Als ich geheiratet habe, habe ich plötzlich angefangen, an meine eigene Tür zu klingeln an die Tür meiner kleinen Wohnung in Berlin, die ich vom ersten Tag an mit dem Schlüssel geöffnet habe. Da war natürlich ein Türklopfer, aber fast nie jemand hat ihn benutzt. Meine Mama hatte immer ein Ersatzschlüsselchen, aber sonst kam nie jemand zu mir.
Ich kam meistens erst spät nach Hause. Die Nachbarn dachten, ich arbeite als Kurierin für die AfterWorkParty, weil ich immer so spät zurückkam und immer ein paar Jungs vor meiner Tür standen. Tatsächlich war ich Redakteurin in einem Verlag, kam erschöpft von der Arbeit nach Hause und ließ mich einfach ins Bett fallen. Wer kamen denn hier überhaupt vorbei? Was für Gäste war das überhaupt?
Ich hatte mich daran gewöhnt, dass zu Hause niemand auf mich wartete. Wer sollte die Tür öffnen? Nur meine Katze Miez, aber die kann ja nicht wirklich klingeln. Das hat mich eigentlich nicht gestört ich habe mich leise gefreut: keine Überraschungen, Ruhe und Frieden. Was will man mehr?
Dann kam die Ehe und plötzlich war das Klingeln zu einem kleinen Vergnügen geworden. Mein Mann Thomas arbeitet von zu Hause, also rief ich jedes Mal, wenn ich zurückkam, den Türklopfer. Manchmal mehrmals am Tag:klingelingklingelingklingeling.
Warum rufst du ihn doch ständig an? Du hast doch den Schlüssel!, schimpfte meine Mama.
Du verstehst das nicht, sagte ich. Es ist dieses tolle Gefühl, wenn jemand die Tür für dich öffnet. Ich log ein bisschen es war nicht nur ein Vergnügen, es war ein Glücksgefühl. Zu wissen, dass hinter dieser Tür jetzt jemand wartet.
Ich hörte das Klicken des Schlosses, sah den Schlüssel umdrehen, das Rattern des Türgriffs und das Lächeln in den Augen meines Mannes, wenn er mich sah, selbst wenn ich nur schnell Brot vom Bäcker holen wollte.
Wenn ihr nie allein gewohnt habt, wisst ihr nicht, wie schön das ist. Manchmal öffnete Thomas die Tür ganz gelassen, nahm meine Tasche, half mir, den Mantel abzulegen, drückte mich an sich und ließ sein leichtes Barthaar über meine Wange streichen. Manchmal war er in einer Videokonferenz, winkte stumm mit den Händen, hauchte mir einen schnellen Kuss auf die Nase und rannte weiter an den Laptop.
Aber das änderte nichts. Ich war wie ein Kind, das endlich Eis bekommt, wenn es lange darauf gewartet hat. Und das Beste: Er wurde nie wütend, nie genervt und fragte nie: Hast du etwa den Schlüssel vergessen? weil er genau wusste, dass es nicht um den Schlüssel ging.
So bleibt es das Klingeln, das Öffnen, das kleine Glück. Ich wünsche euch im neuen Jahr nur zwei Dinge: Gesundheit und jemanden, der zu Hause auf euch wartet. Den Rest könnt ihr euch selbst erträumen und erreichen. Ich glaube fest daran.




