Anna.
Philipp schlug den Arm um die beiden Frauen.
Und ich habe auch News! verkündete Anna stolz Fedor hat mir einen Antrag gemacht! Ihr seid natürlich eingeladen bald gibts eine Hochzeit!
Lachend schlenderten sie mittags gemeinsam durch die Hamburger Innenstadt. Johanna verschwand aus der Firma, reichte die Kündigung ein, ward nie mehr gesehen.
Katrin und Philipp erfüllten ihren Traum: Sie kauften ein Haus im Grünen. Zur Einweihung schenkte Anna ihnen ein riesiges Gemälde: Sie zu zweit im Gartenpavillon, in barocker Kleidung, als Gräfin und Graf.
Das war übrigens die Überraschung, die ich für euch geplant hatte, lächelte Anna.
Du bist ein Schatz, flüsterte Katrin.
Ja, wahre Freundschaft ist das Kostbarste überhaupt.





