Der letzte Wunsch

Die letzte Bitte

Nein, ich werde nie mehr heimkehren, stöhnte Johannes schwer und verzog sich vor Schmerzen. Und Anna werde ich auch nie wiedersehen. Dabei wollte ich ihr einen Heiratsantrag machen. Jetzt schaffe ich es nicht mehr Womit habe ich das verdient?

Machen Sie sich keine solchen Sorgen, lächelte die Krankenschwester, als sie sah, wie bleich der junge Mann auf der Trage wurde. Es wird alles gut.

Ich bezweifle es brachte Johannes leise hervor.

Dann sah er mit Schrecken in den Augen zu, wie man ihn für die Operation vorbereitete.
*****

Johannes hatte Krankenhäuser schon seit seiner Kindheit gehasst.

Diese Abneigung war tief verwurzelt, denn schon als kleiner Junge hatte er dort viel ertragen müssen und niemand war auf die Idee gekommen, sich für den verursachten seelischen Schmerz zu entschuldigen.

Ach komm, Johannes, jetzt sei kein Weichei, lächelte die Schwester, die ihm Blut aus dem Finger nahm. Du wirst doch bald in die Schule gehen und weinst wie ein Mädchen. Ist das nicht peinlich?

Doch durch Tränen blickte Johannes sie an, riss vergeblich an seiner Hand und heulte weiter. Schämen tat er sich nicht es tat weh und war ungerecht.

Wenn er dann mit seiner Mutter aus der Kinderklinik nach Hause lief, sagte er nur, dass er niemals, unter keinen Umständen, wieder in ein Krankenhaus gehen würde.

Lieber sterbe ich, aber ich setze nie wieder einen Fuß dahin, betonte Johannes trotzig.

Ach mein Junge, was du nur redest versuchte ihn die Mutter zu beruhigen. Ärzte sind da, um Menschen zu helfen, damit wir lange und gesund leben. Sie meinen es gut. Du musst keine Angst haben.

Klar, die sind ja nett, schnaubte Johannes und betrachtete seinen Finger, aus dem sie ihm gefühlt das halbe Leben gesaugt hatten. Sollen sie sich doch selbst behandeln, aber nicht mich!

Von den Schrecken beim Zahnarzt ganz zu schweigen als er sich unter Zwang einen Zahn ziehen lassen musste, schrie er so laut, dass man ihn selbst draußen durch die geschlossenen Fenster hörte.

Solche Erinnerungen vergisst man nicht. Angenehm waren sie wirklich nicht.

Kein Wunder also, dass Johannes als Erwachsener Arztpraxen, Kliniken und alles, was mit Medizin zu tun hatte, möglichst mied.

Doch durch eine glückliche Fügung verschlug es ihn eines Tages doch ins Krankenhaus mit einer Blinddarmentzündung.

Er krümmte sich so sehr vor Schmerz, dass Anna, mit der er ins Restaurant gehen wollte, keinen anderen Ausweg sah und die 112 wählte.

Ruf nicht den Notarzt, das geht schon vorbei flehte er.

Du spinnst doch! Ich sehe doch, wie schlecht es dir geht. Das sieht sehr nach Blinddarm aus. Ich hatte das selbst, ganz ähnlich.

So landete Johannes einmal mehr gegen seinen Willen im Städtischen Klinikum München-Süd, Station 6.

Sie können sich vorstellen, wie es dort war

Als er kurz daran dachte, wie die Chirurgen sich durch seine inneren Werte wühlen würden, wurde ihm ganz anders.

Noch schlimmer wurde es, als zwei stumme Pfleger auf dem Gang eine Bahre mit einem Leichnam an ihm vorbeischoben. Ein düsteres Gefühl der Ausweglosigkeit ergriff Johannes.

Das wars, ich komm nie mehr heim, stöhnte er innerlich auf. Und Anna sehe ich nie wieder. Ich wollte ihr doch einen Antrag machen Nun ja. Warum nur ich?

