Als Liselotte zum Einzug in ihre winzige, kaum bezahlte Einzimmerwohnung ein völlig schwarzer BritischKurzhaarkater geschenkt bekam, stand sie zunächst wie versteinert da
Die schlichte, zweite HandWohnung, die sie mühsam zusammengekrochen hatte, war noch kaum eingerichtet. Es gab andere Probleme, die ihre Aufmerksamkeit verlangten.
Und dann das Kätzchen. Nachdem der Schock nachgelassen hatte, blickte sie in die bernsteingelben Augen des kleinen Fellknäuels, seufzte, lächelte und fragte die Person, die das Geschenk überreicht hatte:
Ist das ein Kater oder eine Katze?
Ein Kater!
Na gut, du bist jetzt Bärchen. richtete sie sich an das winzige Tier.
Er öffnete sein kleines Maul und schnurrte protestierend ein müdes Miau.
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Wie sich herausstellte, sind Briten hier gemeint die BritischKurzhaarkatzen durchaus gemütliche Gesellen. Schon seit drei Jahren leben Liselotte und Bärchen einsatzbereit zusammen. Im Laufe der gemeinsamen Zeit bemerkte Liselotte, dass Bärchen ein zärtliches Herz und eine riesige Portion Empathie hat.
Er begrüßt sie nach der Arbeit, wärmt sie im Schlaf, kuschelt beim Filmabend an ihrer Seite und wedelt mit dem Schwanz, während sie staub wischt.
Das Leben mit einer Katze gewinnt an Farbe. Es ist schön, wenn jemand zu Hause wartet, mit dem man lachen und weinen kann. Und das Beste: Sie versteht dich schon beim halben Wort.
Man könnte denken, das wäre alles doch
In letzter Zeit spürte Liselotte Schmerzen an ihrer rechten Seite. Zuerst dachte sie, sie hätte sich beim Bücken einen Muskel gezerrt, dann machte sie die fettige Currywurst schuld. Als die Schmerzen stärker wurden, ging sie zum Arzt.
Der Arzt stellte die Diagnose, erklärte den weiteren Verlauf, und Liselotte verbrachte den ganzen Abend schluchzend im Kissen. Bärchen, der ihr Leiden bemerkte, schmiegte sich leise an sie und versuchte mit seinen melodischen Schnurren zu beruhigen.
Unter Bärchens Schnurren schlief Liselotte ein. Am nächsten Morgen, nach dem Aufgeben, beschloss sie, niemandem aus der Familie von ihrer Krankheit zu erzählen sie wollte mitleidige Blicke und unbequeme Hilfsangebote vermeiden.
Ein kleiner Funke Hoffnung blieb: Vielleicht schafften es die Ärzte, ihre Krankheit zu bezwingen. Ihnen wurde ein TherapieKurs angeboten, der den Zustand verbessern könnte.
Dann stellte sich die Frage, wo der Kater hin soll. Tief im Inneren, im Bewusstsein, dass ihr Schicksal vielleicht tragisch enden könnte, beschloss Liselotte, Bärchen ein neues Zuhause zu suchen.
Im Internet stellte sie eine Anzeige, dass sie einen reinrassigen Kater in gute Hände geben will.
Als der erste Anrufer nach dem Grund fragte, warum sie ein erwachsenes Tier abgeben wolle, sagte Liselotte ohne wirklich zu wissen warum dass sie während der Schwangerschaft eine Allergie gegen Katzenhaare entwickelt habe.
Drei Tage später verließ Bärchen in seiner Transportbox, ausgestattet mit allem Nötigen, das neue Zuhause, und Liselotte wurde ins Krankenhaus eingewiesen
Zwei Tage später rief sie die neuen Besitzer an, um nach Bärchen zu fragen. Nach tausendmaligem Entschuldigen hieß es, der Kater sei am selben Abend weggelaufen und nicht mehr zu finden.
