Verräterischer Vater

Moment mal! erwidert Klara keck. Und dein Ex zahlt doch keine Unterhalt?
Ich habe nie wirklich an Unterhalt gedacht. Wir brauchen sowieso nichts von ihm, und er hat jetzt eine neue Familie.
Ach du meine Güte Was soll man da machen? Ich hätte das früher prüfen müssen. Nach dem Gesetz hat das Kind Anspruch, nicht du! Und niemand muss sich um seine neue Frau und sein Kind sorgen.

Nina ist mit ihrem Leben zufrieden. Sie und Jörg ziehen ihre beiden Töchter, Anke und Marlene, groß, wohnen in Jörgs Zweizimmerwohnung in Berlin und arbeiten beide.

Jörg verdient in seiner kleinen Transportfirma nicht viel, doch zusammen mit Ninas Einkommen reicht es aus.

Klara mag Jörg jedoch nicht besonders.
Er ist träge und faul! sagt sie scharf bei ihren MädelsAbenden. Er könnte doch noch einen Nebenjob finden, wir haben ja eine ganze Familie! Zum Beispiel als Taxifahrer! Stattdessen liegt er nach Feierabend nur noch auf dem Sofa!, meint sie.
Wir haben doch nicht einmal ein Auto, protestiert Nina zaghaft.
Na und? Heutzutage kann man leicht eins mieten wir leben im 21.Jahrhundert!, antwortet Klara.
Er ist aber freundlich, fleißig, trinkt nicht, verteidigt Nina ihren Mann eifrig. Und er liebt uns und die Mädchen!

Nina nimmt sich Klara nicht zu Herzen. Sie kennen sich seit der Schulzeit, und Klara sagt immer, was ihr gerade in den Sinn kommt, ohne viel zu überlegen. Trotzdem ist sie hilfsbereit und unterstützt finanziell, bis das nächste Gehalt kommt.

Jörg hat lange kein Glück mit Frauen gehabt. Mit dreißig findet er endlich das Glück und zieht mit seiner neuen Partnerin in ein fernes Dorf. Sie telefonieren noch und sehen sich nur einmal im Jahr.

Jetzt, wo Jörg plötzlich ankündigt, dass er zu einer anderen Frau geht, kommt die Nachricht wie ein Schlag.
Rita und ich sind Seelenverwandte, erklärt Jörg vertraulich. Wir sind auf einer Wellenlänge, und sie erwartet ein Kind von mir einen Jungen.
Ihr kennt euch also schon lange?, fragt Nina.
Das ist egal, winkt Jörg ab. Wichtig ist, dass ich zu ihr ziehe und ihr die Wohnung räumen müsst.

Rita ist eine Schulkauffrau, sieben Jahre jünger als Nina. Sie haben sich vor einem Jahr kennengelernt, als Anke in der Schule stürzte und Jörg sie abholte.

Die Wohnung, in der sie lange gelebt haben, gehört Jörg gar nicht. Ein Verwandter hat ihm erst einmal Untermieterlaubnis gegeben, und jetzt will er, dass sie auszieht ein ziemlicher Zufall, nicht wahr?

Nina hat von all dem nichts mitbekommen, weil Jörg immer die Nebenkosten bezahlt hat und sie die Rechnungen nie prüft. Außerdem haben Jörg und sein Verwandter denselben Nachnamen.

Überrascht und fassungslos packt Nina zusammen, ruft ein Taxi, und sie ziehen in ein Zimmer einer Dreizimmerwohnung, in der sie vor ihrer Ehe gewohnt hat.

Sie lügt ihre Töchter nicht an. Elfjährige Anke ist äußerst scharfsinnig und begreift sofort, was passiert. Sie wendet sich von ihrem Vater ab und zeigt Unabhängigkeit. Marlene folgt ihrer Schwester in allem.

Wir sehen uns ja noch, versucht Jörg schmeichelnd, doch als er merkt, dass keiner hört, lässt er das Thema fallen.

Bald stellt sich heraus, dass er kaum Interesse hat, die Mädchen zu sehen. Schließlich hat er jetzt einen Sohn Viktor, ein kräftiger kleiner Kerl, der Erbe sein soll.

Nina erkennt, dass ihre Töchter ihr Halt geben. Sie merkt, dass sie für sie alles geben würde und keine Vaterbetrüger mehr nötig sind.

Das MiniStudentenwohnheim fühlt sich ungewohnt an. Der Nachbar Onkel Hans trinkt noch mehr als vor zwölf Jahren und lädt seine Kumpels ein. Doch die Nachbarin Frau Huber erweist sich als unverzichtbare Hilfe.

Ach, du armes Mädel, sagt sie mitfühlend, während Nina versucht, ihr Hab und Gut zu ordnen, das Zimmer aufzuräumen und gleichzeitig den Töchtern ein strenges Wort zu geben. Keine Sorge, es gibt viele Menschen, die einem helfen.

Frau Huber motiviert die Mädchen, hilft beim Putzen und beim Abendessen, erzählt lustige Anekdoten aus ihrem Leben und passt auf sie auf, wenn sie von der Schule zurückkommen.

Nina nimmt einen Nebenjob an und kommt oft erst spät nach Hause.

Anke ist eine kluge, verantwortungsbewusste Tochter sie lernt selbständig und unterstützt ihre Schwester. Unter Frau Hubers Anleitung lernen die Mädchen schnell, einfache Gerichte zuzubereiten, und das Zimmer bleibt stets ordentlich.

Mit den Mädchen hast du echt Glück!, zwinkert Frau Huber.
Das weiß ich, lächelt Nina müde.

Nach einem halben Jahr hat sich das Familienleben beruhigt. Sie leben harmonisch, achten aufeinander und auf die Nachbarn. Selbst Onkel Hans scheint im Beisein der Kinder weniger zu trinken.

Jörg sieht die Töchter nur ein paar Mal im Jahr, postet aber täglich Fotos und Videos seiner neuen Frau und des Sohnes in den sozialen Medien. Nina sieht das nicht, bis Klara ihr davon erzählt.

Ich habe das nicht mitbekommen!, schreit Klara, die ihre direkte Art nicht verloren hat. Der Typ hat dich verlassen und du hast mir nichts gesagt? Wie kannst du das zulassen?
Klara, ich kenne dich du machst dir immer Sorgen, aber in meiner Situation darf ich nicht schwach sein, erklärt Nina zögerlich.
In welcher Situation?! Ich bin schwanger, nicht krank! Und tu bloß nicht an mein Alter zu denken! Erzähl sofort alles!, protestiert Klara, fast außer Atem.

Nina fasst die Geschichte kurz zusammen, fast gleichgültig, weil sie das alles schon verarbeitet hat.
Alles gut, sagt Klara spöttisch. Ich bin natürlich froh, dass ihr gesund seid, aber er sollte dafür bezahlen!
Klara, warum bist du so blutrünstig? Lass ihn leben!, erwidert Nina.
Wir werden sehen. Und verheimliche mir nichts mehr!, knurrt Klara.

Ein Monat später erscheint Jörg plötzlich mit einer neuen Geschichte: Ein entfernter Onkel ist verstorben und hat ihm ein Landhaus, ein Auto und eine ordentliche Summe Geld vermacht.

Jetzt nehme ich die Mädchen, verkündet er stolz. Sie sollen in einem richtigen Haus leben, mit eigenen Zimmern, nicht hier in dieser kaputten Wohnung, wo das Dach leckt.
Bist du verrückt?, staunt Nina. Du hast dich nie um die Kinder gekümmert!
Ich hatte nichts zu geben. Rita hat Psychologiekurse gemacht und meint, Kinder sollten bei beiden Elternteilen leben. Und du, du verschwindest ständig bei der Arbeit
Was soll ich jetzt noch tun?, fragt Nina verzweifelt.
Wenn du dich wehrst, gehe ich vor Gericht, droht Jörg.

Frau Huber eilt zur Rettung, wirft sich auf den Eindringling und schiebt ihn aus der Tür. Jörg geht wütend hinaus und schwört, dass er nicht so leicht aufgibt.

Was soll ich jetzt machen, Klara?, weint Nina in den Hörer. Die Wohnung ist wirklich im Keller, die Hausverwaltung schafft es seit zwei Jahren nicht, das Dach zu reparieren, und die Nachbarn streiten ständig.
Moment mal! erwidert Klara. Und dein Ex zahlt keinen Unterhalt?
Ich habe nie dran gedacht. Wir brauchen nichts von ihm, er hat ja eine neue Familie.
Du musst das melden, das ist Gesetz! Die Kinder haben Anspruch, nicht du! Und er muss euch bei der Wohnung helfen.
Aber ich
Du bist einfach nur naiv, glaub mir! Und schalte wenigstens ab und zu den Fernseher ein!
Dafür habe ich nie Zeit, du verstehst das nicht!
Ich weiß. Tut mir leid. Ich bin jetzt für dich da, bis das Baby kommt.

Ich kenne jemanden in deiner Stadt, sagt Klara. Eine junge Anwältin, Alina, wird dir alles erklären.

Alina, eine energiegeladene Juristin, trifft sich mit Nina.
Ihr bekommt Unterhalt, ein Drittel des Einkommens, wie es das Gesetz vorsieht. Wir finden eine Zweizimmerwohnung, ihr zahlt die Hälfte der Miete.
Und die Mädchen müssen medizinisch versorgt werden, das übernehmen wir zu gleichen Teilen, fügt Alina hinzu.
Jörg schaut verwirrt.
Das heißt, die Mädchen wohnen bei mir nicht, erklärt Alina trocken.
Das Gericht wird die Kinder bei der Mutter lassen, weil sie das wollen.

Am Ende einigt man sich darauf, dass Jörg Unterhalt zahlt, Geld für Renovierung beisteuert und die Mädchen nicht mehr besuchen will.

Entspannt euch, zwinkert Alina. Wir drücken den Richter, damit er euch beim Kauf einer eigenen Wohnung unterstützt. Das wird gut.

Nina hat keinen Grund, Alinas Wort zu bezweifeln.

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Homy
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Die Schwiegermutter schickt die Nachbarin