Machen Sie sich keine Sorgen, versuchte die Schwester ihn aufzumuntern. Es ist ein Routineeingriff, Sie sind früh genug gekommen. Wären Sie später gekommen, das wäre problematisch gewesen.

Und tatsächlich: Der Eingriff verlief ohne Komplikationen. Schmerz hatte er kaum zum ersten Mal seit Jahren hatte er etwas Positives über ein Krankenhaus zu sagen. Das überraschte ihn selbst.

Man narkotisierte ihn auf dem Operationstisch, und als er aufwachte, war alles vorbei. Noch am selben Tag kam er auf die Normalstation.

Er schlief wie ein Stein, wachte nur gelegentlich auf, wenn das Infusionsfläschchen gewechselt wurde, und fiel sofort wieder in tiefe Träume.

Am nächsten Morgen

bemerkte Johannes, dass im Zimmer nun ein älterer Herr lag.

Das hat mir gerade noch gefehlt, dachte er missmutig. Der wird mir jetzt sicher sein ganzes Leben erzählen.

Doch nach Gesprächen stand Johannes überhaupt nicht der Sinn. Er wollte nur seine Ruhe.

Nicht einmal Anna rief er an, schrieb nur eine kurze Nachricht, dass es ihm gut gehe, und legte das Handy beiseite.

Er dachte daran, wie ungelegen ihm dieser Krankenhausaufenthalt gekommen war.

Seit über einem Jahr lebte er mit Anna zusammen und an diesem Abend wollte er ihr einen Antrag machen. Tisch im Restaurant reserviert, Musiker gebucht, die Annas Lieblingslied spielen sollten, der Kellner hätte das Gericht mit dem Ring gebracht alles sollte perfekt werden.

Das Schicksal hatte andere Pläne, und statt mit Anna über die Hochzeit zu sprechen, lag Johannes mit einem fremden Alten im Krankenzimmer.

Zu seiner Überraschung sprach ihn der alte Mann aber kaum an.

Nur ein kurzes Guten Morgen, ansonsten murmelte er leise, meist wenn er wieder vergeblich jemand anzurufen versuchte. Am Ende des Tages war der Akku seines alten Handys leer das Ladegerät hatte er zuhause vergessen und auch die Belegschaft konnte nicht helfen.

So sah der alte Mann das schwarze Display an und Tränen liefen ihm übers Gesicht. Nun wurde Johannes doch nachdenklich, fühlte Mitleid und ja, auch Scham. Offensichtlich plagte den Mann etwas ganz anderes.

Nach einigen Minuten setzte sich Johannes an das Bett, sah den alten Mann an und fragte leise, ob er helfen könne.

Ich versuche meinen Sohn zu erreichen, aber ohne Erfolg, antwortete der Greis traurig.

Er weiß, dass Sie hier sind? fragte Johannes erstaunt.

Ja Die Schwester hat ihn gleich informiert, als ich eingeliefert wurde. Aber er will nicht mit mir sprechen. Vor einem halben Jahr haben wir uns zerstritten, kurz vor meinem Geburtstag. Er wollte mich ins Altersheim geben, nur um mein Haus zu verkaufen, aber ich habe abgelehnt. Nicht wegen des Hauses, sondern prinzipiell.

Mit zitternder Stimme erzählte der Alte, wie er mit Herzproblemen ins Krankenhaus kam und wie die Ärzte eine Operation für übermorgen ansetzten. Er fürchtete nur, vorher zu sterben.

Ach Quatsch, das schaffen Sie schon! versuchte Johannes ihn zu trösten. Die Ärzte machen ihren Job wirklich gut. Mir wurde gestern der Blinddarm rausgenommen und, wie Sie sehen, ich habe alles bestens überstanden.

Der Alte schmunzelte, erklärte aber nicht den Unterschied zwischen Operationen am Herzen und am Bauch.

