Neid. Eine Erzählung
Frau Dr. Raabe stand am Lehrerpult geschäftsmäßig, streng, angespannt und nervös, mit frisch gestyltem Dauerwellenhaar.
Habt ihr das notiert? Die ersten beiden Wochen, so siehts aus. Die Oberstufe ist kein Spaziergang! Vor euch liegen die Abiturprüfungen! Zeigt mal, ob ihr würdig seid, unsere Schule zu vertreten!
Sie wischte Kreidereste von ihren schlanken, unmanikürten Fingern. Maniküre nein, das gehört nicht zum Beruf der Lehrerin.
Birgit schrieb den Stundenplan als Erste von der Tafel ab. Sie war überhaupt immer schnell bei allem. Ihr Blick glitt hinaus durchs Fenster. Der Sommer war vorbei. Am liebsten wäre sie in ihm erstarrt wie Bernstein im Kiefernharz der schlanken Bäume. Im gegenüberliegenden Stadtpark kreisten schon die Vögel, sie spüren den Herbst immer zuerst.
Jetzt war er da der September und damit das letzte Jahr auf dem Gymnasium, die zwölfte Klasse. Birgit sah sich um. Hoch oben an der cremefarbenen Wand hingen große Porträts deutscher Literaturgrößen, und an den Bänken saßen ihre Mitschüler über die Hausaufgaben gebeugt. Noch ein Jahr Seite an Seite …
Käte… Käthe Westerhoff… Ihre Freundin seit der fünften Klasse. Sie schrieb mit Hingabe und biss sich auf die Lippen. Die Schürze ungewöhnlich, die Ledertasche wieder anders als bei allen anderen: dunkelgrau mit schwarzen Details, zwei Schnallen. Aber das kannte man schon. Sie war eben Westerhoff! Ihr Vater war oft auf Dienstreisen im Ausland.
Gritta Ohms. Klein, zerzaust, immer in Aufregung oder Zweifel. Eine Heulsuse, schon seit der Grundschule.
Stefan Hagedorn. Helle Haare, gerade Nase, schwermütiger Blick. Ein Mädchentraum nur nicht für die Mädchen seiner Klasse, sie wissen zu gut, wie gerissen und schwach er werden kann, wenns im Leben nicht läuft. Der kann sich ruhig vor den Zehntklässlerinnen aufspielen.
Sonja Priebs. Tolle Schleifen im Haar. Sie verbirgt wohl Ohrringe die würden ihr sofort abgenommen, wenn die Lehrer sie entdecken. Schule ist kein Laufsteg, Ohrringe sind tabu. Alle erinnerten sich noch an Sonjas feierliches Verweis im letzten Jahr. Man geleitete sie direkt auf die Toilette, damit sie die Ungeheuerlichkeit entfernte Sonja hatte Wimperntusche benutzt.
Roman Köster der Bücherwurm. Er hatte Birgit mal Avancen gemacht, die sie jedoch schnell abwehrte Brillenträger, noch dazu kleiner als sie.
Birgit ließ ihren Blick über die Mitschüler schweifen, dachte an jeden einzelnen und im Grunde doch über sich. Ein Jahr noch Nur noch ein Jahr Kindheit.
Und plötzlich wurde ihr bewusst, dass ihre Klassenkameradinnen eigentlich schon junge Frauen geworden waren. Richtig, Frauen. In Baumwollstrümpfen, mit weißen Schürzen und albernen Schleifen weiß, braun , aber eben Frauen. Da war die üppige Helga Brandt aus der Parallelklasse, deren Schürzenbänder wegen ihrer großen Brustspitze in den Raum ragten. Und Sonja, ganz übersät mit Pickeln: Wenn es stimmt, dass jedes Pickelchen eine heimliche Liebe bedeutet, liebt Sonja wohl die ganze Jungenwelt des Schülerrats.
Solch eine Neugier kribbelte da in Birgit all das Blühen musste doch zur Liebe führen. Irgendwann. Aber wie würde diese Liebe wohl sein?
