Lehrerin
Nach der Schule ging Annika nie gleich nach Hause. Sie schlenderte durch die Straßen von München, spazierte durch den Englischen Garten, danach lief sie wie besessen auf dem Sportplatz der Schule. Wenn die Beine nicht mehr wollten und die Wangen glühten, setzte sie sich auf eine abgenutzte, nass gemalte Bank und aß das Brot, das sie sich vom Mittagessen aufgehoben hatte.
Brot gabs in der Schulkantine, so viel man wollte. Es lag auf riesigen Blechschalen, schief geschnitten, krümelig, aber herrlich schmeckend. Roggen- oder Weizenbrot, das war egal. Die Mitschüler griffen schnell und fröhlich zu, quetschten die Beute in ihre Jackentasche, drückten sie während des Unterrichts zwischen den Fingern und schoben die Bröckchen in den Mund.
Annika wurde größer und ständig hungrig.
Was kaust du da schon wieder, Weigand? Schluss damit! Nach vorne zur Tafel, Weigand. Beweis bitte den Lehrsatz, rief der Mathelehrer.
Annika schluckte im Gehen das Brot hinunter, das schon weich war im Mund.
Lehrsätze zu beweisen, Bahnen und Kraftlinien auszurechnen, Diktate und Aufsätze zu schreiben: das erschien Annika Weigand langweilig, ja völlig überflüssig.
Und was willst du denn einmal werden?, fragte ihr Vater, Herr Friedrich Weigand, als er die vielen Dreien im Zeugnis der Tochter zählte.
Annika zuckte die Schultern: Kaffee verkaufen am Kiosk.
Wunderbar! Äußerst vielversprechender Beruf!, grinste Friedrich.
Egal, was du machst in der Schule musst du dich anstrengen, sehr sogar! Das sind die Grundlagen!, schimpfte die Mutter, Margit Weigand, aus der Küche.
Jetzt reißt euch doch zusammen! Lasst das Kind doch in Ruhe!, verteidigte Oma Ilse Annika sofort. Sie wird schon ihren Weg machen, du, Friedrich, warst doch auch kein Engel in dem Alter. Erinnerst du dich, wie ich dich in der achten Klasse abends aus den Hinterhöfen geholt habe?
Ach, Mutter, bitte! Nicht wieder die alten Geschichten!, winkte Friedrich ab. Annika ist ein Mädchen, sie soll klug, höflich und ordentlich sein.
Oma Ilse kniff die Lippen zusammen und strich der traurigen Annika zärtlich übers Haar.
Mach dir nichts draus, mein Schatz. Du bist für mich die Beste! Die werden schon sehen, was sie an dir haben!, flüsterte sie, und Annika kuschelte sich fest an ihre Großmutter, an deren weiche, warme Brust. So geborgen fühlte sie sich nur bei Oma Ilse. Die roch wie Geborgenheit selbst und hatte die zartesten Hände der Welt. Und die Augen Annika würde sie nie vergessen: zwei stille, freundliche Seen, in die sie später als Erwachsene oft zurücktauchte, um ihr Herz zu wärmen…
Oma Ilse war nach dem Tod von Opas Ferdinand zu ihnen gezogen. Davor war sie immer allein lebend und nur zu Besuch gekommen; hat Annika gehütet, war aber nie lange geblieben sie wusste, dass sie als Dritte im Bunde zu viel war.
Nachdem ihr Mann starb, baute Ilse rasch ab, vergaß die Tabletten, quälte sich nachts mit dem Blutdruck und sagte morgens niemandem etwas. Doch dann spielte sie mit Annika Indianer unter dem Küchentisch, kroch über den Teppich und versteckte sich hinter dem Sessel.
Mama!, schimpfte Friedrich. Du ziehst jetzt zu uns! Keine Diskussion, Platz ist genug da, und der Arzt ruft mich ständig an, meint, ich muss auf deine Therapie achten…
So ein Quatsch der Arzt soll sich um seine eigenen Wehwehchen kümmern!, schnaubte Ilse, und wenn ich da im Behandlungszimmer sitze, schaut er weg und sagt bloß: Achten Sie aufs Alter! Das nenn ich keinen richtigen Arzt eher ein Sparbrötchen!
