Falsche Nummer gewählt

Falsches Gespräch

Hallo, Annika? Entschuldige, dass ich so spät anrufe. Aber ich weiß echt nicht, an wen ich mich sonst wenden soll…

Guten Abend, hier ist nicht Annika, meldet sich eine männliche Stimme. Haben Sie überhaupt auf die Uhr gesehen? Es ist halb zwei nachts.

Saskia hält erschrocken das Handy näher ans Gesicht und blinzelt überrascht ein paar Sekunden. Auf dem Display steht Annika. Wessen Stimme hört sie also gerade?

Vielleicht der Ehemann? Saskia bringt das Handy wieder ans Ohr. Aber Annikas Mann Sebastian klingt ganz anders. Wer ist das dann? Ein Liebhaber? Oder ein Kollege? Andererseits ein Kollege, der um halb zwei nachts bei Annika ist das ist doch auch nichts anderes als ein Liebhaber. Oder ist sie bei ihm?!

Die Fragen überschlagen sich in Saskias Kopf. Unsicher fragt sie zur Sicherheit:

Ist Annika denn da?

Nein, hier ist keine Annika. Ich bin allein zu Hause und schlief gerade, bis… bis Sie mich angerufen haben.

Oh, entschuldigen Sie bitte, stammelt Saskia verlegen. Ich wollte eigentlich nur meine Freundin anrufen, ihre Nummer ist seit Jahren so in meinem Handy gespeichert. Und nun lande ich bei Ihnen. Es tut mir sehr leid!

Sie will schon auf Auflegen drücken, als plötzlich der Mann fragt:

Sag mal, Saskia… bist du das?

*****

Vor zwei Wochen hat Saskias Chef sie nach München zu einer Fortbildung geschickt.

Nicht, weil sie ihre Arbeit schlecht gemacht hätte im Gegenteil: Saskia ist sehr zuverlässig und fleißig , sondern weil er ihr eine neue Position mit mehr Gehalt anbieten will. Aber dafür braucht sie bestimmte zusätzliche Qualifikationen.

Saskia, es sind nur zwei Wochen. Ich mache das nur für dich.

Zwei Wochen, das ist überschaubar. Aber eben zwei Wochen in einer fremden Stadt.

Mein Freund wird davon definitiv nicht begeistert sein… seufzt Saskia und denkt an Markus’ mögliche Reaktion.

Es sind nur zwei Wochen, Saskia… Und Markus wird schon Verständnis haben. Ist ja nicht so, als wärst du zwei Jahre weg.

Also stimmt sie zu.

Und mal ehrlich, die neue verantwortungsvollere Stelle mit mehr Gehalt kommt mehr als gelegen. Dann könnte sie endlich Geld für die Hochzeit oder andere Pläne zurücklegen. Markus hat zwar noch keinen Antrag gemacht, aber irgendwann wird es schon passieren.

Ich verstehe nicht, warum du so eine Fortbildung brauchst, wundert sich Markus, als Saskia ihm von der Reise erzählt.

Weil man nie auslernt, kontert sie lächelnd. Kommst du zwei Wochen alleine klar?

Muss ja, antwortet Markus ruhig. Wird wohl auf Tiefkühlpizza und Maultaschen hinauslaufen.

Ich koche dir noch was vor für die nächsten Tage. Aber danach kommt mehr Geld rein, wenn ich die Fortbildung geschafft habe.

Dann fahr halt. Viel Erfolg!

*****

Saskia ruft Markus jeden Abend an, erkundigt sich nach seinem Tag, fragt, was er gegessen hat und wie es ihm geht. Aber irgendwie scheint ihn das zu nerven.

Mensch Saskia, du klingst wie meine Mutter! Ich bin erwachsen, du musst mich nicht kontrollieren.

Ich kontrolliere nicht, ich sorge mich nur. Aber du, du fragst nie, wie es mir geht… Interessiert dich das gar nicht?

Was soll ich denn fragen? Hast du heute ‘ne Fünf kassiert? lacht Markus.

Na gut, gute Nacht.

Dieses Gespräch ist am Anfang der zweiten Woche, und Saskia ist wirklich verletzt, dass Markus sich so wenig für sie interessiert. Sehr wenig…

Sie ist verliebt, natürlich, und übersieht deshalb vieles. Aber manchmal wünscht sie sich einfach nur ein bisschen Aufmerksamkeit von ihm. Dass er mal fragt, wie ihr Tag war, wie sie sich fühlt, was sie gegessen hat. Aber Markus fragt nie.

