– Mein Mann lädt mich ein, gemeinsam mit ihm zu gehen.

Mein Mann will, dass ich mitkomme.
Sieh mal, Bärbel, ist das etwa deine Schwester Hedwig, die da läuft?

Wir kamen gerade erschöpft und verschwitzt vom Heuern zurück. Uns entgegen hastete Hedwig, meine 14-jährige kleine Schwester, barfuß im hellen Sommerkleid, ein Kopftuch lose um die Schultern geworfen.

Hatte etwas zu Hause passiert?

Bärbel, Bärbel! Sie war außer Atem, zog mich am Arm, blieb stehen. Der Hans ist da! stieß sie hervor.

Was? kam es mir wie von selbst über die Lippen.

Wir verstanden uns ohne Worte und gingen direkt zum Brunnen. Hedwig schmiss den Eimer hinab und drehte spielerisch die Kurbel.

Schnell nahm ich mein Tuch ab, tauchte Hände ins kühle Wasser, spritzte mir ins Gesicht. Meine Schwester drückte mir ihr Tuch in die Hand, damit ich mich abtrocknen konnte. Ich band es um und betrachtete sie, unser Spiegelbild im kühlen Wasser.

Und? Was ist los?

Es ist alles gut, murmelte Hedwig und rückte mein Tuch zurecht. Er hat gesagt, er holt dich ab. Sie haben ihm eine Wohnung gegeben.

Eine Wohnung…, wiederholte ich leise. Und zu Hause?

Wir machten uns auf den Heimweg.

Ach, die Mutter war im Stall, hat ausgemistet, und ich war mit den Kühen draußen. Nur Oma war da… begann Hedwig zu plappern, und dann ist er direkt ins Haus. Überall noch Zwiebelschalen in der Diele. Die Oma hat ihn erst gar nicht erkannt, dachte, das sei der Nachbar, der wegen dem Ofen kommen wollte. Und Mama hatte wieder Sorgen, dass alles unaufgeräumt ist. Aber Hans du, Bärbel, ganz sauber, Stadtmensch eben, Hemd mit Karos Und nun… Hedwig blieb auf dem Trampelpfad abrupt stehen, ich wäre fast in sie hineingelaufen, Bärbel, du gehst jetzt, oder? In ihren blau-grauen Augen schimmern Tränen. Und ich… bleib allein zurück?

Ich wurde etwas rau zu meiner Schwester. So lange hatte ich darauf gewartet, und nun stellt sie sich so an.

Ach, gib Ruh, Hedwig! Spinn doch nicht! Ich bin doch verheiratet. Mein Mann holt mich jetzt…, antwortete ich streng.

Hedwig schniefte und trottete hinterher.

Ich hatte wirklich lang gewartet, über ein Jahr. Und nicht nur ich das ganze Dorf hat mitgefiebert, die einen mitfühlend, die anderen spottend und tuschelnd.

Oma schimpfte und wischte verstohlen mit der Schürze die Augen:

Ach, unser Kind. Nicht mehr richtig Jung, aber auch keine Witwe, und richtig verheiratet ja auch nicht…

Mama seufzte und schüttelte ratlos den Kopf. Vater schlug mit der Hand auf den Tisch:

Lass dich scheiden, und fertig! Was soll das für ein Eheleben sein!

Ich schrieb nachts Briefe an Hans, lief zur Post und hoffte.

Schreibst du immer noch? fragte Frau Vera, die Postfrau, zwinkerte einer Nachbarin zu, stempelte den Umschlag, Aber da ist nix für dich gekommen.

Ich weiß, sagte ich stolz und lief die knarrenden Treppen hinunter.

