Liselotte war die Geliebte. Mit der Ehe hatte sie kein Glück gehabt. Sie blieb bis zum dreißigsten Lebensjahr in lockeren Beziehungen, bis sie sich schließlich entschloss, doch einen richtigen Mann zu finden. Zuerst wusste sie nicht, dass Paul verheiratet war, doch der junge Mann ließ es bald nicht mehr verbergen, sobald er merkte, dass sie sich an ihn geknüpft hatte und ihn liebte.
Liselotte machte Paul keinen Vorwurf. Stattdessen schimpfte sie nur mit sich selbst wegen der Affäre und ihrer Schwäche für ihn. Sie fühlte sich unzulänglich, weil sie keinen Bräutigam gefunden hatte, während die Zeit unaufhaltsam verstrich. Auch wenn sie nicht die Schönste war, war sie hübsch genug, ein wenig rundlich, was ihr vermutlich ein wenig AlterungsCharme verlieh.
Die Beziehung mit Paul führte ins Nichts. Liselotte wollte nicht länger nur die Geliebte bleiben, doch sie konnte Paul nicht einfach zurücklassen die Angst, allein zu sein, war größer. Eines Tages tauchte ihr Cousin Sebastian bei ihr auf. Er war nur kurz in der Stadt wegen einer Dienstreise. Er sprang für ein paar Stunden zu seiner Schwester, weil man sich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Sie aßen gemeinsam in der Küche, plauderten wie früher über alles Mögliche und Liselotte erzählte ihm, mit ein wenig Tränen, wie ihr Liebesleben gerade aussah.
Währenddessen klopfte die Nachbarin kurz an die Tür, um Liselotte ihre Einkäufe zu zeigen. Liselotte ging für zwanzig Minuten hinaus. Genau in diesem Moment klingelte es an der Tür. Sebastian öffnete, dachte, Liselotte käme zurück, doch die Tür war nicht verschlossen Am Eingang stand Paul. Sofort erkannte der Bruder, dass er Liselottes Liebhaber war. Paul war überrascht, als er den riesigen Mann in Trainingshose und T-Shirt sah, der ein Brötchen mit Aufschnitt kaute.
Ist Liselotte zu Hause? fragte Paul unbeholfen.
Sie ist im Bad, antwortete Sebastian sofort.
Entschuldigung, wer sind Sie für sie? stammelte Paul.
Ich bin ihr Lebensgefährte unverheiratet. Und warum interessierst du dich hier? Sebastian schob Paul kräftig an die Brust. Bist du nicht dieser verheiratete Kerl, von dem Liselotte mir erzählt hat? Wenn ich dich noch einmal hier sehe, schicke ich dich die Treppe runter, verstanden?
Paul löste sich aus Sebastians Griff und hastete nach unten. Kurz darauf kam Liselotte zurück. Sebastian berichtete ihr vom Besuch ihres Freundes.
Was hast du angerichtet? Wer hat dich gerufen? schluchzte Liselotte. Er wird nie wiederkommen.
Sie setzte sich auf das Sofa und vergrub ihr Gesicht in den Händen.
Ja, er kommt nicht zurück, und das ist gut. Hör auf zu jammern. Ich habe da einen geeigneten Junggesellen für dich einen Witwer aus unserem Dorf. Die Frauen dort geben ihm nach dem Tod seiner Frau kaum eine Chance, aber er weist alle ab. Er hat noch einen Wunsch: Allein zu sein. Nach meiner Dienstreise komme ich wieder vorbei, sei bereit. Wir fahren zusammen ins Dorf, ich stelle euch vor.
Wie bitte? protestierte Liselotte. Nein, Sebastian, das geht nicht. Wer ist das? Und warum soll ich plötzlich zu ihm fahren? Das ist doch peinlich.
Peinlich, mit einem fremden Mann zu schlafen, nicht mit einem freien? Niemand drängt dich ins Bett. Wir fahren, denn mein Freund Luise hat Geburtstag.
Einige Tage später saßen Liselotte und Sebastian bereits im Dorf. Sebastians Frau Luise hatte im Garten neben der Sauna einen Tisch gedeckt. Nachbarn, Freunde und Sebastians Freund, der Witwer Alfons, kamen zu dem Familienfest. Die Dorfbewohner kannten Liselotte schon, aber sie traf Alfons zum ersten Mal.
Nach den herzlichen Gesprächen fuhr Liselotte zurück in die Stadt. Sie dachte bei sich, dass Alfons sehr still und zurückhaltend war. Er sorgt bestimmt noch immer um seine verstorbene Frau. Der arme Kerl, solche Herzen gibt es selten.
Eine Woche später, am Wochenende, klopfte es an Liselottes Tür. Sie erwartete niemanden. Als sie öffnete, stand Alfons mit einer Tüte in den Händen.
Entschuldigung, Liselotte, ich bin gerade zufällig hier vorbeigekommen. Ich war auf dem Markt und beim Einkaufen. Jetzt, wo wir uns kennen, dachte ich, ich schaue mal vorbei, stammelte er, als hätte er die Worte schon geübt.
Liselotte lud ihn ein. Sie war überrascht, lud ihn aber zum Tee ein und ahnte, dass sein Besuch kein Zufall war.
Haben Sie alles, was Sie brauchen, gekauft? fragte sie.
Ja, alles im Auto. Und das hier für Sie. Alfons holte aus der Tüte ein kleines Bouquet Tulpen hervor und reichte es Liselotte.
Ein Lächeln erhellte ihr Gesicht. Sie setzten sich in die Küche, tranken Tee und plauderten über das Wetter und die Preise auf dem Markt. Nachdem der Tee ausgetrunken war, wollte Alfons gehen. Im Flur zog er langsam seine Jacke an, schnürte die Schuhe. Kaum bei der Tür, drehte er sich zu Liselotte um und sagte:
Wenn ich jetzt gehe, ohne das zu sagen, würde ich es nie verzeihen. Liselotte, die ganze Woche habe ich nur an Sie gedacht. Das ist ein ehrliches Wort. Ich habe das Wochenende kaum erwarten können. Die Adresse habe ich von Sebastian
Liselotte wurde rot und senkte den Blick.
Wir kennen uns doch noch kaum, erwiderte sie.
Das ist egal, wichtig ist doch, dass ich Ihnen nicht unangenehm bin. Können wir per Du sein? Ich bin kein Geschenk, und ich habe noch eine kleine Tochter, acht Jahre alt, die gerade bei ihrer Großmutter wohnt. Alfons Hände zitterten leicht.
Eine Tochter ist schön, das ist ein Glück, sagte Liselotte verträumt. Ich habe immer eine Tochter haben wollen.
Ermutigt von ihren Worten zog Alfons Liselotte zu sich, nahm ihre Hände und küsste sie. Nach dem Kuss sah er in ihre Augen, aus denen Tränen glitzerten.
Bin ich dir zu unangenehm? fragte er. Scheint nicht
Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe das nicht erwartet Es ist süß und beruhigend. Ich stehle nichts von jemand anderem
Seitdem trafen sie sich jedes Wochenende. Zwei Monate später heirateten Liselotte und Alfons und zogen ins Dorf. Liselotte bekam eine Stelle im Kindergarten. Ein Jahr später bekam sie ihre Tochter. So wuchsen zwei Mädchen in ihrer Familie auf beide geliebt, beide gut versorgt. Auch Alfons und Liselotte wurden mit jedem Tag älter, aber glücklicher; ihre Liebe reifte wie guter Wein.
Sebastian zwinkerte Liselotte bei Familienfesten oft zu:
Na, Liselotte, welch ein lieber Mann, den ich dir vermittelt habe, was? Du wirst immer schöner. Ich gebe dir nur das Beste hör auf deinen Bruder!





