Meine Schwiegermutter hat mein Geschenk einfach an ihre Tochter weitergegeben – beim nächsten Fest kam ich mit leeren Händen

Schau doch mal, Katrin, was für ein tolles Gerät das ist! Es schlägt Eiweiß in zwei Minuten steif, ich habe es sogar gestoppt! Wahnsinnstechnik, wirklich. So einen Küchenmixer wollte ich schon ewig, habs mir aber nie gegönnt war mir zu teuer. Und jetzt, zack, bin ich die Königin des Backens!

Katrin, meine Schwägerin, strahlte wie eine frisch polierte Kupferpfanne, während sie über das Gehäuse ihres neuen, tiefrot lackierten Küchenmixers strich. In der Luft lag der Duft von Vanille und leicht verbranntem Zucker Katrin probierte sich an Baiser, und ich stand im Türrahmen und merkte, wie mein Lächeln mehr und mehr zu einer starren Maske verkam. Ein eisiger Kloß breitete sich in meiner Magengrube aus, und mein Herz hämmerte, als wolle es ausbrechen.

Ich erkannte diesen Mixer sofort wieder. Nicht nur Marke oder Farbe nein, genau dieses Teil. Da, auf dem Karton, gleich neben dem Barcode, war die kleine Delle mit dem halbmondförmigen Kratzer. Ich wusste genau, wie die entstanden war: Vor zwei Wochen hatte ich mühsam dieses schwere Ding aus meinem Auto geholt und ihn gegen das eiserne Hoftor bei meiner Schwiegermutter gestoßen.

Es war mein Geschenk gewesen. Ein Geschenk, für das ich einen Monat recherchiert, Testberichte gewälzt und Vergleiche angestellt hatte. Ich hatte dafür die Hälfte meines Bonus zur Seite gelegt und mir selbst neue Stiefel verkniffen. Diesen Mixer er stand vor zehn Tagen als Geschenk für Helga Baumann, meine Schwiegermutter, auf dem Gabentisch zu ihrem Geburtstag.

Damals hatte Helga gestaunt, so getan, als sei sie gerührt, die Hände ans Herz gelegt und gesagt: “Mensch Anna, das ist doch viel zu teuer! Ich pass gut drauf auf, den benutze ich nur zu besonderen Anlässen!”

Und nun der besondere Anlass. Auf Katrins Küchenarbeitsplatte.

“Schicke Maschine”, brachte ich mit Mühe heraus und achtete darauf, dass meine Stimme nicht zitterte. “War bestimmt nicht billig. Hat Steffen dir den gekauft?”

Katrin winkte ab und schob sich einen Löffel Baisercreme in den Mund. “Ach, Steffen… Der schiebt immer alles auf, Reifen, Angelzeug… Da kann ich mir was wünschen, bis ich schwarz werde. Nee, den Mixer hat Mama gestern vorbeigebracht! Einfach so, meinte, ich brauch ihn eher hab ja zwei Kinder und viel zu backen. Ich koche ja meist nur Suppe, da reicht ein Topf, hat sie gesagt. Unsere Mutter ist halt Gold wert.”

Mein Blick wanderte auf den Karton am Küchenboden, bereit für den Müll. Der Kratzer war gut zu erkennen. Und mir wurde ganz flau. Zehn Tage war das nur her. Das war MEIN Geschenk.

Letztes Jahr hatte ich Helga ein teures Topfset geschenkt. Einen Monat später stand es bei Katrin auf dem Herd zu schwer, hatte Helga gesagt. Vor einem halben Jahr brachte ich einen Merinowolldecke von einer Dienstreise mit sie lag kurze Zeit später im Hundekorb von Katrins Berner Sennenhund, weil der Rex friert und Mama kratzt die Decke.

Aber der Mixer im Wert von fast 400 Euro war nun wirklich das Tüpfelchen auf dem i.

Mein Mann, Martin, kam gerade in die Küche, mampfte einen Krapfen und grinste zufrieden.

Ah, ihr quatscht über Technik? Cooler Mixer, Katrin. Mama hat gemeint, sie gibt ihn dir.

Ich starrte ihn an. Wie, du wusstest Bescheid?

Er erstarrte kurz, dann wurde ihm klar, dass er zu viel verraten hatte. Naja… sie hat vor ein paar Tagen angerufen und gemeint, das Gerät sei ihr zu kompliziert. Zuviel Knöpfe, Geschwindigkeiten… Und du brauchst ja echt öfter sowas, Katrin. Da hab ich nur gesagt, bitte Mama, du entscheidest.

Aha, nur eine Entscheidungssache also? Zu kompliziert? Martin, das Gerät hat EINEN Drehknopf: an und aus. Deine Mutter kommt mit ihrem Smartphone besser zurecht als ich Facebook, WhatsApp, alles kein Problem. Und der Mixer ist nun zu schwierig?

Katrin kaute langsamer und beäugte mich. “Anna, reg dich jetzt nicht auf! Was soll’s, sonst stände das Teil ja eh nur bei Mama rum und verstaubte im Schrank! Ich benutze es, weil’s gebraucht wird. Wir sind doch eine Familie.”

“Eine Familie”, wiederholte ich. “Tja. Komisch nur, dass meine Geschenke immer nur bei dir landen, Katrin.

Ich verließ die Küche und griff im Flur nach meiner Handtasche.

Anna, wohin!?, rief Martin und lief mir hinterher.

Aber ich war schon draußen. Ich brauchte Luft. Ich wollte nicht heulen, schluckte die Tränen aber runter. Das war nicht das erste Mal. Wirklich nicht.

Im Auto war Schweigen. Martin fuhr, trommelte nervös auf dem Lenkrad. Anna, jetzt sei nicht so. Mama ist halt alt… Sie meint es wirklich nur gut. Katrin jammert immer, sie hat kein Geld, und Mama hilft wie sie kann.

Indem sie MEINE Geschenke weitergibt? Ich verdien das Geld, Martin ich drucke es nicht im Keller. Ich konnte mich kaum noch halten. Ich wollte DEINE Mutter freuen, ihr was Gutes tun, sie sollte das Beste bekommen. Und dann bringt sie nicht mal die Mühe auf, mich zu fragen, ob das okay ist?! Bin ich nur noch ihr Geldesel?

Du übertreibst.

Ja? Bald hat sie ihren runden Geburtstag sechzig wird sie! Wir wollten ihr doch den neuen Flachbildfernseher für die Küche schenken hast du den Preis im Kopf?

So um die 600 Euro, oder? Wir hatten doch ausgemacht, das von unserem gemeinsamen Konto zu schenken.

Gemeinsam? Du hast gerade ein Autokredit am Laufen, von deinem Gehalt bleibt doch gar nicht viel. Wir leben von meinem. Das heißt: das Ding zahle mal wieder ich.

Er zuckte resigniert mit den Schultern.

Genau weil wir Familie sind, Martin, überlege ich mir sehr gut, wie es diesmal laufen wird.

Die nächsten zwei Wochen herrschte Funkstille zwischen mir und Helga. Sie rief ein paarmal an, aber ich tat beschäftigt. Helga schien es gar nicht zu bemerken, zu sehr war sie mit ihrer Geburtstagsfete beschäftigt. Es wurde groß aufgefahren: Verwandte aus Bayern, Freundinnen, Ex-Kolleginnen. Ein Restaurant war angemietet.

Drei Tage vor der Feier: Anna, Schatz, ihr kommt am Samstag? Es geht um fünf los. Ich hab schon Platz in der Küche für den Fernseher gemacht, die alte Ablage weg. Ich freu mich auf euch!

Ich legte auf und sah mein Spiegelbild an.

“Du kannst dich freuen”, sagte ich. “Und warten.”

Am Tag der Feier zog ich mein bestes Kleid an dunkelblau, elegant. Frisur, Make-up alles saß.

Wo ist eigentlich das Geschenk?, fragte Martin, während er im Schlafzimmer hektisch nach seiner Krawatte suchte. Hast du es liefern lassen ins Restaurant?

Nein, meinte ich ruhig und steckte mir Ohrringe an.

Steht es dann im Auto? Müssen wirs noch holen? Wir haben eh kaum Zeit…

Entspann dich, Martin. Ich hab alles vorbereitet.

Er war beruhigt, verließ sich auf mich wie immer. Bestimmt hatte ich an eine Überraschungslieferung gedacht, wie er mich kannte.

Im Restaurant wimmelte es schon von Gästen. Helga thronte am langen Tisch, eingehüllt in goldschimmerndes Kleid, nahm Gratulationen und Umschläge entgegen. Katrin war eifrig dabei, ihre Frisur zu richten.

Als wir kamen, winkte Helga uns strahlend zu: Ach, da sind meine Lieben! Kommt, setzt euch!

Martin schenkte Helga einen Strauß roter Rosen, ich gab ihr einen Handkuss und wünschte Gesundheit und langes Leben.

Danke, Anna, danke!, meinte sie und schaute vielsagend zur Tür wohl in Erwartung eines Lieferanten mit dem großen Geschenk.

Aber niemand kam.

Das Fest begann. Onkel Jürgen hielt eine endlos lange Rede, dann die Jugendfreundin und dann trat Katrin auf.

Katrin hielt eine glänzende Geschenktüte hoch: Mama! Du bist die beste! Steffen, die Kids und ich schenken dir dieses edle Bettwäsche-Set und einen Gutschein fürs Spa! Damit du dich erholst wie eine Königin!

Riesenapplaus, Helga wischte sich Tränen aus den Augen. Ich erkannte das Bettwäsche-Set in der letzten Woche im Kaufland im Angebot gesehen, reine Kunstfaser. Schön verpackt, aber…

Nun war unser Part.

Jetzt kommen der Sohn und die Schwiegertochter!, rief der Moderator und Martin stupste mich an.

Ich trat auf, hob mein Sektglas. Stille. Alle sahen mich an, Helga erwartungsvoll.

Liebe Frau Baumann, sechzig Jahre sind ein stolzes Alter. Ein Moment der Dankbarkeit man weiß, was im Leben wirklich zählt. Wir haben lange über den passenden Geburtstaggeschenk nachgedacht. In den letzten Jahren habe ich Ihnen mit Bedacht Präsente gemacht: ein Topfset, eine Merinowolldecke, einen hochwertigen Küchenmixer. Immer um Ihnen eine Freude zu machen, aus dem Herzen, nicht nur fürs Auge oder für Komfort.

Ich ließ meinen Blick durch den Saal schweifen. Martin erbleichte merklich; er ahnte, was jetzt kam.

Doch mit der Zeit habe ich gemerkt, dass Ihnen meine Geschenke offenbar nicht so wichtig sind. Die Töpfe findet man bei Katrin, die Decke bei Rex im Hundekorb, der Mixer steht nun in einer anderen Küche.

Unruhe im Raum. Katrins Gesicht wurde rot wie das Gerät, Helga fuhr erschrocken zusammen.

Offenbar habe ich keinen guten Geschmack oder Sie haben einfach ein großes Herz, das immer noch weitergibt. Das ist ja ehrenwert mütterliche Selbstlosigkeit!

Ich lächelte kalt: Deshalb hab ich mich diesmal entschieden, Ihnen die Mühe zu ersparen, ein Geschenk weiterverschenken zu müssen. Katrin ist erwachsen, will sie einen Fernseher, kann sie sich einen kaufen. Ich schenke Ihnen heute das Kostbarste: meine aufrichtige Wertschätzung für Ihre Großzügigkeit.

Ich hob meine leeren Hände hoch. Heute habe ich kein Geschenk dabei. Ich bin überzeugt: Katrins Haushalt ist durch meine bisherigen Präsente bestens versorgt meine Aufgabe ist erledigt!

Ich trank mein Glas aus und setzte mich.

Es herrschte erdrückende Stille. Man hörte einen Mückenflügelschlag. Einige der Anwesenden kicherten verstohlen. Helga lief rot an und japste dann: Wie kannst du so etwas auf meiner Feier sagen?! Vor allen Leuten?!

Beruhig dich, Mama, rief Katrin, schoss mir giftige Blicke zu.

Helga rang nach Luft: Raus! Ihr Beide! Und du, Martin du bist keinen Deut besser, wenn du deine Frau nicht zügeln kannst!

Ich stand auf. Behalten Sie Ihre Nerven, Frau Baumann. Ach Martin, kommst du? Oder willst du zum Fernseher noch Geld beisteuern? Die Kontokarte hab ich übrigens und heute früh PIN geändert.

War gelogen, das mit dem PIN. Aber es wirkte. Martin stand auf, warf einen Blick in die Runde und ging mit mir.

Wir verließen das aufgeheizte Lokal. Die kühle Nacht tat gut. Im Auto blieb Martin minutenlang still, dann sagte er tonlos: Du weißt, das wird einen riesigen Familienkrach geben.

Und?, entgegnete ich gelassen. Zum ersten Mal seit Jahren fühl ich mich frei. Ich muss niemandem mehr gefallen, der mich nicht wertschätzt. Ich bin weder Bank noch Technikmarkt. Ich bin deine Frau. Und als solche erwarte ich Respekt.

Martin nickte: Ich schätze dich sehr.

Dann fahren wir heim. Und ab jetzt bringen wir zu deiner Mutter nur Blumen und einen ganz einfachen Kuchen mit. Den Fernseher kaufen wir. Für uns. Ins Schlafzimmer. Hab ich schon lange Lust drauf.

Martin überlegte einen Moment, dann startete er. Und den Mixer wollen wir noch einen, in Smaragdgrün?

Ich lächelte. Klar. Der kommt in MEINE Küche.

Wir fuhren los. Martins Handy blinkte, Anrufer: Helga, dann Katrin. Er drehte das Display um und drehte das Radio auf.

Familienstreit ist nie angenehm. Aber das eigene Selbstwertgefühl ist unbezahlbar. Ich wusste, Helga würde sich wieder melden schließlich braucht jeder irgendwoher Unterstützung. Doch die Spielregeln waren jetzt neu. Und die setzte ich.

Am nächsten Wochenende kauften wir einen großen Fernseher. Und den Mixer in Smaragdgrün. Ein Monat später rief Helga an sie klagte über Gesundheit und dass Katrin den Mixer geschrottet hätte, als sie Teig für Maultaschen machen wollte. Ich hörte höflich zu und sagte: Ach, das ist ja schade, Frau Baumann. Hauptsache Ihre Gesundheit. Und dann legte ich mit gutem Gewissen auf.

Abonniert gerne meinen Kanal, wenn euch meine Geschichte gefallen hat, und schreibt in die Kommentare: Wie geht ihr mit Ungerechtigkeit in der Familie um?

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Homy
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Meine Schwiegermutter hat mein Geschenk einfach an ihre Tochter weitergegeben – beim nächsten Fest kam ich mit leeren Händen
Meine Nachbarin borgte sich ständig Salz, Zucker und Eier, gab aber nie etwas zurück. Als sie schließlich Mehl wollte, präsentierte ich ihr eine Rechnung für alle geliehenen Lebensmittel.