Sie brachten mich ins Pflegeheim, um mir das Haus zu stehlen, doch sie vergaßen, dass die Firma, in der sie arbeiteten, ebenfalls mir gehörte.

Der Regen prasselte unablässig, als wolle der Himmel jede Gasse Berlins abschrubben. Der nasse Asphalt glänzte im Licht der Straßenlaternen, kleine Bäche stürzten sich in die Rinnsale und zogen dabei Blätter, Zigarettenstummel und den Staub vergangener Tage mit sich. Im Auto wirkte die Heizung still und gleichmäßig, hüllte mich in wohliges Wärme. Die leise Musik aus dem Radio schuf eine Art Blase, die den Sturm außen vor ließ.

Es war ein ganz gewöhnlicher Mittwochabend, ich fuhr nach einem gut gelaufenen Meeting nach Hause. Auf dem Beifahrersitz lag ein Aktenordner voll wichtiger Unterlagen, im Kopf tanzten noch ToDoListen. Plötzlich blieb ich abrupt an einer Kreuzung stehen, als ich ein kleines, zusammengerolltes Wesen im Regen erblickte.

Sie war kaum acht Jahre alt. Das nasse, dunkle Haar klebte an ihrem Gesicht, die dünne Jacke wirkte fast wie Papier. In den Händen hielt sie einen Bündel verwelkter Blumen, eingewickelt in ein zerknittertes, klares Plastikkissen. Ihre Stoffschuhe waren völlig durchnässt.

Ich bremste, ließ das Auto am Bordstein stehen und sah sie einige Sekunden an. Hätte ich weitergefahren, wie so viele andere, doch das way, wie sie die Blumen an ihr Herz drückte, als wären es ihre einzigen Schätze, hielt mich zurück.

Ich schnappte den Motor aus, öffnete die Tür. Der kalte Wind schlug mir entgegen, begleitet vom endlosen Trommeln des Regens. Ich trat näher.

Hey, junger Mann!, rief sie über das Getöse des Regens hinweg, Wollen Sie Blumen für Ihre Frau? Die sind schön ich verkaufe sie günstig.

Ihre Stimme war schwach, doch sie versuchte, fröhlich zu klingen.

Ich zog meine Jacke aus und legte sie ihr über die Schultern. Sie war riesig für ihren kleinen Körper, doch zumindest hielt sie sie trocken.

Nimm das, sagte ich und reichte ihr zugleich meinen Regenschirm, so wirst du nicht krank.

Sie sah mich an, als hätte ich ihr einen Diamanten gegeben.

Nein, Herr meine Mama sagt, ich soll nichts von Fremden annehmen.

Deine Mama hat recht, erwiderte ich, doch das hier ist kein Geschenk, sondern ein Leihgeschäft, bis du einen Job hast.

Zunächst zögerte sie, dann nahm sie den Schirm entgegen.

Wie viele Blumen hast du?, fragte ich.

Zwanzig Sträuße, Herr. Je hundert Euro aber ich kann sie für achtzig Euro geben, weil der Regen sie etwas zerzaust.

Ich zog meine Brieftasche hervor und reichte ihr zweihundert Euro.

Ich nehme sie alle.

Sie öffnete den Mund, wollte etwas sagen, doch kein Wort kam heraus.

Alle? Was willst du damit machen?

Ich verteile sie, sagte ich, an die Leute, die hier vorbeigehen. Dann hat jeder einen schöneren Tag.

Ein schüchternes Lächeln huschte über ihr Gesicht.

Meine Mama wird es nicht glauben.

Wo ist deine Mama?

Zu Hause sie passt auf meinen kleinen Bruder auf. Der ist krank. Deshalb bin ich heute rausgegangen, damit sie nicht nass wird.

Ein Knoten zog sich in meinen Magen.

Nimm meine Jacke und den Schirm. Und jetzt lauf heim. Deine Mama muss sich Sorgen machen.

Sie drückte das Geld fest an die Brust, machte ein paar Schritte und rief, bevor sie um die Ecke bog:

Danke, Herr! Gott segne Sie!

Ich sah, wie sie weiterlief, nun geschützt von meinem roten Regenschirm. Ich stieg wieder ins Auto, das vom Regen durchnässt war, doch ein seltsames Gefühl breitete sich in mir aus eine Mischung aus Traurigkeit, Zärtlichkeit und einem leisen Funken Hoffnung.

Ich drehte die Heizung wieder an. Der Duft der Blumen erfüllte den Innenraum, und während ich begann, sie an Fremde auf der Straße zu verteilen, spürte ich, dass sich etwas in mir verändert hatte, auch wenn ich noch nicht genau wusste, was.

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Homy
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Sie brachten mich ins Pflegeheim, um mir das Haus zu stehlen, doch sie vergaßen, dass die Firma, in der sie arbeiteten, ebenfalls mir gehörte.
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