Über sich selbst spricht er auch kaum. Als hätte er wichtigeres zu tun. Nur was?

Er sagt immer, er trifft sich abends mit seinen Freunden im Wirtshaus. Kommt spät heim, weil es allein zu Hause langweilig sei.

Aber ein paar Minuten zum Telefonieren wären ja wohl drin? Sie verbietet es ihm nicht, sie bittet ihn bloß, nicht komplett betrunken zu sein.

Na gut, denkt sie. Ich fahr heim und spreche mit ihm. Vielleicht merkt er dann was…

*****

Die Zeit in München vergeht schnell. Morgen ist der letzte Fortbildungstag, Saskia freut sich schon sehr auf Markus. Aber…

…am Abend erhält sie einen Anruf die letzte Veranstaltung fällt aus.

Unser Dozent ist im Krankenhaus, erklärt die Frau am Telefon. Wir senden das Teilnahmezertifikat per E-Mail.

Umso besser, lächelt Saskia am Telefon.

Dann kann ich morgen früh nach Hause fahren und den ganzen Tag mit Markus verbringen.

Markus hatte sogar zwei Tage frei genommen: Einen, um vor ihrer Rückkehr die Wohnung aufzuräumen, den zweiten, um komplett mit ihr zu verbringen.

Jetzt haben wir ja sogar zwei Tage zusammen toll, lacht Saskia. Sie will ihn gerade anrufen, doch kurz vorher überkommt sie eine verrückte Idee: Warum noch warten? Ich könnte doch schon heute fahren.

Sie checkt online die Busfahrpläne und freut sich: Der letzte Bus in ihre Richtung geht heute Nacht.

Spät zwar, aber für eine Überraschung gibt sie das gern her.

Saskia packt in Windeseile ihren Koffer, läuft zum Hotelausgang und wartet aufs Taxi. Ein zufriedenes Lächeln liegt auf ihrem Gesicht.

*****

Am Busbahnhof in München ist viel los.

Die Menschen drängeln, reden laut, manche riechen unangenehm aber Saskia ist das herzlich egal.

In ein paar Stunden kann sie Markus überraschen das alleine zählt!

Ihr Bus fährt laut Plan in anderthalb Stunden ab, aber die Verkäuferin hatte vor möglichen Verspätungen gewarnt.

Saskia schlendert auf dem Bahnhofsgelände umher, im Gebäude ist es stickig, draußen angenehm frisch. Die müden, sich streitenden Leute interessieren sie nicht, lieber schaut sie sich um.

Da entdeckt sie am Zaun einen traurigen Hund.

Wirklich, der sieht so verloren aus, dass Saskia etwas Gutes für ihn tun will.

Wahrscheinlich ausgesetzt… denkt sie, geht zur Imbissbude und kauft ihm ein paar Frikadellen.

Na, bist du traurig, kleiner Freund? spricht sie den Hund an. Keiner will dich, was? Hier, ich habe dir was gebracht, magst du Frikadellen?

Der Hund hebt vorsichtig seine Augen zu ihr und wedelt zögernd mit dem Schwanz.

Saskia legt das Päckchen mit Frikadellen hin.

Langsam steht der Hund auf, hinkt etwas, läuft vorsichtig zum Futter.

Er schnuppert, schaut Saskia noch einmal an und fängt nach ihrem Nicken gierig an zu essen.

Saskia beobachtet ihn und fühlt sich traurig. Wer passt im Winter auf ihn auf?

Ganz in Gedanken bemerkt sie den jungen Mann nicht, der plötzlich mit voller Wucht gegen ihre Schulter stößt.

Erst als sie den Schmerz spürt, schaut sie überrascht hoch.

Sie will ihn gerade fragen: Haben Sie hier keinen Platz oder was?!

Es war locker genug.

Entschuldigung, war in Gedanken, grinst er und tritt ihr prompt auf den Fuß. So fest, dass Saskia fast aufschreit.

Was ist denn los mit Ihnen?

Der Typ lächelt schief, drückt sich an ihr vorbei, doch als der Hund ihn sieht, bellt er wütend und knurrt.

In dem Moment kommt eine Frau mit Besen vorbei offensichtlich Bahnhofspersonal.

Hab ich’s mir doch gedacht! Hätte den Hund nie rauf lassen dürfen. Leute, bitte weg da, ich verscheuche das Vieh jetzt.

Der Mann verschwindet rasch, Saskia bleibt schützend beim Hund, der den Mann am liebsten verfolgt hätte.