Aufgeschlagen, Paragraph fünf, Köster liest! dirigierte Frau Raabe. Auch Birgit schlug das Buch auf, beugte den Kopf aber sie verfolgte den Text nicht. Ihre Gedanken kreisten um die Zukunft.
Käte Mit Käte war alles klar. Eines Tages würde Herr Westerhoff einen begabten jungen Studenten, oder gleich einen Diplomaten nach Hause bringen, Käte würde verschämt ihre langen, dunklen Wimpern senken und das Thema wäre erledigt. Versorgt. Sie würde eine Frau an der Seite eines Wirtschaftsattachés werden. Dann kämen Reisen, Geld, schöne Wohnung, Kontakte ein sorgenfreies Leben.
Gritta musste geliebt und beschützt werden das braucht sie. Dem, der ihr das gibt, würde sie sich ganz schenken.
Sonja findet bestimmt einen kernigen Lagerarbeiter, ganz sicher wird sie im Handel landen. Sie lässt immer wieder durchblicken, dass ihre Mutter, die im Einzelhandel arbeitet, mehr bekommt als nur den Lohn. Aber sie kann auch nähen wird bestimmt nie hungern.
Und sie selbst? Was würde sie erwarten?
Am liebsten so einen Papa wie Käte hatte!
Mit Käte war sie lange befreundet, und Birgit war nahezu verliebt in Kätchens Vater. Für sie war er das Ideal aller Väter auf der Welt groß, herzlich, charmant, glänzender Diplomat, der die Familie mit allem versorgte. Wenn er Käte umarmte, an sich drückte, und Käte schmolz, ihm einen Kuss auf die stachelige Wange gab dann hielt Birgit den Atem an. Ihr Stiefvater hatte sie nie so herzlich in den Arm genommen. Fast widerlich, an sowas zu denken.
Und das Haus der Westerhoffs Das war alles wie ein Traum: hohe Decken, Regale voller Bücher, große Küche, Aquarium mit Fischen, und ein Klavier.
Davor hatte Birgit immer ein wenig Angst vor Kätchens Mutter. Sie war streng und wenig ansprechend füllig, dunkle Brauen, blickte streng über ihre Brille, stellte unbequeme Fragen und schien stets ein ungünstiges Urteil über Birgit zu fällen.
Martens, liest du weiter! riss Frau Raabe sie zurück in die Wirklichkeit.
Käte deutete stumm auf den Absatz half ihr.
Schwach, Martens. Wenn du weiter so träumst, gibts kein Aufsatz für dich!
Danach hingen sie noch lange vor der Schule herum, besprachen den Stundenplan. Dann trennten sie sich.
Birgit wohnte auf der anderen Seite der Bundesstraße. Nicht dort, wo die Hochhäuser pulsierten, sondern hinüber, jenseits des Grabens. Diese Redewendung drüben, jenseits des Grabens kam ihr schon aus Kindertagen oft in den Sinn und schien heute nicht nur die Entfernung, sondern das ganze Lebensgefühl zu trennen.
Der Graben teilte das Viertel in zwei Welten: auf der einen Seite die ärmliche Siedlung mit alten Mehrfamilienhäusern, jenseits die neue breite Allee mit modernen, teuren Wohnblocks. Dem Graben entlang lag auf der ärmeren Seite eine dicke schwarze Metallleitung. Um den Umweg zu sparen, kletterten alle, Schüler wie Erwachsene, unter ihr hindurch zur Schule jemand hatte einen Durchlass gegraben. Man musste in den Graben runter, drüben wieder heraus, dann lag die Schule schon hinter der Straße.
Birgit tauchte auf, zupfte an ihrer Kleidung ein anderer Kosmos. Man kann auf beiden Seiten leben. Besser schon dort, wo die Westerhoffs wohnen. Aber
Ihr Haus war eine der besseren Baracken nur sechs Wohnungen. Die eigene eine Küche, ein großes Zimmer. Birgit hatte jüngere: Bruder Klaus und Schwester Marie.
