Warum Kirill seiner Frau nicht mehr sagt, was er zum Abendessen möchte

23.April 2025
Früher Morgen, ich schließe die Tür zur Wohnung in Berlin hinter mir und frage meine Frau Gisela, während ich den Rucksack über die Schulter werfe: Warum fragst du mich nicht, was ich zum Abendessen haben möchte?
Gisela antwortet mit einem leicht gelangweilten Ton, als würde sie gerade einen Eintopf zusammenrühren: Ich dachte, ich koche etwas, das mir einfällt. Wenn du aber etwas Konkretes willst, sag Bescheid.
Ich schnaube ein wenig und sage: Dabei geht es nicht um willst du oder willst du nicht. Die Tatsache, dass du mich nie fragst, ist das eigentliche Problem. Findest du das nicht interessant?
Gisela zuckt mit den Schultern: Ehrlich gesagt, nicht wirklich. Was soll daran spannend sein?
Ach ja!, rufe ich aus, früher hast du gefragt, jetzt nicht mehr. Früher war das ja noch interessant.
Gisela überlegt kurz und murmelt: Hm, stimmt, früher habe ich wirklich gefragt. Irgendwie ist das jetzt unbequem geworden.
Sie stellt die entscheidende Frage: Was möchtest du zum Abendessen?
Ich lächle spöttisch. In meinem Kopf drehe ich die Szene durch: Ich will nicht zum Zicken werden, also tue ich, als wäre mir das egal. Das Familienleben ist schließlich ein Geben und Nehmen.
Na gut, sage ich nachgiebig, ich hätte gern Frikadellen.
Gisela fragt weiter: Welche Frikadellen? Schwein, Rind oder Lamm? Oder willst du Fischfrikadellen?
Ich zucke die Schultern: Irgendeine, nur nicht die FischVariante! Du weißt doch, dass ich Fischfrikadellen seit meiner Kindheit verabscheue.
Gisela seufzt innerlich: Schon wieder diese Geschichte vom FischFrikadellenErlebnis im Kindergarten Ich habe genug davon. Sie erinnert sich auch daran, dass Gisela keinen Kaltgetränk mit Fruchtpulver mag.
Dann fragt sie: Und zur Beilage? Kartoffeln, Nudeln oder Reis? Vielleicht ein bisschen Buchweizen?
Kartoffeln, bitte, aber braten, nicht kochen mit knuspriger Kruste, antworte ich.
Natürlich, mein Lieber, sagt Gisela und legt sofort los, die Pfanne zu erhitzen.
Ich mache mir keine Sorgen, füge ich selbstsicher hinzu, du solltest dir lieber Sorgen machen.
Ein kurzer Gedanke schießt durch meinen Kopf: Will ich damit meine Überlegenheit zeigen? Nein, das ist nur ein weiteres Stück meiner Ungeduld.
Ich milde die Stimmung, indem ich bitte: Mach doch bitte einen kleinen Salat aus Tomaten, Gurken, Knoblauch und Dill.
Gisela nickt und wiederholt: Tomaten, Gurken, Knoblauch, Dill und ein Klecks saure Sahne.
Und die Kartoffeln auch mit Dill und Zwiebeln braten, ergänze ich.
Alles, wie du willst, sagt sie lächelnd.

Wir verabschieden uns freundlich, und ich gehe zur Arbeit. Auf dem Weg nach München überlege ich, warum etwas an Gisela sich geändert hat. Im Büro bin ich den ganzen Tag zerstreut, meine Gedanken kreisen um ihr seltsames Verhalten.

Morgen spreche ich ernstlich mit ihr, tröste ich mich. Vielleicht habe ich sie unbeabsichtigt verletzt.

Mittags sitze ich am Schreibtisch, picke gelangweilt an meinen Frikadellen, Kartoffeln und Salat, während ich meine Kollegin beobachte, die glücklich gebratenes Hähnchen mit Tomatensauce verschlingt.

Warum isst du das Hähnchen und nicht die Frikadellen?, frage ich schließlich Gisela, die gerade mit einem breiten Lächeln ein Stück knuspriges Hähnchen schluckt.
Ich hatte Lust auf Hähnchen mit Tomatensauce, erklärt sie. Als du von Frikadellen sprachst, dachte ich, du willst das nicht mehr.

Ein kurzer Moment der Verwirrung liegt in der Luft.

Entschuldige, sage ich, ich dachte, wir essen beide Frikadellen.
Gisela lächelt: Ich wollte nur, dass es uns beiden gut geht. Du isst, was du magst, ich esse, was mir schmeckt.

Ich bitte leise: Kann ich auch etwas Hähnchen haben?
Nein, erwidert sie, das Hähnchen ist für mich. Die Frikadellen und der Salat gehören dir.

Ich sehe ihr zu, wie sie genüsslich das zweite Hähnchenschenkelstück verspeist, während meine Frikadellen im Hals stecken bleiben.

Ich habe das Hähnchen etwas knuspriger gemacht, sagt sie stolz. Damit die Kruste knackt.

Ich nicke nur stumm und ende mein letztes Stück Frikadelle.

Am nächsten Morgen, bevor ich das Haus verlasse, fragt Gisela erneut: Was soll ich dir heute zum Abendessen machen?
Gebratenes Hähnchen, antworte ich bestimmt. Ganz wie gestern, nur ohne Beilagen.

Sie stimmt zu, und beim Abendessen sehe ich, wie Gisela ein Lammragout verzehrt, während ich das Hähnchen kaum anrühre.

Die ganze Woche folgt Gisela mit neuen, wechselnden Gerichten: gestern gebratene Makrele, vorher ein deftiger Schweinebraten, davor ein vegetarischer Linseneintopf. Ich frage immer wieder nach dem nächsten Gericht, und sie reagiert oft mit: Warum hast du das nicht gleich am Morgen gesagt? Ich habe bereits Schnitzel vorbereitet.

Schließlich, am nächsten Tag, verabschiedet sich Gisela von mir, sobald ich das Haus verlasse, und fragt, was ich zum Abendessen will. Ich schüttele den Kopf: Nicht mehr, das reicht.

Seitdem sage ich meiner Frau nie mehr, was ich zum Essen möchte.

Rückblickend erkenne ich, dass das ständige Hinterfragen und das Bedürfnis, meine Wünsche zu äußern, nur zu Missverständnissen geführt hat. Ich habe gelernt, dass ein gutes Miteinander mehr Vertrauen verlangt, als ständig nach dem Menü zu fragen.

**Persönliche Lehre:** Wer zuhört, ohne immer nach dem nächsten Bissen zu verlangen, schafft Raum für echte Zweisamkeit.

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Homy
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