Ich sorge mich nur um meinen Hund, Schnitzel, sagte er dann. Der ist jetzt draußen. Ich wollte meinen Sohn bitten, sich um ihn zu kümmern, falls mir etwas zustößt. Oder wenigstens, dass er ihn in gute Hände gibt. Die Nachbarn nehmen ihn nicht, sie haben ihre eigenen Tiere. Und wer sucht für so einen alten Hund schon noch ein Zuhause? Aber mein Sohn er könnte meine letzte Bitte erfüllen. Nicht ohne Gegenleistung Haus und Grundstück wollte er ja sowieso haben. Aber er geht nicht ans Telefon. Und als auch die Schwester anrief, hat er strikt abgelehnt, mit mir zu reden. So ist mein Sohn eben

Tja murmelte Johannes.

Ich sorge mich einfach sehr. Was wird aus Schnitzel? Wer kümmert sich um ihn? Wie soll er überleben?

Der spinnt, der Alte, dachte Johannes im ersten Moment unwillkürlich. Aber dann erzählte der Mann, wie er den Hund am Tag seines Geburtstags allein auf der Straße gefunden hatte, und dass Schnitzel ihm so viel bedeutete, und Johannes verstand plötzlich.

Meine Frau, Gott hab sie selig, ist vor fünf Jahren gestorben, sagte der Alte. Aber kurz vor meinem Geburtstag habe ich von ihr geträumt. Sie spazierte mit einem Hund an der Leine. Sie hat mir zugewinkt und gelächelt. Und an meinem Geburtstag sah ich dann tatsächlich eine kleine, halb verhungerte Hündin, angebunden an einem Brückengeländer. Niemand schien sie zu vermissen. Ich wartete stundenlang, hoffte, jemand würde sie holen. Als es dunkel und nass wurde, nahm ich sie mit zu mir. Wissen Sie, ich dachte, es sei ein Geburtstagsgeschenk von meiner Frau.

Was das Leben so bringt Warum nicht, brummte Johannes, wollte eigentlich widersprechen, bejahte aber freundlich, um den Greis nicht zu kränken.

Wir zwei haben uns wirklich gesucht und gefunden, so erzählte der Mann weiter. Drei Wochen lang habe ich noch überall gesucht und Zettel aufgehängt, aber niemand hat sich gemeldet. Ich war sogar froh: Schnitzel ist mehr als ein Freund, mehr als ein Hund. Er hat mir einen Sinn im Alter gegeben.

An diesem Abend dachte Johannes lange an den Hund, der draußen wartete, und an den Sohn, der seinen Vater so ignorierte.

Wie gefühllos muss ein Mensch nur sein

In der Nacht träumte Johannes von einem kleinen Mischling, der dem beschriebenen Schnitzel glich. Er irrte traurig suchend durch die Stadt, und Johannes folgte ihm im Traum, ganz ohne es zu verstehen.

Er schlief tief, bis er plötzlich von lautem Keuchen geweckt wurde; der alte Mann rang nach Luft und hielt sich ans Herz.

Soll ich einen Arzt holen? fragte Johannes erschrocken und sprang auf.

Nein, noch nicht flüsterte der Greis. Ruf lieber meinen Sohn, Sebastian. Die Nummer steht auf dem Zettel auf dem Nachttisch. Sag ihm, wenn er kann, soll er kommen ich will mich verabschieden. Und wenn er nicht will, dann bitte, soll er wenigstens Schnitzel in gute Hände geben. Ich fühle, dass ich ihn wohl nie wiedersehe. Dann gehe ich zumindest mit ruhigem Herzen.

Johannes zögerte einen Moment, griff dann nach dem Zettel, wählte die Nummer:

Hallo! Sind Sie Sebastian? Ich bin der Zimmernachbar Ihres Vaters

Jetzt fiel ihm bewusst auf, wie seltsam es war, dass sie sich nie vorgestellt hatten.

Arthur Meier heiße ich keuchte der alte Mann.

von Arthur Meier. Ihm geht es schlecht, er bittet, dass Sie kommen.

Stirbt er etwa? wurde Sebastian plötzlich hellhörig. Welches Krankenhaus nochmal? Die Sechste?

