Auf dem Friedhof von Hamburg, wo wir vor vielen Jahren die letzte Ruhestätte meines Mannes besuchten, fiel mir plötzlich eine merkwürdige, betagte Frau auf, die ein winziges Baby in den Armen hielt. Seltsam, nicht wahr?
Mein Leben, das bis dahin noch fest auf dem Boden stand, geriet in den Sog des Schicksals, als ich am Grab meines geliebten Friedrichs stand. Er war bei einem Autounfall ums Leben gekommen, und obwohl bereits eine Woche vergangen war, hielt ich noch an der Hoffnung fest, dass alles nur ein böser Traum sei. Wie konnte das geschehen?
Mit schwerem Herzen ging ich zum Ausgang des Friedhofs, um zu versuchen, mir ein Bild davon zu machen, wie ich weiterleben sollte. Gerade da stellte sich mir die graue Frau mit dem Säugling vor den Weg.
Sind Sie Gerda? fragte die Fremde, während das Kind leise schluchzte.
Ich starrte sie an sie war mir völlig unbekannt.
Ja. Und wer sind Sie? antwortete ich vorsichtig.
Ihr Herz klopfte ruhig, als sie sich als Helga vorstellte und sagte: Das Kind in meinen Armen sei die Tochter von Friedrich.
Jetzt liegt es an Ihnen, sich um sie zu kümmern. Ihre Mutter kann das nicht, fügte Helga leise hinzu.
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Instinktiv machte ich einen Schritt zurück.
Nein! Das ist unmöglich! Friedrich war ein treuer Mann. Er hätte so etwas nie getan!
Ich drehte mich abrupt um und eilte davon. In meinen Augen blieb Friedrich das Bild eines untadeligen Ehemannes keine Täuschung, keine Untreue.
Vorsicht! hörte ich plötzlich und fuhr fort, dass es ein alter Freund meines Mannes sei, der mich ansprach. Ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich ihn kaum bemerkte.
Manfred, ein langjähriger Kollege von Friedrich, zeigte Mitgefühl. Ich war nicht in der Stimmung für ein Gespräch, doch hielt ich die Höflichkeit aufrecht. Nach einem kurzen Wortwechsel eilte ich zu meinem Wagen.
Der Gedanke an das Baby ließ mich nicht los. Ich versuchte, ihn zu verdrängen, doch als ich die Autotür öffnete, stockte ich fast: Das Kind lag auf dem Rücksitz und weinte leise.
Ich drehte mich um Helga war nirgends zu sehen.
Wie ist es hierhergekommen? flüsterte ich, mein Gesicht bleich vor Schock.
Draußen war es eisig, also zog ich meine Jacke aus und wickelte das Kind in einen Schal. Dann erstarrte ich: Am Hals des Säuglings war ein Muttermal, genau wie das, das Friedrich hatte.
Ist das wahr? murmelte ich ungläubig.
Ich wollte nicht glauben, dass mein Mann mich betrogen hatte, doch die Wahrheit musste ans Licht kommen. Ich beschloss, den Stammbaum zu prüfen.
Zuhause nahm ich Friedrichs alten Kamm, sammelte ein paar seiner Haare und fuhr zur Klinik.
Guten Tag, ich möchte einen Vaterschaftstest machen lassen, sagte ich zur Sprechstundenhilfe.
In Ordnung, das Ergebnis haben Sie in ein paar Tagen, antwortete sie.
Könnte das schneller gehen? Ich bin bereit, mehr zu bezahlen.
Wir haben eine ExpressVariante. Ich prüfe das für Sie, kostet allerdings mehr.
Einverstanden, nickte ich und übergab die Proben.
Im Wartebereich versuchte ich, das Baby zu beruhigen, das erneut zu weinen begann. Die Windel war trocken, also dachte ich, es sei hungrig. Während ich auf das Ergebnis wartete, fuhr ich zum Supermarkt, kaufte Babynahrung, Fläschchen und Windeln.
Zurück in der Klinik fütterte ich das Kind, während die Minuten wie Stunden schienen. Endlich kam eine Schwester mit einem Umschlag.
Vielen Dank, sagte ich, nahm das Dokument entgegen.
Ich muss die Wahrheit akzeptieren, egal wie schmerzlich sie ist, dachte ich, als ich den Umschlag öffnete.
Meine Augen weiteten sich, als ich las: Wahrscheinlichkeit der Vaterschaft 99%.
Ich blickte auf das schlafende Baby in meinen Armen. Tränen stiegen in meine Augen. Friedrich hatte mich betrogen und ein Doppelleben geführt.