Was machen Sie denn da?! wendet sie sich empört an die Angestellte, die drohend ihren Besen erhebt. Lassen Sie doch den Hund in Ruhe. Wissen Sie überhaupt, was Sie da tun?

Wie, lassen? ruft die Frau. Der Hund greift doch Menschen an! Gerade hätte er fast den Kerl gebissen.

Weil der mich umgestoßen hat! Der Hund hat nur gebellt. Er hätte nicht gebissen.

Mag sein… aber er hat gebellt. Solche Hunde haben hier nichts verloren. Wer weiß, ob der Tollwut hat!

Der ist nicht krank. Schauen Sie, wie traurig er ist. Und hinken tut er auch noch. Wer nimmt sich denn seiner an?

Streunende Hunde gehören hier nicht her. Wäre es Ihrer, sähe das anders aus…

Ist mein Hund! ruft Saskia prompt.

Hund und Reinigungsfrau schauen sie erstaunt an. Der Hund besonders, als wollte er sagen: Wirklich? Mich will jemand?

Wie bitte? fragt die Frau.

Ich sage doch, das ist mein Hund.

Sie haben den eben erst gefüttert!

Und? Jetzt gehört er zu mir. Ich nehme ihn mit. Und wenn Sie ihm etwas tun, beschwere ich mich beim Chef. Oder ich gehe direkt zur Polizei.

Sie bist ja putzig! die Frau winkt ab. Dann holen Sie ihm einen Maulkorb. Egal, ich muss nach Hause. Wenn ich den Hund morgen früh hier sehe, hole ich das Ordnungsamt. Klar?

Keine Sorge, ich nehme ihn mit, sagt Saskia entschlossen.

Erst als die Frau weg ist, realisiert Saskia, was sie getan hat.

Jetzt kann sie den Hund wirklich nicht mehr zurücklassen. Sie hat es ja versprochen.

Was wird Markus sagen, wenn ich mit einem Hund aus München heimkomme? überlegt sie. Wird ihm kaum gefallen…

Wir finden eine Lösung, sagt sie zu dem Hund. Hoffen wir nur, dass wir überhaupt in den Bus dürfen. Apropos Bus…

Sie schaut auf die Uhr: Noch zehn Minuten bis zur Abfahrt.

Komm, mein Kleiner, du bist jetzt meine Verantwortung.

Der Hund wedelt freudig mit dem Schwanz, hinkt hinter ihr her.

Versprich, dich ruhig zu verhalten. Sonst schmeißen die uns noch raus…

Sie geht zum Gleis, der Bus müsste jeden Moment kommen. Während sie wartet, will sie das Ticket rauslegen, greift in ihre Handtasche und hört es klirren.

Sie sieht nach unten: Ihre Wohnungsschlüssel liegen auf dem Boden. Wie sind die denn rausgefallen?

Blick in die Tasche sie ist aufgeschlitzt. Doch noch schlimmer: Handy und Portemonnaie sind weg mit Bargeld, Karten und Ticket.

Nicht jetzt auch noch das! ruft Saskia entsetzt. Aber wie?!

Und dann fällt es ihr ein.

Der Typ! Der mich angerempelt und getreten hat der war kein Zufall. Der Hund hat das gemerkt. Und jetzt? Wie komm ich ohne Geld und Ticket nach Hause?

Sie sieht den Hund an, der schaut sie an, als sei es seine Schuld.

Nein, du bist nicht schuld, sagt Saskia leise. Du hast sogar versucht, mich zu beschützen. Schade nur, dass ich zu spät reagiert habe…

*****

Der Bus hat ganze 15 Minuten Verspätung, doch Saskia ist das egal.

Fahren kann sie ohne Ticket und Geld nun eh nicht. Sie denkt kurz daran, Markus anzurufen (sie hat im Koffer ein altes Tastenhandy mit alter SIM-Karte), aber wie soll er helfen? Mit dem Auto von Stuttgart nach München? Wohl kaum.

Und der Hund? Den nimmt er eh nicht mit. Hierbleiben kann Saskia ihn aber auch nicht lassen.

Polizei, dachte sie, wäre auch keine Option bringt alles nichts. Sie braucht Zeit zum Nachdenken.

Während sie da steht, fährt der Bus vor. Niemand anderes außer ihr wartet.

Der Fahrer öffnet das Fenster:

Fahren Sie mit, Fräulein, oder nicht?

Mein Ticket wurde gestohlen… sagt sie mit fast Tränen in den Augen. Und mein Geld auch…

Das gibt’s doch nicht… Der Fahrer kommt raus. Was machen Sie denn jetzt?