Hans schrieb selten, mochte das Schreiben nicht. In anderthalb Jahren vier Briefe. Was sollte er schreiben? Er meinte: Wenn ich die Wohnung bekomme, hole ich dich. Momentan lebte er in einem Männerwohnheim in Augsburg. Manche brachten ihre Frauen heimlich dort unter, teilten ein Zimmer mit Vorhängen ab. Nicht mit Hans er hielt das nicht für richtige Ehe. Erst nach der eigenen Wohnung…

Und wie ich heute beim Heuen aussehe! Rock voller Flecken, Großmutters alte Bluse und jetzt auch noch nassgeschwitzt. Dabei hatte ich mir so anders das Wiedersehen vorgestellt. Er würde mich sehen, ungewaschen und erschöpft Er ist jetzt ein Städter, die Frauen dort modern und elegant

Geh du zuerst rein, Hedwig, ja? Sag, ich muss mich umziehen, war ja auf der Wiese.

Gut, zieh das hellblaue Kleid an, das steht dir, wirklich.

Ja, das mache ich, mein Herz pochte, als Hans in Sichtweite kam.

Wir schlichen über den Gartenzaun, gingen in den Hof. Hedwig warf mir einen letzten Blick zu und betrat das Haus. Ich folgte zögernd. Mama mit ihrem Kopftuch stand am Herd, Wachsdecke auf dem Tisch. Am Tisch saß Hans. Er drehte sich lächelnd zu uns.

Da ist sie ja, meine Bärbel, rief Hedwig. Noch ganz verschwitzt, sie geht sich eben noch umziehen.

Ich hätte doch selbst reingehen sollen, dachte ich.

Bärbel! Hans stand auf, breit und sicher, Darf ich dich mal küssen?

Gleich, lass mich mich erst umziehen, stotterte ich, rot bis zu den Ohren.

In der Stille half mir Hedwig beim Umziehen, wir hörten in die Küche. Hedwig wühlte nach den Schuhen, murmelte aufgeregt: Ach, morgen erst ist Badetag…

Unsere Mutter redete und redete über die Arbeit, über ihre schmerzenden Beine ganz ungewohnt für sie. Es war klar, dass auch sie nervös war.

Hans hatte sich verändert, wirkte größer, fremder, nach Zigaretten und nach was ganz anderem Stadt eben.

Endlich inspizierte ich mich im Spiegel, trat aufgeregt in die Küche. Hans stand auf. Ich war keine auffällige Schönheit, aber in meinem blauen Kleid, mit dem langen dunklen Zopf und etwas verschämt ich wusste, manche Dorfburschen schauten mir nach. Gut, dass Hans mich da festgemacht hatte, ehe er in die Stadt ging.

Hans sah mich schweigend an, suchte nach Zigaretten.

So Mutter, ich hole jetzt die Bärbel ab. Bin respektiert in meiner Firma. Haben uns eine Wohnung zugeteilt

Es folgten hektische Tage. Alles musste eingepackt werden: mein Aussteuer, Betten, Handtücher. Oma, erst immer sorgenvoll, wischte sich Tränen und schimpfte:

Sie verlassen uns alle, die Jungen. Kein Halt mehr zu Hause.

Mama schnürte Stiefel an den alten Koffer, wickelte den Mantel fest, gab mir alles mit. Auch Hedwig malte Wehmut und Freude ins Gesicht ein Stück ihres kleinen Paradieses reiste fort.

Mir selber war alles surreal, ich schwebte vor Aufregung. Und keiner hatte geglaubt, dass Hans wirklich kommen würde. Doch dann kamen auch in meinem Leben rote Segel

Am Vorabend kamen alle zur Verabschiedung Nachbarsfrauen mit Tüchern, Freundinnen im Haus, draußen die Schwiegermutter.

Opa meckerte laut über diese Stadtleute.

Waltraud entschuldigte sich:

Sei nicht böse, Bärbel. Als ich damals sagte, Hans hätte eine andere Ich wusste eben, in Augsburg Da gibts solche Geschichten, Pola war neulich da

Ich lächelte.

Kein Problem, Waltraud. Ich wusste, dass er kommt. Schließlich sind wir verheiratet.

Hans half beim Gepäck, rauchte still mit den Männern.