Margit lachte: Sie sind eine richtige Spitzbüb, Ilse! Immer voller Kontra!
Genau deshalb will ich ja nicht mit euch wohnen, sagte Ilse bestimmt und verschränkte die Arme.
Wir bitten Sie sehr, Ilse…, Margit blieb höflich wertschätzend. Hauptsache, der Familienfrieden blieb. Wir arbeiten beide so viel, Annika ist viel allein, es wäre gut, wenn Sie auf sie aufpassen könnten…
Das zog. Ilse zog ein.
Ilse war nun immer mitten im Trubel und Friedrich kümmerte sich sorgfältig um ihre Gesundheit.
Natürlich war Oma immer die Verbündete der armen, gescholtenen Enkelin. Annika genoss diese Zuwendung, ließ sich verwöhnen. Mit Ilse im Haus wurde alles viel wärmer, familiärer.
Macht euch keine Sorgen das wird schon alles! Jede sucht sich selbst erst noch, wie der Dichter sagt: Und er, der Stürmische, sucht den Sturm, als fände er darin den Frieden. Es wird alles gut, unser Pflänzchen wird gedeihen!
Annika nickte, aber glaubte nicht recht an sich. Was sollte aus ihr werden? Schule öde, Hausaufgaben öde. Was anfangen?
Ihre Freundinnen gingen zu Sportgruppen, Musik, Kunst Annika probierte alles aus, hielt es nirgends lange aus.
Nur eins lag ihr immer: Bewegung. Deshalb fegte sie über den Sportplatz, spielte mit den Jungs Fußball.
Auch Schwimmen konnte sie gut; für die Übungen bekam sie immer eine Eins.
Geh zum Sport, Annika, schlug Oma einmal vor, hielt Annika vom Herumlungern ab. Gibts keine Sport-AGs bei euch? Dein Vater war im Basketball, sehr springfreudig, bis er mal einen Ball gegen den Kopf bekam. Dann war Schluss. Er hat dann noch Karate und Tischtennis probiert. Probiers doch, Kindchen.
Was soll ich schon machen, Oma? Es gibt nur Schach gähn!
Schach? Das ist alles? Da muss was getan werden!
Ilse schritt sofort zur Tat, sprach mit der Schulleiterin, Frau Dr. Martina Kirchner, lobte die Biolehrerin und den Klassenlehrer, redete charmant und doch mit Ziel.
Abschließend kam sie zum Punkt.
Ihre Schule könnte beim Sport mehr machen, Martina! Kein Vorwurf, aber da ist Luft nach oben.
Martina lächelte gezwungen da würde wohl bald die große Bitte folgen.
Ich weiß, wir sind nicht in Berlin, fuhr Ilse fort, aber machen wirs eben selbst. Junger, ehrgeiziger Sportlehrer da lässt sich sicher jemand finden. Oder?
Martina zuckte mit den Schultern. Mehr Personal? Unmöglich. Außer Herr Mertens, der ständig vom Wechsel redete…
Einen Monat später wechselte Herr Mertens nach Nürnberg, seine Frau hatte dort einen besseren Job. Dafür kam ein neuer Sportlehrer: Oliver Paulsen eine Empfehlung der stellvertretenden Schulleiterin Sybille Albrecht.
Wo ist der denn her?, fragte Martina neugierig.
Aus Hamburg. Sportskanone, kennt sich mit Physiotherapie aus, sehr gutes Zeugnis.
Warum ist er dann hier, nicht in Hamburg?, fragte Martina spitz.
Nimm, was du kriegst, Marlies! Er ist Single, lebt für den Job.
Sybille wich ihr aus den Augen.
Martina grinste: Ach so… du und er… Na dann!
Mit Paulsen kam Leben in die Sporthalle! Die Schulleiterin schaffte sogar Fitnessgeräte an irgendwie bekam sie das Budget zusammen.
Man findet für alles Möglichkeiten!, sagte sie stolz und lächelte Oliver an. Jetzt verstand sie Sybille. Er war ein richtiger Mann, kein Schluffi oder schwerfälliger Typ, sondern ein Athlet. Frauenherzen reagieren da sofort.
Die Polizei lobte sie: Weniger Randalierer dank Ihrem Sportangebot!
Martina winkte ab: Das haben wir unserer Oma Ilse zu verdanken!
Ilse durchleuchtete die neue Lage, schickte Annika los, um eine AG zu wählen.
Annika kam direkt auf Oliver Paulsen zu: Mir ist langweilig, ich brauche was zu tun.
Er blickte von seinem Notizbuch auf. Wie nichts zu tun?
Ich laufe gerne, hab die Schule schon bei Wettbewerben vertreten, aber das wurde nie richtig gefördert…
Er musterte sie: lange Beine, kräftige Muskeln. Aber die Haltung!
Wann machst du Hausaufgaben?, fragte er.
Hat meine Klassenlehrerin Sie beschwert? Hören Sie auf die nicht, redet nur Unsinn!
So sprichst du nicht über Lehrer!, wurde Oliver plötzlich streng. Du musst die neunte Klasse anständig machen, dann kannst du weitersehen! Erst muss der Kopf trainiert werden Muskeln sind super, aber der Kopf steuert alles! Kapiert?
Annika murrte: Ich muss los, Oma wartet… und drückte sich an ihm vorbei zur Tür.
Er hielt sie auf: Ich nehme dich ins Training. Aber nur, wenn du deine Noten verbesserst, besonders in Deutsch. Wir haben heute im Kollegium über dich gesprochen. Deine Oma hat sie schon wegen dir geschämt! Wahrscheinlich hat sie hohen Blutdruck.
Annika verschränkte die Arme: Unsinn!
Du verstehst nicht ohne gutes Deutsch nimmt dich keiner. Geh aufs Sportkolleg, wir brauchen gute Trainerinnen. Lern fleißig dann kommen wir vielleicht zusammen ins Lehrerzimmer!
Annika schnaubte: Ich brauch keine Ratschläge. Wenn Sie Bedingungen stellen, lassen Sie’s! Sagen Sies Oma, mir egal!
Sie stürmte hinaus. So eine Schikane! Als müsste man für die AG in jedem Fach besser werden! Das waren ja keine Hosen zum Hochziehen!
Auf Wiedersehen, Herr Paulsen, schönen Abend!, rief sie im Gehen und hörte hinter sich sein Lachen. Kein gemeines, sondern ein richtiges erwachsenes Lachen.
In diesem Moment verliebte sie sich in Oliver.
Völlig verrückt der Altersunterschied! Aber sie war verliebt.
Ich will dir nur helfen, Annika! Sport mit Kopf und blinder Sport sind zwei Paar Stiefel. Wer nachdenkt, kontrolliert sich. Wer seinen Namen fehlerfrei im Lebenslauf schreiben kann das ist Gold wert!
Jetzt leuchtete für sie ein Heiligenschein über ihm.
Niemand sah, was sie konnte Oma bemitleidete sie, Eltern sparten fürs Privatstudium, aber Oliver glaubte an sie…
Sind Sie vom Verein zur Förderung des Sports?, fragte Annika neckisch.
Nein. Ich kenne viele Menschen, hab einiges gesehen. Aber du bist faul, Annika!
Sie schluckte. Faul?
Kommen Sie mit raus, Stoppuhr schnappen, ich renne!
Oliver schüttelte den Kopf.
Wieder nur Muskelarbeit? Nein. Hier kommen gleich meine Jüngsten sechsjährige Kinder. Du hilfst mir, ich schaffe das alleine nicht mehr. Dann schreib ich dir eine Empfehlung für jede Bewerbung. Deal?
Annika klopfte gegen die Hallenwand, dachte nach, nickte dann zögernd.
…
Und, wie läufts mit dem Neuen?, wurde Frau Kirchner beim Personalrat gefragt. Stellt er Unfug an?
