Weibliche Freundschaft: Die unzertrennliche Verbindung zwischen Frauen

**Tagebucheintrag: Frauenfreundschaft**

Mit Katharina bin ich seit der Schulzeit befreundet. Genauer gesagt seit der siebten Klasse, als sie in unser Viertel zog. In der Klasse hatte ich keine Freundinnen. Die meisten Mädchen scharten sich um die Schulschönheit Luisa Meier, deren Vater Professor war. Der Rest, wie ich, blieb unabhängig.

Ich beugte mich nicht vor Luisa, stritt aber auch nicht mit ihr Neutralität war meine Strategie. Während Luisas Clique die Neue musterte, nahm ich Katharina unter meine Fittiche. Natürlich klärte ich sie über Luisa und ihre Mitläuferinnen auf.

Warum bist du allein? Rebellierst du?, fragte Katharina.

Nein, ich bin einfach ich selbst. Mir gehts gut so. Aber du musst dich entscheiden. Wenn du mit ihnen befreundet sein willst, nehme ichs dir nicht übel.

Katharina entschied sich für mich. Wir wurden nicht gemobbt, nur übersehen. Ich zeigte ihr die Schule, erklärte die Lehrer und Klassenkameraden. Kurz: Ich führte sie ein. Übrigens wurde die Professorentochter keine Akademikerin ich sah sie später in einem Boutique-Laden. Sie tat, als kenne sie mich nicht.

Katharina machte bessere Noten als ich und war schöner zumindest in meinen Augen. Als Teenager war ich nie zufrieden mit meinem Aussehen: zu dick, zu kurze Beine, die Haare widerspenstig. Ein hässliches Entlein. Katharina dagegen hatte glatte, blonde Haare, blaue Augen, eine perfekte Figur.

Erst Jahre später gestand sie mir, dass sie mich damals beneidet hatte.

Wir wurden unzertrennlich. Sogar der Studienwunsch war gleich bis ihre Mutter sie für BWL überredete, während ich Ärztin werden wollte. Keine gewöhnliche, nein, Chirurgin!

Wir stritten uns, schwiegen drei Tage, versöhnten uns dann. Jede ging ihren Weg, doch die Treffen wurden seltener. Wenn wir uns sahen, redeten wir stundenlang.

Im zweiten Semester verliebte Katharina sich in einen Kommilitonen. Ich hatte andere Sorgen Latein und Anatomie ließen mir nicht viel Zeit für Romantik. Im dritten Semester machte sie eine Abtreibung. Ihre Eltern wussten nichts. Im vierten wurde sie wieder schwanger. Der Typ gefiel mir nicht, aber sie hörte nicht auf mich. Ihre Eltern sorgten dafür, dass sie heiratete.

Im sechsten Semester merkte ich, dass Chirurgie nichts für mich war. Gastroenterologie war ruhiger. Zwei Jahre sah ich Katharina nicht, bis wir uns zufällig trafen. Sie war rundlicher, fast wie ein zweites Mal schwanger. In ihrem Kinderwagen saß ein Mädchen in Rosa. Sie bemerkte meinen Blick und bestätigte: Ja, ich erwarte wieder ein Kind. Mein Mann will einen Jungen.

Sie war erstaunt, dass ich noch allein war. Ich habe dich in der Schule beneidet, gestand sie. Ich fühlte mich unscheinbar, wollte unbedingt heiraten aus Angst, niemand würde mich wollen.

Ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes verließ ihr Mann sie. Er nannte mich fett, eine Kuh. Er sagt, ich hätte ihn mit den Kindern gefangen. Sie weinte, sah verloren aus.

Warum hast du nichts gesagt? Ich hätte dir geholfen, schimpfte ich.

Du bist schön und immer noch allein, konterte sie bissig.

Ich nahm es ihr nicht übel.

Ihr Sohn Nikolaus ging in die Schule, ihre Tochter Lisa interessierte sich für Jungs. Ich hatte gelegentlich Beziehungen, aber nichts Ernstes. Ich machte mir nichts daraus so war es halt.

Dann kam die Dreitageskonferenz in München. Unter den Teilnehmern fiel mir ein Mann auf Alexander. Wir saßen sogar im Restaurant am selben Tisch. Er erzählte von einer neuen Klinik in unserer Stadt.

Soll ich das Angebot annehmen?, fragte er.

Das müssen Sie selbst entscheiden, antwortete ich neutral.

Am letzten Abend gab es einen Empfang. Wir unterhielten uns, tranken Wein. Als ich gehen wollte, wurde er abgelenkt. Ich verließ ihn ohne Abschied. Vielleicht mochte er mich, aber er fragte nicht nach meiner Nummer. Pech gehabt.

Zwei Monate später lud Katharina mich ein. Sie strahlte, hatte abgenommen. Ich habe einen Mann kennengelernt, schwärmte sie. Ich sah plötzlich Alexander vor mir.

Er arbeitet in der neuen Klinik.

Ich dachte, du bist bei der Bank?

Schon lange nicht mehr. Die Klinik zahlt besser. Sie erzählte, wie er sie nach Hause fuhr, Tee trank und sie hoffte, mehr daraus zu machen.

Wie heißt er?, fragte ich, obwohl ich es wusste.

Alexander Olchowski.

Mir war, als hätte mich eiskaltes Wasser getroffen. Zufall? Ironie des Schicksals? Katharina träumte laut: Ich lade ihn zum Geburtstag ein, und dann

Und er ist nicht verheiratet? Seltsam. Vielleicht stimmt was nicht?

Du bist nur neidisch, lachte sie. Ich heirate ihn.

Ich ging früh, traf Alexander vor der Tür. Er gestand, er sei nur wegen mir hier. Ich wollte Sie in München ansprechen aber ich war unsicher.

Katharina rief mich wütend an: Was fällt dir ein? Du hast mir den Mann weggeschnappt!

Wir stritten wie Schulmädchen. Plötzlich bat sie: Lass ihn mir. Du bist schön, du findest noch jemanden. Für mich ist das vielleicht die letzte Chance.

Ich sprach mit Alexander. Sie ist meine Freundin. Ich will keinen Streit.

Eine Woche später kam Katharina. Wir haben geredet. Er mag dich. Ich war eifersüchtig, aber gewaltsam lässt sich Liebe nicht erzwingen.

Wir weinten, versöhnten uns.

Alexander und ich wurden ein Paar. Er machte mir einen Antrag. Katharina kam zur Hochzeit mit einem neuen Mann. Ich wurde schnell schwanger. Endlich.

Wir blieben Freundinnen, keine Rivalinnen. Jede fand ihr Glück. Die Freundschaft hielt trotz allem. Man sagt, Frauenfreundschaft endet nur beim ersten Mann. Unsere nicht.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: