Das Erbe des guten Willens

Ach, Lena! Du kommst wie gerufen, ich weiß gar nicht mehr weiter!

Helena stellte die schwere Einkaufstasche auf die Bank vor dem Mehrfamilienhaus ab und atmete tief durch.

Was ist denn passiert, Frau Veronika Albers?

Ganz ruhig, Lena. Höflichkeit ist jetzt das Wichtigste, gerade wenn es um ältere Leute geht selbst wenn sie manchmal unausstehlich sind.

Und das, dass Frau Veronika Albers eine schwierige Person war, wusste jeder im Viertel. Kaum jemand war streitlustiger als sie.

Warum immer noch Dame?

Weil Veronika Albers ihre Streitereien stets in so gebildeter Wortwahl führte, dass selbst die Geduldigsten an den Rand des Nervenzusammenbruchs kamen.

Meine Liebe, Sie liegen da völlig falsch.

Ich bitte Sie, sagen Sie nicht meine Liebe zu mir!

Ach, welch Unglück! Zu meiner Zeit galt es noch als Tugend, als Frau charmant und freundlich zu sein. Heutzutage ist das alles verloren gegangen eine verlorene Generation! Aber nun, bitte, beseitigen Sie doch die Hinterlassenschaft Ihres Hundes.

Und wenn nicht?

Dann erfährt das das ganze Viertel, meine Liebe!

Wer ihren Drohungen keinen Glauben schenkte, lernte schnell, dass mit Frau Albers nicht zu spaßen war. Und zwar nicht in Worten, sondern in Taten. Am Tag nach solch einer Begegnung hingen überall im Viertel Zettel mit Foto des Übeltäters und der Aufschrift: Wir sind auf sie nicht stolz!, darunter eine Beschreibung des Vergehens.

Frau Albers hatte ihren Drucker, den ihr einst ein Nachbar erklärt hatte, voll im Griff, und Papier kaufte sie dank guter Rente und Unterstützung ihrer Kinder gleich palettenweise ein. Da sie es als ihre Lebensaufgabe sah, für Ordnung im Viertel zu sorgen, schreckten sie weder die gelegentlichen Bußgelder der Stadtverwaltung ab noch die Diskussionen bei Gericht. Die Richter kannten sie längst und nahmen sie als Teil des Kiezlebens hin. Ob Fluch oder Segen, hing von der persönlichen Meinung ab.

Es gab durchaus Gelegenheiten, bei denen man ihr dankte. Zum Beispiel als auf ihr Betreiben hin endlich im ganzen Viertel die Regenwasserkanalisation saniert wurde ein Großprojekt, das sie fast zehn Jahre, zahllose Briefwechsel und Streitgespräche mit Ämtern und schlaflose Nächte gekostet hatte. Doch nach dem Sieg wurde sie nicht mehr als Querulantin abgestempelt. Alle verstanden nun, dass Frau Albers es ernst meinte. Sogar die Autobesitzer, deren Wagen nach jedem Regen nicht mehr als U-Boote dienten, winkten ihr nun respektvoll und prüften innerlich, ob sie selbst Grund hätten, irgendwann auf einem ihrer Zettel zu landen.

Am meisten fürchteten sie Hundebesitzer, die die Haufen ihrer Tiere nicht wegmachten, Mütter, die ihre Kinder auf dem Spielplatz mehr wie Accessoires behandelten, notorische Unterhaltsverweigerer und leise wie laute Trinker aber im Grunde alle, für die Regeln des Zusammenlebens nur lästige Details waren.

Natürlich fanden viele ihre Methoden übertrieben. Und einmal lauerte ihr sogar jemand im dunklen Hinterhof auf, als sie abends von ihrer kranken Schwester heimkehren wollte. Lange schlugen die Kerle nicht zu, jemand hatte sie verscheucht. Doch es reichte das linke Bein heilte falsch aus und pochte nun beim Wetterumschwung. Aber auch das brachte sie nicht aus der Ruhe: Jetzt weiß ich immerhin, wann ich einen Schirm brauche! Praktisch, oder?

Die Übeltäter stellte man übrigens zügig sie erhielten empfindliche Strafen; denn im Amtsgericht kannte jeder Frau Albers. Das verschaffte ihr außerdem nützliche Kontakte: drei Schutzpolizisten und einen Kommissar, die sie immer wieder bei kleinen und großen Problemen um Rat bat.

Hans, mein Lieber, ich brauche dich dringend! rief sie den bulligen Nachbarn und Polizisten, der seit dem Wohnungskauf gleich nebenan wohnte. Hans konnte sie nicht abschlagen, schließlich hatte diese eigentümliche, zähe, stets zuvorkommende Frau in nur sechs Monaten die Herzen seiner Familie gewonnen sogar Hannas Mutter, die sein Leben zur Hölle gemacht hatte. Es war nämlich Frau Albers gewesen, die ihr erklärte hatte, dass ein täglicher Besuch beim erwachsenen Sohn vielleicht keine so gute Idee sei.

Haben Sie ihn wirklich so schlecht erzogen?

Was fällt Ihnen ein? Ich bin eine wunderbare Mutter!

Daran zweifle ich nicht! Aber darf ich fragen, wenn Ihr Sohn so gut geraten ist, braucht er da wirklich noch Ihr Taschentuch und Ihre ständige Fürsorge?

Taschentuch! Was für ein Taschentuch denn bitte?

Na, das zum Naseputzen Sie machen das doch immer noch für ihn, oder?

Nach diesem Gespräch ließ sich die Schwiegermutter nur noch selten blicken. Der Familienfrieden war gesichert und der Dank an Frau Albers grenzenlos.

Helena, die seit Jahren als Sozialarbeiterin im Stadtteil unterwegs war, kannte die Geschichten von der Albers bestens. Umso erstaunlicher, sie heute tränenüberströmt auf der Bank vorm Haus zu sehen.

Warum weinen Sie, Frau Albers?

Helena Ihre Klientin Frau Gabriele Schuster

Was ist denn los? Helena blickte erschrocken zu den bekannten Fenstern.

Hans ist jetzt da. Gabi ist nicht mehr

Helena ließ sich schwerfällig auf die Bank fallen, fast vorbei.

Was für ein Tag! Morgens war bei ihr im Haus ein Wasserrohr geplatzt, die Kinder kamen zu spät zur Schule und mit ihrem Mann, Stefan, hatte sie sich auch noch gestritten. Sie liebte Stefan ja wirklich. Wo findet man heute schon noch einen, der nicht trinkt, nicht raucht, Frau und Kinder über alles liebt und sogar ordentlich verdient? Ein Unikat! Aber wohnen tut sie nun mal mit ihm und da fliegen die Fetzen eben manchmal. Wegen einer doofen Glühbirne! Eigentlich hätte sie die schon längst selbst wechseln können. War ja nicht zum ersten Mal.

Sind das die Nerven? Der Stress? Oder einfach Blödsinn? Wo man sieht, wie plötzlich Menschen aus dem Leben verschwinden Gestern hatte Gabi sie noch gebeten, Katzennassfutter zu kaufen und heute

Helena schniefte erst einmal diskret, dann liefen die Tränen einfach.

Ach, Liebes Jetzt nehmen Sie doch mal das Taschentuch.

Schneeweiß lag das Leinentuch auf Helenas Knien so ähnlich wie das, das Gabriele ihr mal zu Weihnachten geschenkt hatte.

Für Sie, Helena! Ein kleines Dankeschön.

So hübsch! Ist das eine Stickerei?

Ja, Ihre Initialen.

So was kann man doch nicht benutzen, viel zu schade!

Ach Helena, es ist doch nur ein Taschentuch. Viel mehr kann ich Ihnen mit meiner Rente leider nicht schenken.

Meine Oma hat mal gesagt: Das schönste Geschenk ist es, wenn jemand an dich denkt.

Klug, Ihre Oma. Lebt sie noch?

Nein, hab keine Verwandten mehr. Mein Mann und die Kinder sind meine Familie.

So schade Aber verstehen Sie mich nicht falsch! Ich bedaure nicht, dass Sie Mann und Kinder haben das ist wunderbar! Ich hatte leider nie eigenes Glück mit Familie. Stattdessen eine ganze Bagage Verwandte, die immer ganz genau wussten, wie ich leben sollte. Schwestern, Brüder, Tanten, Onkel, Eltern Sie meinten immer, es besser zu wissen und am Ende stand ich alleine da. Mal war ihnen mein Lebensweg nicht recht, mal hielten sie mich für unzurechnungsfähig. Jetzt bin ich nur noch einsam. Wissen Sie, wie furchtbar das ist, Helena? Ohne meine Katzen wüsste ich gar nicht mehr, wofür ich jeden Tag aufstehe. Mensch ein soziales Wesen. Und doch, im Alter kann man so schrecklich allein sein. Meine Nichte wollte schon meine Wohnung zum Studieren, besser als deine, Tante Gabi!

