Du bist keine Freundin mehr für mich

Du, stell dir vor, neulich hatte ich so eine Situation mit meiner Freundin Jana, das glaubst du nicht. Ich erzähls dir mal in Ruhe.

Also, ich hatte Jana zu mir nach Hamburg eingeladen, weil ich endlich mit meiner Wohnungsrenovierung durch war du weißt ja, das war ein riesen Akt. Ich dachte, wir stoßen ein bisschen an, machen uns einen schönen Abend und quatschen. Aber anstatt sich zu freuen, saß Jana miesepetrig am Esstisch, hat nur schmallippig Glückwunsch gesagt und ansonsten kaum ein Wort verloren. Die war so still, als ob einer gestorben wäre.

Ich habe natürlich gleich nachgebohrt: Was ist los, Jana? Hast du Sorgen? Aber sie winkte ab, meinte, sie wolle mich nicht mit ihren Problemen belasten, jetzt, wo ich gerade fertig bin und eigentlich feiern möchte. Klar, ich hab drauf bestanden, dass sies mir erzählt wir kennen uns seit der Grundschule, wohnen seit Jahren im selben Viertel, nur in unterschiedlichen Häusern. Wenn man so befreundet ist, hilft man sich auch. Sie meinte dann, sie hätte ein Problem mit ihrer Wohnung.

Und wie: Ihr Vermieter hat ihr an dem Tag eröffnet, dass er die Miete ab nächster Woche einfach mal verdoppelt. Doppelt! Von wegen deutsche Mieterschutzgesetze Vertrag gabs natürlich keinen, alles nur per Händedruck ausgemacht. Dabei hat Jana nicht mal besonders gut verdient, ist nach der Schule nicht auf die Uni, arbeitet hier als Sekretärin in einer kleinen Firma und was sie an Geld reinkriegt, geht halt schon für Miete, Fitnesstudio und den üblichen Kram drauf. Klar sagte sie sofort: Soviel kann und will ich nicht zahlen!

Ich hab sie dann gefragt, ob sie nicht wenigstens einen schriftlichen Mietvertrag abgeschlossen hat, aber nö Hauptsache gleich Du kannst solang bleiben, wie du willst, hatte der Vermieter gesagt. Schön blöd, aber was willste machen?

Preislich ist Hamburg halt echt ne Hausnummer und für das, was sie in ihrer alten Wohnung bekommen hat Wackel-Internet, ne Waschmaschine, die mehr durchs Bad tanzt als wuscht, Tapeten, die schon von alleine abfallen und ein tropfender Küchenhahn da zahlt man eh schon zuviel. Jetzt sollte sie sogar 1.000 Euro hinlegen völlig utopisch!

Ich hab dann angeboten: Du, wenns gar nicht anders geht, dann schläfst du halt erstmal bei mir. Ist zwar noch nicht alles möbliert, im Wohnzimmer steht nur mein Klappbett aber besser als auf der Straße, oder? Jana war super erleichtert und meinte sofort, sie würde schnell ihre Sachen holen.

Doch als sie wiederkam, hatte sie nicht nur ihr Gepäck dabei, sondern auch eine Transportbox. Und da drin rate mal ihre Katze, Minka. Ich war erstmal perplex, denn von Katze hatte sie mir gar nichts erzählt. Minka kam auf Geheiß von Janas Mutter zu ihr, weil die gesundheitliche Probleme hat und sich gerade angeblich nicht kümmern konnte. Das war auch die offizielle Erklärung, warum Minka jetzt hier bleiben musste Keine Angst, sie kratzt keine Tapeten, frisst keine Schuhe, du merkst sie fast gar nicht, meinte Jana.

Tja, Minka fand meine Wohnung erstmal so spannend, dass sie nach fünf Minuten wie ein Wirbelwind durchs Wohnzimmer raste, mir den Arm zerkratzte, als ich sie hochnahm, und sich sofort unters Bett verkroch keine Chance, die da wieder rauszubekommen.

Na gut, ich dachte mir, gib ihr Zeit, wird schon

Aber die Wochen zogen ins Land, Minka gewöhnte sich zwar an ihr neues Refugium, aber dafür zeigte sie mehr und mehr, was in ihr steckt: Nächtliche Sprints durch Flur und Küche, lautstarkes Maunzen und das Chaos war vorprogrammiert. Ihr Katzenfutter fischte sie mit der Pfote aus dem Napf und verteilte es als Mitternachtskick über den ganzen Boden. Und Jana? Die hat das alles nicht gestört, die hat nachts tief und fest geschlafen, war nach der Arbeit ständig unterwegs hier Sportkurs, da Schwimmbad, neues Nagelstudio ausprobieren oder sich in irgendeiner Bar mit Typen treffen.

Und rat mal, wer sich dann immer um die Katze gekümmert hat? Richtig, ich. Ich hab sie gefüttert, ihr Klo sauber gemacht (das auch gerne mal ignoriert wurde, wenn ich grad im Bad war super) und regelmäßig meine frisch gewaschene Wäsche aus dem Schrank gekratzt, weil sie da unbedingt reinmusste. Es war echt irgendwann zu viel.

Nach zwei Monaten hab ich dann beim Abendessen leise angedeutet, ob sie schon was Neues zum Wohnen gefunden hat. Jana wedelte bloß ab, Ach, noch nix Konkretes Und das bei den Preisen in Hamburg, war ja klar. Sie wollte auch keinen Makler einschalten, zu teuer. Aber von sich aus suchen? Quasi keine Ambitionen. Dafür war sie ständig unterwegs, kam nur zum Schlafen nach Hause.

Ich war langsam mit der Geduld am Ende.

Kurz darauf kam Jana auf einmal abends nach Hause und meinte: Du mein Neuer, David, hat mich gefragt, ob ich zu ihm nach Blankenese ziehe! Ich natürlich gleich: Ja super! Zieh doch gleich morgen um, ich helf dir beim Kofferpacken.

Aber das Problem kam postwendend hinterher: Ja, aber David will keine Tiere. Kann Minka dann noch ein bisschen hierbleiben? Da hab ich echt die Nase voll gehabt. Nee, sorry Jana, das geht nicht, ich brauch endlich meine Ruhe nach der ganzen Tortur. Und ehrlich gesagt, kannst du sie ja deiner Mutter geben wie gehts ihr überhaupt gerade?

Da hat sie wieder irgendwas von schwerer Krankheit gemurmelt und dass ihre Mutter die Katze unmöglich nehmen kann. Trotzdem habe ich klar gemacht, dass sie ihre Sachen und Minka am besten gleich mitnimmt. War ihr super unangenehm, aber was sollte ich machen? Ich hatte echt keine Kraft mehr, und ehrlich, nach all dem Chaos, dem Nachschub an Haaren, zerkratzten Tapeten und schlaflosen Nächten reichts einfach.

Am nächsten Morgen will ich den Müll rausbringen, und was sehe ich? Minka samt Transportkorb am Müllhäuschen. Echt jetzt. Die Tür von der Box stand offen, Minka lief klagend um die Müllcontainer. Ich hab sie natürlich direkt erkannt. Da stand noch so eine ältere Dame, die meinte mit trauriger Stimme, dass da gestern jemand auf die Schnelle die Katze dagelassen hätte, nicht mal die Box zugemacht, einfach ins Taxi und weg. Sie hätte ihr wenigstens was zu futtern gebracht, aber konnte sie nicht mitnehmen Allergie bei ihrem Mann.

Mir ist beinahe schlecht geworden. Ich hab Minka gepackt, bin wieder rauf in die Wohnung und war einfach nur enttäuscht und wütend, dass Jana so drauf ist. Ich versuch, Jana zu erreichen keine Chance. Dann hab ich mir von meiner Mama die Nummer von Janas Mutter rausgesucht und einfach mal angerufen.

Stell dir vor, deren Mutter Monika war total munter am Telefon und sagte, sie hätte gar keine schweren gesundheitlichen Probleme. Im Gegenteil: Kannst froh sein, die Katze ist jetzt bei dir. Jana hat die eh nie richtig versorgt, die wollte nur mal was Besonderes haben für einen Insta-Post, hat dafür Geld von meinem Konto genommen und dann das Interesse verloren.

Also, kein Wunder, dass Minka so verwahrlost war keiner hat sich um sie gekümmert.

Naja, ich hab Minka behalten, ihr ein neues Katzenbett und ein paar Spielzeuge gekauft, neue Kratzbäume hingestellt. Nach einer Weile hat sie die Wohnung nicht mehr als Abenteuerpark betrachtet, sondern sich richtig eingelebt. Wir haben einen Deal gemacht: Ich fütter sie, kraule sie abends, und sie lässt meine Tapeten in Ruhe und macht keine Pfützen mehr auf den Boden. Funktioniert!

Mittlerweile hab ich auch wieder Zeit für mich. Und rate mal, wer ab und zu auf einen Kaffee vorbeischaut: Ein netter Kollege, Tobias heißt er. Minka mustert ihn noch kritisch aber sieht gut aus, könnte was werden.

Jetzt sag ich dir: Manchmal ist es besser, sich von bestimmten Leuten zu trennen, auch wenns weh tut. Jana ist für mich keine Freundin mehr. Ein Mensch, der seine Verantwortung für ein Tier einfach so abgibt und andere ins Chaos stürzt, gehört nicht zu meinem engsten Kreis. Minka und ich wir sind jetzt ein eingeschworenes Hamburger Team.