Vier Beete vor dem Fenster das gesamte Familienbeet. Aber dazu gabs noch das Kartoffelfeld draußen. Kartoffeln Knochenarbeit. Bald war Erntezeit.
Ihr Stiefvater hatte vier Jahre gesessen nach einer Prügelei, hieß es. Vor drei Jahren war er zurückgekehrt. Da wurde Marie geboren. Birgit verstand die Mutter nicht. Wozu das alles? Schon so hausten sie zu sechst im Zimmer der stieflich fremde, nach Tabak riechende Mann, Klaus, neun und Rabauke, immer schmuddelig. Sie musste ihn zur Schule schleppen, und jetzt noch die Schwester.
Mit der Mutter verstand sie sich ohnehin nicht. Die Mutter war schwierig hektisch, laut, Birgit hatte immer das Gefühl, sie machte ihr alles zum Vorwurf und begegnete ihr eher kühl.
Birgit kam nach Hause in das Zimmer, übervoll mit Wäsche und Spielzeug, warf sich aufs Sofa. Im Kopf stellte sie sich vor, wie Kätchens Mutter, als Hausfrau, sie aus der Schule empfängt, sie nach Schulsachen fragt, ihr ein ordentliches Mittagessen vorsetzt. Birgit bemitleidete sich. Sie musste aufräumen, einen Berg Geschirr waschen, später Marie aus der Kita holen, ihr Gejammer ertragen, ihre Strumpfhosen waschen und irgendetwas zum Abendessen zubereiten. Sonst gabs Ärger, wenn die Mutter heimkehrte und wegen des Unordnung tobte, ihr vorwarf, als große Tochter nichts zu helfen.
Und am nächsten Morgen alles von vorne; Wäsche, Spielzeug, Abwasch.
Sie hatte sich eine Ecke erkämpft: Schreibtisch, Schubladenschrank, und an den Nägeln in der Wand hing ihre Uniform. Nicht mal die Mutter wagte sich dahin, Marie und Klaus sowieso nicht Birgit hätte sie dafür zerrissen.
Abends verstopfte sie sich die Ohren mit den Händen, um das Gebrüll des Fernsehers oder Maries Geschrei nicht hören zu müssen und lernte. Dann, unter dem Murmeln der schon dösenden Mutter, bereitete sie alles für die Schule vor.
Das Recht, genauso gepflegt wie die anderen aufzutreten, hatte sie sich hart erstritten. Für die Schürze erbettelte sie das Geld beim Opa, das Schulkleid bezahlte sie teilweise selbst hatte in den Sommerferien auf dem Bauernhof der Großmutter im Stall gearbeitet. Ihre Mutter wollte ein billigeres Kleid kaufen, aber sie bestand auf etwas Besserem.
Musst du dich immer so aufspielen? Wem willst du da was beweisen? knurrte die Mutter, die es gewohnt war, an allem zu sparen.
Wem? Niemandem. Vielleicht sich selbst. Sie wollte auf der anderen Seite des Grabens sein. Sie tauchte auf, klopfte Schmutz von den Schuhen, schickte Klaus voraus auf die saubere Bürgersteigallee das Haupt hoch erhoben.
***
Der September war mild, blau und durchsichtig. Und doch war etwas mit der alten Tradition geschehen stundenlang gemeinsam im Park herumzulaufen, zu quatschen oder gar am See Hausaufgaben zu machen. Und Käte wusste, sie hatte daran ein Stück Schuld. Etwas war zerbrochen zwischen ihr und ihrer liebsten Freundin Birgit.
Birgit war schnippisch und patzig geworden, sogar gegenüber Lehrern. Gestern verteilte sie die Hefte fast wütend, warf sie förmlich auf die Tische, und als die Mathelehrerin sie ermahnte, konterte sie aufgebracht, warf sich auf den Stuhl und boxte noch ihren Nachbarn Sascha an.