Und? Warum haben Sie nicht nachgegeben? Zusammen wohnen wäre doch schön gewesen?

Helena, Sie verstehen nicht. Ich sollte ihr die ganze Wohnung überlassen! Die Verwandtschaft meinte, ich bräuchte sie ja eh nicht mehr. Ich sollte zu meiner Schwester ziehen aber nur vorübergehend. Die hatte schon einen Platz im Seniorenheim organisiert. Da war alles schon geklärt.

Es ist unfassbar Wie kommt man dazu, über andere so zu bestimmen? Sind Sie ein Kind vielleicht?

Sie trauen mir längst nichts mehr zu. Sagen ganz offen, ich könne ja nicht mehr klar denken.

Mit solchen Verwandten braucht man keine Feinde.

Trotzdem liebe ich sie und habe die Wohnung längst schon allen Neffen und Nichten zu gleichen Teilen vermacht. Nur kann ich keinem einzigen vertrauen, was aus meinen Katzen wird, wenn ich mal nicht mehr bin. Die mögen sie alle nicht! Sie drohen immer, die Tiere gleich auf die Straße zu setzen. Wer braucht schon diese Viecher

Das lasse ich nicht zu!

Ach Helena, Sie kennen sie nicht!

Will ich auch gar nicht! Aber wissen Sie was?

Was denn?

Vermachen Sie die Katzen doch einfach mir!

Wie bitte?

Ganz einfach: Katzen zählen als Eigentum. Setzen Sie einen Zusatz ins Testament: Dann sind sie bei mir in guten Händen, egal was passiert. Quasi als kleines Erbe auf vier Pfoten.

Helena, Sie sind ein Engel! Darauf wäre ich nie gekommen. Aber ist das nicht furchtbar viel Verantwortung?

Ach was! Ohne Katze ist das Leben doch nur halb so schön, oder sagt man nicht: Ohne Katz und keinen Spaß?

Während Helena den schnurrenden Paul streichelte, beanspruchte die getigerte Frieda schon ihre andere Hand für sich.

Paul wohnte schon zehn Jahre bei Gabi, Frieda war, noch als verwahrlostes Kitten, von Frau Albers vor dem Supermarkt aufgelesen und bei Gabi untergebracht worden. Mit den Worten:

Gabi, du weißt doch, wie das läuft! Ich hab Allergie, aber das arme Ding, schau es dir doch an das kann man doch nicht einfach fortjagen.

Na gut, Nika, ich nehm sie nochmal. Aber zum letzten Mal! Paulchen war ja auch schon dein Geschenk aber ein drittes Tier schaff ich finanziell einfach nicht!

Versprochen, liebe Gabi.

So blieb Frieda und ein paar Wochen vor Gabys Tod zeigte sich: Frieda war keine Fee sondern ein Fredchen! An einem Morgen verkündete Gabriele:

Friedelchen, was bringst du denn da auf mein Bett? Oh du meine Güte, Babys! So hübsch wie du! Paul benimm dich als Vater anständig, sonst kriegst du Ärger!

Ob Paul mehr Grips hatte als gedacht, oder der Instinkt machte, war nicht ganz klar aber als Vater war er famos. Helena besuchte die kleine Katzenfamilie von Herzen gern.

So ist das: Da glaubt man immer, alles zu wissen, und dann übersieht man das Offensichtlichste!

Als sie jetzt plötzlich an den Katzennachwuchs dachte, sprang Helena auf.

Oh je, ich sitz hier rum, und die Kleinen haben Hunger

Am selben Tag holte Helena also ihr Erbe ab. Hans half ihr beim Tragen des Katzenkorbs hinüber in Helenas Haus.

Einen von den Kleinen würd ich gern für meine Kinder haben unsere Mutter war immer gegen Tiere, aber jetzt Gabi war eine gute Frau, und ihre Katzen sinds sicher auch.

Such dir einen aus!, sagte Lena, hob die Ecke des alten Handtuchs an und zeigte die Junge.

Den roten da!

Kannst du haben, sobald er groß genug ist.

Danke!

Sag mal, wie ist das eigentlich mit Gabys Verwandten?