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Homy
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Du bist keine Freundin mehr für mich
Der Fluch – oder einfach schwanger? „Toni, warum bist du so schlapp in letzter Zeit?“, fragte die Nachbarin besorgt. „Du wirkst wie ausgewechselt, gesundheitlich nicht auf der Höhe.“ „Stimmt leider“, antwortete die siebenundvierzigjährige Antonia, „ich habe zu nichts mehr Lust – selbst meinem Mann gegenüber schäme ich mich.“ „Du bist irgendwie noch du – aber eben anders. Hör mal, Toni, vielleicht ist das ein Fluch? Mir ist sowas mal passiert, da hat meine Oma Anni Wachs über mir gegossen.“ „Und hat das geholfen?“ „Und wie! Erinnerst du dich noch, damals hat sie doch auch mit dir zusammen die Kinder behandelt.“ „Ich frage mich, woher soll so ein Fluch denn kommen?“, wunderte sich Antonia. „Na bei uns im Dorf laufen doch ständig fremde Leute umher. Neulich erst gingen sie von Haus zu Haus und verkauften bunte Tagesdecken – fremde Gesichter, dunkle, neidische Blicke, die könnten einen schon verhexen.“ „Aber die sind doch gar nicht ins Haus gekommen.“ „Dann überlege, ob du vielleicht jemandem auf die Füße getreten bist – vielleicht ist jemand aus Stefans Familie auf dich schlecht zu sprechen?“ „Red keinen Unsinn! Stefan und ich leben im besten Einvernehmen, seine Verwandten begegnen mir immer freundlich.“ „Na, dann musst du selbst nachdenken, meine Liebe. Aber es klingt schon nach Fluch.“ Antonia seufzte schwer und machte sich auf den Weg zu Oma Anni, um sich den Fluch abnehmen zu lassen. Auch Anni war schnell überzeugt: Antonia sei verflucht worden, und begann sogleich, das Ritual zur Fluchbefreiung vorzubereiten. „Du kommst ein paar Mal zu mir“, bestimmte sie. Doch alle Wachsgüsse halfen nichts – Antonia fühlte sich genauso schlecht wie zuvor. *** „Irgendwie wirkst du beruhigter, Antonia“, stellte Frau Dr. Maria Zimmermann fest, während sie ihre Patientin musterte. „Zeig mal den Bauch. Du meinst also, du bist verflucht? Du bist doch eine gebildete Frau, Antonia! Was für ein Fluch, das ist eine Myom.“ „Das hat mir gerade noch gefehlt…“, stöhnte Toni. „Gerade bringen sie mir das Enkelkind, und jetzt kommt da so ein Myom.“ Am nächsten Morgen nahm sie früh den Bus. „Wenn’s kein Fluch ist, dann eben ein Myom“, dachte sie, „irgendetwas muss es ja sein.“ Dr. Olga Weber untersuchte Antonia gründlich, die ihr ausführlich von ihrem schlechten Befinden berichtete und dass sie sich schon gefragt habe, ob sie verflucht sei. „Du glaubst an einen Fluch?“, fragte Olga lächelnd. „Dein Mann hat dir wohl eher einen Fluch eingebrockt.“ Je breiter das Lächeln der Ärztin, desto größer wurde Antonias Verblüffung. „Das ist eine Schwangerschaft, kein Fluch und keine Myom. Hättest du nicht eher kommen können? Stattdessen holst du dir im Dorf Diagnosen ein und glaubst an Zauberei!“ Einen Moment lang konnte Antonia kein Wort herausbringen. „Frau Dr. Weber, ist das wirklich wahr? Vielleicht ist da ein Irrtum?“ „Irrtum? Das kannst du deinem Mann erzählen. Du hast alle Chancen, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Oder willst du das nicht?“ „Doch, natürlich… Es ist mein Kind, natürlich will ich das“, stammelte Antonia, „nur – was sage ich den Großen, unser Enkel ist doch schon da.“ „Das ist jetzt deine Sache. Ich leite dich für die Untersuchungen weiter – und wenn du dich entschieden hast, machst du zuhause keine schweren Arbeiten mehr!“ Antonia kam immer noch ungläubig nach Hause und konnte kaum fassen, dass sie zum dritten Mal Mutter werden sollte. „Stefan“, rief sie ihrem Mann zu, der an der Garage herumschraubte, „ich bin schwanger.“ „Wie bitte?“ „Na, ich bekomme ein Kind.“ „Heilige Mutter!“, setzte sich Stefan fassungslos auf die Treppenstufe. „Du hast doch erzählt, das sei ein Myom, davor war’s ein Fluch…“ „Da siehst du’s – kein Myom!“ „Und was machen wir jetzt?“, fragte er. Antonia schwieg und sah ihn an. „Wo zwei Kinder sind, ist Platz für drei!“, lachte Stefan. „Krieg das Kind, wir kriegen das schon hin.“ „Und was sagen wir den Großen?“ „Die Wahrheit: Sie bekommen ein Geschwisterchen.“ *** Im Planungsbüro fiel diese Frau immer durch ihre Liebenswürdigkeit und Ausstrahlung auf – sowohl im Gespräch als auch äußerlich war sie eine angenehme Erscheinung. „So war das damals“, erzählte Liebe-Stefanie lachend, „erst dachten alle an einen Fluch, dann an ein Myom – aber am Ende war es… tja, da kam ich auf die Welt. Danke, Mama!“ Und es ist wirklich erstaunlich: So schön, so geliebt – und vor vielen Jahren vollkommen „ungeplant“ auf die Welt gekommen.