Doch ich beschloss, nicht tatenlos zu bleiben. Ich wollte die Mutter des Kindes finden und das Kind ihr zurückgeben.
Zuhause durchsuchte ich Friedrichs Sachen, fand jedoch keinen Hinweis auf eine Geliebte. Dann fuhr ich in sein Büro, wühlte in Schubladen, Ordnern und privaten Unterlagen vergebens.
Enttäuscht kehrte ich heim zurück. Das Baby schlief friedlich im Wohnzimmer. Ich nahm den BabyMonitor, fuhr zu Friedrichs Wagen und durchsuchte jeden Winkel Handschuhfach, Sitze, jede Ritze. Auch hier kein Hinweis.
So kehrte das Geschehen, das mein Leben an jenem Grab in Hamburg auf den Kopf stellte, immer wieder zu mir zurück: Eine fremde, ältere Frau mit einem Säugling erschien plötzlich und erklärte, das Kind sei Friedrichs Tochter. War sie lügend? Oder begann erst ein noch erschreckenderes Kapitel?
Ich stand auf dem kalten Boden des Friedhofs und starrte auf die Stelle, wo wir Friedrich begraben hatten. Noch immer konnte ich nicht fassen, dass er nicht mehr war ein schrecklicher Unfall hatte ihn ausgerissen. Eine Woche später klammerte sich mein Herz noch immer an die Illusion, dass er bald wieder auftauchen würde.
Mit neuer Kraft ging ich zum Ausgang, denn ich musste mein weiteres Leben finden. Doch dann trat die alte Frau mit dem Baby vor mich. Ihre Hände zitterten, das Kind schniefte leise.
Sind Sie Gerda? fragte sie.
Ja. Und wer sind Sie? antwortete ich, wachsam.
Ich heiße Helga. Das ist Friedrichs Kind, sagte sie. Die Mutter kann es nicht versorgen, nur Sie können sich um sie kümmern.
Was sagen Sie da? flammte mein Ärger. Das ist unmöglich! Mein Mann würde das nie tun! Ich wirbelte herum und rannte davon.
Am Ausgang fast zusammenstoßend, begegnete ich dem alten Bekannten von Friedrich, Manfred. Er sprach Worte des Mitgefühls, doch ich wollte niemanden reden. Höflich nickte ich und ging zu meinem Auto. Dort starrte ich in die Tür und erstarrte das gleiche Baby lag auf dem Rücksitz und weinte. Helga war verschwunden.
Ich zog meine Jacke aus, wickelte das Kind ein und bemerkte das Muttermal am Hals, exakt wie bei Friedrich. Mein Inneres drehte sich auf den Kopf.
Zuhause fand ich Friedrichs Kamm, sammelte ein paar Haare und eilte zur Klinik.
Ich brauche einen Vaterschaftstest, bitte schnell, ich zahle extra, sagte ich an der Anmeldung.
Wir bieten einen ExpressService für 150Euro, erklärte die Angestellte.
Einverstanden, nickte ich und reichte die Proben.
Während ich im Flur wartete, beruhigte ich das Baby, das erneut zu weinen begann. Ich dachte, es sei hungrig, kaufte im Supermarkt Babynahrung, Fläschchen und Windeln. Zurück in der Klinik fütterte ich das Kind, während die Minuten quälend langsam vergingen. Schließlich kam eine Schwester mit einem Umschlag.
Hier sind die Ergebnisse, sagte sie.
Ich öffnete den Brief und las: Vaterschaftswahrscheinlichkeit 99%. Tränen schossen mir in die Augen. Friedrich hatte mich betrogen, aber ich wollte nicht zulassen, dass das Kind leidet.
Ich schwor mir, die Mutter zu finden und das Kind zurückzugeben.
Zuhause durchwühlte ich Friedrichs Schrank, seine Schubladen, fand jedoch nichts, was auf eine Affäre hindeutete. Im Büro suchte ich weiter, aber alle Akten waren leer von Hinweisen. Enttäuscht kehrte ich heim zurück, das Baby schlief still im Wohnzimmer. Ich nahm den BabyMonitor, fuhr zu Friedrichs Wagen und checkte jede Ecke wieder nichts.
So bleibt die Erinnerung an jenes schicksalhafte Ereignis, das mein Leben an dem Grab in Hamburg erschütterte. Eine fremde alte Frau mit einem Säugling trat plötzlich auf und behauptete, das Kind sei Friedrichs Tochter. War sie wahrhaftig? Oder war dies erst der Auftakt zu noch erschütternderen Wahrheiten?