Sei gut zu ihr, weinte Oma, Die Bärbel ist eine ordentliche, kann backen und kochen.

Von allen Seiten kamen Wünsche, Mutter stand lange am Fenster und winkte, auch als wir schon nicht mehr zu sehen waren.

Zur Bahn fuhren Vater und Hedwig mit, ein Loblied singender Lerche begleitete uns, es duftete nach Heu und wilden Blumen. Unterwegs murmelte Vater mürrisch: Pass auf die Bärbel auf.

Hedwig weinte offen. Ich hielt sie fest.

Komm mich besuchen, Hedwig. Die Wohnung ist groß, wenn du fertig bist mit der Schule, lernst du vielleicht in Augsburg

Komm du auch zurück, du, wenn was ist, ja?

Als der Zug abfuhr, winkten Vater im grauen Jackett und Hedwig mit flatterndem Tuch immer noch.

Außerhalb flogen Birkenhaine, Felder, Wälder und das strahlende, deutsche Sommerhimmel vorbei. Mir war bange und froh zugleich.

Hör auf mit Bärbel, meinte Hans, als die Nachbarin im Abteil mich fragte, Du bist doch Barbara jetzt, nicht Bärbel vom Dorf.

In Ordnung, flüsterte ich.

Jetzt war ich bereit, alles zu machen, was Hans wollte. Was wusste ich denn von der Stadt? Nichts…

Später dann fuhr uns ein Wagen durch enge Straßen Augsburgs, zwischen neuen Mietshäusern und Wohnblocks. Menschen bewegten sich auf den Bürgersteigen so andere Gesichter als zu Hause.

Alles faszinierte mich. Aber es war fremd und kühl, niemand kannte mich, und ich dachte, dieser Ort bleibt mir wohl immer etwas fremd.

Hans erzählte:

Siehst du, da ist das Werk, da arbeite ich. Drei Kilometer lang. Und dort die Schule wird neu gebaut. Siehst du die Schlange vorm Laden? Irgendwas gibts wohl Besonderes.

Wir luden im Hof ab, mit Sandkasten, Wäscheleinen, auf den Bänken zwei junge Mütter mit Kinderwagen, die uns keines Blickes würdigten. Hans trug alles vier Stockwerke hoch, ich wartete unten und hatte keine Ahnung, wie ich mit den Frauen ins Gespräch kommen sollte.

Sie ziehen wohl in die 35? fragte eine.

Ähm, ja, ich glaube Ich schaute verunsichert aufs Haus, Ich wohn hier frisch.

Klar, alle anderen Wohnungen waren schon bezogen. Warum kommen Sie erst jetzt?

Weiß nicht, sagte ich.

Hans kam und wir gingen zusammen nach oben.

Sind wir in der 35, Hans? Ich las Namen an den Briefkästen.

Genau, fragten sie das?

Ja. Sie wunderten sich, dass wir erst jetzt einziehen.

Ach, die sollen sich um ihren Kram kümmern. Und hör zu: das Kopftuch trägt man hier nur zur Arbeit. Zum Einkaufen geht das auch ohne! Klar?

Schon klar, murmelte ich und sah aus dem Fenster nach unten. Wie hoch das ist! Wie soll man hier leben?

Ich trat über die Schwelle. Der Boden, rotbraun gestrichen, Wände hell, alles noch leer und duftend nach frischer Tapete. Wir zogen die Schuhe aus und gingen zum großen Fenster.

Und, gefällts dir? Hans grinste.

Oh! war alles, was ich hervorbrachte. Solche Fenster hatte ich noch nie gesehen.

Komm mal raus auf den Balkon! Hans zog mich, ich blieb erschrocken in der Tür stehen. Ach, trau dich!

Ich bin zu schwer, Hans…

Quatsch, los! Er lachte.

Ich wagte es. Der Balkon hielt. Mir wurde schwindlig vom Blick hinunter, ins Häusermeer.

Komm, lass uns rein.

Die Küche alles weiß, Ofen, Kalt- und Warmwasser, Badezimmer gleich daneben. Sogar eine Gastherme! Hans zeigte mir alles, aber das Feuer machte mir Respekt. Warmes Wasser so einfach früher musste man den Kessel aufsetzen.

Später saßen wir auf dem Boden, lehnten an der Wand. Hans rauchte. Lang erzählte er, wie er an die Wohnung gekommen war.

Ich bring erst mal das Klappbett aus dem Wohnheim, später kaufen wir alles: Bett, Tisch, Kühlschrank. Dauert ein bisschen, aber Heute bleibst du allein. Zu zweit wirds auf der Klappcouch zu eng.

Mir wars recht, die Zukunft lag vor mir, modern und voller Möglichkeiten.

Bald war das Klappbett da, wir aßen Wurst und Brot aus dem Koffer, lachten viel. Es war alles aufregend und neu.

Als Hans weg war, tastete ich die Wohnung ab, die Küche, schaute aus dem Fenster. Lampen und Fenster leuchteten, das Leben brummte in der Stadt. Draußen fuhr das Leben nachts, mit all seinem Lärm, war es niemals still ganz anders als zu Hause.

Ich stellte mir vor, was sie zu Hause jetzt wohl machen. Oma hat sicher schon gebetet, Vater schläft, Hedwig liest wohl bei der Karbitlampe, Mama heizt für den Abend den Ofen und denkt an mich

Ich sah auf die vielen Fenster und dachte: auch mein Fenster wird eines Tages so sein, mit Blumen, Gardinen und allem Drum und Dran. Und irgendwann sitze ich vielleicht auch mit einem Kinderwagen im Hof und warte auf meinen Mann am Feierabend. So wenig braucht es zum Glück.

Wie hatte Oma immer gesagt? Der Weg zum Herzen geht durch den Magen. Die neue Küche, die Läden ich würde schon alles finden. Kuchen kann ich!

Die ersten Tage ganz allein in der leeren Wohnung, zwischen Taschen, Schlafsack und Klappbett waren beängstigend. Wie fremd war alles. Ich hatte Angst, selbst zum Bäcker zu gehen, mit Nachbarn zu reden…

Mit der Zeit lernte ich und wagte mich erste Male hinaus. Schon am zweiten Tag buk ich Kuchen, fand Milch und Mehl im Laden. Es klappte, auch wenn der Kuchen etwas dunkel wurde. Hans lobte später. Übernachten wollte er trotzdem noch nicht bei mir keine Zeit, meinte er.

Vater hatte mir Geld gegeben. Ich wollte Hans helfen, aber er wollte keine Möbel kaufen, schob das immer hinaus.

Also ging ich selbst los zur Möbelausstellung. Im Bus wurde ich angesprochen. Ein blonder, schlanker Bursche, Gregor, quetschte sich mit Aktenmappe neben mich.

Ganz schön eng hier, grinste er. Ich nickte. Ich muss in den Möbelladen, Sie auch?

Tatsächlich, dort gab es Betten zu kaufen. Ich berichtete Hans abends, er war kaum interessiert:

Ein Bett? Ich bin den ganzen Tag in der Arbeit und dann der weite Weg Ich bleib heute hier.

Ich meinte, vielleicht liegt es an mir ich machte halt das Beste draus. Am nächsten Tag fuhr ich wieder in die Stadt.

Wieder traf ich Gregor. Ohne Mappe winkte er und erkannte mich sofort wieder.

Ich muss eine Stehlampe kaufen! Sie auch fürs Schlafzimmer?

Ja, genau. Und Sie?

Auch, sagte er und wir lachten. Plötzlich erzählte er, dass er von einem Bauernhof bei Würzburg kam. Ich von unserem Dorf bei Memmingen.

Sind ja halbe Nachbarn! rief er aus und wir sprachen uns unsere Herzen aus.

Waren Sie mal im Wittelsbacher Park? fragte er plötzlich.

Noch nie.

