Der Dritte im Bunde: Ein unerwartetes Abenteuer

Lieselotte, wozu brauchen wir ein Kind? sagte Johannes, während sie zusammen auf dem Balkon ihrer Wohnung in Berlin standen. Wir kommen doch zu zweit gut zureich! Kinder bringen nur Ärger: schlaflose Nächte, rund um die Uhr Pflege, und meine Figur wird ruinieren ich werde dick.

Müssens wir das wirklich? Lass uns erst einmal sechs Jahre warten, bevor wir über eine Schwangerschaft nachdenken.

***

Johannes und Lieselotte waren seit fünf Jahren verheiratet. Anfangs war alles wie im Märchen, doch Johannes begann, Lieselotte langsam an das Thema Mutterschaft heranzuführen. Lieselotte zog das Gespräch immer wieder hinaus, bis sie plötzlich erklärte, dass sie nicht mehr über Kinder reden wolle. Die Beziehung geriet ins Stocken, die Streitereien häuften sich. Johannes sank schließlich in erbärmliche Erpressungen, während Lieselotte in den letzten Monaten nur noch sagte:

Johannes, welchen Nutzen hat dieser Klumpen Spucke und Schnupfen? Schlaflose Nächte, Windelwechsel, ein Körper wie ein Kalb nach der Geburt und ständige Müdigkeit das alles habe ich schon aufgezählt! Ich will meine Jugend nicht vergraben. Lass uns warten!

Für Johannes klangen Lieselottes Worte wie ein Donner nach stillem Himmel. Noch vor der Hochzeit hatte Lieselotte von einer großen Familie geträumt und ihm versprochen:

Natürlich, mein Lieber, wir werden viele Kinder haben! Mindestens drei! Aber nicht sofort, ja? Erst ein wenig für uns leben, uns einrichten und dann Kinder.

Fünf Jahre nach der Hochzeit erklärte Lieselotte plötzlich, dass sie im Moment noch nicht bereit sei für ein Kind. Johannes, der immer einen Erben wollte, versuchte sie zu überzeugen, dass die Zeit längst gekommen sei:

Lieselotte, wir sind seit acht Jahren zusammen, davon fünf verheiratet. Es ist Zeit, über Nachkommenschaft nachzudenken! Wir haben eine Wohnung, ein Auto, das Elterngeld ist gesichert und wir haben Geld für das Baby zurückgelegt. Worauf warten wir noch?

Wie kommst du darauf, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist? knurrte Lieselotte. Ich will noch Zeit für meine Pläne. Ein Kind passt nicht in meine Agenda. Warum sollten wir zu dritt sein, wenn wir doch alles haben?

Was meinst du mit zu dritt? Sprichst du vom Kind als Fremden? schrie Johannes. Eine normale Familie hat doch Kinder. Ich will Vater werden, Punkt! Ich verstehe nicht, warum du deine Meinung plötzlich änderst. Vor der Hochzeit warst du ganz anders.

Weil du das leicht sagen kannst! brüllte Lieselotte. Du hast nicht neun Monate Bauch, du hast nicht die Übelkeit, du kämpfst nicht mit den Pfunden! Ich habe fünf Jahre im Fitnessstudio trainiert! Und jetzt soll das alles umsonst sein? Ich will meine Form nicht verlieren und nicht auf mein gewohntes Leben verzichten! Nach der Geburt würde ich fünf Jahre meine Freunde, das Einkaufen, das normale Leben vergessen! Warum soll ich das wollen?

Lieselotte, das ist doch normal! versuchte Johannes zu beruhigen. Nichts Schlimmes, das Kind wächst, und du kehrst zu deinen Hobbys zurück. Ich helfe dir dabei.

Johannes, lass uns das Gespräch erst in fünf sechs Jahren wieder aufnehmen. Jetzt bin ich nicht bereit! Ich will nicht streiten, akzeptiere meine Sicht. Am Ende ist es mein Körper, und ich entscheide, was damit geschieht. Ich will nicht ausarten!

Zunächst versuchte Johannes, seine Frau mit Filmabenden über glückliche Familien, langen Spaziergängen im Tierpark und Besuchen von Kinderspielplätzen zu überzeugen. Er brachte Lieselotte zu seiner Verwandten, die gerade ihr viertes Kind bekommen hatte, und fuhr sie oft zu ihnen. Lieselotte zeigte jedoch keinerlei Begeisterung; ihr Mutterinstinkt schien gar nicht zu existieren.

***

Nachdem alle üblichen Mittel erschöpft waren, stellte Johannes die Sache auf die Kippe:

Lieselotte, wenn du keine Kinder von mir willst, gehen wir getrennte Wege. Wir lassen uns scheiden, jeder findet das, was zu ihm passt, und ich bleibe nicht allein.

Lieselotte erschrak; an eine Trennung hatte sie nicht gedacht. Sie arbeitete von zu Hause aus, und Johannes half ihr dabei. Nach einer Trennung müsste sie einen neuen Job und eine neue Wohnung finden.

Johannes, bitte! Was soll das? Eine Scheidung? Willst du mich wirklich verlieren wegen so etwas?

Das ist keine Kleinigkeit! Ich wuchs in einer großen Familie auf, habe Brüder und Schwestern. Eine kinderlose Ehe ist für mich sinnlos. Wir verlieren Zeit. Du hast mich vor der Hochzeit immer nach Kindern gefragt, und jetzt sagst du, es sei nur Angst vor Gewichtszunahme. Das ist lächerlich!

Aber warum können wir nicht einfach unser Leben genießen? Ein Kind kostet viel wir müssten auf alles verzichten. Du hast nichts, ich müsste mein Leben komplett umkrempeln! Ich kann nicht ständig bei ihm sein, schlaflose Nächte, endlose Müdigkeit Das ist zu viel.

Ich stelle doch eine Nanny ein! Eine Haushaltshilfe! Unsere Eltern helfen! Was ist das Problem? Dein Blick fehlt jede Zärtlichkeit! Erzähle, was du wirklich willst, wie du unsere Zukunft siehst.

Lieselotte wollte zugeben, dass sie keine Kinder wollte. Sie wollte reisen, teure Dinge kaufen und einen Mann, der das finanzieren würde. Trotz ihrer Zuneigung zu Johannes stand das Geld im Vordergrund.

Ihre Tante war unnachgiebig:

Lieselotte, das ist eine Schande! Du hast deine Ehe vergessen! Du torkelst durch Bars, während dein Mann arbeitet! Hör auf, unsere Familie zu blamieren!

Tante, ich bin doch nicht ständig unterwegs. Ich bleibe zu Hause, wenn das Wochenende kommt. Bitte gib uns einen Rat. Wir streiten ständig über Kinder. Warum soll ich das jetzt? Vielleicht könnt ihr mit ihm reden?

Ich spreche nicht mit ihm! Er hat recht. Du musst ein Kind bekommen, dann wird dein Verstand wieder klar.

Lieselotte ließ nicht locker. Sie entschied, vorzugeben, Johannes zuzustimmen, um den Streit zu beenden. Eines Abends warf sie demonstrativ eine Packung Windeln in den Müll und sagte:

Okay, Johannes, ich stimme zu! Ich werde ein Kind bekommen aber nur, wenn eine Nanny das Aufziehen übernimmt, und ich meine eigenen Dinge erledige.

Johannes glaubte ihr, doch Lieselotte nahm heimlich Verhütungsmittel und ließ sich wiederholt zu einem Arzt bringen, der ihnen Geduld versprach:

Keine Sorge, entspannt euch! Lasst das Kind erst einmal ruhen. Viele Paare, die lange kinderlos waren, bekommen irgendwann doch ein Kind.

***

Ein halbes Jahr später kam das Unerwartete: Der Schwangerschaftstest zeigte zwei Striche. Lieselotte war überrascht und wusste nicht, was sie tun sollte. Soll sie das Kind behalten und ihr Leben umkrempeln?

Johannes trat plötzlich ins Bad. Lieselotte versuchte, den Test zu verbergen, doch es war zu spät.

Was hast du da? fragte Johannes, näherkommend.

Lieselotte senkte den Blick. Johannes zog den Test heraus.

Lieselotti! Bist du schwanger? Gott, ich werde Vater! Er hob sie hoch, drehte sie durch die Badewanne und jubelte: Danke, meine Liebe! Das ist der glücklichste Tag meines Lebens!

Lieselotte zwang ein Lächeln hervor. Was nun? Wie soll sie das Problem lösen?

Sie feierten die Nachricht in einem Restaurant in München. An Lieselottes Finger funkelte ein neuer Ring. Johannes saß ihr gegenüber im Anzug, strahlte und wiederholte immer wieder:

Wir werden die besten Eltern der Welt sein! Ich verspreche, dir fehlt nichts! Danke, meine Liebe!

In dieser Nacht konnte Lieselotte kaum schlafen. Vor ihrem inneren Auge schwebte Johannes glückliches Gesicht, und düstere Gedanken drangen ein:

Vielleicht macht ein Kind unser Leben wirklich besser? Vielleicht habe ich nur Angst vor Veränderung? Ich könnte abnehmen, mich um mich kümmern Frauen schaffen das. Und es ist ja das Kind von meinem geliebten Mann

Zum ersten Mal nach vielen Jahren spürte Lieselotte ein neues, unbekanntes Gefühl. Vielleicht hatte sie doch den richtigen Schritt getan?

***

Neun Monate vergingen schnell. Johannes trug Lieselotte auf Händen, erfüllte ihre Wünsche, wählte das Krankenhaus aus, besuchte zusammen Geburtsvorbereitungskurse. Lieselotte versuchte, Johannes zu unterstützen, doch die Angst vor der Geburt und der Mutterschaft blieb.

Am vereinbarten Tag brachte Lieselotte einen gesunden Jungen zur Welt. Als das Baby auf ihren Bauch gelegt wurde, sah sie zum ersten Mal sein Gesicht ein kleiner, leicht zerknitterter Kläffchen, erstaunlich ähnlich wie Johannes, süß gurrend. In diesem Moment verschwanden alle ihre Ängste.

Mein flüsterte Lieselotte, Tränen liefen über ihre Wangen.

Sie nannten den Jungen Philipp. Von den ersten Tagen an tauchte Lieselotte voll in die Mutterschaft ein. Sie stillte, sang Wiegenlieder, spazierte mit ihm im Stadtpark. Sie wurde sogar eifersüchtig, wenn Johannes den Sohn in die Arme nahm. Jeden Abend, am Kinderbett sitzend, fragte sie sich: Wie konnte ich so dumm sein, das Glück so lange zu übersehen?

Am Ende erkannte Lieselotte, dass das Leben nicht nur aus eigenen Plänen und Freiheit besteht, sondern aus den unerwarteten Bindungen, die uns wachsen lassen. Die wahre Größe liegt darin, Verantwortung zu übernehmen und das Herz zu öffnen, selbst wenn es zunächst schmerzt. Denn erst durch das Teilen unseres Lebens finden wir den tiefsten Sinn.

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Homy
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