Ach, die haben gleich gesagt, dass sie keine Zeit haben und ich das alles machen soll.

Helena wäre fast der Korb aus der Hand gefallen.

Unfassbar! Ich kümmere mich um alles. Und wissen Sie, auch wenn Sie glauben, ich sei nur die Sozialarbeiterin ich kannte Gabi über fünf Jahre; manchmal reichen schon zwei Tage, um zu wissen, wer einem wichtig ist. Und manchmal reicht ein ganzes Leben nicht. Sie verdient einen würdevollen Abschied.

Hans lächelte und klopfte Helena freundlich auf die Schulter.

Jetzt klingen Sie wie jemand, den ich sehr gut kenne. Reg dich nicht so auf ich helf dir.

Danke, Helena nickte erschöpft.

Zuhause kam sie nicht drum herum, das Katzenvolk offiziell einzuquartieren. Das Haus im Zentrum der Stadt geerbt von ihren Eltern hatte schon immer allen Platz geboten. Oma und Opa hatten es einst gebaut, und über Generationen war hier jeder willkommen. Helena verstand gar nicht, wie man seine Nächsten verstoßen, seine eigenen Eltern oder Kinder im Stich lassen kann

Auf der Veranda öffnete Stefan die Tür und kam ihr entgegen.

Lena, was ist los? Siehst aus wie sieben Tage Regenwetter. Ich hab die doofe Birne gewechselt, bin früher von der Arbeit heim, und den Wasserhahn hab ich auch repariert. Bald sprießen deine Tulpen! Und nicht weinen jetzt, ja?

Ich weine ja gar nicht!, schluchzte Helena und schniefte, die Tränen auflaufend.

Und was hast du da? Ganz schön schwer!

Das sind jetzt unsere Katzen, vergrub sie sich an Stefans Schulter.

Was?!

Schau selbst! Mit einem Griff zog sie das Tuch vom Korb, woraufhin die Kinder jubelnd aus der Küche angerannt kamen.

Leise! Sonst erschrecken die Katzen! rief Stefan, und nach ein paar Minuten war das Katzenchaos das neue Familienleben.

Paul brachte regelmäßig Mäuse als Tribut auf die Terrasse, Frieda kümmerte sich rührend um den Nachwuchs, und auch Paul schien manchmal seiner früheren Besitzerin Gabriele nachzutrauern regelmäßig sah ihn Frau Albers auf dem Baum gegenüber von Gabys altem Balkon. Dort saß er und rief, ganz leise, als warte er darauf, dass sie ihm antwortet.

Manchmal war er Minuten oben, manchmal Stunden und dann kam er spät heim, und Helena schimpfte mit ihm, als sei er ein pubertierender Teenager:

Nachtschwärmer! Ich muss morgen aufstehen!

Paul schnurrte, strich um ihre Füße und prüfte dann jeden Raum erst Kinder, dann Stefan bevor er sich zur schlafenden Frieda und den Jungen in den Korb legte.

Gabys Beerdigung war so besucht, dass Helena nicht schlecht staunte. Sie fragte Frau Albers:

Wer sind die ganzen Leute?

Schüler. Gabi war Physiklehrerin, später Nachhilfelehrerin. Sie war immer beliebt. Bis die Probleme mit den Augen kamen, dann musste sie aufhören Aber schau, wie viele sie nicht vergessen haben.

Helena wusste es längst.

Die ersten Wochen nach Gabys Tod konnte sie ohnehin kaum schlafen sie wusste jetzt, warum die Nerven blank lagen und sie sich morgens so unwohl fühlte. Die große Neuigkeit, selbst für Stefan noch geheim, füllte ihr Herz mit Vorfreude und auch ein wenig Angst. Sie strich Frieda über den Kopf, zu den Kätzchen gewandt, murmelte sie: Bald werde auch ich wieder Mutter Wird schon werden, oder?

Frieda brummte so laut, dass sogar Paul angerannt kam und Helena musste einfach über sich selbst lachen.

So viele Helfer im Haus was soll da schiefgehen!

Just an dem Tag, an dem Helena Stefan von der Schwangerschaft erzählen wollte, war Paul plötzlich verschwunden den zweiten Tag schon! Helena traf weder bei Gabys altem Balkon noch bei Albers noch bei Hans auf ihn.

Leg dich schlafen, Lena, er kommt schon wieder, tröstete Stefan. Katzen machen ihr Ding wenn er Hunger hat, kommt er.