Käte aber hatte Instrumentalunterricht, Englisch, und zu Hause gabs auch vieles zu helfen. Früher war Birgit oft bei ihnen, sie aßen gemeinsam zu Mittag, spielten in Kätes Zimmer, lernten zusammen. Doch jetzt
Jetzt, wo Kinderspiele Mädchengesprächen gewichen waren, langweilte sich Käte oft. Endlos Freundinnen und ihre neuen Schwärme zu diskutieren ermüdete. Das schien jetzt alles, worüber geredet wurde. Die Mädchen waren schon tanzen, redeten nur noch von Jungs. Neulich tauchte Lydia Habicht schon in Nylonstrümpfen auf. Sie wurde nach Hause geschickt und kam nicht mehr wieder man munkelte, sie sei rebellisch.
Dieses Gerede hatte Käte satt. Dafür brachte ihr Vater regelmäßig tolle neue Bücher mit. Sie aß hastig zu Mittag, träumte sich ins Zimmer und las.
Käte! Musikschule!
Ja, Mama. Noch eine halbe Stunde
Frau Westerhoff seufzte was kann man machen, sie liest wie besessen.
Käte, nicht vergessen, am Wochenende fahren wir nach Göttingen zu deinem Bruder.
Göttingen? Ach ja. Muss ich unbedingt mit?
Kind, nun stell dich nicht an! Du freust dich doch sicher auf Ulrich?
Schon. Aber gerade ist seine Freundin Sophie sowieso ständig bei ihm. Ich würd lieber das Buch zu Ende lesen.
Ihr Bruder Ulrich arbeitete in Göttingen bei einem Unternehmen, war kürzlich verheiratet mit Sophie, erwarteten ein Kind, jetzt lebten sie bei Sophies Eltern. Am liebsten hätte Käte lieber ihre Ruhe und ein Buch gehabt, aber mit Mutter war nicht zu verhandeln. Es gab immerhin Grillen im Hof, Musik und vielleicht eiskalten Pool. Eher würde sie aber nur zuschauen, das Wasser ist so kalt.
Göttingen? Und was genau? fragte Birgit, als Käte ihr von den Plänen erzählte.
Geburtstagsfeier bei Sophies Familie. Hauptsächlich Tischrunde und Geplauder mit den Älteren. Immerhin sind da auch Sophies Freunde die können singen wie die Weltmeister! Hoffentlich spielen sie alte Studentenlieder. Und na ja, Gartenparty halt. Der Pool ist mir zu kalt.
Klingt cool! Ich würde gleich reinspringen. Weißt du, wie ich im Sommerurlaub am See schwimme, total mutig! Ihr habt echt Glück, seufzte Birgit, Wir wir müssen am Wochenende Kartoffeln rausmachen.
Kartoffeln? Ach ja, Erntezeit.
Tja, Käte, wie willst du denn jemals leben? Du hast vom echten Leben ja keine Ahnung mehr.
Käte wurde das wieder mal unangenehm. Früher hätte sie sich entschuldigt, jetzt zuckte sie nur mit den Schultern sie war es leid, sich für ihr Wohlleben nach Birgits Maßstäben zu rechtfertigen. Konnte sie was für ihre Familie?
Sie fand ihr Leben gar nicht so problemlos. Die Eltern, beide erschöpft. Die Mutter stemmte den Haushalt. Für Birgit klingt das lächerlich, aber es war viel zu tun. Ständig Gäste, man musste alles herrichten. Familienfeiern, Reisen, große Tafel. Ihre Mutter machte alles, konnte aber nicht loslassen.
Von alleine wird nichts schön, mein Kind. Wer ein gemütliches Zuhause will, muss sich kümmern.
Und der Vater Es kam vor, dass die Mutter ihm sogar die Schuhe auszog er kam oft erledigt von der Arbeit. Stressreicher Beruf, dazu Asthma, Herzprobleme. Sie hatte Mitleid.
Birgit hingegen nagte der Groll. Sie fand, sie verdiente dieses Leben ihrer Freundin nicht weniger. Käte spürte das. Deshalb lud sie Birgit für eine Weile nicht mehr ein. Die Mutter mochte alles schön, alles neu im Sommer frisch renoviert, neue Lampen. Käte schämte sich sogar für solche Kleinigkeiten, als sei das alles etwas Spießiges, Peinliches.
