Als die Verwandtschaft meines Mannes unangemeldet zum Wochenende auf *meinem* Schrebergarten erschien – da drückte ich ihnen statt Grillzange Schaufeln und Rechen in die Hand

Liebes Tagebuch,

heute hatte ich einen dieser Tage, die wie eine Gewitterfront über den Garten hinwegfegen und alles durcheinander bringen. Es fing damit an, dass ich zwischen den Erdbeerbeeten stand, verschwitzt und mit Erde im Gesicht ich hatte gerade meine Rosen beschnitten und wollte eigentlich weiter Unkraut jäten, als plötzlich die Stimme meiner Schwiegermutter so laut durch den Zaun schallte, dass selbst der Nachbar seine Motorsense kurz abschaltete.

Na, was stehst du da so? Mach auf, wir stehen vor der Tür! Wir haben Mitbringsel dabei, Stimmung auch aber bei euch siehts aus wie im Luftschutzbunker, alles verrammelt!, rief sie.

Ich wollte gerade meine Handschuhe ausziehen, als ich meinen Mann Thomas anschaute, der unbeholfen mit dem Hammer am Schuppen stand. Sein Blick sagte genug: Ich hab sie nicht eingeladen! und trotzdem gab es kein Zurück mehr.

Tommi! Hast du etwa Mittagsschlaf gemacht? Mutti und ich, wir stehen im Sonnenschein, und ihr verschwindet wie die Maulwürfe!

Ich seufzte und schmiss die Handschuhe in den Eimer. Eigentlich hatte ich mich auf ein ruhiges Arbeitswochenende in unserem Garten gefreut, wollte umpflanzen, den Zaun streichen, Kompost umsetzen. Seitdem ich den Garten von meiner Oma geerbt habe, hänge ich an jedem Beet, jeder Ecke. Die Familie meines Mannes kommt immer dann, wenn alles blüht und duftet, zum Naschen und Seele baumeln lassen und irgendwie landen die Aufgaben immer bei mir.

Thomas zuckte mit den Schultern und öffnete das Tor. Ein glänzender Golf fuhr auf den Hof, die Schwiegermutter als Erste draußen Gisela, die immer ein bisschen zu laut, zu bunt und sehr präsent ist. Dann kam Tanja, die Schwägerin, mit frisch lackierten Nägeln und weißen Shorts, dahinter ihr Ehemann Steffen, der bereits an einem Radler nippte.

Sie machten es sich gleich gemütlich, luden Grillfleisch, Kohle und Bier aus alles für einen kleinen Grillurlaub auf meinem Grundstück.

Uff, ist das heiß heute! Marie, du bist ja ganz verschmiert! Wir wollten euch überraschen, so ein schöner Tag, Wetter ein Traum dachten, wir grillen, gehen vielleicht zur Donau runter, bisschen entspannen. Ihr habt doch die Sonnenliegen, oder?

Ich konnte nicht mal ironisch lächeln. Das hier war mein Arbeitsort, mein Ausgleich vom Stadttrubel, mein Kraftort. Aber anstatt nette Hilfe, wurde ich gleich zum Servicepersonal erklärt. Die Liegen? Die stehen im Schuppen. Aber voller Staub…, antwortete ich und hoffte, man ließe mich wenigstens arbeiten.

Wofür hast du denn einen Mann? Thomas, hol die Liegen und stell sie raus, aber vorher schön sauber machen!, kommandierte Gisela, während sie in MEINEM Lesesessel auf der Terrasse Platz nahm. Und du, Marie, wasch dir mal das Gesicht und stell was auf den Tisch. Die Männer machen das Fleisch, du eben Salat, Gurken, bisschen Kräuter… Wir sind ganz ausgehungert von der Fahrt!

Von all dem Gerenne um uns herum war nichts zu merken. Stattdessen überwachten sie mein Tulpenbeet, suchten reife Himbeeren und warteten, dass sich alles irgendwie wie ein Pauschalurlaub anfühlt.

Thomas blickte mich an, als ich fast resigniert fragte: Wusstest du, dass sie heute kommen? Nein, ehrlich nicht. Mutti hat nur gefragt, was wir machen. Ich konnte doch nicht ahnen… Jetzt kann man sie nicht rauswerfen. Es ist halt Familie… Lass uns die Zähne zusammenbeißen. Ursprünglich waren für heute große Pflanzaktionen, Zaun streichen und noch eine Wagenladung Kompost eingeplant. Das alles schien nun über den Haufen geworfen.