Ja, Stationsnummer und Adresse gebe ich Ihnen.

Johannes diktierte alles, dann rannte er zur Schwester im Gang und erklärte ihr alles hektisch. Sie versprach, den Arzt zu holen.

Wie geht es Ihnen, Herr Meier? Halten Sie durch. Ihr Sohn kommt, und die Schwester holt den Arzt. Jetzt nur nicht die Augen zumachen! redete Johannes ihm zu.

Das Herz von Arthur Meier schlug kein weiteres Mal, schon bevor der Arzt mit der Schwester zurückkam. Der Arzt tastete den Puls, die Halsschlagader, blickte in die Augen, dann ging er wortlos wieder. Kurz darauf kamen die Pfleger, die Johannes schon bei seiner Einlieferung gesehen hatte.

*****

Ihr Vater ist in meinen Armen gestorben, sagte Johannes zu Sebastian, als dieser am nächsten Tag erschien.

Nun ja, wenigstens ist es jetzt vorbei, antwortete Sebastian trocken. Immerhin musste er nicht lange leiden, und ich muss mich jetzt nicht auch noch kümmern. Wissen Sie, wie das ist, wenn sie im Alter dann dahinvegetieren und man alles regeln muss. Dafür habe ich Familie und einen Haufen Arbeit So ist es besser.

Arthur Meiers letzter Wunsch war, dass Sie seinen Hund in gute Hände geben, ergänzte Johannes.

Ach, den Hund! Ja, er hat so einen Straßenköter aufgegabelt. Aber was soll ich damit? Wegen dem Viech wollte er ja nicht ins Heim Ich hab ihm doch gesagt, dass er es dort besser hätte. Man hätte sich gekümmert. Nicht gehört hat er!

Es war sein letzter Wunsch, sagte Johannes tadelnd. Glauben Sie, es ist zu viel verlangt? Zumal Ihnen nun das Haus und Grundstück gehören.

Sebastian zuckte nur mit den Schultern, nahm das alte Tastenhandy und den Zettel mit der Nummer alles, was Arthur Meier geblieben war. Er verabschiedete sich nicht, warf die Tür ins Schloss.

Johannes legte sich aufs Bett und dachte lange nach. Er hatte dem alten Mann Mitgefühl entgegengebracht. Siebenundsiebzig Jahre alt, und doch manche werden hundert

Er hätte es vielleicht auch geschafft, aber das Schicksal hat oft eigene Regeln.

Jetzt war auch der Hund ohne Zuhause, niemand brauchte ihn.

Wird Sebastian den letzten Wunsch seines Vaters erfüllen?, fragte sich Johannes. Das Haus verkauft er, aber der Hund bleibt auf der Strecke. Vielleicht füttert ihn wenigstens jemand aus der Nachbarschaft. Und wenn nicht?

Nachts träumte Johannes von Arthur Meier, der durch die Straßen ging und seinen Hund rief. Die Tränen liefen ihm über das Gesicht.

Auch Johannes weinte im Traum, ohne zu wissen warum. Wann er das letzte Mal geweint hatte? Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit.

Diese Träume blieben selbst, als er wieder heimkehrte. Jeden Morgen war er nachdenklich, und Anna bemerkte das bald.

Johannes, alles in Ordnung?

Ja, alles gut. Ich denke nur nach.

Worüber?

Mein Zimmernachbar im Krankenhaus, Herr Meier Er wurde mit einem Herzinfarkt eingeliefert, die Operation kam zu spät. Seine einzige Sorge galt der Hündin, aber sein Sohn hat sich nicht mehr gemeldet. Als er dann kam, war sein Vater schon gegangen. Ich habe ihm von Schnitzel erzählt, aber ich glaube, es ist ihm egal. Er wollte lieber das Haus verscherbeln und hat sogar den Makler gleich angerufen Ich mache mir Sorgen um den Hund. Ich kenne ihn gar nicht, aber er war so wichtig für Arthur Meier

Wollen wir hinfahren und nachsehen? schlug Anna vor. Falls der Hund noch dort ist, nehmen wir ihn mit.

