„Ich verstehe dich einfach nicht, meine Tochter – du bist doch eine Frau, warum sollte das arme Mädchen schuld sein? Sie stammt eben von einer anderen Frau, na und? Du wirst sie großziehen, sie wird dich später Mama nennen. Es ist nun mal so gekommen, aber du solltest klüger sein: Liebst du deinen Mann, dann liebe auch seine Tochter.“ Als das Jugendamt anrief und meinen Mann

Ich verstehe dich nicht, meine Tochter.
Am Ende bist du doch eine Frau, das ist entscheidend.
Was kann das unschuldige Mädchen dafür?
Sie stammt von einer anderen, aber spielt das eine Rolle?
Du wirst sie großziehen, irgendwann wird sie dich Mutter nennen.
So ist das Leben, aber du solltest mit mehr Weisheit handeln liebst du deinen Mann, dann akzeptiere auch sein Kind.
Katharina irrt über den Innenhof, als hätte der Nebel ihre Gedanken verschluckt.
Die Straßenlaternen werfen verzogene Schatten, und irgendwo bellt ein Hund, dessen Laut wie aus einer anderen Welt klingt.
Ihre Schritte führen sie automatisch zur Haustür, die sich unter ihren Fingern schwer und fremd anfühlt.
Drinnen summt der Kühlschrank gleichmäßig, während Lena im Flur steht, den Plüschhasen fest an die Brust gedrückt, als wäre er ein Schutzschild gegen die Realität.
Matthias Stimme klingt dumpf aus der Küche, als käme sie durch Wasser: Katharina, bist du das? Doch Katharina schweigt, betrachtet die Muster im Teppich, die sich zu tanzenden Gestalten verweben.
Lena nähert sich vorsichtig, ihre Augen groß und dunkel, als könnten sie durch Katharina hindurchsehen.
Ein Hauch von Kamillentee liegt in der Luft, vermischt mit dem Duft von frischem Bauernbrot.
Plötzlich beginnt die Uhr im Wohnzimmer rückwärts zu laufen, und Katharina spürt, wie die Zeit sich dehnt und zusammenzieht.
Lena greift nach ihrer Hand, ihre Finger kühl wie Morgentau, und flüstert: Mama? Das Wort schwebt zwischen ihnen, schwer und federleicht zugleich, als könnte es gleich zerplatzen oder Wurzeln schlagen.
Matthias tritt hinzu, sein Gesicht halb im Schatten, legt einen Arm um Katharina, den anderen um Lena.
Für einen Moment scheint alles zu schweben die Möbel, die Erinnerungen, sogar die Sorgen.
Draußen rauscht der Wind, als erzähle er alte Geschichten, und irgendwo schlägt eine Kirchturmuhr, deren Klang in Katharinas Brust widerhallt.
Sie setzt sich an den Küchentisch, Lena auf dem Schoß, während Matthias schweigend Tee einschenkt.
Die Tassen klirren leise, als hätten sie Angst, die Stille zu durchbrechen.
Lena malt mit dem Finger Kreise auf Katharinas Handrücken, und jeder Kreis fühlt sich an wie ein unausgesprochenes Versprechen.
Im sanften Licht der Lampe verschwimmen die Konturen, und Katharina sieht sich selbst als Kind, wie sie im Garten ihrer Großmutter spielt, barfuß im Tau, während irgendwo ein Kuckuck ruft.
Sie blinzelt, das Bild zerfällt, übrig bleibt nur Lena, die sie mit einer Mischung aus Hoffnung und Unsicherheit ansieht.
Jetzt sind wir eine Familie, murmelt Matthias, als wolle er sich selbst überzeugen.
Katharina nickt, obwohl sie nicht sicher ist, ob sie es wirklich begreift.
Draußen dreht sich die Welt weiter, doch im Haus scheint die Zeit stillzustehen, als hätte jemand die Zeiger angehalten, damit sie durchatmen können.
Lena schläft später in ihrem neuen Bett ein, den Plüschhasen fest umklammert, während Katharina am Fenster steht und den Regen beobachtet, der in schrägen Bahnen über das Glas rinnt.
Jeder Tropfen trägt eine Erinnerung, und Katharina fragt sich, ob Träume vielleicht doch wahr werden, wenn man nur lange genug wartet.
Im Flur hängt ein altes Foto von Matthias als Kind, und Katharina erkennt plötzlich dieselbe Falte im Mundwinkel bei Lena.
Ein leises Lächeln huscht über ihr Gesicht, und für einen Moment fühlt sie sich leicht, als könnte sie mit dem Wind davonfliegen.
Die Nacht legt sich wie ein schwerer Mantel über das Haus, doch in Katharinas Herz beginnt ein leiser Frühling zu wachsen, zart und unsicher, aber unaufhaltsam.

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Homy
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„Ich verstehe dich einfach nicht, meine Tochter – du bist doch eine Frau, warum sollte das arme Mädchen schuld sein? Sie stammt eben von einer anderen Frau, na und? Du wirst sie großziehen, sie wird dich später Mama nennen. Es ist nun mal so gekommen, aber du solltest klüger sein: Liebst du deinen Mann, dann liebe auch seine Tochter.“ Als das Jugendamt anrief und meinen Mann
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