Doch plötzlich fielen alle Hemmungen von mir ab. Ich beschloss, nicht die stille Gastgeberin zu mimen. Thomas, komm bitte mal! Wir gingen kurz hinter den Schuppen, und ich erklärte ihm: Dies ist mein Garten. Mein Erbe. Wenn wir heute nicht ranklotzen, kann ich die Setzlinge vergessen und unser Zaun gammelt endgültig durch.

Anstatt mich in die Rolle der Bedienung drängen zu lassen, kehrte ich zum Schuppen zurück, warf die Tür auf, griff Schaufeln, Hacken, Farbe und eine Gießkanne und stapfte zur Terrasse.

So, liebe Gäste, sagte ich fest und klar. Wenn ihr ohne Einladung Urlaub machen wollt, dann kombinieren wir das Praktische mit dem Nützlichen heute ist Garteneinsatz!

Tanja verzog angewidert das Gesicht, als ich ihr die Harke hinlegte. Das ist jetzt nicht dein Ernst! Wir sind gekommen, um zu entspannen! Ich ruiniere mir doch nicht den schönen Shellac-Nagellack!

Dann wirst du eben eine Erfahrung reicher, entgegnete ich und zeigte auf den hinteren Rasen, den sie abkehren sollte. Sonne gibts gratis, gleichmäßig gebräunt, ohne Bikinistreifen.

Gisela funkelte mich an. Sag mal, spinnt ihr? Thomas, sie schubst uns hier herum! Willst du deine Mutter etwa schuften lassen?!

Doch diesmal stellte Thomas sich neben mich und sagte ruhig: Mama, Marie hat recht. Das hier gehört ihr. Wir sind zum Arbeiten hierhergekommen, und ihr seid einfach reingeplatzt. Ihr wollt Wellness? Das nächste Hotel steht fünf Minuten die Straße runter. Hier wird heute gearbeitet.

Das war den Dreien dann doch zu viel. Mit viel Gezeter warfen sie Grillfleisch und Bier zurück ins Auto. Gisela schwor mir ewige Feindschaft und fuhr mit quietschenden Reifen davon. Zurück blieben Thomas und ich erschöpft, aber irgendwie erleichtert.

Wir setzten uns auf die Gartentreppe, ich atmete tief durch. Thomas nahm meine schmutzige Hand, seine Haut war warm und beruhigend. Danke, dass du zu mir hältst, murmelte ich. Ich weiß, das war heute nicht einfach.

Wir tranken später selbstgemachte Zitronenlimonade, während Thomas noch die letzten Beete umgrub. Zum Abendessen gab es Kartoffeln, Dill, Gewürzgurke schlicht, aber lecker. Und zum ersten Mal seit Langem fühlte ich: Das hier ist unser Zuhause, unser gemeinsamer Raum, unser Team.

Abends, als wir schon beim dritten Tee in der kleinen Küche saßen, sagte Thomas: Eigentlich haben sie doch nie gefragt, ob sie helfen können. Nur gefordert. Hätten sie einmal gefragt sie hätten eh alle Freizeit gehabt, nach einer Stunde hätten wir sie schon an den Grill gesetzt.

Später am Abend vibrierte sein Handy. Eine Nachricht von Gisela: Sind jetzt im Hotel. Zu teuer, Essen nicht lecker. Ihr habt ja kein Herz. Ich musste lachen.

Wochen später kehrte Gisela zurück diesmal allein, mit einem Schälchen selbstgebackener Quarkbrötchen in der Hand, etwas verlegen. Ich muss euch ehrlich sagen, ich habe die Woche über nachgedacht. Zuerst war ich wütend, aber jetzt finde ich, du machst das richtig, Marie. Es ist auch euer Leben, eure Regeln. Tut mir leid, dass ich euch so überrumpelt habe. Ich ruf das nächste Mal vorher an.

Tatsächlich, von da an fragte sie immer: Kann ich was beisteuern? Brauchst du Hilfe? Auch Tanja beruhigte sich irgendwann.

Der Garten wurde unser kleines Paradies, mit klaren Regeln und neuem gegenseitigem Respekt. Die Schaufeln stehen seitdem ordentlich aufrecht im Schuppen als Erinnerung daran, dass es ohne gegenseitige Unterstützung und Grenzen nicht geht.

Manchmal ist es eben nicht bequem, mutig für sich selbst einzustehen. Aber genau das macht aus einem Stück Land ein echtes Zuhause.

Bis bald, Tagebuch.

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Homy
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Zurück ins LebenAls sie das erste Mal wieder die kühle Morgenluft einatmete, spürte sie, wie ihr Herz voller neuer Hoffnung zu schlagen begann.