Ehrlich? Würde dich das nicht stören?

Nein! Ganz im Gegenteil, ich würde mich freuen. Wir hätten einen Vierbeiner und könnten mit ihm spazieren gehen. Das wird schön.

Ja, Johannes musste schmunzeln und zog Anna an sich. Aber, wie finden wir die Adresse heraus?

Die haben die bestimmt im Krankenhaus, lass mich das regeln. Und wir nehmen Schokolade und Kaffee für die Sprechstundenhilfe mit.

Und tatsächlich: Ein gutes Stück Edelbitterschokolade und eine Tüte Bohnenkaffee wirkten Wunder. Schließlich schrieb die Dame in der Aufnahme Anna die Adresse auf einen Zettel, leise, fast schon verschwörerisch.

Wenig später standen sie vor dem Haus von Arthur Meier am Rande von Erlangen, betrachteten den Garten.

Keine Spur von einem Hund.

Eine ältere Nachbarin kam ans Gartentor.

Suchen Sie jemanden? fragte sie.

Ja, ich lag mit Herrn Meier im Krankenhaus. Er ist bei mir gestorben, sagte Johannes leise.

Das ist ja schrecklich Ein guter Mensch war das. Solche Herzlichkeit Sein Sohn hat sich ja kaum gekümmert, nicht mal eine richtige Beerdigung gemacht. Nun plant er nur den Umbau, um das Haus besser zu verkaufen.

Ich hätte es nicht anders erwartet Aber sagen Sie, haben Sie seinen Hund gesehen?

Sie meinen Schnitzel? Klar. Die letzten Tage lag sie immer am Tor und wartet. Seit Herr Meier nicht mehr zurückkam, jault sie jede Nacht. Sebastian hat sie eines Tages lautstark beschimpft, dann mitgenommen. Seitdem ist er verschwunden.

Wissen Sie, wohin? Wie sieht sie aus?

Klein, stämmig, typisch Corgi, so ein süßer Kerl. Sehen Sie, ich habe sogar ein Foto!

Die Frau zeigte ihnen das Bild auf dem Handy.

Ein Corgi! strahlte Anna. Wirklich zu schade, wenn sie einfach verschwindet. Wissen Sie, wohin Sebastian gefahren ist?

Er meinte, er hätte für sie jemanden gefunden, aber so ganz glaub ich das nicht. Er mag Tiere nicht besonders. Versteh einer so einen Sohn sein Vater war doch so ein feiner Mensch na ja.

Johannes und Anna bedankten sich und fuhren schweigend weiter. Sie hätten eher kommen sollen. Jetzt war Schnitzel irgendwo, vielleicht weggeschafft und ganz allein.

Sie fragten trotzdem in der Nachbarschaft, ob jemand einen streunenden Corgi gesehen hätte, fuhren die Umgebung ab vergeblich.

Auch telefonisch konnten sie Sebastian nicht mehr erreichen; er hatte Johannes auf die Sperrliste gesetzt.

Hoffen wir, dass Schnitzel Glück hatte, sagte Anna leise.

Man kann so etwas nicht wissen, aber besser an das Gute glauben

Und wieder war es das Schicksal, das sich einmischte. Wegen eines Staus bogen sie auf eine Nebenstraße ab.

Nach wenigen Kilometern wies Anna plötzlich auf die Böschung: Dort saß ein Corgi, ganz allein, das Fell verstaubt und die Rute eingezogen.

Johannes, könnte das Schnitzel sein?

Wir schauen nach, sagte Johannes ganz leise und stieg aus.

Sie näherten sich vorsichtig. Je näher sie kamen, desto sicherer waren sie der kleine Hund, das war Schnitzel. Er drehte sich um, sah Johannes und Anna vorsichtig an, spürte aber, dass keine Gefahr von ihnen ausging.