Ich sperr ihn dann ein! Nie wieder lass ich ihn raus!, grummelte Helena.

Sie blieb bis spät auf, schlief schließlich im Sessel ein und hörte nicht mehr, wie Paul tatsächlich zurückkehrte.

Doch etwas war diesmal anders. Er rannte um das Haus, jaulte, so laut, dass es das ganze Viertel hätte hören müssen. Drinnen war jedoch alles still die Fenster geschlossen wegen des plötzlichen Aprilfrosts. Nur Frieda, die tief schlafend bei den Jungen lag, hob plötzlich den Kopf, spitzte die Ohren, schnupperte und sprang dann auf.

Mit einem Satz war sie bei Helena und kratzte ihr eine am Bein.

Au! Frieda, was ist das? Warum kratzt du mich?

Gerade als Helena sich aufsetzen wollte, roch sie erstmals Rauch und hörte, wie Paul draußen weiter schrie.

Stefan! Kinder! Es brennt!

Während Frieda die Kinder mit einem sanften Zwicken aus dem Schlaf holte, schnappte Helena den Kleinsten, Stefan den Großen, raus, und zum Schluss packte Helena noch die Katzenkorb mit Babykatzen.

Die Nachbarn hatten längst die Feuerwehr gerufen; geistesgegenwärtig löschten die Einsatzkräfte die brennende Gartenhütte. Inzwischen saßen Katzen, Kinder und Eltern unbeschadet im Vorgarten und freuten sich über das glimpfliche Ende.

Haus ist soweit gerettet! Da haben Sie wirklich Schwein gehabt, sagte der Feuerwehrmann. Dass Sie das noch rechtzeitig bemerkt haben

Danke!, sagte Helena leise, während Stefan die Kinder zum Dankeschön-Sagen zu den Feuerwehrleuten schickte.

Alles okay?, fragte er Helena und legte eine Hand auf ihren Bauch.

Sie hielt vor Schreck inne.

Du weißt es also

Na klar! Zwei Kinder kenn ich schon in- und auswendig meinst du, da entgeht mir noch ein Geheimnis? Deine Nerven, dein Appetit, alles! Jetzt werden’s schon bald drei, Lena, und trotzdem hast du immer alles im Griff.

Ich hab aber Angst, Stefan

Blödsinn. Du bist nicht allein; wir sind zusammen, die Kinder, und dann noch all diese Katzen! Gemeinsam schaffen wir das, ganz sicher und das Haus steht noch.

Helena gab Stefan die große Katze, die Kleinen den Kindern. Sie blieb einen Moment auf der Veranda stehen, schaute in den Himmel und wisperte:

Danke, Gabriele, für all dein gutes Herz. Für das, was bleibt.Ein laues Frühlingslüftchen wehte, und irgendwo schnurrte ein Kater, zufrieden, dass alles an seinem Platz war. In diesem Moment wusste Helena, dass Leben mehr ist als Alltagschaos, als Sorgen um morgen. Manchmal sind es die verschlungenen Wege, das plötzliche Glück, die freundlichen Hände und auch die getigerten Pfoten , die alles zusammenhalten. Sie spürte Gabys Nähe wie einen sanften Hauch, lachte leise, weil sie sich sicher war, dass ihre Freundin jetzt irgendwo da oben auf einem Wolkenrand saß, den alten Unterrichtshefter fest auf dem Schoß, die Katzen um sich geschart.

Im Fenster erschien Frau Albers, winkte mit einer Thermoskanne und brüllte, laut wie eh und je: Kaffee gibts bei mir, Nachbarschaftspflicht! Von allen Seiten eilten Freunde, Helfer, Kinder und Tiere herbei. Für einen Augenblick gab es kein Gestern und kein Morgen, nur die Wärme dieser Gemeinschaft geborgen, unvollkommen, ehrlich.

Und als Helena unter all den Stimmen, Lachen, miauen und Witzen stand, den Becher in der Hand, fühlte sie es plötzlich ganz klar: Zuhause das sind nicht Mauern oder Dinge, sondern das, was man füreinander ist.

Die Nacht kühlte langsam ab, aber drinnen leuchteten die Fenster so hell, dass Paul draußen vor Glück wieder zu singen begann. Und vielleicht, ganz vielleicht, mischte sich in seine Melodie ein leises Danke für alles, was war, und für alles, was noch werden sollte.

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Homy
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