Im Gegenteil! Höchst professionell, er macht sogar Gruppen je nach Leistungsstand, schickte alle zum Eignungstest so fanden sie bei einem Jungen ein Herzproblem. Die Mutter war erst wütend, drohte mit Anzeige, dann fiel sie Paulsen vor Dankbarkeit fast um den Hals…
Auszeichnungen? Pokale? Das wusste Kirchner nicht aber so einen Kollegen sollte man behalten, Punkt.
Annika begann als Hilfstrainerin und merkte, dass es ihr gefiel. Die Kleinen sahen sie voller Vertrauen an. Beim Training zeigte Oliver ihr: Sieh dir Niklas an bei jedem Sprung falsche Haltung. Der muss Technik und Kraft mit Köpfchen kombinieren. Genauso der kleine Simon: Skoliose. Den trainierst du! Zwei Monate, wir sehen das Ergebnis.
Annika schrieb mit, verstand oft nicht alles, kaufte sich Anatomie-Bücher, paukte und fragte sogar die Biolehrerin Löcher in den Bauch.
Ich hab sie so noch nie erlebt!, flüsterte Margit stolz. Sie streicht an, liest, hat sogar ihr Deutsch verbessert. Krise überstanden? Was meinst du, Ilse?
Ilse beobachtete genau, wie Annika nach dem Training heimkam, mit leuchtenden Augen und verträumtem Blick.
Hoffentlich geht das gut…, seufzte sie.
Ilse spürte als Erste, dass Annika verliebt war aber in wen?
Annika redete nur von Oliver, als gäbe es nichts anderes.
Wem das erzählen? Keinem. Die Freundinnen verstanden sie sowieso nicht.
Sie entschied, nach der neunten Klasse aufs Sportkolleg in Nürnberg zu gehen möglichst weit weg. Dann würde sie Oliver nicht mehr sehen, es würde leichter. Und wer weiß, vielleicht würde sie erwachsen werden und zu ihm zurückkommen?
Für die Bewerbung hätte ein Sieg im Sportwettbewerb Pluspunkte gebracht, dazu die Erfahrung aus dem Training. Annika wälzte nachts Prospekte, suchte Rat bei Oma, lernte, fragte und arrangierte alles.
Endlich, nach einer schlaflosen Nacht, beschloss sie, direkt eine Empfehlung zu verlangen.
Osterferien, sie warf Trainingssachen in den Rucksack, kämmte die Haare, puderte sich die Wimpern mit Mutters Mascara.
Schick siehst du aus!, sagte Ilse, wohin des Weges? Und das Parfüm?
Ich bin erwachsen, Oma! Ich geh laufen. Bis später!
Schnell küsste sie Ilse und schlüpfte aus der Wohnung. Sie musste mutig sein.
Am Lehrerzimmer angekommen, blieb sie unsicher stehen, hörte Oliver sprechen nicht allein! Das verunsicherte sie.
Sybille Albrecht kam vorbei. Was ist los? Ferien! Klopfen wir zusammen?
Die beiden klopften.
Drinnen fiel etwas um, dann öffnete Sybille mit Schlüssel die Tür. Plötzlich stand Annika im Türrahmen und sah, wie auf Olivers Schoß ein fremdes Mädchen saß. Sie küssten sich. Durch die Bewegung fiel die Sektflasche um und lief über die Papiere.
Annikas Herz riss sie schnappte nach Luft und wollte schreien. Sie klammerte sich an Sybilles Arm, die sie wegzog.
Drinnen schimpfte Sybille wild auf Oliver, während das Mädchen mit bösen Blick entschwand.
Oliver zuckte nur die Schultern, schwankte im Suff in die Garderobe: Ach, Sybille, du bist doch nur Dörrobst. Ich mags saftig, tschüss!
Annika schaute ihm nach, ihr Hass wuchs zum Abgrund. Er war banal, ordinär, widerlich.
Sybille fluchte, Oliver schleppte sich fort.
Annika lief weg, erzählte niemandem davon.
…
Ilse brachte schon das dritte Mal ein Glas Wasser an Annikas Tür, aber Annika öffnete nicht.
Was ist los? Morgens war doch alles in Ordnung!, sorgte sich Margit, Friedrich lief unruhig durchs Wohnzimmer.
Mama, erklär uns das bitte!, bat er.
