Mit fest zusammengepressten Lippen stand ich im Flur: Niemals werde ich meinen Sohn noch einmal bei ihr lassen!
Noch vor wenigen Tagen hielt ich meine Schwiegermutter für eine vernünftige, kluge Frau. Doch in nur drei Tagen verwandelte sich dieser Eindruck in pures Entsetzen.
Wir hatten unseren kleinen Sohn Emil zu seinen Großeltern nach München gebracht. Er war erst wenige Wochen auf der Welt, und mein Mann Paul und ich sehnten uns nach etwas Erholung ich von Wäschebergen und Saubermachen, er vom täglichen Bürotrubel.
Bevor ich Emil in die Obhut meiner Schwiegermutter Hannelore gab, schrieb ich penibel alles auf eine lange Liste, wie ein Handbuch. Besonders lag mir Emils Ernährung am Herzen, seine Schlafenszeiten, kleine Anregungen für Lernspiele. Sogar die Nummer unserer Kinderärztin, Frau Dr. Schuster, hatte ich hinterlegt, und ausdrücklichen Rat gegeben, sie jederzeit zu kontaktieren.
Wir hatten an alles gedacht Gläschen Brei, Windeln von einer guten Marke, ein selbst bestücktes Erste-Hilfe-Set, Spielzeug, liebevoll ausgewählte Bilderbücher.
Doch während unseres Kurzurlaubs nach Nürnberg blieb eine innere Unruhe. Die drei Tage vergingen viel zu schnell und unsere Rückkehr verwandelte mein Herz in einen Stein
Emil stand da, die Ärmchen schlaff herunterhängend, den Blick verängstigt auf den Boden gerichtet. Kaum hatten wir die Tür durchschritten, stürmte Hannelore herbei. Geht langsamer, ihr fallt doch sonst noch! rief sie in rauem Ton. In der Ecke stand eine Tasche mit den Babygläschen, ungeöffnet. Daneben, achtlos hingelegt, eine Tüte mit Büchern.
Verstört betrachtete ich das Bild. Hannelore, die meinen Blick bemerkte, fuhr sich nervös durch die Haare: Also, wir haben uns entschieden, nicht extra in die Stadt zu fahren
Ich spürte, wie mein Puls hochschoss.
Wie meinst du das?, fragte ich mit belegter Stimme.
Wir essen jetzt zusammen. Also alle das Gleiche. Der Kleine soll sich schon mal an unser Essen gewöhnen, verstehst du?
Mir blieb fast das Herz stehen.
Hast du meine Anweisungen gelesen?, wollte ich wissen.
Sie winkte ab. Hab ich angefangen, war aber so viel
Und hat Emil tagsüber geschlafen?
Er wollte nicht! Er hat gespielt, also hat er nicht geschlafen. Nachmittags hab ich ihm ein schönes Schnitzel gebraten.
Was für ein Schnitzel?
Frisch vom Metzger schönes Schweineschnitzel. War ganz weich, der Bub hats geschmeckt!
Mir wurde schwindelig. Mein Baby bekommt Schweineschnitzel statt Mittagsschlaf! Der Rest war genauso schlimm: Hannelore hatte beschlossen, an Windeln zu sparen (die sind ja so teuer!), also gab es nur morgens und abends eine frische Windel statt wie sonst bei jedem Bedarf. Statt gemeinsam Bücher anzuschauen, durfte Emil alleine spielen. Hannelore verschloss Fenster und Balkon wegen der Zugluft und zwang ihn, abends einfach zwei Stunden mit geschlossenen Augen dazuliegen.
Die drei Tage Großelterndienst reichten aus, um unseren Alltag ins Chaos zu stürzen. Einen ganzen Monat arbeiteten wir daran, Emil wieder an geregelte Zeiten und gesunde Gewohnheiten zu gewöhnen: Keine Schokolade mehr, keine abendlichen Schlemmereien aus Omas Keksdose. Am härtesten war das Schlafen zehn Tage lang kämpften wir, bis wir endlich den alten Rhythmus wiederherstellten. Noch immer veranstaltet Emil abends einen kleinen Aufstand vor dem Ins-Bett-Gehen.
Mit harter Stimme schwor ich: Das passiert nie wieder! Paul stand mir bei auch wenn er seiner Mutter nicht offen die Meinung gesagt hat.
Deshalb, liebe Mütter, überlegt es euch gut besser siebenmal als einmal zu wenig, bevor ihr euer Kind für ein paar Tage bei der Großmutter lasst!