Ich weiß es nicht… Warte wohl bis morgen früh und frage dann nach Hilfe.

Das ist doch Unsinn. Kommen Sie rein, ich nehme Sie einfach so mit. Ist eh niemand sonst im Bus. Dann können wir miteinander reden.

Geht aber nicht…

Wieso nicht?

Ich habe einen Hund… Habe ihn gerade erst gefunden. Versprochen, ihn mitzunehmen. Sonst holen ihn morgen die Hundefänger.

Dann holen Sie den Hund. Ich sagte doch, außer Ihnen ist der Bus leer.

Ehrlich? Mit Hund? fragt Saskia ungläubig.

Klar. Rein, es ist kalt da draußen. Koffer auch. Ich helfe Ihnen.

*****

Die ganze Fahrt plaudert Saskia mit dem Fahrer, sitzt vorne auf dem Nebensitz. Ihr neuer Hund liegt entspannt auf dem Boden und beobachtet alles er vertraut beiden.

Endlich hält der Bus in Stuttgart am ZOB, Saskia bedankt sich herzlich, nimmt Koffer und Hund.

Brauchen Sie Geld fürs Taxi? fragt der Fahrer.

Nein, danke, sagt sie müde. Ich rufe meinen Freund an, er holt mich bestimmt ab.

Dann viel Glück! Und seien Sie vorsichtiger. Wobei, mit dem Hund traut sich jetzt wohl keiner mehr.

Da haben Sie recht.

Sie verlässt das Gelände, nimmt das alte Handy aus dem Koffer und ruft Markus an.

Hallo? Wer ist da? knurrt Markus müde. Was gibt’s?

Markus, ich bin’s… Saskia. Ich rufe von meinem alten Handy an. Kannst du mich vom Busbahnhof abholen?

Welche Saskia? Von welchem Bahnhof?

Markus, stell dich nicht so an. Es gibt nur mich! Ich… Mir wurde mein Geld geklaut, ich stehe hier mit Koffer und… Hund. Eine lange Geschichte.

Hund? Jetzt reicht’s! Findest du nichts Sinnvolleres?

Lass uns das daheim besprechen. Wie lange brauchst du, um zu kommen?

Stille.

Ähm, Saskia… das geht jetzt wirklich nicht.

Wie bitte?!

Hab halt was getrunken. Kann nicht fahren. Sorry.

Und wie soll ich nach Hause kommen? Zu Fuß?

Dann warte halt bis früh, ist doch nicht mehr lange. Mit den Stuttgarter Bahnen kommst du dann überall hin.

Und woher das Geld für die Bahn?!

Mensch… Wär’s dir so wichtig gewesen, hättest du vorher angerufen. Na ja, tut mir leid. Gute Nacht.

Saskia beendet das Gespräch. Sie ist schockiert.

Seit einem halben Jahr wohnen sie zusammen, seit über einem Jahr sind sie ein Paar so hätte sie Markus nie eingeschätzt.

Mit der Bahn fahr ich dann… zischt Saskia und schnaubt. Wozu brauch ich so einen Freund? Gut, dann rufe ich Annika an. Auf sie ist Verlass.

Sie ruft Annikas Nummer an:

Annika, hallo? Entschuldige, dass ich so spät anrufe. Aber ich weiß nicht weiter…

Guten Abend. Hier ist nicht Annika, ein männlicher Tonfall. Ist Ihnen klar, wie spät es ist? Halb zwei nachts.

Saskia blinzelt erneut aufs Display Annika steht da!

Vielleicht Annika’s Mann? Aber Achim klingt anders. Wer ist es also? Liebhaber? Kollege? Ein Kollege nachts ist wie ein Liebhaber. Oder Annika ist bei ihm?

Fragen über Fragen.

Ist Annika da?

Nein, hier ist niemand. Ich bin allein in meiner Wohnung, schlief, bis Sie anriefen.

Tut mir leid, ich wollte Annika anrufen. Die Nummer hab ich seit ewig in meinem Handy. Tut mir leid.

Saskia will schon auflegen, da fragt der Mann:

Saskia? Bist du das? Hab gar nicht auf den Namen geschaut. Sehe jetzt erst, wer anruft.

Florian?!

Genau, ich bins. Was ist los? Warum rufst du so spät an?

Verstehe gar nicht, wie ich bei dir lande… Ich wollte Annika anrufen. Aber der Name und die Nummer stimmen nicht…

Plötzlich verstummt Saskia.