Ilse stammelte: Sie ging trainieren… wartet ab, sie redet schon, wenn sie muss…
Mit euch Jugendlichen! Annika! Mach bitte auf und rede mit uns!, trommelte Margit an die Tür, doch Ilse schob sie sanft beiseite.
Nicht jetzt, Margit.
Darf ich vielleicht in meinem Haus bestimmen? Sie wissen doch irgendwas. Steckt sie in einer Romanze? Ein Skandal? Ich rufe die Schulleiterin an!
Margit schrie, es hallte durchs Treppenhaus.
Ilse schüttelte nur den Kopf, griff zur Blumenvase und goss das Wasser über Margit.
Ilse! riefen beide Eltern gleichzeitig, erschrocken.
Da flog die Tür auf, Annika, verheult, stürzte zu Ilse, vergrub sich an ihre Brust und schluchzte.
Schon gut, mein Kind! Manchmal tut es weh, das Leben, es scheint, als bricht alles zusammen. Aber dann kommt wieder Sonne, du wirst sehen. Weine ruhig, Anni! Es geht vorbei das Leben schenkt uns nur das, was wir vertragen. Jeder lehrt uns was, auch der Schmerz. Anni, meine liebe Kleine!
Annika schüttelte nur den Kopf. Wozu ein gebrochenes Herz gut sein sollte?
Oliver wurde nie wieder an der Schule gesehen. Eine junge Lehrerin übernahm, die Vorschulgruppe wurde geschlossen, Unterricht wurde langweilig.
Na und?, redete sich Frau Kirchner Mut zu. Es geht auch ohne ihn weiter. Wir bauen unser eigenes Team auf!
Sascha König blass, schmächtig, wurde nie in die Spiele eingebunden. Früher holte seine Mutter ihn regelmäßig, hörte sich seine Geschichten an, aber sein Vater glaubte nicht an ihn.
Hey, Sascha, was machst du hier?, sprach Annika ihn an. Komm mit auf den Sportplatz, das Wetter ist toll!
Wozu? Training gibts nicht mehr.
Doch! Solange du und ich da sind, gibts Training. Guten Tag, Frau König! Wir sind auf dem Platz, alles gut!
Hm na gut, ich setz mich auf die Bank. Wenigstens etwas… seufzte die Mutter.
Annika organisierte ihre kleine Mannschaft, motivierte sie. Sascha wurde stärker, selbstbewusster; sie feuerte sie an, ließ sie spielen.
Der Kopf zählt! Muskeln sind nicht alles!
Und das stimmte.
…
Oliver Paulsen saß ungepflegt auf einer Bank in der Isarvorstadt, rauchte, blickte leer vorbei. Zeit verging war es Tag oder Nacht? Vögel flatterten, der Tag verging bedeutungslos.
Sie!?, hörte er eine Frauenstimme. Erkennen Sie mich nicht?
Nein. Muss ich?, schmunzelte er traurig.
Ich bin Annika. Sie haben mich unterrichtet.
Welche Annika?, zum ersten Mal Interesse.
Weigand. Die von damals.
Sie setzte sich zu ihm.
Und? Was hast du gelernt?, lachte er bitter.
Alles. Ich hab mein Studium geschafft, arbeite als Reha-Trainerin. Sascha spielt jetzt Volleyball! Hat sich total verändert, sagte sie.
Sascha? Keine Ahnung, winkte Oliver ab.
Annika schaute noch lange. Sie suchte das, was sie einmal liebte und fand es nicht. Wie dumm, dachte sie, sie hätte mal heiraten wollen…
Reha-Trainerin du? Weigand?
Ja. Danke
Wofür?
Dafür, dass Sie mir gezeigt haben, wer ich sein will. Auf Wiedersehen, Herr Paulsen. Alles Gute!
Dir auch viel Glück, Weigand. Pass auf dich auf!
Er blickte ihr hinterher und musste lächeln. Die Schülerin hatte ihn längst überholt. Gut so. Für sie lag das Leben noch vor ihr, groß und weit. Für Oliver blieben Erinnerungen. Jeder hat seinen Weg gewählt und muss ihn gehen.