Ihr erster Impuls war, das Krankenhaus zu verlassen und nach dem Kater zu suchen. Sie bat sogar die diensthabende Krankenschwester um Entlassung, doch diese schob sie streng zurück in ihr Zimmer.
Die Mitpatientin, die das Aufsehen einer verzweifelten jungen Frau bemerkte, fragte, was los sei. Tränen überströmten Liselotte, und sie erzählte alles.
Warte mal, Mädel, sagte die schmächtige, etwas ältere Frau, morgen kommt ein Spezialist aus Berlin. Auch ich habe eine schlimme Diagnose, mein Sohn ist Geschäftsmann, wollte mich in ein anderes Klinikum verlegen, ich habe abgelehnt. Er hat es irgendwie geschafft. Ich bitte den Spezialisten, dich auch zu sehen vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm, tröstete sie Liselotte und strich freundlich über ihre Schulter.
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Aus der Transportbox kletterte Bärchen in ein fremdes Haus. Dort streckte ein völlig unbekannter Mensch seine Hand aus, um ihn zu streicheln
Bärchens Nerven spielten verrückt, und er hämmerte mit der Pfote auf die Hand, rannte dann in die dunkle Ecke.
Paul, lass ihn erst mal in Ruhe, er muss sich erst gewöhnen, hörte Bärchen eine sanfte Frauenstimme, aber es war nicht seine Besitzerin.
Sein Herz pochte dumpf, Gedanken wirbelten, die Seele schmerzte. Warum hatte seine Herrin ihn Fremden überlassen? Warum hatte sie ihn aus den Augen verloren?
Seine bernsteingelben Augen suchten panisch den Raum ab. Dann bemerkten sie ein offenes Fenster. Mit einem schwarzen Blitz schoss er hindurch und sprang hinaus!
Glücklicherweise befand er sich nur im zweiten Stock, und unter dem Fenster lag ein gepflegter Rasen. Von dort aus begann der Rückweg nach Hause
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Der Spezialist stellte sich als die charmante Frau um die vierzig, Maria Pfeffer, vor. Sie studierte aufmerksam den Therapieplan, ließ Liselotte dann auf die Liege legen und bat sie, sich auf die linke Seite zu drehen.
Sie tastete, klopfte, fragte nach Schmerzen, nach Art des Schmerzes, las den Plan erneut, wiederholte einige medizinische Manöver an einem Gerät.
Liselotte erwartete nichts Gutes. Sie kehrte zurück in ihr Zimmer, wo bereits die Nachbarin lag.
Na, was haben sie dir gesagt, Mädel? fragte die Nachbarin.
Noch nichts, sie sagten, sie kommen später noch rein. antwortete Liselotte.
Verstehe. Ich bin leider nicht so glücklich, bestätigte die Frau traurig und wiederholte die Diagnose.
Vielen Dank für alles, flüsterte Liselotte, weil sie nicht wusste, wie man jemanden trösten soll, der bald nicht mehr da sein wird.
Eine halbe Stunde später trat Maria Pfeffer mit weiteren Ärzten ein.
Liselotte, ich habe gute Neuigkeiten. Ihre Krankheit lässt sich gut behandeln, ich habe bereits einen Kurs verordnet. Zwei Wochen Therapie, dann sind Sie wieder gesund, sagte sie mit einem Lächeln.
Nachdem die Ärzte gegangen waren, sprach die Nachbarin:
Wunderbar. Ich freue mich, dass ich noch etwas Gutes tun konnte, bevor ich gehe. Sei glücklich, Mädel.
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Bärchen hatte keinen Leitstern, er wusste nichts davon. Der Kater folgte nur seiner eigenen Instinktnavigation. Der Weg durch Dornen bis zu den Sternen war voller gefährlicher Abenteuer und komischer Missgeschicke.
Ohne Straßenkenntnis verwandelte sich der edle BritischKurzhaarkater an einem Tag in einen wilden Jäger mit messerscharfen Instinkten.
