Wie konnte Monika fremde Kinder lieben? – Die Geschichte von Adam, seiner verstorbenen Ehefrau, den schwierigen Entscheidungen zwischen Monika und Viktoria, und dem Kampf um ein neues Familienglück in einem deutschen Dorf

17. März

Es gibt Tage, an denen mir das Herz schwer wird. Noch immer kann ich mich nicht daran gewöhnen, dass ich alleine mit den Kindern bin. Irmgard ist nun schon über ein Jahr tot. Die Leere im Haus in unserem kleinen Dorf bei Kassel frisst an mir. Meine Schwiegermutter drängt immer wieder darauf, dass ich wieder heirate, weil sie meint, die Kinder bräuchten eine Mutter. Die Gedanken kreisen dennoch immer um Helene. Aber dann fällt mir auch Friederike ein. Natürlich, sie hat selbst nie Kinder gehabt. Ob sie überhaupt Kinder lieben kann, die nicht ihre eigenen sind? Auch meine Schwiegermutter sagt immer: Such dir doch jemand wie Anneliese, Adam! Die weiß, wie Familie funktioniert, die hat schon zwei Kinder und ist bodenständig! Aber Anneliese Sie war mal meine Freundin, aber das ist ewig her. Lohnt es sich wirklich, das Alte aufzuwärmen?

Irgendwann raffte ich mich auf und besuchte Anneliese. Warmherzig begrüßte sie mich in ihrer Küche, schickte ihre Kinder in den Garten und reichte mir frische Brötchen. Möchtest du vielleicht einen Kaffee, Adam? Ich lehnte ab, spüre aber, wie schwer es zwischen uns hängt. Das ist keine Liebe vielmehr Pflichtgefühl, und das merken wir beide.

Wir kannten uns doch mal gut, Anneliese, sage ich zögernd.

Sie unterbricht mich bestimmt: Nein, Adam. Nicht nochmal. Hättest du mich damals gewollt, vielleicht. Aber jetzt ist es zu spät. Früher konntest du dich nicht entscheiden, jetzt will ich nicht mehr zurück. Sie sieht mich fest an.

Überleg es dir doch noch einmal, beginne ich. Doch sie schüttelt den Kopf.

Nein, Adam. Ich lebe jetzt für meine Kinder. Ich fühle mich sicher mit ihnen. Was vergangen ist, kann man nicht zurückholen.

Ich gehe. Bleibt also nur Friederike. Sie ist unkompliziert, nicht so wie Anneliese. Ich sehe sie häufiger, beginne, unsere Bekanntschaft auszubauen. Natürlich spricht bald das ganze Dorf darüber und die Gerüchte landen bei meiner Schwiegermutter.

Sag mal, Adam, bist du jetzt mit Friederike zusammen, nur weil Anneliese Nein gesagt hat? Greifst du jetzt nach dem Erstbesten? Ihre Stimme überschlägt sich fast vor Vorwurf.

Ich weiche aus: Ach, was

Friederike ist leer, Adam. Die passt nicht zu dir. Die hat kein Herz für Kinder, das wird kein gutes Ende nehmen. Wenn du sie ins Haus holst, gehe ich. Ich werde mit ihr nicht unter einem Dach leben.

Kurz darauf zieht meine Schwiegermutter weg. Erst scheint es, es wird ruhiger, aber die Kinder weichen Friederike aus. Sie selbst gibt zu, sie könne nicht wirklich mit Kindern umgehen sie träume vom eigenen Nachwuchs, aber fremde Kinder? Das ist etwas anderes. Als mir klar wurde, dass auch das nicht funktioniert, trennten Friederike und ich uns.

Es bleibt schwer, alles verschwimmt in Grau. Alltag und Feiertage fühlen sich gleich trostlos an. Die Nachbarn tuscheln über mich, den Witwer, der immer dürrer wird und kraftlos wirkt. Irgendwann schicke ich die Kinder über die Sommerferien zu meiner Schwiegermutter nach Frankfurt, um ein bisschen Luft zu holen. Nichts hält mich im Haus. Ich schlage meiner Schwiegermutter sogar vor, das große Haus zu verkaufen und zusammenzuziehen aber sie meint nur, früher oder später bräuchte ich eine Frau an meiner Seite.

Red nicht von Heirat, das reicht mir! Lass uns zusammen auf die Kinder aufpassen. Allein schaffe ich das nicht, flehe ich.

Sie hebt nur die Schultern: So sicher ist das alles nicht, Adam. Du bist auch nicht mehr der Jüngste

Ich bin das Alleinsein einfach nicht gewohnt. Die Stille im Haus ist fast wahnsinnig machend. Nachts kann ich kein Auge zumachen, blöde Gedanken jagen mich. Was soll ich bloß anfangen? Plötzlich meine ich, Schritte zu hören.

Wer ist da? frage ich mit klopfendem Herz und schalte das Licht im Flur an. Niemand antwortet. Ich gehe vors Haus da ist niemand.

Ist meine verstorbene Frau zurückgekehrt, um nach uns zu sehen? Der Gedanke packt mich unerwartet.

Mitten in der Nacht greife ich zum Hörer, rufe meine Schwiegermutter an.

Herrje, Adam! Was ist denn los? Alles in Ordnung? fragt sie verschlafen.

Ich ertrag diese Stille nicht, Mutter. Ich komme heute Nacht zu dir.

Na dann, komm ruhig. Ich mache dir im Wohnzimmer das Bett, damit du die Kinder nicht weckst. Du brauchst dringend Pause. Du bist ja schon ganz grau vor lauter Sorgen!

Hätte ich je gedacht, dass ich wie ein kleiner Junge bei meiner Schwiegermutter Unterschlupf suchen würde? Sicher nicht. Mein Haus ist leer ohne Irmgard so leer. Wenn ich das alles nur früher gewusst hätte Jetzt dämmert der Morgen, aber die Einsamkeit lastet immer noch schwer auf mir.

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Homy
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Wie konnte Monika fremde Kinder lieben? – Die Geschichte von Adam, seiner verstorbenen Ehefrau, den schwierigen Entscheidungen zwischen Monika und Viktoria, und dem Kampf um ein neues Familienglück in einem deutschen Dorf
„Ich ziehe bei dir ein, während ich meine Wohnung vermiete – so fordert es meine Freundin!“