Katrin steigt aus dem ICE, blickt sich um – ihr Mann Markus ist nirgends, niemand wartet auf sie… – So müßig war er nicht, – denkt sie. – Er hätte wenigstens zum Bahnhof kommen können! Sie holt das Handy aus der Handtasche, wählt ihn, doch Markus nimmt nicht ab… Katrin seufzt, nimmt ihren Koffer und fährt nach Hause. Sie schließt die Tür mit ihrem Schlüssel und bleibt erstaunt stehen: Im Flur steht auf dem Regal kein Herrenschuh! Verblüfft betritt sie das Zimmer, entdeckt eine Notiz auf dem Tisch, liest sie und setzt sich schockiert hin.

Liselotte stieg aus dem Zug in Berlin Hauptbahnhof und blickte nervös in alle Richtungen. Ihr Mann, Klaus, war nirgends zu sehen. Niemand erwartete sie.

Er hätte doch wenigstens zum Bahnhof kommen können, dachte sie, die Zähne zusammenbeißend. Ein Anruf wäre nicht zu viel gewesen.

Sie griff nach dem Smartphone, wählte Klaus Nummer doch das Telefon blieb still. Ein Seufzer entwich ihr, sie schnappte sich den Koffer und eilte zum nächsten Taxi. Die Fahrt war rasch, doch als das Taxi vor dem Wohnhaus hielt, stand kein Auto vor der Tür, das ihr Mann gefahren haben könnte.

Vielleicht bin ich zu früh, überlegte Liselotte, oder wir haben uns verpasst.

Sie schob den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn, und als die Tür aufschwang, erstarrte sie. Im Flur stand kein einziges Herrenschuhpaar auf dem Regal. Verwirrt ging sie ins Wohnzimmer, wo eine kleine Notiz auf dem Tisch lag.

Ich gehe. Hab alles genommen. Du kannst die Scheidung selbst einreichen. Die Tochter weiß nichts. Klaus, stand darauf in krakeliger Handschrift.

Liselotte las die Zeilen dreimal, jedes Mal schwerer zu schlucken. Während sie die Worte verinnerlichte, dämmerte ihr, dass Klaus während ihres Geschäftsaufenthalts heimlich alles gepackt und ohne ein Wort zu erklären verschwunden war.

Tränen stiegen ihr in die Augen, während sie sich an den Lehnenstuhl lehnte. Im stillen Morgengrauen hörte sie das leise Tropfen eines defekten Wasserhahns aus der Küche.

Er hat das nie repariert, schnaufte sie. Und das Licht im Bad?

Sie ging ins Bad, wo nur ein schwaches Leuchten über dem Spiegel flackerte. Das Regal, das sie erst vor einem Monat bestellt und unter dem Spiegel montieren lassen wollte, lag noch ungeöffnet auf der Waschmaschine. Noch einmal prüfte sie die Tür, deren Riegel seit Monaten klemmt und nicht mehr schließt.

Die Tränen trockneten von selbst sie war nicht überrascht, dass während ihrer Abwesenheit nichts repariert wurde, obwohl Klaus immer wieder versprach, es zu tun. Ein lockeres Schraubenschlüssel und ein bisschen Mut, das wars ja schwang in ihrem Kopf mit.

Sie schüttelte den Kopf, griff nach dem Telefon und wählte den alten Freund Michael, der ihr immer bei Kleinigkeiten aus der Hand ging vom Schloss im Briefkasten bis zum kaputten Lichtschalter.

Michael, wachst du noch? fragte sie, bemüht, die Stimme heiser, aber freundlich zu halten.

Guten Morgen, Liselotte, brummte Michael verschlafen. Was liegt an?

Der Wasserhahn tropft, das Badlicht flackert, das Regal liegt faul herum und die Türschlösser knacken.

Michael lachte leise. Dann packen wirs an. Heute die Schlösser, morgen das Bad. Und wenn du willst, holen wir gleich noch das neue Regal.

Liselotte kicherte ein wenig, dann erwiderte sarkastisch: Ach, Michael, wärst du nochmal jünger, würdest du mich im Garten jagen. Mein Nachbar hat übrigens schon eine Frau, die zu einem hippen Fitnesstrainer geht. Eure Kinder sind längst erwachsen, ihr solltet euch endlich mal wiedersehen.

Ach, du Schlingel, schnaufte Michael. Ich kenn da einen jungen Hausmeister, der das schon erledigt.

Halt die Klappe, lachte Liselotte. Ich will nur meine Ruhe, nicht dass du mir noch einen zweiten Mann an den Hals haust.

Michael stellte sich ein, während Liselotte ihr Misstrauen prüfte. Sie rief Anna, eine alte Kollegin von Klaus, an. Diese bestätigte, dass Klaus eine belanglose Affäre mit einer alleinstehenden Dame um die vierzig hatte, die zwar nicht mehr die Frischgeilheit einer Zwanzigerin besaß, aber für einen fünfzigjährigen Mann völlig ausreichend war. Die Frau hatte keine Kinder und lebte allein in einer hübschen Altbauwohnung.

Warum also noch trauern? flüsterte Liselotte zu sich, erinnerte sich an das Sprichwort ihrer verstorbenen Großmutter: *Kein Grund zu jammern, wenn das Herz noch schlägt.*

Sie packte alles, was sie in der Wohnung finden konnte, in einen weißen Sack: das alte Foto von Klaus auf dem Deck eines Kreuzfahrtschiffes, das einst ihr Stolz war.

Später meldete sie sich bei ihrer langjährigen Freundin Klara.

Klara, hast du heute Abend Zeit? Wir gehen essen, reden ein bisschen.

Worauf hast du Lust? fragte Klara neugierig.

Auf alles!, antwortete Liselotte geheimnisvoll.

Dann sag mir, wo und wann.

Mit einem leisen Lächeln goss Liselotte in ihr Glas Sekt, ließ die Perlen den Kelch hinabsteigen, atmete tief den Duft von frischen Trauben ein und hob das Glas.

Auf ein neues, freies Leben voller Überraschungen und wunderbarer Momente!Sie schob den leeren Beutel behutsam in den Mülleimer, atmete tief ein und ließ das Klirren der Gläser im Hintergrund verklingen. Michael klopfte kurz darauf, seine Handtasche voller Schraubenzieher und Ersatzteile schaukelte neben ihm. Gemeinsam fingen sie an, das knarrende Türschloss zu reparieren das alte Eisen, das seit Monaten knirschte, gab schließlich nach, und das schwache Glühen des Flurlichts erblühte zu einem warmen Schein.

Während sie das Leck am Wasserhahn dichteten, bemerkte Liselotte ein kleines, braunes Kuvert, das zwischen den verrosteten Rohren hervorschaute. Sie zog es vorsichtig heraus, öffnete es und fand darin ein einzelnes, leicht vergilbtes Flugticket nach Sylt, das Klaus vor Monaten für einen geheimen Kurzurlaub gekauft hatte. Darauf stand in seiner unordentlichen Handschrift:

Für dich, weil du immer das Meer in meinen Augen gesehen hast.
Vielleicht ist das hier genau das, was du brauchst.

Ein kurzer Schauer lief ihr über den Rücken, nicht aus Schmerz, sondern aus einer stillen, unerwarteten Wärme. Sie sah Michael an, dessen Blick bereits von der Idee erhellt war, etwas Neues zu beginnen.

Weißt du, was wir tun? fragte sie plötzlich. Michael nickte, ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Wir packen das Auto, holen das Regalsystem, und fahren dann ans Meer.

In diesem Moment hörte sie das Telefon erneut vibrieren. Es war keine Nachricht von Klaus, sondern eine Erinnerung an das Abendessen mit Klara. Sie lächelte, legte das Gerät auf den Tisch und sagte leise:

Klara, ich komme gleich. Heute gibt es nicht nur ein Glas Sekt, sondern ein ganzes neues Kapitel.

Die Tür öffnete sich, und die kühle Brise der Berliner Stadt wehte hinein, trug das leise Rauschen von fernen Wellen mit sich. Liselotte fühlte, wie das Gewicht der vergangenen Monate von ihr abfiel, wie ein Anker, der endlich gelöst wurde.

Sie schloss die Tür hinter sich, drehte sich zu Michael um und sagte mit fester Stimme:

Lass uns das Leben reparieren, nicht weil etwas kaputt ist, sondern weil wir Lust haben, etwas Schönes zu bauen.

Gemeinsam traten sie hinaus in die Morgensonne, das frisch reparierte Licht ließ die Stadt in einem goldenen Schimmer erstrahlen. Und während das Taxi vorfuhr, das sie zu ihrem nächsten Abenteuer brachte, hob Liselotte das Glas, das noch halb gefüllt war, und stieß an nicht nur auf das, was war, sondern auf das, was noch kommen würde.

Der Weg nach Sylt lag vor ihr, das Meer wartete, und das Herz schlug im gleichen Takt wie das Rattern der Zugräder, die sie bald wieder begleiten würden nur diesmal nicht als Passagier, sondern als Kapitänin ihres eigenen Lebens.

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Homy
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Katrin steigt aus dem ICE, blickt sich um – ihr Mann Markus ist nirgends, niemand wartet auf sie… – So müßig war er nicht, – denkt sie. – Er hätte wenigstens zum Bahnhof kommen können! Sie holt das Handy aus der Handtasche, wählt ihn, doch Markus nimmt nicht ab… Katrin seufzt, nimmt ihren Koffer und fährt nach Hause. Sie schließt die Tür mit ihrem Schlüssel und bleibt erstaunt stehen: Im Flur steht auf dem Regal kein Herrenschuh! Verblüfft betritt sie das Zimmer, entdeckt eine Notiz auf dem Tisch, liest sie und setzt sich schockiert hin.
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