Schnitzel! rief Johannes sanft. Schnitzel, hab keine Angst. Herr Meier hat mich gebeten, mich um dich zu kümmern. Sollen wir dich mit nach Hause nehmen?

Johannes ging in die Hocke und streckte die Hand aus.

Misstrauisch schnupperte Schnitzel, zog dann aber näher, wedelte zaghaft mit dem Schwanz. Dann kam er ganz nah, als ob er noch einmal den Geruch seines Herrchens suchte, und ließ sich von Johannes streicheln.

In Johannes Augen glitzerten Tränen. Und Anna wischte sich verstohlen über die Wange.

Schnitzel schmiegte sich an ihn, als hätte er darauf ewig gewartet. Danach fuhren sie gemeinsam nach Hause.

Johannes und Anna waren froh, dass sie nicht im Stau gestanden, sondern die Landstraße gewählt hatten.

Und Schnitzel? Der genoss es, dass er wieder gebraucht wurde, und fühlte sich aufgehoben. Hier gehörte er endlich hin.

*****

Was für ein Sohn brummte Johannes, als sie zu Hause waren. Sagt, er habe den Hund vermittelt, und dann sowas. Am liebsten würde ich ihm die Meinung sagen.

Lass, das Leben regelt solche Dinge ganz von selbst. Wir haben Schnitzel gefunden das ist das Wichtigste. Der Rest geht seinen Weg. Wer das Herz verschließt, wird eines Tages selbst so enden wie er, und dann ist niemand für ihn da.

Wahrscheinlich hast du recht antwortete Johannes und sah zu Schnitzel, der auf dem Sofa schlief und im Traum mit den Beinen zuckte.

Johannes glaubte zu wissen, wohin er lief und wem er im Traum zulächelte

Grüß mir Herrn Meier, sagte er leise in Gedanken, suchte das kleine Schächtelchen mit dem Ring aus dem Schrank.

Noch am selben Abend machte Johannes Anna einen ganz einfachen Heiratsantrag nicht im Restaurant, nicht spektakulär, aber aus dem Herzen.

Denn er hatte begriffen: Man sollte nie auf den perfekten Moment warten. Das Wichtigste ist das Hier und Jetzt.

Und Anna sagte ohne Zögern: Ja.

Das war ihre gemeinsame GeschichteIn den folgenden Wochen begann ein neues Kapitel für Johannes, Anna und Schnitzel. Der kleine Hund sprang schon am frühen Morgen auf das Bett, stupste Johannes mit der kalten Nase wach und ließ sich kraulen, als wäre nie etwas anderes gewesen. Er begleitete sie auf ihren Spaziergängen durch Parks und Wälder, brachte sie zum Lachen mit seinem eigenwilligen Charakter, und Anna schwor bald, noch nie einen klügeren Hund erlebt zu haben.

Manchmal, wenn die Sonne ins Wohnzimmer schien, sah Johannes den alten Arthur Meier vor sich, wie er Schnitzel rief und leise lachte, während die beiden durch den Garten schlenderten. Einmal glaubte Johannes sogar, für einen Moment das Bild von Herrn Meier und seiner Frau zu erkennen beide winkten aus der Ferne, und der Hund rannte zu ihnen, hell und glücklich.

Doch dann spürte er Annas Hand auf seiner, Schnitzel war da und die Welt wurde wieder real und leicht.

Am Tag der kleinen standesamtlichen Hochzeit kam eine Karte, ohne Absender. Darauf stand nur: Möge Schnitzel euch so treue Freundschaft schenken, wie er sie meinem Vater schenkte.

Sie wussten sofort, von wem die Zeilen stammten. Anna und Johannes lächelten sich an, und in ihren Blicken lag Dankbarkeit für alles, was sie gefunden hatten nicht nur einander, sondern auch die Gewissheit, dass am Ende Liebe und Mitgefühl Wege finden, wo Gleichgültigkeit keine Brücken schlägt.

Und ab diesem Tag fehlte im Garten nie das sanfte Bellen von Schnitzel ein kleiner Klang, der das große Glück ansagte.

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Homy
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