Der Ausflug nach Göttingen war dann wunderbar. Sie wurde nun auch von den älteren Freunden nicht mehr als Kind behandelt; nur für Ulrich blieb sie die jüngere Schwester.
Neu war diesmal ein Kollege von Ulrich dabei, Leonhard. Groß, dunkle Haare, gesunde Röte im Gesicht, schwarzer Anzug mit blauer Krawatte. Er arbeitete in der Technik und unterhielt sich sofort mit Kätes Vater über Maschinen und Produktionsanlagen. Später gesellte er sich zu den Jüngeren, lachte gern, hatte eine raue, angenehme Stimme, machte einen zuverlässigen Eindruck.
Beim abendlichen Spaziergang durch die Obstwiesen gab Käte ihm Gummistiefel, und wie selbstverständlich nahm er sie unter den Arm; sie hakte sich ein ganz natürlich, niemand fand das ungewöhnlich, herzliche Atmosphäre.
Das blaue Himmelszelt, das goldene Laub, am Horizont dunkler Wald es war friedlich und beglückend. Jetzt war Käte froh, doch mitgefahren zu sein.
***
Die Kartoffeln mussten warten es regnete. Einen halben Tag machten sie sauber, wusch Wäsche, kochten. Birgit war erschöpft und wollte raus. Sie ging zu Sonja Priebs.
Der Regen hatte aufgehört, eine klamme Kühle hing in der Luft, kaum jemand auf der Straße. Sonja lebte in einem alten Einfamilienhaus, man konnte gut für sich sein.
Sie gingen im feuchten Park spazieren und redeten.
Mal Kartoffeln, mal putzen. Ich kanns nicht mehr sehen, und jetzt Ohrenschmerzen bei Marie, nur Gejammer. Ich musste raus, Sonja.
Wir haben heute Sauerkraut eingemacht, unsere Mutter ist im Stress. Hauptsache, bald ist Schule vorbei O Birgit, ich träume von Freiheit.
Du willst Modistin werden? Noch sicher?
Vielleicht, ich weiß nicht, und du? fragte Sonja.
Ich? Vielleicht nehme ich Medizin, versuche es an der Uni.
Ein Studium? Wirklich? Sonjas Augen wurden groß.
Warum denn nicht?! Die Westerhoff will das doch auch.
Ja, aber …
Was aber? Warum? Warum solls ihr erlaubt sein und mir nicht? Nur weil ihre Familie wohlhabend ist? Weil ich am Randviertel wohne? Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit, he?! Birgit sprach laut und wütend, gestikulierte.
Sogar alte Damen drehten sich um.
Beruhig dich, Birgit! Ich bin ja nicht dagegen! Sonja sah betroffen aus.
Birgit schwieg, aber der Groll brodelte. Sie war nicht weniger als Käte, ganz und gar nicht! Doch in den Augen der anderen immer zweite Wahl. Das ist doch bei allen so. Die Westerhoffs umweht einfach eine Aura und sie wusste nicht, was zwischen ihnen war: Freundschaft oder Konkurrenz?
Sag ehrlich, Sonja: Warum halten sie Käte für so besonders und uns für weniger wert? fragte Birgit ruhiger.
Weiß nicht. Sie lebt in einer anderen Welt, ganz andere Kreise.
Andere Kreise, ja. Genau. Gestern war ein Lokführer-Freund meines Stiefvaters zu Besuch, darauf ist meine Mutter schon stolz. Bei denen nur Professoren und Diplomaten.
Genau, sag ich ja.
Am Abend dachte Birgit lange darüber nach, wie das Umfeld unser Leben prägt. Und Sonja, so naiv sie manchmal war, hatte Recht man wird wie die Menschen, mit denen man lebt
Eines wusste Birgit: Mit Käte wollte sie sich jetzt nicht streiten.