Und dann dämmert es ihr: Das ist das alte Handy, auf dem einst noch Florians Nummer gespeichert war, ihr Sandkastenfreund, mit dem sie vor zehn Jahren mal zusammen war. Sie hatte ihn für den Falschen gehalten. Seine Nummer hatte sie aus Sentimentalität nie gelöscht.

Als sie mit Markus zusammenkam, wollte der von Florian nichts hören und zwang sie, den Kontakt abzubrechen. Sie hatte die Nummer nicht gelöscht, sondern einfach umbenannt… zu Annika. Und jetzt nach all den Jahren landet sie ausgerechnet bei Florian.

Was ist los? fragt Florian besorgt. Klingt, als wär da was passiert. Ich hör das an deiner Stimme.

Er konnte immer an ihrer Stimme alles heraushören. Und Saskia erzählt, wie sie zur Fortbildung musste, wie sie bestohlen wurde, wie sie den Hund gefunden hat. Vom Busfahrer, der sie kostenlos mitnahm. Und von Markus wie er sie nachts allein ließ.

Aber ich hab schon noch einen Groschen, du! lacht Florian.

Was redest du da?

Blöder Witz. Ich erklärs richtig: Ich habe von meinem Vater noch einen alten Käfer geerbt. Ich hol dich einfach ab, mit Hund. Sag, wo du genau bist, ich komm in einer halben Stunde. Geh nicht weg. Ruf an, wenn was sein sollte.

O-okay… antwortet Saskia.

Wie kann das sein? Der Freund, mit dem ich lebe, will mich nicht holen, aber der, mit dem ich vor zehn Jahren Schluss gemacht habe, steht mitten in der Nacht auf und kommt? Anscheinend habe ich immer den Falschen gewählt…

So kann ein einziger falscher Anruf auf einmal das ganze Leben verändern.

Und während Saskia, den neuen Hund im Arm, leise über ihre Werte nachdenkt, fährt Florian durch das nächtliche Stuttgart bereit, seiner alten Liebe einfach nur zu helfen. Ohne eine Gegenleistung zu verlangen.

*****

Und was war dann?

Saskia hat endgültig mit Markus Schluss gemacht.

Nicht (nur), weil er sie nicht geholt hat.

Sondern, weil sie zurück in der Wohnung eine Sektflasche im Müll fand und auf der zerwühlten Bettdecke lange, blonde Haare die weder ihr noch Markus gehörten.

Da war alles klar.

Als Markus sie am nächsten Tag anschrie, knurrte Baloo so heißt ihr Hund jetzt bedrohlich und zeigte, dass hier einer neue Hosen brauchen wird, falls er noch einmal ausrastet.

Markus zog aus.

Wenige Tage später spazierte Saskia mit Florian durch den Park, während Baloo und Lotte Florians Hündin sich ausführlich beschnupperten.

Lotte hatte Florian vor einem Jahr am Straßenrand gefunden sie hinkt auf einer Pfote, aber das ist egal.

Hauptsache: Saskia und Florian begegnen sich wieder und die beiden Handicap-Hunde scheinen sich bestens zu verstehen.

So kann das Leben spielen. Hat euch die Geschichte gefallen, gebt gern einen Daumen hoch. Florian hielt Saskias Hand, als sie beide lachten, ganz vorsichtig wie Menschen, die aus alten Zeiten einander noch behutsam erkunden. Baloo und Lotte sprangen aufgeregt um sie herum, als hätten auch sie bemerkt, dass heute ein Anfang und kein Ende geschrieben wurde.

Die Frühlingssonne fiel durch die Bäume, eine kleine Brise brachte den Duft von Gras und Hundepfoten zu ihnen. Saskia blieb stehen, zog die Luft tief ein, lächelte Florian an. Er erwiderte ihr Lächeln sofort; ein ehrliches, warmes Lächeln, das bloß Freude daran hatte, dass es sie wieder gab.

Sie sagte leise, wie nur jemand sagt, der unendlich erleichtert ist: Eigentlich ist alles in meinem Leben ganz schön auf den Kopf gestellt worden…

Manchmal dreht es sich so lange, bis endlich alles richtig rum steht, antwortete Florian. Dann schauten sie beide ihren Hunden nach, die mit neu gewonnener Zuversicht einem flatternden Schmetterling hinterherliefen.

Und als Saskia Baloos Fell kraulte und dabei Florians Hand hielt, wusste sie, dass es manchmal genau die falschen Gespräche sind, die einem zeigen, wo das Richtige längst schon wartet.

Ein falscher Anruf, ein verlorenes Ticket, ein verlassener Hund und am Ende beginnt ein echtes Leben.

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Homy
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