Er duckte sich vor lauter Lärm der belebten Straßen, sprang, kletterte, flog (so zumindest in seiner Vorstellung, als er vor Hunden floh), stürzte sich auf einen Baum und setzte seinen Weg fort
In einem kleinen, ruhigen Innenhof, gerade als der Lärm einer nahen Straße dröhnte, traf er auf einen erfahrenen Streuner.
Der Streuner blickte nicht lange, erkannte sofort den fremden Bärchen. Mit lautem Fauchen stürzte er sich auf ihn, und Bärchen, vom Aristokraten zum erbitterten Gauner mutiert, wich nicht zurück.
Der Zusammenstoß dauerte nur kurz. Der örtliche Katzenboss versteckte sich schamhaft in einem Busch, hinterließ nur ein leicht zerrissenes Ohr als Andenken.
Natürlich war das so. Der Streuner hatte sein Ego befriedigt, wollte zeigen, wer hier das Sagen hat. Bärchen aber ging weiter nach Hause, und nichts konnte ihn aufhalten.
Der Heimweg zog sich. In Erinnerung an seine fernen Vorfahren lernte Bärchen, in Bäumen zu schlafen, wählte dafür geeignete Astgabeln.
Ach ja, und er lernte, aus Mülleimern zu fressen und von anderen Hofkatzen zu stibitzen, die von gutmeinenden Nachbarn gefüttert wurden.
Eines Tages geriet er in eine Meute von Mischlingshunden. Sie trieben ihn auf einen schlaffen Ast, bellten, sprangen und drängten ihn mit ihren Pfoten.
Passanten verscheuchten die Hunde. Eine Frau bot ihm ein Stück Würstchen an, lockte ihn damit.
Der hungrige, verängstigte Bärchen ließ sich ein, ließ sich streicheln und sogar hochheben. Doch
Nachdem er sich in der Wärme gesonnt hatte, erinnerte er sich an sein Ziel, sprang über die Frau hinweg, rutschte in die Flurtür, die gerade zufällig offen stand, und setzte seinen Heimweg fort
*****
Nachdem Liselotte das Krankenhaus verlassen hatte, fuhr sie nach Hause. Die Worte der netten Frau, die ihr Glück wünschte, hallten noch in ihrem Kopf. Natürlich freute sie sich riesig, dass die Diagnose nicht bestätigt wurde und sie wieder gesund war.
Aber ihr Herz schmerzte nach Bärchen. Sie konnte sich nicht vorstellen, in die leere Wohnung zurückzukehren, ohne dass jemand sie begrüßte.
Kaum hatte sie die Schwelle ihrer Wohnung überschritten, rief sie die Leute an, die Bärchen abgegeben hatten, und bat um die genaue Adresse. Als sie dort ankam, erfuhr sie, wie Bärchen entwischt war, und machte sich auf die Suche nach ihm.
Man sagte ihr, das sei unmöglich, es seien bereits zwei Wochen vergangen, ein Hauskater würde kaum auf der Straße überleben doch sie wollte das nicht glauben.
Liselotte lief zu Fuß, blickte in jeden Hinterhof, erspähte jede kleine Gasse, durchstöberte Spielplätze und Garagen. Sie rief nach Bärchen, sah in dunkle Kellerfenster.
Als sie dem Haus immer näher kam, merkte sie, dass Bärchen spurlos verschwunden war. Und für einen Kater, der die Stadt nicht kennt, war der Weg zurück fast unmöglich.
Sie betrat ihren eigenen Hof, Tränen liefen ihr über die Wangen, die Seele war schwer. Durch den Schleier vor den Augen sah sie am anderen Straßenrand einen schwarzen Kater, der ihr entgegenkam.
Ein schwarzer Kater, flackerte der Gedanke in ihr. Liselotte blieb stehen, sah ihn an und schrie: Bärchen!
Der Kater lief nicht zu ihr, er war zu müde. Er setzte sich, blinzelte glücklich und schnurrte leise: Geschafft!
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