Hey, ich muss dir das neueste Drama von Gerlinde erzählen. Ihr Mann, der Lkw-Fahrer Peter, kam von seiner letzten Tour mit einer fremden Frau zurück. Sie wird jetzt bei uns wohnen, verkündete er. Gerlinde war total aus dem Häuschen und fing an zu heulen.
Als die Unbekannte die Wohnung betrat, war Gerlinde völlig baff. Die Dame schlüpfte ohne Vorrede in die Badewanne, kam dann im HausmädchenKittel und mit Peters Lieblingshandtuch auf dem Kopf wieder raus. Auf dem Weg nach unten brüllte sie: Steh endlich still, ich hab Hunger! Und dein Mann kommt gleich. Gerlinde wollte sie am liebsten zur Tür werfen, blieb aber still. Die Wohnung gehörte ja Peter, das war sein VorEheVermögen.
Bis heute lief bei Gerlinde alles glatt. Sie hat nicht gearbeitet, das Geld floss zu Hause, Peter verdient gut und sie ist ein bisschen launisch und anspruchsvoll. Die Bekannten scherzten, Peter habe den Lkw-Job nur angenommen, um seine Frau seltener zu sehen. Trotzdem liebte er sie riesig das dachten alle, sogar Gerlinde. Aber jetzt wackelt ihr Selbstvertrauen.
Am Tag von Peters Rückkehr fragte sich Gerlinde, was er diesmal mitgebracht hatte. Die Realität übertraf ihre kühnsten Vorstellungen. Neben Peter stand die fremde Frau, die sich Klara nannte, und meinte ganz lässig: Damit du keinen Widerspruch hast, zieh ich jetzt ein. Gerlinde, 34, hübsch und jung, konnte kaum fassen, dass dieser ältere Kerl plötzlich eine 50jährige, ungepflegte, ziemlich freche Frau mit nach Hause brachte. Trotzdem stand ihr Mann ja zehn Jahre jünger, also ist das nicht völlig unmöglich, aber hier war etwas faul.
Klara schrie aus der Küche: Hey, willst du ewig da stehen? Ich hab Hunger! Gerlinde kochte gerade Pelmeni (so ein russisches Gericht) und stellte ihr einen Teller hin. Dann wollte sie Kohlrouladen für Peter holen. Klara runzelte die Stirn und meinte spöttisch: Fütterst du deinen Mann mit Fertiggerichten? Und das alles für mich? Gerlinde, voller Ärger, antwortete: Ja und Klara schmiss demonstrativ das Essen aus dem Fenster.
Was soll das?, schrie Gerlinde. Die Katze frisst das! Und du, Süße, mach endlich Suppe oder Bratkartoffeln!, rief Klara und verschwand ins Wohnzimmer, um fernzusehen.
Als Peter nach Hause kam, packte Gerlinde ihn in die Küche und schrie: Wirf sie raus! Warum hast du sie mitgebracht? Wer ist das? Sie hat das Essen weggeschmissen! Klara trat ein und sagte: Peter, warum lässt du das zu? Du hast ein gutes Einkommen und ein schönes Zuhause, und du kannst nicht mal ordentlich kochen. Du bist doch eine verwöhnte Tochter einer reichen Mutter! Gerlinde kontert: Ich lebe hier, ich bin die Herrin! Klara antwortet nur: Na gut. Dann gingen Peter und Klara zusammen einkaufen.
Klara kochte später selbst. Gerlinde hatte an diesem Tag keinen Appetit, aber am nächsten Tag aß sie den leckeren Borschtsch und die FlottenSpaghetti, die Klara gemacht hatte. Gerlinde kochte nie gern, aber sie beschloss, das nachzuholen. Sie schaute Rezepte im Netz, am Anfang ging nichts, später aber schmeckte es endlich.
Sie hörte auf, Peter ständig zu kritisieren, weil sie Angst hatte, dass Klara bleibt und sie selbst geht. Sie erzählte ihrer Mutter nichts, rief aber ihre beste Freundin Katja an. Katja meinte: Schick die weg, diese Hochstaplerin! Wenn mein Sascha so jemanden mitbringt, mach ich das sofort. Gerlinde schluchzte: Ja, du hast doch das ganze Geld, ich ziehe die Familie durch, und du hast gar nichts! Alles ist Peters Schuld! Katja schimpfte: Danke, ich wollte dich nur unterstützen, aber du hast mich enttäuscht! Und so blieb alles irgendwie beim Alten.
Peter bewunderte seine Frau immer noch, und Gerlinde versuchte immer wieder, das Gespräch mit ihm zu suchen: Warum hat er Klara reingebracht? Wie lange bleibt sie noch? Peter wich jedoch aus. Klara fand einen Job im Supermarkt. Dann kam Gerlinde die Idee, die Hochstaplerin zu überlisten: schwanger werden. Bis dahin hatte sie nie Kinder wollt, sagte Peter und ihr, dass sie keine Mutter sein wolle wegen der Figur und weil sie keine Liebe für Kinder hatte.
Jetzt aber dachte sie: Das ist ein Plan! Und plötzlich kochte sie wieder, war nicht mehr hysterisch, verwandelte sich fast in die perfekte Ehefrau. Sie verkündete Peter, dass sie ein Kind erwartet. Peter war überglücklich. Klara seufzte: Endlich, aber zieh das Kind gut groß, sonst schmeißen sie dich raus, wie bei mir. Gerlinde fragte: Wie meinst du das, raus? Klara erzählte von ihren eigenen Söhnen, die sie wie eigene Kinder aufgezogen hatte, aber als ihr Sohn Klaus starb, wurden sie aus dem Haus geworfen. Tränen liefen ihr über das Gesicht.
Gerlinde fühlte plötzlich Mitgefühl und sagte: Und dann? Klara erzählte, wie sie fast überfahren wurde, ein Fahrer anhielt, mit ihr redete, ihr das Gehirn rettete und ihr ein neues Leben schenkte. Sie meinte, Gerlinde habe Glück mit Peter. Am Abend aßen die drei zum ersten Mal zusammen zu Abend, und Gerlinde hatte gar nicht mehr Lust, Klara rauszuwerfen. Klara lächelte und dachte, sie habe Gerlinde endlich umgelernt.
Am nächsten Tag kam Peters Onkel aus dem Dorf zu Besuch. Alle Blicke richteten sich auf Klara. Nach einer Woche packte er seine Koffer und fuhr mit ihr. In unserem Alter muss man sich beeilen, keine Anträge ablehnen, sagte Klara dankbar. Gerlinde merkte, dass ihr die Frau plötzlich fehlt.
Das Leben hat sich komplett gewandelt, und Gerlinde hat sogar eine Tochter bekommen. Sie hat Klara zur Patin ernannt, und jetzt sind sie unzertrennlich. Den ganzen Sommer über fährt Gerlinde aufs Land zu ihrer Familie, die frische Luft tut dem Kleinen gut, und Peter staunt immer wieder, wie sehr sich seine Frau verändert hat. Er meint, das sei Klara zu verdanken.
So hat ein seltsamer Zufall ein kleines Netzwerk aus Menschen geschaffen, die jetzt wirklich nicht mehr voneinander lassen wollen. Ist das nicht verrückt? Ich dachte, du würdest das gern hören. Bis bald!





