Aber zusammenzuleben bedeutet nicht nur, Küche und Bad zu teilen. Es geht um Respekt. Es geht darum zu begreifen, dass auch ein älterer Mensch Bedürfnisse, Gewohnheiten und Gott verzeih ein Recht darauf hat, einen Kuchen zu backen. Und dann gibt es Streit um zwei Eier. Das war nicht das erste Mal: eine Pfanne liegt am falschen Platz, ein ausgeliehener Topf, Zutaten verschwinden, mit denen ich eigentlich etwas kochen wollte. Meist schweige ich und halte es aus. Doch diesmal konnte ich nicht. Denn es geht nicht um Eier, nicht um den Kühlschrank, nicht mal um den Kuchen.
Es geht um Wertschätzung. Um diesen Schmerz, nach einem Leben, in dem ich für andere gesorgt, gegeben, genährt, erzogen habe, nun zu hören, ich sei geizig. Dabei war ich es, der sie aufgenommen hat, nicht rausgeworfen oder abgelehnt. Ich habe meine Wohnung geteilt, alles zur Verfügung gestellt, und wir leben irgendwie zusammen. Und jetzt soll ich mein eigenes Essen machen, getrennt leben, mich zurückhalten.
Natürlich, wir kommen aus verschiedenen Generationen. Sie mit ihren Vorstellungen, ich mit meinen. Aber eine Familie, das ist keine Frage des Kühlschranks. Auch nicht, wer was gegessen hat. Es geht um Respekt, Aufmerksamkeit und Dankbarkeit. Ich verlange doch nicht, dass man sich vor mir verneigt. Aber geizig genannt zu werden, das tut weh. Wirklich weh.
Jetzt sage ich mir: Ich halte mich raus. Wenn sie alles aufessen, dann ist es eben so. Wenn für mich nichts bleibt, koche ich eben Nudeln. Zusammen essen? Sollen sie allein essen. Aber eines sollen sie wissen: Nicht, weil ich beleidigt oder wirklich geizig bin. Es ist ihre Entscheidung. Sie wollten es so. Und ich ich werde mich daran erinnern. Ich werde meine Lehren daraus ziehen.
Das Leben zeigt manchmal, dass Respekt schneller verloren ist, als er gewonnen wird aber dass sich eine Familie nicht an Eiern entzweit, auch nicht an irgendetwas anderem.