Sie sollten hingehen, jetzt im Sommer ists da wunderschön.

Er war Student der Agrarwissenschaften, sein letztes Jahr.

Ich kaufte ein Bett und Zubehör, Gregor half beim Transport. Ich fühlte, dass ich ihm gefiel, darum sagte ich extra: Wir sind gerade zusammen umgezogen, mein Mann und ich.

Abends montierte ich alles selbst. Hans kam wieder nicht angeblich zu viel Arbeit.

Ich fragte mich, ob ich ihn interessant genug fand. Als Hans am Sonntag dann kam, baute er das Bett schnell zusammen und kaufte bei der Nachbarin eine gebrauchte Küche. Wir bauten alles auf. Aber wirklich ankommen wollte er nicht.

Warum schläft er im Wohnheim?, fragte ich. Ihm war es dort praktischer. Ich spürte: Die Wohnung hatte er eigentlich schon länger mit mir zog er ein, um sie nicht zu verlieren.

Jetzt sind wir hier gemeldet, das reicht, meinte er kühl.

Mir sagte das nicht zu, aber ich hakte nach kurzer Überlegung die Zweifel ab. Ich wollte lieber glücklich sein.

Bald schrieb ich an Zuhause, alles schön und voller neuer Annehmlichkeiten Bad, Küche, Vorhänge , aber Gregor ließ ich aus.

Doch wieder vergingen Tage, und er blieb weg. Ich deckte abends für ihn den Tisch, aber Hans kam und kam nicht.

Im Bus traf ich eines Tages wieder Gregor. Dieses Mal konnte ich mich kaum freuen, doch sein Blick ließ mich innerlich lächeln.

Bärbel, spazieren wir nicht durch den Park? Heute ist mein letzter Tag, morgen reise ich heim.

Nach kurzem Zögern nickte ich. Und dann wurde es ganz leicht ums Herz.

Wir liefen gemeinsam, er schwärmte über den Park, die Leute, die Bänke, Musik, Kinder, Fahrgeschäfte. Meine dorfgewohnte Seele flog auf.

Kommen Sie, mit auf die Kettenkarussell! Schon hatte er zwei Karten.

Ich stieg ein. Wir hoben ab.

Vielleicht ist das Leben selbst wie eine Karussellfahrt mal geht es rauf, mal runter, immer im Kreis.

Ich weiß nicht, auf welchem Kreis ich Hans sah. Er stand an einer Bude, hielt eine große, schlanke Frau in den Armen, sie alberte, lachte, drückte ihn. Verkäuferin…

Jedes Mal, wenn ich oben war, sah ich es wieder. Viermal, fünfmal Warum? Ich weiß es nicht.

Mir wurde übel.

Alles in Ordnung, Ms. Barbara? fragte Gregor besorgt.

Ich Ich will gehen, nuschelte ich und zog ihn von der Bude weg.

Noch auf der Allee hielt ich an, das Herz schlug wild.

Was ist los? Gregor wusste nicht, was geschah.

Hans kam gerade heraus, sie rief ihm nach: Hans, bring Brot mit!

Vielleicht erkannte er mich nicht. Ich wollte noch Eis kaufen, trat zu ihr an den Stand.

Zwei Eis bitte, sagte ich mechanisch.

Zweimal Sahne oder zweimal Vanille? strahlte sie.

Vanille, bitte, gab ihr einen Zehnmarkschein.

Sie gab mir das Eis und Wechselgeld.

Sie lassen da noch Geld liegen! rief sie freundlich nach.

Wir verließen den Park.

Gregor, wir sollten heimgehen, ja?

Bärbel du, können wir uns duzen? Immer dieses Sie

Nein, lieber nicht. Das wäre nicht ehrenhaft.

Was?

Ich bin verheiratet, schlendere mit einem anderen, esse Eis Das ist nicht richtig.

Er wollte widersprechen, gab dann aber klein bei.

Mit Tränen in den Augen drückte ich ihm das Eis in die Hand und lief weg.

