Liebes Tagebuch,
heute muss ich wirklich mal meinen Ärger loswerden. Wir haben im Kinderzimmer meines Sohnes ein neues Fenster einbauen lassen. Mein Mann war wie üblich im Büro, Leon war in der Schule, also war ich allein zu Hause und wartete auf die Handwerker.
Wie immer habe ich erst einmal alle Türen zu den anderen Zimmern geschlossen. Ich bin eigentlich ordentlich, aber ich mag es gar nicht, wenn fremde Leute in alle Räume starren, als ob sie selbst dort wohnen würden. Als die drei Männer dann kamen, begrüßten sie mich lautstark und mit wenig Feingefühl. Ich fühlte mich ehrlich gesagt unwohl damit ich verstehe diesen übertrieben kumpelhaften Ton nicht, vor allem nicht von Menschen, die ich nie zuvor gesehen habe.
Es wurde immer unverschämter: Einer der Männer ging direkt zu einer verschlossenen Tür und machte sie ohne zu fragen auf. Wird hier jetzt das Fenster ausgetauscht oder nicht?, sagte er, ohne eine Antwort abzuwarten, öffnete er direkt die nächste Tür. Ich war schon ziemlich genervt.
Entschuldigen Sie mal, warum machen Sie einfach die Tür auf? Sie war nicht ohne Grund geschlossen. Hier sind Sie nicht zu Hause. Lassen Sie mich Ihnen zeigen, was zu tun ist.
Sie brauchten fast fünf Stunden für den Fenstereinbau. Wären die nicht ständig auf den Balkon zum Rauchen verschwunden, hätten sie längst fertig sein können.
Als sie schließlich ihr Werkzeug zusammenpackten, habe ich den Wasserkocher angestellt, um für mich einen Kaffee zu machen. Ich wollte ihnen freundlich tschüss sagen und dann in Ruhe erst mal einen Schluck trinken, bevor ich mich an den Saustall mache, den sie hinterlassen haben.
Plötzlich stand der Frechste von ihnen in der Küche und meinte: Ich rieche, Sie kochen gerade was. Gibt’s auch für uns was zu essen?
Mir fiel fast die Tasse aus der Hand. Nein, tut mir leid. Ich weiß nicht, was Sie heute Abend essen, aber wahrscheinlich das, was Ihre Frau zubereitet. Nicht hier.
Er wurde richtig dreist: Wir sind schon fast fünf Stunden hier, wir sind müde und hungrig. Unsere Kunden geben uns sonst immer was. Können Sie uns nicht wenigstens ein paar belegte Brote machen? Wenn wir länger hier geblieben wären, hätten Sie uns dann auch verhungern lassen?
Ich wurde wirklich sauer. Selbst dann hätte ich Ihnen nichts zubereitet. Sie sind hier nicht zu Gast, sondern machen hier einen Auftrag. Ich bezahle Sie in Euro für Ihre Arbeit. Ihr Essen müssen Sie schon selbst mitbringen.
Die drei haben ziemlich beleidigt meine Wohnung verlassen, ohne einen weiteren Blick zurückzuwerfen. So eine Dreistigkeit ist mir noch nie begegnet!
Wie kommen Handwerker überhaupt auf die Idee, dass ich ihnen während ihres Jobs auch noch den Tisch decke? Als wir früher mal renoviert haben, hatten die Handwerker immer ihr eigenes Vesper dabei. Höchstens nach einem Glas Wasser wurde gefragt, mehr nicht.
Ich bin fest überzeugt: Essen für die Handwerker gehört nicht zur Rolle der Auftraggeber. Letztlich ist das ein geschäftlicher Vorgang und hat nichts mit gemeinsamer Brotzeit zu tun. Auch wenn man in Deutschland manchmal hört, dass man den Bauarbeitern was Gutes tun sollte das muss jeder selbst entscheiden.
Ich finde, ein höfliches Miteinander reicht vollkommen aus. Frühstück gibts bei mir für berufliche Dienstleister jedenfalls nicht.