Zu Hause stellte ich mich auf den Balkon, schaute über die Stadt. Ich wollte wegfliegen. Unten stand Gregor und sah zu mir herauf.

Ich stürzte auf die Matratze, weinte bitterlich.

Hans wird heute sicher nicht kommen. Er bringt einer anderen Frau das Brot.

Ich konnte nicht schlafen. Am nächsten Morgen griff ich mein Tuch, fuhr zur Adresse des Wohnheims.

Herr Faber? Der wohnt hier schon lange nicht mehr, der hat doch eine Wohnung bekommen, sagte die Empfangsdame. Wer sind Sie denn?

Ehefrau.

Sie starrte mich an und senkte die Augen.

Er hat hier nichts mehr zu suchen. Bei uns läuft das so: Wer eine Wohnung bekommt, schläft nicht mehr im Wohnheim. Und zu Freunden kann er nicht kommen, nein.

Mir war alles klar. Die Wohnung das war von Anfang an der einzige Grund.

Plötzlich hasste ich auch all die schönen Dinge: die Badewanne, den Herd, selbst das neue Bett.

Schnell packte ich meine Sachen. Die Hälfte ließ ich da ich schaffte so viel eh nie allein zum Bahnhof.

Ich fahre, weil ich dich mit einer anderen Frau gesehen habe. Ich bin abgemeldet, Schlüssel im Briefkasten, schrieb ich Hans.

Am Bahnhof wartete ich zehn Stunden auf den Zug. Aber das machte nun gar nichts mehr.

Zuhause, als ich über den Hof ging, war Hedwig die erste, die mich entdeckte.

Bärbel! Da bist du ja wieder! rief sie und umarmte mich fest. Unser Hund Strupp wackelte mit dem Schwanz.

Komm, hilf mir tragen! rief ich.

In Hedwigs Augen eine Frage.

Weißt du, er mochte meinen Namen nicht. Ich sollte nur Barbara gerufen werden. Aber ich kann es einfach nicht.

Hedwig sprang vor Freude, Juhu, Bärbel ist wieder daheim!

Mama verstand alles, als ich es leise erklärte. Papa brummelte, aber ich sah die Erleichterung in seinem Blick.

Oma wollte alles wissen vom warmen Wasser, der Badewanne, dem Herd.

Egal, wir kriegen auch mal ne Waschmaschine, sagte Mama.

Abends fragte sie im Flüsterton, ob ich vielleicht ein Kind erwarte. Ich schüttelte den Kopf.

Im August kam Hans zum Scheidungstermin.

Musst du gleich alles wegwerfen, Bärbel? Du hättest ein gutes Leben gehabt. Komm doch zurück.

Nein, danke, Hans, und trat ins Standesamt.

Nachher, als wir draußen waren, warf er zornig seine Zigarette hin.

Du bist dumm, Bärbel. Jetzt sitzt du wieder am Ofen und drehst den Schweinen die Schwänze.

Das kannst du ja, entgegnete ich und ging zu Vater, der schon wartete.

Und? fragte er, aber wir beide wussten, dass er froh war.

Alles gut, Papa.

Anfang September, ein Nieselregen, öffnete Hedwig mit einem Schirm die Hoftür, in der Hand Schulmappe. Der Hund bellte, sie rief:

Bleib ruhig, Strupp! Komm, herein! und hinter ihr trat Gregor in den Hof.

Grüß Gott! Bärbel ist auf’m Feld, sagte Hedwig, hielt den Schirm. Sind Sie Gregor, stimmts?

Ja, woher wissen Sie

Ich wusste es! Hedwig lachte, Sie werden sie finden. Und sie wird sich freuen. Kommen Sie rein, wir warten gemeinsam, trinken Tee, erzählen.

Ich freue mich sehr, sagte Gregor, ich habe direkt nach ihr gesucht.

Und sie freut sich auch, ganz bestimmt. kicherte Hedwig.

Und so begann das neue Leben.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: